Über Uppsala nach Hudiksvall | #kursnord

Wo bin ich gestern Nacht stehen geblieben? Uppsala – also dann doch noch eine Stadt mal wieder. Zum einen, weil wir kurz nach acht schon einen kleinen Frühstückshunger hatten, wir Ansonsten-eher-spät-Frühstückenden (aber wir waren ja auch schon ein paar Stunden wach und noch immer latent im Auftaumodus), zum anderen war der Picknickplatz, den wir uns fürs Erste ausgesucht hatten, doch nicht so ideal – düngender Bauer und so. 

Uppsala, diese schwedische Uni-Stadt also, morgens kurz nach acht … Aufwachmodus. Kühle 12 Grad. Windig, sehr windig. Schon wie wir uns der Stadt nähern, sehen wir die vielen RadlerInnen auf dem Weg zur Arbeit. Manche nur mit Schlappen und Shorts. Mir klappern schon beim Hingucken die Zähne. 

Also rein in die Stadt. Einen Parkplatz finden wir relativ schnell und das Nicht-Zahlenkönnen-mangels-funktionierender-Karte hielt uns diesmal nicht davon ab, so zu tun als ob. Immerhin lag ja mein Zettel (siehe gestrigen Blogartikel) hinter der Windschutzscheibe.

Frühstücken wollen wir. Ein Café suchen wir. Noch ist das meiste zu. Da! Bei Wayne‘s werden wir fündig. Und wärmen uns auf. Und wollen aufs Klo. Ähm, haben wir nicht. (Wie jetzt? Ein Café ohne Klo?).

Gehen Sie in die Galleria um die Ecke. 

Okay, machen wir. Dort, im Untergeschoß, stehen wir vor verschlossener Tür. Eintritt nur mit Kreditkarte. Die Maestros, die wir haben, sind als Möglichkeit zwar ausgewiesen, funktionieren aber nicht. Wir warten. Irgendjemand wird doch bestimmt auch grad Pinkelnmüssen. Schon unken wir, dass womöglich Leute, die sich illegal Eingang verschaffen, nicht mehr rauskönnen. Wir testen es, denn eine Frau lässt uns ein. Nach diesem Dringlichkeitsgeschäft stopfe ich ein bisschen sauberes Klopapier zwischen Falle und Schloss, damit vielleicht jemand nach uns gratis pinkeln kann, ich Anarchistin ich. Irgendlink schaut sich ab da ständig demonstrativ über die Schultern und spricht von Handschellen und ‘gleich haben sie uns!‘. Wir lassen uns treiben, nehmen ein paar Bilder mit, innen und auf den Kameras. 

Da, die Kinder hinter der großen Kirche, wie sie Platzfangen spielen und sich auf den roten Steinfließen vor dem Jäger in Sicherheit bringen, als der scharfe Wind unversehens dessen Cap hochwirbelt und diesen zum Capjäger macht. Keine zehn Schritte weiter ein ähnliches Bild. Noch ein Capjäger. Der sich dramatisch ins Gras fallen lässt und eine Runde fast weinend aua-t, damit ihn die Mädchen nebenan auch ja bemitleiden.

Das wird mal ein guter Männergripper, unke ich.

Räder, Räder, Räder … und immer haben FußgängerInnen und Radelnden Vortritt. Klasse! Wie ich schon sagte: Ich liebe Schweden. Auch wenn mich manches ärgert. Diese absolute Kontrolle deines Verhaltens über die Nutzung deiner Kreditkarte zum Beispiel  ist mir unheimlich. Sie ist doch wie heißer werdendes Wasser, diese immer umfassender werdende Überwachung, sage ich auf der Weiterfahrt zu Irgendlink. Du kennst das ja: Frösche verlassen angeblich langsam heißer werdendes Wasser nicht, weil sie sich an die steigende Temperatur gewöhnen. Die schwedischen Frösche baden sozusagen in dem schon viel heißeren Wasser der totalen Überwachung. 

Vor drei Jahren hatte ich in der Concert Hall Stockholm eine eindrückliche Ausstellung über dieses andere Schweden gesehen. Menschen am Rand auf sehr empathische, betroffen machende Weise dargestellt. Weniger eine Inszenierung als eine Dokumentation. (Hier schrieb ich drüber.)

Uppsala in Bildern

Bald sind wir wieder auf der E4 und brettern nordwärts. An Gävle vorbei. Um die Mittagszeit lässt der Rausch vom Zu-wenig-Schlaf langsam nach und macht Müdigkeit Platz. Wir folgen den Wegweisern nach Axmar bruk und finden ein altes, museal erhaltenes Eisenwerk und zwei zum Nickerchenmachen einladende, windgeschützte Bänke. Nach dem Picknick schlafen wir eine Runde. 

Axmar bruk in Bildern

Bildcollage mit Natur, Fluss, Häusern in Axmar bruk

Später wollen wir auf den Camping von Hölick, der jedoch wegen Renovation noch geschlossen ist. Am nahen Hafen ruhen wir uns aus und überlegen, wo wir stattdessen hinkönnten. Offenbar haben viele nördlicher gelegene Campings noch gar nicht auf. In Hudiksvall werden wir schließlich fündig. Hier bekommen wir den Code für die Schranke am Eingang und fürs Badehaus gleich per Telefon mitgeteilt. Später ist dann die Rezeption wieder besetzt und wir können einloggen. Und sind nun stolze Besitzende eines kostenlosen schwedischen Campingführers.

Die Nacht – was soll ich sagen? Um drei machten wir wieder ein Trangiazeltfeuer, tauten uns auf und zogen uns noch mehr Schichten über. Danach schliefen wir aber diesmal noch eine Runde. Jedenfalls habe ich heute das erste Mal von heizbaren Iglus geträumt.

Hölicks Hafen in Bildern

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