Unlösbar

Weil doch Irgendlink den Südwärts-gleich-Heimweg fürchtet, sind wir einen Tag länger im Norden geblieben und haben gar nördlicher als die Nacht zuvor campiert. Punkt.

Klammer. Das war die geschönte Variante. Klammer zu.

Kurz nach dem gestrigen Aufbruch vom Normalinger Camping, nämlich als wir dort einen Geocache heben wollten, stellten wir den Verlust meines GPS fest. Erstes Suchen an den zweidrei üblichen Orten. Nicht da. Frage: Wo haben wir das Ding zum letzten Mal gebraucht und gesehen? Antwort zweistimmig: Beim letzten nicht gefundenen Cache!

Nachdem wir das Auto an einem schattigen Platz durchwühlt hatten (und ich den Tränen nahe war), überzeugte mich J., dass wir zurückfahren und nachschauen sollten. Meine ökologischen (denk an das Benzin!) und ökonomischen (haben wir denn Zeit?) Bedenken wischte mein Liebster beiseite: Was sind schon hundertfünfzig Kilometer mehr oder weniger bei rund sechs- oder siebentausend Kilometern? Letztendlich, ich gestehe es, hoffte ich natürlich, das wir mein TschiiPiiEs finden würden. Und ich wollte ja genauso gerne wie J. wissen, wo das Ding ist, nur war mir der Aufwand ein Gräuel. Doch da lockte die Möglichkeit, dass ich es, wider meine Art, irgendwo auf den Felsen bei Stausee liegengelassen hatte und es dort auf uns wartete. Vielleicht war es auch vom Autodach gefallen, falls ich es dort abgelegt haben sollte, wie J. zuweilen seine Brille. Die vermeintliche Abkürzung entpuppte sich als zwar schöner Umweg über ungeteerte Straßen, doch brauchten wir dafür viel Zeit, sehr viel sogar.

Nein, wir haben es nicht gefunden, mein Navigationsgerät. Auch am Abend nicht, nach nochmaligem Filzen des Autos (dafür den ebenfalls vermissten Ersatzautschlüssel). Das war nun die ungeschönte Variante.

Doch die Geschichte hat doch ein kleines Happyend, ein sehr schönes: da wir vorgestern vergeblich nach dem Cache am Stausee gesucht hatten, versuchten wir gestern erneut unser Glück. J. wurde fündig. Immerhin war die Fahrt, der Ausflug nordwärts, doch nicht vergebens gewesen. Auch noch aus einem andern Grund …

Die Weiterfahrt südwärts gestalteten wir anders als am Tag zuvor. Alles auf Nebenstraßen, meist ungeteerten, durch winzige Weiler, Kurs südwestlich, nicht weit von der E4-Küstenstraße und doch tempomäßig Welten von jener entfernt. Mit 50 – 80 Stundenkilometern und halbstundenlang ohne Gegenverkehr holperten wir Richtung Trehörningssjö. Endlich wieder Teerstraßen, jiippie!

„Da, ein Badeplatz!“ J.s Augen leuchten. „Lass uns ein Bad nehmen.“ Schon bald plantschten wir im zwanziggrädigen See neben dem Camping namens „Kerstin Uddes“ und beschloßen, hier zu bleiben.

Die Aufname ist eines der Schlussbilder des gestrigen Tages. Zehn Fußminuten entfernt ist ein kleiner Meditationsplatz mit Kräutergarten, Sauna, Ritual-Tipi und Dampfbad. Alles liebevoll gestaltet.

Heute Morgen, gleich nach dem Erwachen, ist sie wieder da, die große Frage: Wo steckt wohl das GPS? Wurde es gar aus dem Auto geklaut, auf dem Camping? Oder haben wir es doch am Stausee verloren und jemand fand es? Was dann? Kann jemand mit meinen gespeicherten Home-
Koordinaten meine Adresse lokalisieren? Werde ich es je wiederfinden oder zurückerhalten? Oder liegt es vielleicht doch irgendwo im Auto? Unlösbare Frage.

Wie sagt doch Kerouac, den J. so gerne zitiert: Finde dich mit Verlusten ab, und zwar endgültig. Ich übe noch.

2 Kommentare zu „Unlösbar“

  1. Oh menno, das ist ärgerlich! Da hätte ich aber auch Mühe dran zu üben, bei einem solchen Verlust. Da nagt ja immerzu die Frage, wo es sein könnte. Ich wünsche dir sehr, dass es plötzlich wieder auftaucht, wenn du es losgelassen hast. 🙂
    Passt weiter gut auf euch auf!
    ..winkt Monika

  2. Es ist ja nur EIN Teil von den vielen, die man hat und trotzdem bloquiert der Verlust das Denken, verbunden mit dem Gefühl der Unsicherheit: Warum hast du nicht besser aufgepasst? Vielleicht findet sich die Antwort auf diese Frage und vielleicht führt sie zur Lösung eines anderen verborgenen Problems. Gute Heimfahrt und lass dich trösten!

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