Blogito ergo sum stimmt nicht

Ich bin. Ich bin, also bin ich. Ich bin Mensch, also bin ich. Ich denke, also bin ich. Ich fühle also bin ich. Erst recht. Ganz und gar.
Ich blogge, also bin ich? Gute Frage. Denn irgendwo ist mir die Lust abhanden gekommen. Sie ist unterwegs urplötzlich stehen geblieben. Dort draußen irgendwo. Wie ein kleines Kind, das Lust auf dies und das aber nicht auf jenes hat. Bei der Wiese vielleicht. Sitzt nun dort und füttert die Kühe auf dass sie Milch geben. Sitzt dort, genießt die Sonne. Recht hat sie. Ich suche sie und setz mich zu ihr, so mein Plan.
Oder:

  • Ich hänge Bilder auf, also bin ich. Also wohne ich. Gestern habe ich endlich die letzten Bilder aufgehängt. Endlich bin ich hier zuhause.
  • Ich habe Geld auf dem Konto, also bin ich.*
  • Ich lese, also bin ich. Ich lese grad den Geschichtenerzähler des Peruaners und Literatur-Nobelpreisträgers Mario Vargas Llosa. Ein Buch, das mich ins Peru der Achziger und der Fünfziger versetzt. Anderes Land, andere Zeit. Tut gut, sich ab und zu hier wegzubeamen. Danke, FF! 🙂
  • Ich reise, also bin ich. Täglich reise ich mit Irgendlink um die Nordsee, immer ein bisschen weiter.
  • Ich lebe, also bin ich. Dieses Leben da draußen – ich will es wieder mehr am eigenen Leib erfahren. Wahrnehmen, deuten, erkennen, erleiden manchmal, reflektieren.
  • Ich schreibe, also bin ich. Auch ja. Aber noch viel mehr …

Ich blogge, also bin ich? Öhm, dazu müsste ich erst die Lust wiederfinden. Und dann? Vielleicht. Falls nicht, dann nicht.
Mal gucken, ob die Lust Lust drauf hat …
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Halt, verschrei‘s nicht, Sofasophia, das Geld ist noch nicht da!
Jaja, schon gut. Aber bald! Was war das jetzt doch wirklich der pure Horror, zwei Wochen lang, weil sich die Zahlung meiner Arbeitslosenentschädigung täglich verzögert hat. Niemand wusste genau wieso, aber meine Daten sind falsch erfasst worden, nämlich so, dass die Kasse keine Zahlung vornehmen konnte. Falscher Status. Gestern endlich, nach hartnäckigem wiederholtem Anrufen und Mailen hatte ich die richtige Person am Telefon. Die gute Frau informierte mich genau über die Untersuchungen des Falles und fand schließlich den Fehler: Ich habe vom deutschen Arbeitsamt das falsche Übertrittsformular erhalten – aufgrund mangelnder Information und Missverständnissen. So war ich falsch – im Sinne des Formulars aber richtig – angemeldet gewesen. Wie so eine Fehlerbehebung doch glücklich macht!

0 Gedanken zu „Blogito ergo sum stimmt nicht“

  1. Diese Phasen gibt es leider. Leb‘ sie aus, man muss ja nicht immer bloggen, irgendwann kommt die Lust wieder, ganz bestimmt. Einfach, weil Bloggen eine Art Persönlichkeit voraussetzt, eine, die andere erreichen will. Und der Wunsch kommt immer wieder, denke ich. Ich bin seit Wochen nicht mehr so richtig glücklich mit dem Bloggen. Fühle mich wie Akeem, weil ich denke, ich müsse mich ständig unterdrücken …

    1. ach ja, aber das leider lassen wir weg, weil, wir leben ja immer in irgendwelchen phasen drin. wie du schreibst. zyklen. rhytmen.
      was wichtig ist, kommt wieder.
      danke für deine zeilen!
      herzliche grüsse
      soso
      pd: ich habe es mir schon gedacht, dass akeem dir seelenverwandt ist.

  2. es kommt und geht, manches bleibt, anderes verabschiedet sich für immer… aber ganz ehrlich, ich glaube nciht, dass es die bloggerei sein wird ;o)
    das kind aber möchte vielleicht gerade lieber durch die wiesen stromern, die duften gerade soooo schön- das finden die kühe und stiere und ihre kälbchen auch grad… sie spielen nachlaufen ;o)
    herzlichst
    Li Ssi

  3. ja, ich balanciere mit „bloggen“ und „schreiben“ – ohne schreiben kann ich nicht sein. aber was ist mit bloggen? was steht hinter diesem exhibitionistischen drang, meine gedanken zu teilen? hm. ja. meine gedanken spielen wie die kälbchen. fangen spielen sie und rennen weg.
    gute nacht, du liebi 🙂

  4. Gedanken teilen zu wollen ist ja erst einmal menschlich und weniger exhibitionistisch- je weniger wir dies während der Alletage können, suchen wir (also die Menschen) nach anderen Möglichkeiten. Foren und Bloghausen sind eine Antwort darauf… denke ich gerade am frühen Morgen…
    liebgrüßt Li Ssi

  5. Wenn man das schon lange macht- das bloggen- wird es wohl auch Gewohnheit. Du hast ja jetzt auch etwas nDruck, weil Du Dich um Irgendlinks kümmerst.
    Die Sache mit dem nicht ankommenden Geld, das gebraucht wird, kenne ich auch- habe damals doch richtig geflucht.

  6. Denk mal an die Etagère, auf jeder Etage eine andere Ausdrucksmöglichkeit. Mal oben, mal mitten, mal unten knabbern. Was nicht schmeckt, bleibt halt liegen. Es wäre aber schade, wenn Du die Bloggerei ganz liegen ließest.:-)

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