brennend

Wie ich gestern Nacht so im Bett liege, an einem getragenen T-Shirt, das ich J. abgeschwatzt habe, schnüffle und mir „nur noch dreimal schlafen“ zuraune – wie wir es bei Kindern tun –, begreife ich, dass ich die älteste, häufigste, herrlichste, traurigste, brennendste, dominanteste Emotion erlebe, zu der wir Menschen fähig sind. Eine Emotion, die mich mit allen Menschen auf dieser Erde verbindet. Die paar wenigen Erleuchteten auf dieser Erde vielleicht ausgenommen.

Nein, keine Emotion hat die menschliche Welt wohl mehr geprägt als die Sehnsucht. Die Welt der Kunst – was wäre sie ohne die Sehnsucht eines Da Vinci, eines Goethe, eines Mozart nach dem vollkommenen Abbild jenes inneren Feuers? Auch die Welt der Wirtschaft – was wäre sie ohne Sehnsucht der Menschheit nach Bequemlichkeit, nach Reichtum, nach Entwicklung und Erkenntnissen? Und was wäre die Welt, was wäre das Leben, deins und meins –  ja, und deins und deins auch – ohne unsern täglichen Traum von „besser, schöner, freier“?

Suchende sehnen sich.

Ich zum Beispiel ersehne mir zuweilen die Freiheit von Wünschen und Sehnsüchten. Und davon, nicht mehr länger bedürftig zu sein. Und keine Sorgen mehr zu haben, ganz besonders keine finanziellen mehr. Sehnsucht nach Zeit ist auch nicht unwesentlich in meinem Leben.

(Notiz an mich:
All die gestillten Sehnsüchte
was ist mit ihnen? Gebären sie nicht ständig neues Sehnen?)

Schnitt.

Sehnsucht macht sich an Erinnerungen fest. Und an Hoffnungen. Und sie ist radikal, denn sie ist zwar niemals gegenwärtig, doch meint sie immer das Jetzt. Sie zielt auf das erwünschte Ding hin, auf jenes, das einst war oder irgendwann sein wird, auf jenes große Jetzt, auf die Erfüllung des Seins im Augenblick. Ob Mondlandung oder Orgasmus ist dabei einerlei. Es geht um das Glück jenes Augenblicks, das wir ersehnen. Jenes Augenblicks, der in Vergangenheit und Zukunft reicht und alles aufsaugt, was je war und je sein wird. Für einen Augenblick zumindest. Und für die Ewigkeit.

Es riecht so gut nach J., das T-Shirt. Ich schnüffle noch ein wenig, bevor ich tief und fest einschlafe.

am Niederriedstausee

Mein Wohnzimmer ist zuweilen sehr groß. Heute reichte es bis an den Niederrieder Aarestausee. Wo ich zwei Geocaches hob und im neuen Wallander las. Hat gut getan, mir die Altweibersommersonne auf den Pelz brennen zu lassen … aaahhh …

beim ersten Geocache …

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Siesta …

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… und jetzt geht’s wieder heimwärts …

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Menschenskinder!

Wenn viele Menschen aus vielen Himmelsrichtungen zusammen sind, hüpft mein Herz ob all des Reichtums an Geschichten. Wie leben, wie denken, wie gestalten andere das Leben? Wie nehmen sie es wahr?

Wir saßen auf den gemütlichen Balkon der tollen neuen Altwohnung, in die meine jüngeren Freunde M. und A. neulich zusammengezogen sind. Einweihungsfest. Menschen aus zwei Freundeskreisen. Die meisten kannten sich nicht. Fließende Übergänge zwischen Kleingerede und großen Themen, denn wenn du genau hinhörst, erkennst du zwischen den Fäden der vordergründig smallgewalkten Gewebe auf einmal ganz persönliche Abgründe, Hoffnungen, Ängste, Weisheiten und Sorgenfalten.

Was für ein bereichernder Abend! Vor dem Abschied werden Nummern getauscht, Einladungen ausgesprochen und Musiktipps notiert.

Wie ich spätnachts auf dem Rad über die Kirchenfeldbrücke nach Hause radle, spätsommernächtlich warm ist es, fühle ich mich – nach einem Abend mit zehn bis zwanzig Jahre jüngeren Menschen – auf einmal auch gleich um zehn Jahre jünger.

total gut machbar!

Prolog

Am Anfang war alles ohne …

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Oh, Mann, nur mit T-Shirt kannst du doch
voll nicht raus in das Tal!, sagt das
Kind dort. Absolut Dada aus
Gold ist das! Auch. Na
und? Ach, und Frau aus Aar-
au samt Slip, Schluckauf, Hab
und Gut, dazu total gut
drauf, stand an. Und stand auf. Mit
Ballon am Rockbund. Aufs Mal
voll Licht im Raum. Ganz
hart, das Ding. Wild und
laut. Musik. Drums.
Sag, (Sau)hund, du, dazu ganz
bunt, kommst du bald? Gib Sand, du
Sack! Back mir
Brot, Laib! Und zum Schluss: kämm
ihm das Haar, von Hand, und
sag dazu: Blut vom Dach! Naht-
los. Das ist wichtig!

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Epilog

Am 21. Juli war’s, in Boxholm, Südschweden. Während wir nach dem Frühstück vor dem Zelt sassen und unsere täglichen Reiseblogartikel in die iFöun-Tastatur tippten. Dass wir auf gar keinen Fall über das gleiche schreiben dürfen, befand der über alles geschätzte Mösiö Irgendlink mit Nachdruck. Auch gleiche Wörter sollten vermieden werden, bitte schön. Abschreiben verboten! (Ooops, fällt mir ein, dass es dafür noch keine Verboten-Schilder gibt! Marktlücke!!!)
Hast du in deinem Text schon ein E drin?,
fragte er sodann. Ich bejahte. Woraufhin er nur noch mit größten Skrupeln die E-Taste zu klicken wagte. Von wegen abschreiben und so. Aber es geht eben nicht ohne, knurrte er. Auch wenn du nun sagen wirst, dass ich dir abschreibe!
S
icher geht’s!, sagte ich. Ich werde es dir beweisen …

Da capo al fin‘!

Was gut tut. II

… einfach auf die Bilder klicken und schon werden sie größer …

Mein Everytrail-Trip ist noch in Vorbereitung …
hier seht ihr schon mal die kleine Wanderung in rot …

Anfang und Ende …

schweizerische Gründlichkeit … 🙂

Luegid vo Bärge ids Tal …

Später in St.burg an „meiner“ Zulg …

Hier gibt es die schönsten Steine der Welt – echt wahr!

entspannend: einfach sein …

Bei 120km/h geknipst … 😉
(ja, ich war allein unterwegs …)

Was gut tut. I

Eigentlich gar nicht so viel. Nur immer wieder eine gehörige Portion Natur, angereichert mit guter Luft. Doch das braucht es, mein Herz, um sich zu regenerieren, das physische ebenso wie das unsichtbare. Und meine Seele braucht eine schöne Perspektive. Mein Körper liebt es, sich zu bewegen. Wie gesagt, viel braucht es nicht und Wanderwege gibt es fast überall. Neue oder vertraute – je nach Stimmung. Heute hat es mich ins Berner Oberland gezogen. Nach Heiligenschwendi . Eine Wanderung, die ich oft gemacht habe, als ich noch in St.burg wohnte. Ein vertrauter Weg, eine Art „Heimstrecke“ gar. Eine Gegend, die mich dennoch mit ihrer Schönheit immer wieder neu betört …

Weil mein iFöun mir einen Geocache verspricht, halte ich beim Gupf an, wo ich ab und zu, besonders wenn es neblig ist, gern hochsteige, um die Aussicht zu genießen. Den Cache hole ich auf dem Rückweg. Zuerst will ich einfach nur Weitsicht. Irgendwo in der Nähe, als hätte ich es bestellt, erklingt ein Alphorn und erfüllt die Welt um mich mit melancholischer, süsser Sehnsucht, mit sentiments nach Heimat, Geborgenheit, Kindheit. Hehre Gefühle. Obwohl ich mit traditioneller Volksmusik nicht viel am Hut habe, heimelt es mir hier und jetzt ob diesen Klängen. Dazu die wunderbare Sicht auf Niesen und Stockhorn, auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Geruch vom Emd auf den Matten. Medizin für mein Herz. Dennoch tut so viel Schönheit bisweilen fast weh.

Später, in der Nähe der Höhenklinik, ziehe ich meine norwegischen Wanderschuhe an und begebe mich auf eine der ausgeschilderten Rundwanderungen. Dann der Stein im Schuh. Ärgerlich. Entweder muss so ein Teilchen integriert werden, wenn es denn geht, will heißen es so zu platzieren, dass es nicht mehr wehtut, oder aber – und das tue ich nach einem halben Kilometer mit erfolglosen Versuchen – das Ding muss raus. Wenn doch alle Probleme so einfach zu lösen wären …

Nein, danke, mir ist nicht mehr zu helfen …

Heute mal wieder die Berner City heimgesucht. Wie mondän das klingt! Cooler jedenfalls als Zentrum oder Innenstadt. Oder auch nur ir Schtadt

In einem Warenhaus, wo ich leere CDs erstehen wollte und dazu den Papierwarenbereich aufsuchte, der an den Kinderspielsachen-Bereich angrenzt, folgende Szene beobachtet. Mutter mit Kind vor Globussen mit Licht. Das Kind dreht an der Kugel, was sichtlich Spaß macht …

„Hie chasch d’Wäut lehre …“, sagte die Mutter. Hier kannst du die Welt lernen. Wenn das doch so einfach wäre!, dachte ich, schnappte die gesuchten CDs und verirrte mich auf der Suche nach der Abwärtstreppe im Irrgarten der Kinderkleiderabteilung, wo in einem Kinderwagen ein kleines Mädchen saß, ganz allein notabene, und die Welt furchtlos und neugierig beäugte.

Huch, dachte ich, hoffentlich wird das Kind nicht geklaut. Um es zu beschützen, hielt ich mich unauffällig in der Nähe auf und schaute mir dies und das, was da eben so lag und hing, an. Und auf einmal stand ein gelangweilter junger Verkäufer mit Pickeln, kaum dem Stimmbruch entwachsen, aber gschalet u gschniglet, also in Krawatte und Konfirmationsanzug, neben mir und fragte:
„Suechezie öppis beschtimmts?“, den Berner Majestatis Pluralis der Höflichkeit unhöflich missachtend. Ob ich etwas bestimmtes suche? Also echt, was die heute dem Verkaufspersonal an Rhetorik beibringen! Okay, ob mir (noch) zu helfen ist – die Standardfrage aus dem letzten Jahrhundert – finde ich auch nicht wirklich toll. Aber ob ich etwas bestimmtes suche, geht nun wirklich niemanden was an. Hätte ich sagen sollen, dass ich ein mir unbekanntes Kind bewache? Hat er mich womöglich durchschaut? Oder – noch schlimmer – hielt er mich gar für eine potentielle Kidnapperin? Na ja, wenn innerhalb einer oder sagen wir mal zwei Stunden niemand gekommen wäre, um nach dem Mädchen zu gucken … Ich gebe auch zu, dass ich, rein fiktiv, ein paar Szenarien durchgespielt habe. Ein paar Was wäre wenn-Stories. Konjunktiv und so.

Eben als ich mich, so höflich es eben unter den gegebenen Umständen möglich war, für die unerwünschte Hilfe des Verkäufers bedankt hatte, kam die Oma mit einem neuen Wasauchimmer-Dings in der Hand zurück und erntete ein Lächeln des kleinen Mädchens.

Und im zweiten Anlauf fand ich schließlich und endlich den Ausgang.

Kopfkino I

Mein Tag war seltsam. Marathonsitzung am Morgen. Sehr intensiv. Anschließend eine weitere, kleine Sitzung. Zu dritt. Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit. Nach der Mittagspause tausend Dinge gleichzeitig, die über meinen Tisch kriechen, hetzen, rollen, poltern. Unter anderem „durfte“ ich an die hundert fotokopierte Artikel über unser Hilfswerk sichten, die uns der schweizerische Presse-Recherchedienst auf Wunsch und kostenlos zugestellt hat. Für ein Projekt im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Die Zeit vor ungefähr dreißig Jahren betreffend. Die RechercheurInnen haben sich nicht nur auf unser Hilfswerk, sondern auch auf alle anderen konzentriert. Was die Sichtung nicht eben vereinfachte.

Zum Glück gibt es Schlagzeilen!, dachte ich mehr als einmal. Dennoch blieb ich am einen oder andern Text hängen. Einer hat mich ganz besonders berührt, denn „Ein Tag im Leben von …“-Artikel habe ich immer schon gerne gelesen. In diesem hier erzählte ein Hilfswerk-Mitarbeiter dem Journi der Zeitung XY, wie er zuweilen frühmorgens aufwache und nicht mehr einschlafen könne, weil er an all die Kinder denken müsse, die er in Simbabwe, auf den Philippinen, in Werweissschonwo gesehen hat. Dass er dann an seine Kinder im Zimmer nebenan denke und dankbar sei. Aber dass seine Zeit nicht reiche, all das zu tun, was getan werden müsste. Leben im Konjunktiv.

Helfersyndrom, na klar, und dennoch … Mir ist der Text unter die Haut. Manchmal vergesse ich im Alltag, bei der Arbeit am kleinen, am Detail, am Ausschnitt, den ich von hier aus sehe, den ganzen Rest. Den Rest des großen Bildes da draußen. Nein, kein Moralingesülze … es ist einfach dieses Bewusstsein von Mitverantwortung und Solidarität, das ich zuweilen ausblende. Vielleicht sogar ausblenden muss. Um mich zu schützen (da wo es andere nicht können). Oder ist es gar Resignation, die mich so nüchtern macht? Übersättigung, obwohl ich ja kaum Zeitung lese?

Zuhause auf dem Sofa empfand ich meine eigenen Sorgen – die unerwartet hohe Steuerrate zum Beispiel, die bis Mitte Oktober bezahlt werden soll und die mich frühmorgens nicht wieder hat einschlafen lassen – ziemlich banal …

Die Großen und die Kleinen

Wenn die Kleinen nicht wären, die Großen wären nicht halb so groß. Auch könnten sie kaum so tun, wie sie tun. Die Großen – mein Synonym für alle möglichen. Mein Synonym für all die Scheffs, Politikerinnen und Stars, die sagen, was angesagt ist und wo es lang geht … Sie sind nur so viel und nur so groß, weil andere ihnen den Rücken stärken und freihalten.

Ja, und dann gibt es auch jene, die groß sind, aber nicht groß tun. Die alles selbst machen oder jedenfalls machen könnten und die den Kontakt zur Basis und zu sich selbst nicht verloren haben. Die wahren Künstlerinnen und Künstler. Denn Größe ist eine Sache des Herzens, nicht der Inszenierung seiner selbst. Im Großen das Kleine, das Detail, sehen und dieses für sich selbst und für andere sichtbar machen. Eine Kunst, die ich sehr schätze. Oder im Kleinen die Größe und Schönheit erkennen und darstellen. Auch das eine kostbare Gabe, die ich mag. Aber, ooops, ich schweife ab …

Die Kleinen und die Großen – darum soll es in diesem Gespinst hier ja gehen …

Da ist dieser Mann. Er trägt das Haar lang und zu einem Pferdeschwanz gebunden. Wann immer ich bei Soundchecks von Patent Ochsner dabei bin – immerhin schon ziemlich oft – taucht er auf. Kann gut sein, dass ich ihn auch schon bei anderen Bands gesehen habe, an Openairs. Mit großer Virtuosität und Intensität geht er von Instrument zu Instrument, von Bandmitglied zu Bandmitglied und checkt die Sounds. Alle gehorchen ihm. Alle vertrauen ihm blind. Alle tun, was er sagt, blasen leise oder laut, zupfen an Saiten und hämmern auf Tasten, lassen die Bässe klingen und die Drums. Bis alles passt. Der Mann mit dem Pferdeschwanz macht das Konzert erst zu dem, was es ist. Auch er ein Künstler. Ein wahrer, ein großer Künstler. Wie all die vielen anderen Alltagsheldinnen und –helden, die dafür sorgen, dass das Welttheater weiterläuft. Wie jene, die das Klo putzen, zum Beispiel, und dabei pfeifen.

Trybguet

für j. – zwar nicht vom letzten samstagabend, die aufnahme, aber so ähnlich hats getönt …
… und doch gaaanz anders, weil uns ja das symphonieorkester begleitet hat …

[youtube=http://il.youtube.com/watch?v=cGjmhofaof8&feature=related]

trybguet

die nacht überchunnt scho wieder
roseroti ränder
franset uus & fädlet die nächschti wuchen y
mir hei nid pennet, aber si wäg däm no lang
nid wach
& zyt geit tic-tac-tic-tac viel z schnäu
verby, we mir zäme si

i bi wie nes trybguet trybe, hals über chopf i
dr schtrömig
wyt äwäg vom ufer & vor auem wyt äwäg vo dir
ewigi ebbe & fluet,
im schturm isch
jede hafe guet

aber dyne isch dä, won i scho ha vermisst, won
no nüt vo dir ha gwüsst

du chasch cho & du chasch gah
du chasch aues vo mir ha
du chasch di uf mi verla
i bi immer für di da – ei tag länger
aus für immer
schryss mi über ds näscht ab
füehr mi hinger ds liecht
mir isch jedes mittu rächt
mach mi figefertig & sug mi uus
i leischte dir ke widerschtand
i la mir aus vo dir la gfaue
schteue nume ei bedingig im voruus
la dä mäntigmorge nid zu üs i ds huus!

du chasch cho & du chasch gah
du chasch aues vo mir ha
du chasch di uf mi verla
i bi immer für di da – ei tag länger
aus für immer

i liebe se meh aus mi – ei tag länger
aus für immer!