Was fĂŒr ein wunderbares Geschenk uns die programmierende Zunft mit der Kopierfunktion der Schreibprogramme gemacht habe, schrieb ich neulich. Du kannst einfach einen Textabschnitt markieren, ausschneiden und an einer anderen Stelle wieder einfĂŒgen. Du kannst Linkadressen von A nach B verschieben, du kannst Bilder kopieren oder ausschneiden und woanders wieder einfĂŒgen. Kopieren ist was tolles. Ein Geschenk der Technik.
Ich erinnere mich an die Schnapsmatrizen â ein anderes Wort oder gar den Fachausdruck fĂŒr diese Kopiertechnik kenne ich leider nicht â die wir frĂŒher an der pĂ€dagogischen Fachhochschule verwenden haben, um Texte zu kopieren. VortrĂ€ge, Elterninformationen und der ganze Kram. Erst kurz, bevor ich mit der Ausbildung fertig war, gab es da und dort die ersten öffentlichen Fotokopierer. Und so lang her ist das nicht mal â oder bin ich möglicherweise nur einfach schon ziemlich alt?
Bis dahin schrieben wir alle zu kopierenden Texte von Hand oder mit der mechanischen Schreibmaschine auf diese wunderbar riechenden violetten Durchschlagdoppelbögen. Das Negativ davon wurde nachher in eine Art Walze eingeklemmt und mittels einer ganz bestimmten Technik mit Schnaps befeuchtet. Durch das Drehen einer Kurbel wurde das vorbereitete Spezialpapier, es war relativ glatt und saugfĂ€hig, bedruckt. Blatt fĂŒr Blatt. FĂŒr ungefĂ€hr vierzig Bögen reichte eine Vorlage, nachher war sie ausgelutscht, doch reichte das in der Regel. Wer hĂ€tte damals von Copy & Paste getrĂ€umt?
Ăhnlich wie ich mir zuweilen die Suchfunktion des Rechners ins wirkliche, nicht virtuelle Leben wĂŒnsche â wo ist bloĂ mein SchlĂŒsselbund schon wieder? Und das Portemonnaie? â wĂ€re so eine Kopiertaste zuweilen auch nicht schlecht. Ich wĂŒrde mir, wenn es ginge, gerne ein bisschen von Freundin M.s Weisheit kopieren und bei mir einfĂŒgen. Oder von Irgendlinks Ausdauer und Gleichmut. Das Talent zur Heiterkeit von Freundin T. und die Liebe zum Leben von Freund M.. Oder dies oder das und warum nicht gleich noch jenes?
Im Geo-Interview, das Irgendlink fĂŒr die Geo-online-Podcast-Serie gegeben hat, antwortete er auf die Frage, ob er die Absicht habe, dass andere seine Reise, anhand der von ihm gemachten Route, nachreisen können, dass dies absolut nicht seine Absicht sei. Es sei nicht möglich, dass jemand identische Reiseerlebenisse haben könne. Jeder und jede muss letztlich seinen eigenen Weg finden. Erfahrungen anderer sind bestenfalls Anhaltspunkte.
Ich erinnere mich, wie wir in Bern einmal einem Track, den jemand auf Everytrail im Internet veröffentlicht hatte, nachvollziehen wollten. Mit den RĂ€dern fuhren wir also zum ersten Punkt der Route und von da von Wegpunkt zu Wegpunkt, nur um nach einer Stunde völlig frustriert festzustellen, dass es a.) ĂŒberhaupt keinen SpaĂ macht und b.) wir ĂŒberhaupt nichts anderes anschauten als diesen kleinen Kartenausschnitt auf dem Display unserer iPhones. Wir brachen das Experiment ab, machten dafĂŒr eine wunderbare Kunsttour durch die Altstadt und ein mir noch unbekanntes Stadtquartier und genossen die Erkenntnis des NichtmĂŒssens.
Nein, die Sache mit dem Kopieren ist so einfach nicht. Selbst zweimal den gleichen Haarschnitt gibt es nicht, auch wenn viele Jugendliche auf eine fĂŒr mir nicht nachvollziehbare Art und Weise nach Gleichförmigkeit streben. Um bloĂ nicht aufzufallen.
Copy & Paste in Ehren, aber im echten Leben mag ich das Original. Und das darf sogar Fehler haben. Womit wir bei der Frage sind, was denn ein Fehler ist. Doch das, liebe Leute, das ist ein anderes Thema.
Du meinst das Ormig-Verfahren, Hektografie? Es war (in der DDR) ein halogenierter Alkohol â roch wie Fleckenwasser) …
wow, ja genau, das wars đ danke fĂŒrs wissen oder recherchieren. wie irgendlink neulich schrieb: internet weiss alles. aber es geht nichts ĂŒber jene menschen, die noch mehr wissen!
Ormig wuĂt ich noch â habs oft genug nutzen „dĂŒrfen“ đ
Ich glaube, ich habe noch welche davon, habe mit meinem 1. Komputer und Drucker Matritzen noch bedruckt. Damals wie heute wurde viel Papier verbraucht und wenig gelernt.
dass du mit dem drucker matrizen bedruckt hast, kann ich mit nicht vorstellen. wozu auch? ob du wohl die uralt-drucker meinst, die mit dem gefalteten und seitlich gelochten endlospapier-drucker meinst – diese riiiesigen kisten?
das drucken mit matrize – ich mochte es. es roch so fein đ
lernen oder nicht ist heute wie gestern ein sehr ambivalentes thema. wer wirklich lernen will, kann es – zumindest in unseren breiten – immer und ĂŒberall tun.
Ei ja, das war noch so einer mit gelochtem Papier, jetzt ist er wohl beim SperrmĂŒll, obwohl er noch funktionierte.
đ
original und copy… original und fĂ€lschung… mir ist in der regl das original auch lieber…
als ich gerade von dem wohlriechenden blaupausenpapier las, roch ich es- danke fĂŒr die erinnerung ;o)
blaupause riecht gut. nur schon das wort, das ich bisher nicht kannte. oder nicht wusste, was es meint. jetzt weiss ich es und muss an lilapause denken đ