Akkorde

Mit dem Liebsten und drei weiteren Lieblingsmenschen der Lieblingsband lauschen … Hach, ich bin rundum glücklich und fühle mich reich beschenkt.

Das war ja echt eines der gei… ähm genialsten Konzerte meines Lebens. Zusammen mit mindestens tausend* andern genossen. Das erste und einzige seiner Art – Klassik und Rock aufs beste verwoben. Das Berner Symphonieorkester und Patent Ochsner.

Eigentlich, und das tu ich vielleicht nächstens mal, sollte ich mal über jenen ganz speziellen Menschen bloggen, ohne den Konzerte wie dieses niemals so unvergleichlich klingen würden. Doch, wie gesagt, darüber vielleicht ein andermal …

Jetzt gibts erst mal Brunch. Vier Mägen knurren …

* EDIT: Die Zeitungen sprachen von zehn- bis fünfzehntausend Leuten auf dem Bundesplatz …

Gemurmel

Ich schlafe zurzeit seltsam. Sehr unruhig, sehr bewegt und voller Träume, die nicht hängen bleiben. Ideen verdichten sich ganz kurz zu einer Aussage und ziehen unausgesprochen weiter, ohne Fingerabdrücke und Erinnerungen zu hinterlassen. Als sei alles irgendwie flüchtig. Auch der Alltag. Vieles läuft parallel und berührt mich kaum. Flüchtig alles irgendwie. Flüchtig wohl deshalb, weil ich mich davor fürchte, eine Idee weiterzuverfolgen, sie zu verdichten und in die Materie zu holen? Was wäre wenn …?, denke ich oft. Und dass im Grunde alles Konjunktiv ist. Das meiste jedenfalls. Nicht vielen Gedanken gelingt es, materiell zu werden. Ein neues Gefäß zum Beispiel. Dann Altglas.

So gedeihen mal wieder ganz viele flüchtige und unfassbare Kopfgeschichten. Aus allem und jedem, das an mir vorbeischwebt, spinne ich Histörchen. Die im Konjunktiv bleiben natürlich. Kaum einer gelingt es, auf Papier Gestalt anzunehmen. Kaum eine schafft den Weg über meine Finger auf meine Festplatte. Nicht mal der Regenwurm im Regentopf – den es nicht gibt. Oder doch? Und wenn, was dann?

So, jetzt geh ich mein Altglas entsorgen – der Psychohygiene wegen und so … Das erdet. Einkaufen ebenfalls.

Lesen, lesen, lesen …

Bald ist es soweit … „Gamuppels Sternenreise“ kommt in die Buchhandlungen!

Und auf meinen Nachttisch. Und in mein Herz. Nein, halt! Da ist er ja schon. Seit ungefähr zwei Jahren bereits. In seiner allerersten Rohfassung durfte ich diesen Roman lesen und war schon damals begeistert. Und berührt. Ein weises Märchen, eine Geschichte für kleine und große Kinder, für Menschen, die noch staunen können. Ein Buch voller Weisheit … Liebe U., ich freue mich sehr, dass du es gewagt hast. Und dass ich dein Buch schon bald berühren darf. Wie war das doch gleich? Aller Anfang ist die Idee …

Lieber Gamuppel, dir wünsche ich schon jetzt viele Freundinnen und Freude!

Auch auf ein ganz anderes Buch bin ich sehr gespant. Auch dessen Geschichte kenne ich bereits, wenn auch erst als erzählter Plot. Seit einem Jahr ungefähr. Ich bin sehr neugierig, wie sich dessen Umsetzung liest. Lukas Hartmanns neuer Roman „Finsteres Glück“ ist eben erschienen … Lukas wird daraus am Berner Literaturfest vorlesen. Morgen um 16 Uhr auf dem Münsterplatz. J. und ich werden zuhören …

A little Byte …

Meine neue externe Festplatte, die ich zum Schnäppchenpreis im Internet gefunden habe, fasst sage und schreibe anderthalb Terabytes. Sind anderthalb Millionen Millionen Bytes. Ein Byte mit zwölf Nullen. Nein, ich will hier weder über die Wunder der Technik schwärmen noch über unseren Machbarkeitswahn lamentieren …

Nur dies: wäre ich ein kleines Byte, eins ganz ohne Nullen hintendran, vielleicht der Splitter einer klitzekleinen Textmail oder einer Datei wie dieser hier, würde ich mich jedenfalls auf dieser riesigen neuen Festplatte schrecklich klein fühlen. Bin aber nur ein klitzekleiner Mensch, dafür auf einer riesigen, uralten Kugel, doch auch hier fühle ich mich manchmal schrecklich klein. So zoome ich bisweilen von Weitwinkel auf Tele. Wähle einen Ausschnitt. Wähle ein Stück Erde, das mir Geborgenheit gibt. Wähle ein paar Menschen, ebenfalls klitzekleine Bytes auf diesem grünblaugrauen Rund hier, und schon fühle ich mich wohl.

Damit sich nun die ersten kleinen Bytes auf meiner riesigen leeren Platte nicht so einsam fühlen, schiebe ich nun laufend neue Daten auf das Ding. Alle meine Texte haben es sich dort nun bequem gemacht. Sie wurden von der alten, hundertelf Gigabytes fassenden Festplatte auf die neue verrückt. Verrückt, jawohl. Verrückt auch, dass Texte wie dieser hier, auf einem Textdokument wie Word entworfen, weniger wiegen als dreißig Kilobytes. Ein ganzes dickes Buch? Sagen wir mal fünfhundert Kilobytes. Nicht wirklich viel …

Und was wiegt eine Seele? Einundzwanzig Gramm geht das Gerücht. Und heißt auch ein Lied der Ochsen. Meine seit vielen Jahren liebste Berner Rockband wagt am Samstagabend das einmalige Experiment, mit dem Berner Symphonieorkester auf dem Bundesplatz gemeinsame Sache zu machen. Auch der wunderbare Song „21 Gramm“ werde klassisch interpretiert. Opulent und pathetisch klinge er, meinte Frontmann Büne in einem Interview, das ich heute in der Berner Kulturagenda auf der Titelseite gelesen habe ( >www.kulturagenda.be > Ausgabe Nr. 34).

Das besagte Lied, eben jetzt von A nach B verschoben, wiegt immerhin vierkommasiebendrei Megabytes. Ob das mehr oder weniger sind als einundzwanzig Gramm, weiß ich leider nicht. Klingen tut das Ganze irgendwie so, ist aber leider ziemlich ne miese Aufnahme …

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=COOzaCXRRU8]

beziehungsweise …

Weise, wer zu andern in Beziehung steht. Alle eigentlich, irgendwie, zu allem, zu Dingen ebenso wie zu Undingen wie anderen Menschen. Relativ jedenfalls, alles, immer relativ. Immer alles in irgendeinem Verhältnis zu irgendwem und irgendwas. Im Stehen oder im Gehen. Oder auch nur beim Sein. Alles verhält sich irgendwie, beziehungsweise eben alle, zueinander. Mal nähere, mal fernere Relationen. Verhältnisse unter Verwandten, könnte ich sagen, denn das sind wir ja, und alle andern auch. So oder eben anders, denn alles ist ja, wie gesagt, relativ.

Besonders Besitz. Wer wen besitzt, zeigt sich daran, wer wen gewählt hat. Die Beziehung zueinander. Besitzergreifend zum Beispiel das  iFöun. Da hatte ich also mal so ein Teil gesehen und erlebt und ein bisschen mitbenutzen dürfen, und schon war er da, der Virus. Leise flüsterte er mir zu: Du kannst ohne mich und meine Verwandten nicht mehr leben. Gib mir dein Leben. Ich hatte keine Wahl mehr und kaufte dessen Schwester. Seine Cousine, das Fixnetz-Telefon, war seinerzeit weit weniger zudringlich. Und doch: auch sie oder es besitzt mich. Außer nachts. Ebenso ergeht es mir mit meinen privaten Mailprogrammen, während jenes im Geschäft ein Stiefkind ist. Aber auch verwandt. Das schon. Besitzergreifend ist auch mein Blog, keine Frage. Es fordert mir jeden Tag einen Beitrag ab, einen Tribut, eine Steuer – schließlich habe ich das Ding selbst kreiert. Einem Kind gleich – oder einem kleinen Vogel – streckt es mir seinen offenen Mund, will heißen Schnabel, entgegen und will täglich gefüttert werden. Kein Fastfood natürlich, dafür biologisch und so. Mit Ballaststoffen und Vitaminen. (Wieso nur muss ich hier an den Zauberlehrling denken, der – lang ist’s her – nach den Geistern gerufen hatte …)

Anders verhält es sich mit Dingen, die ich besitze. Wo ich die Scheffin bin. Bei meinem Fahrrad zum Beispiel. Obwohl auch dieses Teil hin und wieder ein Eigenleben führt. Meistens jedoch darf ich sagen, wo es lang geht. Mein Auto? Dieses Verhältnis ist ausgewogen. Wir besitzen uns gegenseitig, würde ich mal sagen, wohingegen Dinge wie Bett und Bücher und Laufschuhe meine Herrschaft, öhm, Frauschaft ohne zu motzen respektieren. Vielleicht mucken sie ab und zu auf, verstecken sich zuweilen (Bücher), lassen Regen ein (Schuhe) oder quietschen ein wenig (Bett, Schuhe auch hin und wieder), doch meistens sind sie nett zu mir. Und ich auch zu ihnen.

Apropos nett und verwandt und Besitz … Wie ich heute Morgen mit dem Rad zur Post fahre, um das Geschäftspostfach zu erleichtern, radle ich an einer Frau vorbei, die ihr Baby wie ein Känguru im Beutel vor dem Bauch trägt. Eben als ich sie überhole, küsst sie ihr Kind auf die Stirn. Ertappt schaut sie mich an. Wir lächeln uns zu. Ein Anblick, der mich berührt. Diese Zärtlichkeit, dieser Hauch … Küssen tun wir nur, wenn wir in Beziehung stehen. Küssen, die Lippen schürzen, den geliebten Menschen mit unserem Mund berühren. Archaische Handlung, denke ich, wie ich weiterradle. Archaisch, sich und den anderen Menschen auf diese Weise zu nähren und sich ihm so zu nähern … mit einer Berührung, die dem Füttern ähnlich ist. Sich küssende Menschen sehe ich später noch mehr, am Bahnhof. Freundschaftsküsse. Abschiedsküsse. Dreimal auf die Wange. Auf den Mund. Mit oder ohne Zunge. Berührung von Haut auf Haut.

Wie gesagt: Weise, wer zu andern in Beziehung steht. Und wunderbar, wenn wir jemanden haben, den wir küssen mögen …

(Jaaa, endlich habe ich mal wieder einen Schlusssatz gefunden …)

Hühnerstallsophien

Naturkunde auf dem Einsamen Gehöft:

Ein Huhn hat das Loch im Zaun entdeckt und büxt immer wieder aus – nur um mich immer wieder eine halbe Stunde später um Einlass zu bitten. Wer da wohl wen dressiert hat?

Später, wieder ausgebüxtes Huhn: Aha, jetzt wissen wir endlich, wer sich auch noch an Mietzes Futter gütlich tut! Jenseits des Zauns schmeckt eben alles besser.

Am heissen Samstagnachmittag irgendwann verlässt die ganze fünfzehnköpfige Hühnerschar für ein Stück alten Kuchen  ihren Schattenplatz, wo sie Siesta gehalten hat.

Und die Moral von der Geschicht …

Lösungen

Bereits im Büro fing es an. Scheff textete mich, kaum angekommen, bereits mit Problemen zu, die ich dringend und unbedingt subito – will heißen gestern – noch lösen müsse. Und schon war er weg. Sitzung und so. Sofasophia zauberte innerhalb einer Stunde die Sorgen vom Tisch und denkt: Was für eine lösungsorientierte Energie! Guut, so kann sie getrost ins Wochenende fahren!

Die Kontrolluntersuchung bei meiner Ärztin verlief ebenfalls „lösungsorientiert“. Alle Tests fielen positiv aus, will heißen negativ für die Bakterien. Null Borreliose-Indizien mehr undsoweiter.

Nordwärts floss ich gestern so ruhig und entspannt wie kaum je. Was sind schon 333km von Bern nach 2brücken zu J. – nach 7000km bis zum Polarkreis wie vor einem Monat?

Kurz vor Colmar dann dies: Wir Autofahrenden werden, wegen einer neugebauten, aber noch nicht markierten Autobahnspur in eine einspurige, rechts und links mit Betonelementen befestigte Straße ein gespurt. An sich nichts ungewöhnliches, wenn da nicht auf einmal das Tempo immer langsamer geworden wäre. Schließlich Stagnation. Rien ne va plus.

Vor mir ein fetter Offroader, hinter mir eine zierliche Blondine in rotem Peugeot-Blech. Über uns eine Sonne, die noch einmal so richtig Sommer spielt. Die ersten fünf Minuten, noch angegurtet, in ständiger Bereitschaft, dass es gleich weitergeht. Die zweiten fünf Minuten verbringe ich mit Musikhören, was nur mit halbabgestelltem Motor geht und was ich sonst selten mache. Ökologie und so. Noch immer weiterfahrbereit und angegurtet. Die dritten fünf Minuten mache ich, Musik hörend, ein paar Bilder aus dem Auto und löse endlich die Gurte. Schreibe SMS und öffne die Fahrerinnentüre um ein bisschen Wind einzulassen.

Ich stelle mir vor, wohin wir alle unterwegs sind. Einige bestimmt, wie ich, zum oder zur Liebsten, andere in Urlaub, zu Oma, an ein Konzert, ins Theater, zum Arzt oder ganz einfach nach Hause. Donnerstagnachmittag, 25km südlich von Colmar. Fröhliche Menschen rollen uns auf der Gegenspur entgegen. Uns? Ja, längst habe ich solidarische Gefühle für uns Wartende entwickelt. Dass ich schon bald meine Mit-Leidensgenossinnen und -genossen, meines eigenen Vorteils willen, verlassen würde wie die berühmte Ratte das sinkende Schiff – wer hätte das gedacht?

Ich wünsche mir einen Hubschrauber, der mich aus dem eingeklemmten Zustand befreit – na ja, noch mehr wünschte ich mir aber eine dauerhafte, alle umfassende Lösung. So ähnlich wie „Frieden für die ganze Welt“. Doch wem hätte es gedient, wenn ich aus Solidarität zu den andern, die Hilfe, die schließlich eintraf, verweigert hätte? Eben!

Deus ex machina – die Erlösung fährt auf uns zu. Rechts von unserm Gefängnis ist, wie ich bereits schrieb, eine nigelnagelneue, zweispurige Autobahn, allerdings noch nicht für den Verkehr freigegeben. Ein geisterfahrender Securité-Wagen fährt uns ebendort entgegen und hält etwa zwanzig Meter hinter mir. Im Rückspiegel sehe ich jetzt, dass die Abgrenzung zur rechten von dort an nicht mehr aus Beton-, sondern aus rotweißen Kunststoffdingern besteht. Diese werden nun von zwei orangeleuchtenden Männern weggeklappt. Nun winken sie mal jene Autos, die hinter der Öffnung stehen, mal die Autos aus unserem Stau – wir müssen uns dazu bloß rückwärts ausfädeln – auf die neue Straße. Mein Glück, dass ich so nahe, vier Autolängen nur, von dieser Öffnung entfernt bin. Wäre fünf oder zehn Minuten früher losgefahren ecetraecetera …

Zuerst einmal fahre ich – auf der neuen Straßen angelangt – an einer unendlich langen, zwischen Betonelemente eingesperrten Autoschlange vorbei. Meine ehemaligen Mitleid(ens)genossInnen! Die ganze Welt auf ein paar Kilometern. Schwarz und weiß, jung und alt, rauchend, smsend, telefonierend, weinende Kinder beschwichtigend, plaudernd, lachend, flirtend, Adressen austauschend vielleicht. Wer weiß, vielleicht hatte gar Amor etwas zu tun, gestern Nachmittag auf der Autobahn nach Colmar! Zuvorderst stehen auch ein paar orange gewandete Straßenbauer im Siestamodus.

Die Auflösung? Nein, am Ende der einspurigen Strecke fand kein Unfall statt. Wie soll ich sagen, da war … einfach … nix. Okay, da stand eine kleine Stopp-Skulptur, doch ich denke mir jetzt, dass wir alle nur auf Grundeines Missverständnisses in dieser Spur gelandet sind. Oder ist es gar ein böser Scherz gewesen?

Bis Colmar bin ich beinahe alleine auf der Straße. Bald habe ich alle Mitgestauten überholt, Denn obwohl die Tafeln „110“ sagen, fahren viele – noch unter Schock – im Beinahe-Schritttempo.

Merke: Manchmal ist rückwärts vorwärts.

Nun sitze ich im Garten des einsamen Gehöfts und schaue einem Eichhörnchen beim Frühsport zu. Rückwärts, aufwärts, abwärts, Hauptsache Nüsse. So haben eben alle ihre Träume …

sich bücken

ist schreiben, ist leben, ist
lieben, ist weben nicht
einfach ein
bisschen wie volleyball
spielen. von mir
aus auch tischtennis. hin und
her mit dem ball. sich bücken immer
wieder, um das
ding wieder in die luft zu bekommen. vielleicht
ist schreibenlebenliebenweben
auch einfach beweg-
ung um der bewegung willen. wander-
ung. sprung.
sprung
in den himmel. oder die hölle. in der hoffn-
ung, zu fliegen. egal wohin. wie
die von feld zu feld hüpfenden
kinder auf dem platz zwischen den
häusern, heben wir ab, ein bisschen nur, doch
immer wieder, und landen auf
dem boden. immer wieder
wird der stein in den himmel geworfen. einfach
nur um in den himmel
zu fallen. auf dem teer.