Unter der Milchstraße

Was für ein Sternenhimmel!
Da – eine Sternschnuppe!

Wir sitzen am Meer. Flüchtlinge. Es ist halb drei Uhr. Nach vergeblichen Einschlafversuchen sind wir dem Weg klippabwärts gefolgt und haben uns auf eine Isomatte gehockt.
Wir probieren noch einmal. Wenn noch immer keine Ruhe ist, schlafen wir hier unten!
Gute Idee. Es sieht ja nicht nach Regen aus.

Was zuerst wie die größte Katastrophe unseres Urlaubs aussah, ist nun – heute Morgen, wo ich direkt am Strand unter dem offenen, zwar bedeckten, aber wolkenfreien Himmel im Schlafsack auf einer Matte im Kies liege – ein Geschenk. Wann kann ich schon direkt bei Meeresrauschen schlafen?
Wir waren relativ spät auf die Fähre Rødby-Puttgarden gekommen. Dänemark zu durchqueren, war eine staureiche Angelenheit. So war es bereits um halb neun rum, als wir die Insel Fehmarn und damit deutschen Boden betraten.
Den allerersten Camping verpassten wir und verließen bald schon – vor der Kulisse eines herrlichen Sonnenuntergangs – die Insel. Dank Google fand ich an der Westküste einige Campings. Wir entschieden uns für diesen hier. Blank-Eck oder so. Zwischen Neuteschendorf und Johannistal.
Auf der Klippe vorn habe es noch Platz, sagte der ausnahmsweise noch anwesende Platzwart. Tja, Platz. Hm, ja, schon, nur …
Deutschland hat uns wieder. Lärmige Junge mit Technoachlagerghettoblustern. Ballerman reloaded (Generation 2.0).
Wir fliehen an den äußert möglichen Zipfel der Klippe, ohne zu wissen, dass wir eben unser Zelt auf der Ameisenstraße der Nachtvögel und RaucherInnen aufbauen.
Das kleine Radlerzelt, das J. spontan auch miteingepackt hatte, war – trotz Wind – schnell aufgestellt. Meine Laune sank jedoch müdigkeitskopfwehbedingt bald unter den Nullpunkt, als der Lärm dreier Gangs auch nach elf, nach der Dusche, nicht aufgehört hatte.
Und um zwölf, trotz Ruherufen und Gesprächen mit den vorbeilärmenten Kids, noch immer nicht. Auch nicht um eins. Technobässe wummern selbst durch die besten Ohrstöpsel. Jeder Einschlafversuch – bei immer mal wieder fünf Minuten Musikpause – wird durch neuerlichen Lärm vereitelt. Selbst meinem Liebsten, die Geduld in Menschengestalt, wird es zu viel. Wir diskutieren Optionen wie Zeltabbau und Weiterfahrt, Polizei rufen, Platzwart rufen, doch alle verwerfen wir wieder. Keine Lust. Nur das Bedürfnis nach Schlaf und Ruhe.
Irgendwann mein Vorschlag, einen Strandspaziergang zu machen. Gute Sache. Um drei legen wir unsere müden Häupter in die Kissen.
Wie friedlich das Erwachen hier ist! Ein neuer Tag, ein neuer Anfang. Heimreise.

0 Kommentare zu „Unter der Milchstraße“

  1. Dann kommt mal gut und staufrei nach Hause, ihr Lieben!
    He, und falls ihr heute Abend noch genug Energie habt, könnten wir ja vielleicht bei GC2WGTA noch ein Bierchen miteinander trinken… Wie wär’s? 😉
    Liebe Grüße und vielen herzlichen Dank nochmal, dass ich euch nach Schweden begleiten durfte,
    Andrea

    1. danke, liebe andrea. ich denke nach der vergangenen nacht ist eher nachschlafen angesagt. noch fünf stunden autofahrt stehen uns bevor. grad sind wir kurz nach hannover …
      herzlich, d.

  2. Mhmmm, Bierchen, mjam mjam. Klingt lecker. Gerade trinken wir mit zarten älteren Damen Kaffee in Oldenburg. Wird wohl spät heut abend. Aber jetz erst mal in die GC Datenbank. Schaun.

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