Wir brauchen die Gewissheit, dass das Leben heute und morgen mindestens gleich gut oder besser ist als gestern um weiterleben zu wollen, sagt sie, morgens im Bett,
Ist das nicht der kapitalistische Wachstumsgedanke?, sagt er.
So gesehen schon … Ich meinte allerdings in erster Linie den Zufriedenheitsfaktor mit gleich oder besser. Beim Kapitalismus wäre sowieso „gleich gut“ schon ein Rückschritt, sagt sie. Das Leben jeden Tag neu anfangen als Schöpferin meiner Zufriedenheit. So wird jeder Tag zum Geburtstag.
Gefällt mir.
schön. danke.
Kapitalismus wird ja nur von seinen Kritikern als schlecht angesehen. Hm … Eigentlich wissen wir doch, dass mit wachsendem Alter das Leben schwieriger wird, dass das Altern an sich schon das Leben „stört“, nicht nur wegen der Gebrechlichkeiten, sondern wegen der ganzen Verluste. Man verliert immer mehr Menschen. Das wissen wir, und dennoch leben wir weiter.
eigentlich schön doof, dass wir das altern und reifen als störfaktoren wahrnehmen, nicht? wir verlieren vielleicht menschen, aber wir gewinnen auch – im guten fall – weisheit und erkenntnisse.
kapitalismus ist für mich nicht einfach nur schlecht, aber da, wo es um ausbeutung geht, da schon.
ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen wachstum, ausser wenn es menschenfeindlich und anorganisch ist. gesundes wachstum von der natur zu lernen und auch fülle zu beobachten, das ist mir dieses jahr total wichtig geworden. vielleicht ein wachstumschritt in mir?
die natur macht es uns vor.
Ich weiß nicht, ob es „blöd“ ist, oder ob dieses Erlebnis von Begrenztheit und Einschränkung uns auch beibringen kann, besser mit uns umzugehen. (und ob das nicht einfach sehr natürlich ist!) Aber m.E. wiegen Weisheit oder Reifheit die Verluste nicht auf, ich empfinde die Verluste – vermutlich auch, weil ich sie immer wieder zu früh erlebt habe – als einen viel zu hohen Preis. So sehr, dass ich selber oft den Wunsch hegte, doch nicht so alt zu werden, damit sie nicht immer wieder auftauchen. Und dass mit dem Alter einige schlimme Krankheiten kommen können (aber nicht müssen), macht es vielen auch nicht besonders leicht, das Altern als etwas Tolles anzusehen, das ohne Sorge und Angst einhergeht. Vor allem, wenn man sich Gedanken darüber machen muss, ob man alleine sterben wird oder doch noch seinen Partner hat, ob man lange ohne ihn sein muss oder die Kinder doch einmal ein Auge auf einen werfen. Ich kann bei diesem Thema nicht mehr so gut verdrängen. Das würde ich quasi als Defekt meines Psychoimmunsystems sehen, aber so ist das nun einmal.
dass weisheit und reife unsere verluste aufwiegen könnten, nein, denke ich auch nicht. das sind für mich auch ganz verschiedene „obstsorten“ – würde jetzt mein mathe-lehrer sagen. (du kannst nicht birnen und erdbeeren addieren, sagte er auch.)
ich versuche, das, was ist und das, was sein wird, allmählich positiver zu sehen als bis anhin, denn wenn das, was mir noch bevorsteht, nicht mindestens so gut (oder eben besser) ist als das vergangene (nicht im materiell-oberflächlichen sinn gemeint, sondern umfassender), wozu soll ich dann weiterleben? (mit irgendetwas muss ich mir doch mut machen, weiterleben zu wollen.)
ich meine: etwas sinnstiftendes muss es geben, damit wir morgens aufstehen und leben wollen. sei es die liebe des liebsten. sei es die berufliche herausforderung. sei es was immer …
nur leben, weil mein physisches herz klopft, reicht mir nicht.
„gut oder besser“ meint hier wie ich schrieb: innere zufriedenheit, ein immer umfassenderes ja zum leben, auch zu dem, was früher war, zu allen verlusten, zu allen dramen. nicht weil ich diese mag, sondern weil ich nicht zufrieden leben kann, wenn ich sie immer ausklammere, immer verneine, immer verdamme.
um leben zu können brauche ich dieses ja, dieses es-ist-gut-wie-es-ist. nenn es selbstverarschung, nenn es illusion … es ist einer von vielen möglichkeiten, das leben zu ertragen.
ob du ahnst, wie ich es meine?
Deine Einstellung ist auf jeden Fall gesund und besser als meine, liebe Soso. Du hast da in keinster Weise irgendetwas Falsches „gedacht“. Aber es ist so, dass man um diese Einstellung beim Altern ein wenig „kämpfen“ muss – oder wie du sagtest – es „versuchen“ muss. Nicht nur im Alter, sondern wenn man als junger Mensch eben an jene Tage denkt, an denen man alt wird.
Ich sehe natürlich im ersten Impuls auch positiv in die Zukunft, damit es sich lohnt, weiterzuleben. Wenn ich aber durch Beiträge oder Artikel dazu angehalten werde, näher darüber nachzudenken, wird mir etwas bang. Es geht nämlich für mich auf jeden Fall mit Verlust einher. 🙁
oh, ja, so gehts mir auch. ich muss mich sozusagen immer wieder austarieren und nullen wie eine balkenwaage, damit ich das kann …
danke für dein mitdenken hier!
Liebe Soso, liebe Sherry,
Eure Betrachtung zum Altern und Reifen hat in mir gerade, als ich über meine eigene Haltung dazu nachdachte, eine Erinnerung ausgelöst, die ich jetzt so anstupsend fand, dass ich darüber nachdenke, etwas dazu zu schreiben. Mal sehen, ob es mir gelingt. Ich danke Euch,
herzliche Grüße, mb
da bin ich gespannt darauf. du weisst ja, ich mag deine texte sehr.
danke für deine rückmeldung, liebe mb!
Wer hindert dich daran jeden Morgen Zufriedenheit zu leben?
Und: Ist Leben nicht an sich nicht Sinn genug zu leben?
zum ersten: ich manchmal, mit meinen sinnfragen, dem fokus auf das elend anderer/kriege/katastrophen oder auf eigene verluste und unzulänglichkeiten (nicht aktuell, aber das kommt vor).
zum zweiten: nein, eben nicht. das wäre mir vermutlich zu einfach … (obwohl ich es vielleicht möchte?)
danke der nachfrage. 😉
1) Auf die „Erkenntnis“ ICH wollte ich hinaus. 🙂
Wir sind diejenigen die unser Leben bewerten und schon Voltaire hat gesagt:“Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.“ So heißt der erste morgendliche Beschluss immer: Heute bin ich glücklich, komme was da wolle. 🙂
2) Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, ohne ständig die Frage nach dem Lebensinn zu stellen, lebe ich leichter und stressfreier. 🙂
Liebe Grüße in den Tag, Szintilla
1) dacht ich mir 😉
2) ohne irgenwann so etwas wie eine grundsätzliche (wenn auch wandelbare) antwort gefunden zu haben, geht das bei mir nicht. glücklich die, bei denen das geht?! (aber eigentlich will ich nicht tauschen!)
Ich bekam diese Antwort durch ein sehr einschneidenes Erlebnis, seitdem lebe ich anders. Ohne das hätte ich es auch nicht geschafft.
Herzliche Grüße, Szintilla
das freut mich für dich …
danke fürs teilen!
Manchmal empfinde ich: Das Alter ist ein Massaker.
Das meinte mal jemand.
Dem suche ich zu entfliehen, was immer noch gut gelingt- und zwar in der Natur, im Schlaf, in der Badewanne, in der Liebe, im Schreiben, in der Kunst, den Träumen………….
Verstehste?
ja, diese fluchten gelingen mir zurzeit auch sehr gut. in der natur mit dem liebsten da bin ich wohl am glücklichsten – und auch am „ganzesten“ wohl auch, so dass es eine „flucht zu mir ist“ – und solange das auch heute und morgen möglich ist, lebe ich gerne (siehe im artikel oben).
danke!!!
wir verlieren ja nicht nur, es kommt ja auch immer wieder neues dazu und abschiede können auch erleichtern und befreien.
genau,
noch ein aspekt „pro zukunft“!
daaanke.
Sehr interessant, Eure diversen Kommentare zum Leben und Älterwerden…ich schliesse mich im Grossen und Ganzen dem an, was Du sagst, liebe „Soso“, und wenn ich einen schlechten Tag habe, versuche ich nicht zu vergessen, dass ich in jeder Lebensphase schlechte Tage hatte, und die wohl anscheinend zum Leben (zumindest meinem) dazugehören.
Mit freundlichen Grüssen,
Jan S. Kern
willkommen hier, lieber jan, und danke für deine inputs zum älterwerden. das ist das schöne am reiferdenken und -fühlen: wir relativieren unsere erlebnisse und bringen sie in zusammenhänge, die in jungen jahren nicht möglich wären.
auf wiederlesen hier!