Den Spruch im Titel habe ich das erste Mal gehört als ich vor etwa fünfundzwanzig Jahren, als junge Buchhändlerin, eine Weihnachtsaushilfe übernehmen sollte. Die Geschäftsführerin sagte ihn bei den Lohnverhandlungen. Ich hatte mich vermutlich mal wieder unter meinem Wert verkaufen wollen und wir haben uns vermutlich irgendwo geeinigt; wo habe ich natürlich längst vergessen. Die Stelle war wohl ziemlich stressig, so meine Erinnerung, und ich habe vermutlich einen okayen Lohn bekommen. Ist lange her und bereits sepiafarben im Erinnerungsschublädchen irgendwo in meinem Kopf abgelegt.
Ich gehöre ja zu denen, die am liebsten alles gratis hergeben würden. Und ja, ich gehöre auch zu denen, die am liebsten alles gratis bekommen würden. Dann wäre mir das doofe Geldding nicht immer im Weg. Es bräuchte in meiner utopischen Welt keine Währung und alle hätten alles und Zugang zu allem. Auch alle Ideen wären frei. In meinem Utopia gäbe es weder Neid noch Vergleiche, weil wir dazu keinen Grund hätten, dafür gäbe es ganz viel Solidarität. Leute, die allein sein wollen, würden in Ruhe gelassen und nicht zum Miteinander gedrängt. Andere, die lieber nicht immer alleine wären, fänden Anschluss an Gleichgesinnte. Undsoweiterundsofort. Und ja, natürlich, würde es allen gut gehen und alle wären zufrieden und freigebig.
Steckt womöglich hinter meiner fixen Alles-gratis-Idee der Gedanke, die Angst gar, dass meine Produkte –Texte, Bilder etc. – sowieso nicht markttauglich, nicht gut genug, für andere sowieso nicht interessant und sowieso wertlos sind (siehe Titel)? Und ist, was kostenlos ist, wirklich weniger wert als was kostet?
Wir Bloggerinnen und Blogger verschenken immer wieder ganz viel unserer Zeit, ganz viel Herzblut, ganz viel Arbeit, ganz viel Energie, Wissen, Können, Wollen, Freude, wenn wir einen Blogartikel schreiben. Wir tun das in erster Linie, weil wir es gerne tun. Weil wir das tun wollen. Weil wir denken, etwas zu sagen zu haben manchmal sogar und weil wir womöglich auch ein Quäntchen Sendungsbewusstsein in uns drin haben. Dennoch ist es grundsätzlich so, dass wir teilen, dass wir verschenken. Ich jedenfalls.
Heute fand ich ein Blog mit einer Paywall, einer Zahlschwelle. Eigentlich keine schlechte Idee. Wer einen Monat Zugang will, zahlt 4.99 €. Die ersten drei Tage sind gratis. Ambivalent ist es dennoch. Wird das die Zukunft sein? Wird es bald zwei Blogklassen geben, die wertlosen, kostenlosen und die kostbaren, bezahlten?
Ihr alle hier, die ihr dieses Blog lest, sagt mal gaaanz ehrlich: Würdet ihr – rein hypothetisch – für kommende Artikel zahlen, falls es sie auf einmal nicht mehr gratis gäbe?
Ich bezweifle es. Ihr würdet das Blog einfach nicht mehr besuchen. Oderrr?
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Pssst, allfällige materielle Dankeschöns fürs mein diesjähriges Blogherzfutter sind zurzeit hoch und herzlichst willkommen. Hier lang gehts zum Spendensparstrumpf. Das Passwort gibts hier (Mail an mich).
Ist zwar nur ne hypotetische Frage und ich lese hier wirklich gern, wenn ich Zeit dazu habe, aber nein, ich würde keinesfalls bezahlen. Beim Bloggen und Lesen geht es mir um den freien Meinungsaustausch. Und der wäre nicht mehr frei. Ich würde dann nur noch wertlose, kostenlose Blogs lesen. Ja.
Pssst, so denke ich auch. Und beim Wort wertlos hörte ich ein leises Kichern. Warst du das? 😉
Danke dir!
Ich ganz wirklich ganz leise gekichert.
Es geht mir wie euch … nee, nicht dafür, aber für ein Buch von einer Bloggerin/einem Blogger, ein Bild etc. oder als Reiseunterstützung schon!
liebe Grüsse
Ulli
Danke dir.
Im Rahmen von beispielsweise flattr und im Cent-Bereich würde ich für gelesene Artikel zahlen.
Oh, danke. Ich nehme das jetzt ein bisschen als Wertschätzung für meine Artikel. 😉
(-: So ist es.
Dankeee!
Um ehrlich zu sein, ich wüsste es nicht sicher. Ich folge einem Blog, der die artikel am 1. Tag umsonst lesen lässt. Die darauffolgenden Tage kostet es eine wie ich finde, vertretbare Summe. Lesen tu ich den Blog trotzdem eher selten. Ich habe soviele wirklich spannende und gut geführte Blogs mit Qualität und Herzblut, daß ich es seltenst schaffe, alle zu lesen. Also picke ich mir die Artikel raus, die sich interessant anhören, merke mir die URL und lese sie ggl. bei Zeit und Muse.
Ein Monatszugang wäre für mich also ziemlich klar verschwendet. Vermutlich würde ich eher etwas zahlen, wenn mich ein Artikel wirklich reizt oder ich den speziellen Blog ganz besonders mag. Oder noch eher dafür, wenn ich etwas in der Hand halten könnte. Buch oder bewußten Artikel dann ausdrucken z.B. Liegt vermutlich auch daran, daß ein Blog oder überhaupt fast alles im Netz immer noch etwas – wie soll ich sagen – ‚fiktives‘ anhaftet.
Wobei ich mich an dem Wort ‚wertlos‘ gerade ziemlich stoße. Naja so mal meine Rabengedanken dazu. 🙂
Abendiche Grüße
Ja, ich weiß, was du meinst. Und ja, das Wort „wertlos“ war hier natürlich augenzwinkernd gemeint, ein bisschen jedenfalls. Danke dir für deine Rabengedankenanstöße. Sehr.
Zahlen würde ich nicht und könnte ich auch nicht. Aber deine Tauschidee gefällt mir und vielleicht könnte ich etwas anderes für dich tun, außer Geld geben. Und wenn es über fünf Ecken geht und geteilt werden muss.
Grüße von der Gudrun
Wie könnte die Tauschidee konkret aussehen? Da muss ich mal drüber nachdenken. Es soll ja, so mein gefühlter Ansatz, immer einen Wert für alle haben, für viele zumindest; einen Nährwert meine ich.
Danke für einen Anstoß.
Ich kann darauf keine der vorgegebenen Antworten ankreuzen.
Weil auch ich lieber und ganz sicher wesentlich ruhiger (weniger genervt) ohne Geld leben würde. Ohne das Primat des Finanziellen, ohne Monetarisierung.
Und eben deswegen stelle ich mir solche Fragen nicht. (Und nach Hintertürchen würde ich suchen, versprochen.)
Ja, das denke ich. Und du würdest die Hintertürchen auf finden. Stichwort Kekschen. 😉
Danke dir für deine Rückmeldung.
Der Markt frisst sich voran bis zur vollständigen Monetarisierung. Es gibt kaum noch kostenlosen Parkraum. An Tankstellen zahlt man für Luft. In China, hoffentlich ist es nur ein Fake, kostet Luft in Flaschen viel Geld. Kinder spielen nicht mehr einfach so wie früher draußen auf den Straßen. In Kitas hütet man sie für viel Geld. Man stirbt auch nicht mehr mit Liebe gepflegt im eigenen Bett. Der letzte Weg führt oft durch eine eiskalt dem Markt unterworfene Krankenhausmaschinerie mit so lange sinnlosen Operationen und Maßnahmen, bis die Krankenkasse endlich den Geldhahn zudreht oder das Privatvermögen aufgebraucht ist.
Der Zugang zum Strand kostete vor dreißig Jahren selten etwas. Der Zugang zu Naturschutzgebieten oder Naturwundern auch nicht.
Die große Geldkrake hat in der Zeit, in der ich auf dem Planeten bin ihre Arme bis in die entlegensten Winkel des Miteinanders gestreckt.
Es tut weh, das miterlebt haben zu müssen.
Und am wehsten tut das Ringen mit sich selbst, endlich kleinbeizugeben und mitzumachen. Sich dem zu widersetzen, unbezahlbar, heroisch und unglaublich dumm.
Ich habe viele gute Ideen, wofür man Geld nehmen könnte und das Schlimme daran ist, dass andere die Ideen auch irgendwann haben und dass einer sie umsetzt, der nächste ihm folgt und weitere folgen werden und so holt sich der Markt alles, bis es irgendwann nichts mehr gibt, was nicht verrechnet wird, bis kein einziges unbezahltes Ding mehr übrig ist und wir nur noch aus Waren und Dienstleistungen bestehen, sogar das Lächeln wird irgendwann Geld kosten.
Ach du, was für ein genialer Text. Den tät ich gerne gelegentlich bloggen. Morgen vielleicht, darf ich?
Danke. <3
Noch etwas. Es geht auch nicht um Geld und wieviel, sondern um die Richtung, in die wir Menschheit uns bewegen.
Manchmal versuche ich mir vorzustellen, wie ein weltweites Armutsgelübde aussähe, was vielleicht genau die entgegengesetzte Richtung zur dämonischen Marktkrake wäre.
Und noch ein Merci!
Ein weltweites Armutsgelübde …
Einfacher wäre es, dem Geld und den Aktien und den Immobilien ihren monetären Wert zu nehmen. Bezahlen mit Zeit (statt Geld also Zeitgutscheine, und von der Zeit haben alle Menschen ja gleichviel zur Verfügung) — eine Idee, die mir schon lange im Kopf herumspukt …
Das mit der Zeit als Währung gibts in Bern, oder gab es zumindest. Es war ein geschlossener Kreis, zudem man sich anmelden musste. Das Guthaben in Zeit konnte bei anderen vom Kreis gegen Dienstleistungen getauscht werden. Klasse Idee. Weiß aber nicht, ob es das noch gibt und habe den Namen vergessen.
Ich sehe das Bloggen als Hobby, und für jedes andere Hobby würde ich ja auch kein Geld nehmen. Ich würde auch kein Geld bezahlen, da ich viele Blogs lese, die mich interessieren. Wenn die alle zahlungspflichtig würden – das könnte ich mir nicht leisten! 😉
Danke dir. Geht mir auch so.
Für mich ist es definitiv mehr als ein Hobby. Eine Leidenschaft. Die Spitze meines Schreibeisberges. Dennoch will ich es nicht für Geld machen. Und ja, ich könnte mir bezahltes Bloglesen auch nicht leisten. Es lebe der freie Raum!
Ist Leidenschaft für etwas nicht die Grundlage von jedem Hobby?! 😉
Ich könnte mir ein Leben ohne Schreiben auch nicht vorstellen, gab es auch noch nie. Das Bloggen macht die Sache spannender, aber der Schreibdrang/-zwang war schon lange vorher da. 🙂
Ich glaube, das ist eine Interpretationssache. Vermutlich meinen wir so ziemlich das Gleiche?!
Am Wort Hobby haftet für mich, dass ich tue, wenn ich ab und zu mal etwas freie Zeit habe. Schreiben aber ist bei mir etwas, ohne das ich nicht leben kann. Und Bloggen ist das Überdruckventil. So irgendwie. 😉
Mir geht es genau wie dir mit dem Schreiben, und ich bezeichne dies als Hobby, das ich zugegeben intensiv betreibe. Aber wenn z.B. ein Amateurfunker jeden Abend am Gerät hockt, ist er genauso begeistert, wenn die Technik funktioniert und Signale ausgetauscht werden. Vermutlich würde er diese Tätigkeit als Hobby bezeichnen. Aber ist doch egal, wie es nun benannt wird: Schreiben kann ein Standpfeiler im Leben sein, und das haben wir wohl beide gemeinsam. 🙂
Nur für Geld würd ichs nicht machen wollen. Dann müsste ich schreiben, was gerne gelesen wird – und nicht mehr das, was ich gerade loswerden will.
Wenn es Bloggen für Geld wäre: ja, das sehe ich gleich wie du. Sonst für Geld schreiben, nein. So irgendwie …
Bloggen ist für mich ja auch mehr als „nur“ ein Hobby. Ja, ich ziehe (wie SoSo es im nächsten Artikel beschreibt) auch Bestätigung, Befriedigung daraus. Wie gut es sich anfühlt, wenn ich jemanden zum schmunzeln, nachdenken, gar handeln anregen kann …
Ich wäre unglücklich, könnte ich nur noch gegen Bezahlung lesen — und ebenso unzufrieden, wenn ich nur noch gegen Bezahlung schreiben könnte (weil die Plattform kostet/weil meins nur noch gegen Entgelt gelesen werden könnte).
Meine Rede, lieber Emil. Danke dir.
Gegen Bezahlung zu schreiben finde ich noch schlimmer als gegen Bezahlung zu lesen. Denn dann muss ich ja „performen“, etwas bieten fürs Geld. Das habe ich jeden Tag bei der Arbeit, am Abend will ich genau das nicht. Ich will schreiben, weil ich es einfach muss, und manche meiner Texte gerne teilen. Aber ich will niemals darüber nachdenken müssen, ob diese auch gut genug sind für zahlende Leser. Dann wäre der Spaß dahin.
Ja, fürs freie Schreiben, das entspannende Schreiben ist es natürlich so. Aber für Publikationen, die ich ja auch gerne, sehr gerne mache und dabei Geld verdiene, ist mir das Gegenbezahlungschreiben nicht zu wider. Diese Form von Performance war mir noch fast nie lästig, obwohl ich sonst definitiv keine Performerin bin.
Du bringst eine Frage ins Spiel: Darf Geldverdienen denn keinen Spaß machen und geht automatisch der Spaß am Schreiben flöten, wenn wir dafür Geld bekommen? Ich glaube nicht. Jedenfalls habe ich das noch fast nie erlebt (außer ein Schreibauftrag ist vom Thema her nicht so meins …). Spannende Anstöße, ich danke dir!
Da ist nun einfach jeder anders gestrickt. Natürlich ist es der Idealfall, wenn man zu vorgegebenen Themen einen Text verfasst und dafür Geld erhält. Meins ist es nicht, weil ich mich schnell unter Druck fühle. Aber ich bin ja nicht alle! Ich wünsch dir jedenfalls viel Spaß bei Auftragsarbeiten und vor allem ein gutes Einkommen damit. 🙂
Selten genug … hoffentlich lässt es sich ausbauen. Danke dir!
Ich drück dir die Daumen!
🙂 Danke!