Von Hyperlinks und anderen Metaphern

Manchmal sehe ich ihn geradezu, jenen Hyperlink zwischen meinen Gefühlen und meinen Gedanken. Und auch zwischen den Gefühlen und den Gedanken meiner Mitmenschen. Es ist diese stetige Übersetzung von Beobachtungen, Fakten, Wahrnehmungen, die wir durch den Filter unserer Lebenserfahrung fließen lassen. Die Essenz ist empathisches Sein. Nenn es Liebe. Von mir aus gerne. Denn damit ernennen wir Liebe zu mehr als einem bloßen Gefühl. Und auch zu mehr als einer auf Denkarbeit basierenden Entscheidung. Mehr und nicht nur die Summe der Einzelteile. Die Buchstaben A und B sind für sich nicht mehr als zwei Buchstaben, doch zusammengenommen bilden sie ein Wort. Eins sogar, trotz seiner Kürze, das mehrere Bedeutungen haben kann.

Unsere Welt ist ein einziges Netz, voll mit Metaphern. Doch halt! Jetzt will ich das Abendessen zubereiten. Gemeinsam mit J.. Mit reiner Denkarbeit kann ich das nicht tun. Auch durch die Kraft meiner Emotionen füllt sich der Topf nicht mit Wasser. Ein empathischer Gedanke – wir kochen uns etwas feines, das wir beide mögen – mündet in eine Handlung. So funktioniert Leben. Das ist der Punkt. Und ein weiterer Hyperlink im Gespinst des Lebens.

Alles, was an Materie von Nutzen ist, mag ursprünglich – will heißen, vor dem Gedanken, sich mittels Umsetzung der Idee bereichern zu können – aus Empathie oder zumindest aus einer Art Selbstliebe, Intuition oder Überlebensinstinkt entstanden sein. Das Ziel? Sich und anderen das Leben leichter zu machen. Ob das nun ein Koch denkt oder eine Korbmacherin, ein Bauer oder eine iPhone-Software-Entwicklerin, ist dabei einerlei.

Mit der Kunst, die nicht im materiellen Sinne nützlich ist, sondern der Ästhetik, Harmonie und unserem Bedürfnis nach Verarbeitung und Ausdruck entspringt, ist es vielleicht gar nicht so anders. Die Künstlerin ist eine, die und der Künstler ist einer, der sich und anderen das Leben schöner machen will.

Genau diese Hyperlinks zwischen Denken, Fühlen und Handeln sind es, die das Leben lebenswertvoll machen.

(letzte Woche im Tessin verfasst)

Wer kennt, ohne zu können, ist ein Theorist, dem man in Sachen des Könnens kaum trauet; wer kann, ohne zu kennen, ist ein blosser Praktiker oder Handwerker; der echte Künstler verbindet beides.

ist von Johann Gottfried Herder und habe ich heute hier gelesen: Coopzeitung, Editorial.

Vom Glück und Bruder Tod

Wird es nun immer so weiterregen?, gedacht, als ich mein Fahrrad am Mittag vor meinem Wohnhaus abgeschlossen hatte.
Was ist denn das?, gemurmelt, als ich den roten Umschlag auf dem Küchentisch sah.
Oh, gejubelt, als ich begriff, dass mir J. einen Abschiedsgruß auf den Tisch geschmuggelt hat. Wie doch ein paar liebevolle Zeilen einen grauen Tag erhellen können. Als würde die Sonne scheinen.

Nach den Ferien zurück ins Büro zu kommen, ist nie lustig. Der Papierberg in meinem Postfach, den ich auf meinen Schreibtisch transferiere, ist beeindruckend, doch der Stapel auf dem Tisch meines Scheffs ist schwer zu toppen.

Neunzig Bewerberinnen werden wir unglücklich machen, sage ich um fünf Uhr zu ebendiesem, nachdem ich alle Kandidaten- und Kandidatendaten erfasst und Bestätigungsmails verschickt hatte. Dafür machen wir eine glücklich. Eine!

Soll ich mich jetzt für die eine, die meine Nachfolgerin wird, freuen oder soll ich mit den anderen, denen ich absagen muss, weinen? Na ja, geweint habe ich heute genug. Gleich zweimal. Ein bisschen nachdem ich J. zum letzten Mal gedrückt hatte und mit dem Rad ins Büro gerollt war. Das zweite Mal, als mir mein Scheff von der unheilbaren Krebskrankheit der gemeinsamen Kollegin M. erzählt hatte. Keine Frau aus unserer Bürogemeinschaft, doch eine, die wir beide sehr gut mögen und die eine unglaublich tolle, wohltuende Art hat, mit Menschen umzugehen. Die Weißkittel geben ihr noch ein halbes Jahr.

Es trifft immer die Guten, murmelte ich hilflos. Wir saßen uns betreten und betroffen gegenüber. Es ist ja nicht der Tod, den ich so schrecklich finde. Im Grunde glaube ich ja, dass der Tod gar nicht mal so schlecht ist. Die Kehrseite des Lebens. Das Gegenstück. Das Problem mit ihm ist nur, dass wir eigentlich nie fertig gelebt haben werden. Das Ding mit der Unzeit. Weil es doch für uns alle immer noch dies und jenes zu tun, zu lassen, zu erleben geben wird. Immer. Für jene, die dableiben, ist der Tod ebenfalls ein Problem, denn Verlust tut weh. Dennoch ist der Tod nicht böse. Er ist einfach und ich gestehe, dass ich bisweilen mehr Angst vor dem Leben als vor dem Tod habe. Und hatte. In Bezug auf Materie, Gesundheit und das Älterwerden.

Feierabend. Zuhause wartet ebenfalls ein fetter Poststapel – die Post der letzten Woche –, den ich noch nicht zu sichten gewagt hatte. Drei Haufen mache ich: Zeitungen. Rechnungen. Bettelbriefe. Letztere und erstere kommen quergelesen ins Altpapier.

Gutes Material zum Feuermachen, denke ich. Wenn wir noch im Rustico wären. Die Rechnungen hätte ich auch gerne verfeuert oder zumindest, wie im Geschäft, kontiert und zur Zahlung an die zentrale Buchhaltung weitergeleitet. Wäre schön irgendwie.

Hach, die vielen Bettelbriefe aber auch! Nie werde ich gegen sie immun sein. Zuweilen öffne ich sie gar nicht erst, weil ich die Gesichter der abgebildeten hungrigen Kinder schlecht ertragen kann. Und das Gefühl der diesem Anblick folgenden, allumfassenden Hilflosigkeit ist auch kein tolles. Gedanken an meine Arbeitsstelle im Flüchtlingszentrum – ist schon acht Jahre her oder so – flackern kurz auf. Die Dankbarkeit der Kinder, wenn ich mit ihnen gemalt hatte: kaum waren die Papierbögen auf dem Tisch, platzen ihre kreativen Staudämme. Bilder drückten aus, was die Kinder fühlten – mehr als jedes Wort, das sie in gebrochenem Deutsch sprachen. Die Farben waren unsere gemeinsamen Buchstaben und die Figuren auf dem Papier ihre Gedichte und Geschichten. Aber ich schweife ab: Bettelbriefe.

Gäbe es keine Spenderinnen und Spender, hätte ich keine Arbeitsstelle, denke ich. Gäbe es keine Kriege und keine Flüchtlinge und keine Arbeitslosen, hätte ich ebenfalls keine Arbeitsstelle. Hm. Schmarotzerin ich?

Neunzig werden wir traurig machen, nur eine wird glücklich mit meinem Job. Hoffen können wir immer. Auch dass der Regen bald aufhört.

Statt Stempel zu sammeln

Ich weiß ja nicht, wie es andern geht, aber für mich ist Heimkommen aus den Ferien jeweils sehr ambivalent. Zum einen ist es schön, das eigene Klo zu benutzen, die Urlaubsüberbleibsel im eigenen Kühlschrank zu verstauen und auf dem eigenen Sofa zu sophieren, doch das Gefühl, dass die Urlaubzeit jedes Mal zu kurz ist, beschleicht mich spätestens dann, wenn ich die Schmutzwäsche in den Korb stopfe. Nicht dass ich meine Wohnung nicht mag, es ist die Rückkehr in den Alltag, der mir diesmal ganz schön an die Nieren geht.

Doch zum Glück ist Irgendlink noch da. Bis morgen früh. Bis ich ins Büro muss. *Grmpf* Der Große Abschied rückt unaufhaltsam näher. Ein letzter Ausflug steht auf dem Programm, ein bisschen Jakobsweg in Berns Umgebung. Wo doch die Sonne so herzlich lacht und uns nach draußen lockt.

Der Große Abschied … ein Kehrreim seit Tagen. Im Hinterkopf irgendwo. Der Große Abschied vor Irgendlinks geplanter einmonatiger Pilgerreise auf dem Jakobsweg.

Wie war doch gleich dieser Traum heute Nacht? Statt den traditionellen Pilgerpässen, in welche die Pilgerinnen und Pilger unterwegs ihre Stempel sammeln, um sich beglaubigen zu lassen, dass sie diese Strecke auch wirklich zurückgelegt haben, stehe neu in jeder Pilgerinnenherberge ein PC. Jede und jede Bußfertige auf dem Weg nach Compostella habe seit Beginn der Reise ein eigenes Account und logge sich allabendlich ein um die Tagesetappe ins Netz zu laden. Wo die Lieben zuhause dann mitverfolgen können, wo die Wallfahrenden gerade festhängen. Auf besagter Website habe es Rubriken wie „Erwachsene allein“, „Erwachsene in Kleingruppen bis 4 Personen“, „Erwachsene in Gruppen ab 5 Personen“, „Kinder unter 10 Jahren in Begleitung von Erwachsenen“ … Der Sinn der Sache hat sich mir leider im Traum nicht so ganz erschlossen. Statistik vermutlich. Erfassen der Etappenlänge in Bezug auf die Begleitung. Erfassen der Anzahl Bußfertiger. Big Brother Jakobus und Papa Roma lassen grüßen? Technik gut und recht, doch wie viel virtuelle Öffentlichkeit ein Pilger und eine Pilgerin brauchen, soll jede und jeder für sich selbst entscheiden.

Die einen wie Irgendlink – und ich übrigens ja auch – mögen es, live von ihren Reisen zu berichte. In seinem Fall wird sich das allerdings auf seinem Blog niederschlagen und nicht auf irgendeiner zentral geführten Website. Ich hoffe, dass dieser Traum Traum bleibt. Pilgern ist etwas ganz persönliches. Weg ist Weg und ob das Ziel Ziel ist, entscheidet jede und jeder selbst.

Weißt du, meine Motivation ist die Freiheit, jederzeit aufhören zu können, sagt mein Liebster beim Spätstück, zwischen Spiegelei und Joghurt. Recht hat er.

Locarno mi piace

Wer hätte das gedacht? Manchmal darf man – und frau – einfach nicht zu früh aufstehen, denn wären wir um acht aufgestanden, hätten wir womöglich über den Schonwiederregen gemurrt. Um zehn, als wir langsam ans Aufstehen zu denken anfingen, hatten sich die Regenwolken bereits verzogen und machten der Sonne Platz. Jippie!

Später, vor den Wanderwegtafeln in Aquarossa stehend, beschlossen wir, nach Dongio weiterzufahren und uns von dort aus in einen der historischen Wanderwege einzuspeisen.

Doch kaum im Auto fing es wieder ein wenig zu regnen an. Hm. Regenwanderung? Den mindestens zehn Kilometer langen Rundweg in nassen Klamotten machen?

Wir könnten doch an den Lago Maggiore fahren …, sagt Irgendlink.
Wieso nicht! Ich war schon seit Jahren nicht mehr in Locarno, sage ich.

Über die Landstraßen durch die Magadinoebene erreichen wir schon bald unser Ziel. Von Regenwolken keine Spur mehr. Im Gegenteil. Richtig tolles, sonniges Herbstwetter. Wir promenieren am See entlang, finden zwei Geocaches und sammeln – die Kamera und das Eiföun stets in bester Tourimanier griffbereit – haufenweise skurrile, schräge und schöne Bilder.

Jetzt können die Ferien eigentlich so richtig anfangen, sage ich nach „der Friseuse“ von Doris Dörrie. Eigentlich. Denn eigentlich müssen wir ja morgen bereits wieder nordwärts fahren. Tja, wie sagte sie gleich, Katy, die Friseuse und Antiheldin dieses tollen Filmes? Mach aus allem das Beste und lass den Kopp nich hängen!

Bild: Panorama – am Lago Maggiore
(mit dem iPhone und der HDR-Plus-App fotografiert, mit AutoStich zum Pano montiert und mit PS Express bearbeitet und gerahmt)

Quattro Stagioni

Was für eine schöne Tour! Wir hatten heute alle vier Jahreszeiten …, sagte Irgendlink, nachdem wir müde und glücklich unsere Einkäufe in den Wagen gestellt und Platz genommen hatten.

Wie wahr. Noch immer kalt?, fragte ich. Er schüttelte den Kopf und setzte den Motor in Gang, um uns nach „Hause“ zu chauffieren.

In der Tat hatte der Tag beinahe frühlingshaft begonnen, so dass ich gar unter der Dusche Mornin‘ has broken trällerte, froh auch darüber, keine Schmerzen mehr zu haben. Wir beschlossen, den einen Cache, den wir auf der Karte gesehen hatten, zu holen und danach zum Lago di Luzzone zu fahren und zu wandern.

Sommerlicher Schweiß rann uns über Stirn und Rücken, als wir zur kleinen Siedlung Chislerio hochstiegen. Zwar war der Wanderweg, den ich entdeckt hatte, nicht markiert, aber er führte uns geradewegs zum Cache. Für den Rückweg nahmen wir dann das Sträßchen. Buntes, knisterndes Herbstlaub unter den Füßen, da und dort Kastanien, die wie einsammelten, dazu atemberaubende Weitsicht.

Über Olivone fuhren wir durch Campo Blenio Richtung Stausee. Und Richtung Winter, der vierten Jahreszeit des Tages. Ein Stück wollten wir fahren, den Rest wandern, doch der Schnee verunmöglichte uns ein Hochfahren, sodass wir den ganzen Weg zu Fuß gingen. Über Serpentinen stiegen wir aufwärts und nach einer Stunde sahen wir sie endlich, die Staumauer vom Lago di Luzzone. Doch bald verbot uns eine Tafel das Höherwandern: Lawinengefahr!

Die Schulklasse, die wir unterwegs angetroffen hatten und deren bloßes Anwesendsein uns zum Weiterwandern motiviert hatte, kletterte eben auf einem zugeschneiten Wanderweg weiter bergwärts, der, anders als die rudimentär schneegeräumte Straße, die wir alle bisher hochgewandert waren, dicht beschneit war.

Sollen wir auch? Ich gestehe, dass uns die Vorstellung mit klitschnassen Socken und klammen Füßen erst hoch und dann alles wieder runter zu wandern, nicht wirklich behagte. So wanderten wir talabwärts, froh in Castro unter der Schneegrenze zu hausen.

Nun am Cheminéefeuer sitzend die Bilder des Tages betrachten. Hach, wohlig seufz …

Über die Wehmut und duftendes Herbstlaub

Heute der Versuch, Laptop und iPhone zu vereinen.

Da ich keine Lust hatte, einen langen Text in die Minitastatur zu klicken und ich eh mit Irgendlink immer wieder über die (Un)Möglichkeiten der Apfeltelefone diskutiere, folgt hier ein weiterer „iDogma im Text“-Versuch.

Ein Draufklick macht den Text größer.

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EDIT nach dem Urlaub:

Es ist Abend. Ich habe zwei Tabletten intus. Wieder muss ich Antibiotika nehmen. Die eine Tablette ist von der Kur, die andere soll den Krampfschmerz lindern. Der Arzt in Biasca, zu dem wir heute notfallmäßig gefahren sind, hat eine Blasenentzündung diagnostiziert. Seit drei Tagen hatte ich schon leichte Schmerzen, heute Nacht wurde es so schlimm, dass ich – auch auf J.s Drängen hin, meine Schmerzen ernst zu nehmen – nicht mehr länger warten wollte. Ich wollte wissen, was los ist. Und jetzt ich hoffe einfach mal, dass das Zöix wirkt. Ein klein wenig niedergeschlagen bin ich schon, will ich uns doch mit meinem Kranksein die Ferien nicht versauen.

Ach nö, sagt mein Liebster. Er lässt sich zum Glück – was sein großes Talent ist – nicht aus der Ruhe bringen und lässt sich immer auf den Moment ein. Was für ein Geschenk, dieser wunderbare Mensch doch ist! So, das musste endlich mal gesagt werden.

Dennoch ist da diese kleine, nach feuchtem Herbstlaub duftende Wehmut. Jener Mut zum Weh … Ist es nicht so, dass je größer und je schöner eine Liebe wird, desto größer, kostbarer und voller wird der gemeinsame Erfahrungs- und Erlebnisschatz. Und entsprechend wohl auch die Verlustangst.

Neulich, als ich mal wieder leicht panisch meinen kleinen Apfelcomputer suchte, meinte Irgendlink, dass ein iPhone doch materiell ein relativ kleiner Verlust sei. Umso größer der Verlust all der Daten.

Der Speicher eines Computers in Beziehung zu seinem Menschen als Metapher für das Netz zwischen uns Lebewesen? Warum eigentlich nicht. Einziger Unterschied: Mein iPhone würde mich wohl kaum vermissen, wenn es mich nicht mehr hätte, doch bei uns Menschen gilt , dass je wertvoller mir jemand wird, desto verletzlicher ich ihm gegenüber bin. Und deshalb tut Liebhaben eben auch weh.

Womit wir beim erwähnten Mut zum Weh wären. Ein schönes Weh irgendwie.

Nach dem Schnee ist vor dem Regen

Wie soll ich nun bloß weiterbloggen, lieber Irgend?, sage ich beim Spätstück. Hätte ich gestern diesen doofen Cliffhanger doch nur nicht geschrieben!
Dann schreib doch genau das …, sagt J.

Heute Morgen war das, noch vor dem Schnee und noch bevor ich Hakan Nesser – eine ganz andere Geschichte – zu Ende gelesen hatte. Und auch bevor mir J. seine neue Kurzgeschichte vorgelesen hat. Und auch vor dem Schneesturm und dem kuscheligen Nickerchen.

Ich hätte also reichlich Zeit gehabt, mir einen Weg aus der selbstgesponnenen Misere zu überlegen. Erfolglos leider.

Der Schnee ist weg, auch regnen tuts nicht mehr, liebster J. ist noch immer da (wie schön!) und den Cliffhanger lasse ich wohl einfach da hängen, wo er ist. Im Gestern. Dafür hänge ich diesem Nonsense hier ein Bildchen vom vorherigen Spaziergang nach Ponto Valentino an.

Falls ich würde

Sofasophia: Was ich heute wohl bloggen würde, falls ich bloggen würde …
Irgendlink: Du wirst es nicht lassen können.
Sofasophia: Nö, nur wenn mir was bloggenswertes einfällt.
Irgendlink: Was immer das heißt.
Sofasophia: Dieser Dialog zum Beispiel? *lach* Ich blogge doch einfach dieses Gespräch …
Irgendlink: Wer will schon unseren Nonsense lesen? … müsste da nicht noch was dramatisches vorkommen?
Sofasophia: … wie ein Rasenmäher zum Beispiel?
Irgendlink (grinst schief): Genau.
Sofasophia (zwinkert): Oder wie wärs mit Schneeflocken?
Irgendlink: Och, das ist den Leuten bestimmt zu langweilig. Obwohl … es kommt wohl drauf an, wen du damit ansprechen willst.
Sofasophia: In Saudiarabien ist Schnee sicher spektakulärer als ein Rasenmäher …
Irgendlink: Da hast du wohl recht, aber ich weiß was besseres: ich könnte doch in den Keller gehen, nach dem Holzvorrat gucken und dabei dem Rasenmäher gute Nacht sagen. Du bloggst, dass ich zum letzten Mal gesehen wurde, als ich zum Rasenmäher gehen wollte. Damit hättest du gleich zwei Fliegen auf einen Schlag! Einen Artikel mit Rasenmäher, der – wie ja alle Bloglesenden wissen – jeden Artikel aufwertet und einen Cliffhanger, der deine Lesenden packt. Genau dort hörst du mit schreiben einfach auf.
Sofasophia: Nö, bestimmt nicht so. Du nicht! So ein Ende hast du nicht verdient, mein Liebster! Da schreib ich lieber, dass du vor dem Tatort gucken, nach draußen gegangen seiest um zu schauen, ob es womöglich hier unten auch schneie. Wie heute, oben auf dem Lukmanier, wo wir uns beide fast den Tod geholt haben.
Irgendlink: … bin gleich wieder da …
Sofasophia: Wo wohl diese vermaledeite Fernbedienung steckt?

dass das Leben ein Panorama sei

Wie Irgendlink und ich heute bergauf steigen, unterwegs alle fünf Meter stehenbleiben, mit Nikons und iFöuns Bild um Bild machen und ob der Schönheit der Natur um uns her kaum Worte finden, erkenne ich einmal mehr das Gehemnis der allem zugrunde liegenden Verbindung. Während ich mit dem Apfeltelefon dank einer entsprechenden, ziemlich cleveren Software names AutoStich drei Bilder zu einer langen Panoramasicht verbinde, sage ich:
Das Leben ist doch ein einziges Panorama. Wir setzen uns laufend aus bestehenden Bildern neue zusammen. Alles, was wir erleben, lässt sich an eine früher gemachte Erfahrung ankoppeln. Und alles bekommt eigentlich nur im Kontext und im Kontrast mit bereits erlebtem eine Bedeutung und kann nur so erst wirklich verstanden werden.

Schließlich steigen wir zur Chiesa San Carlo Negrentino hoch und finden dasselbst einen Geocache, den wir nur finden können, weil wir wissen, wie andere Geocaches versteckt worden sind. Und weil wir Koordinaten lesen können.

Nach einer zehn Kilometer, viele Höhenmeter auf und abwärts und viele Stunden dauernden Wanderung durch Herbstwälder, über Stock und Stein und auf Teerstraßen langen wir abends müde und glücklich wieder im Rustico an. Nicht zuletzt, weil wir über einen guten Orientierungssinn und die Fähigkeit des Kartenlesens verfügen. So haben wir uns heute unser Leben geautosticht. Wir alle.