Computer sind anders, Menschen auch

Seit RAH vor Wochen über die uns im alltäglichen Leben fehlende Suchfunktion des Computers geklagt hat, stolpere ich tagtäglich über weitere Analogien zwischen den verschiedenen Welten, in denen wir uns aufhalten.

Nein, der PC ist uns nicht überlegen, obwohl er das bessere Gedächtnis hat. Doch ein gutes Gedächtnis ist eben nicht alles. PCs können weder glücklich sein, noch trösten. Und sie können auch nicht umarmen.

Ist doch schön, dass es Mitmenschen gibt. Selbst wenn die nicht perfekt sind.

Hm. Wo lege ich eigentlich in mir drin all die Begegnungen mit meinen Mitmenschen ab? Hab ich da nichtmal irgendwo einen dicken Ordner gesehen? „Zwischenmenschliches“ steht auf seinem Rücken. Unterordner „Freunde & Freundinnen“ mit weiteren Unterunterordnern. Darauf Vornamen. Auch Unterordner „Schreiberlinge“ und „Verwandte“ gibt es da.

Ablegen gut und recht. Doch bitteschön in welchem Format? .pdf? Damit ich garantiert nichts mehr ändern kann? Oder doch lieber in einem Textformat wie .doc, .txt oder .rtf, damit ich jederzeit daran arbeiten kann? Und jetzt? Alles abspeichern? Backupen hin und wieder nicht vergessen!

Ooops. Dabei will ich doch fließen lassen. Alles. Immer. Jetzt. Und dabei innen und außen in Bewegung bleiben.

Ob mein Laptop auch dafür eine Analogie kennt? Ist eben auch nicht perfekt, das Teil!

Noch 22 Tage

Der Countdown läuft. Weiß noch nicht so genau, ob ich auch dies Jahr wieder mitmache. Tage zählen. Wörter zählen. Den Zensoren in die Wüste schicken, wie Fatima, die Initiantin, seit drei Jahren predigt.

Weiß nicht, ob ich mir dieses Jahr die Zeit nehmen kann. Nehmen will. Lust hätte ich schon, denn ich liebe diesen Novemberflow, diese kreative Inspiration, das Schreiben ohne zu denken. Besonders, wenn es draußen kalt und feucht ist. Gring ache u seckle. Kopf runter und drauflos rennen. Drauflos tippen. Schreibmarathon. Novemberschreiben.

Seit drei Jahren bin ich – als Janaluna – mit dabei. Zuerst als Schreiberling, später als aktives Mitglied, die mit anderen eine noch immer aktive Schreibgruppe aufgebaut, ein paar Lesungen mitorganisiert und aktiv im alten Forum mitdiskutiert hat. Und die in den letzten Monaten ebendort sehr ruhig geworden ist. Inzwischen musste das veraltete Forum einem neuen Platz machen und ich fühle mich noch fremd dort. Außerdem habe ich eine neue literarische Herausforderung gefunden: Dieses Blog hier.

Dennoch fühle ich mit, pflege jene Beziehungen privat weiter, höre den Puls meiner Schreibcompañeras und -compañeros immer lauter schlagen, sehe sie die Tage zählen.

Eben kletterte ich mal versuchsweise die Treppe hoch und nun stehe ich auf dem Sprungbrett. Soll ich springen?

Und du? Anmelden unter: www.novemberschreiben.ch

Sternschnuppen

Um 2:22 auf die Uhr zu schauen bringt Glück. Ebenso um 13:13. Pech, wenn du um 8:88 schaust. Besser ist 22:22. Auch bei 23:23 kommt das Glück. Und erst recht dann, wenn du dabei zuschauen kannst, wie die Zahl wechselt. Warum sonst gucke ich manchmal eine Beinahe-Minute lang ohne zu Blinzeln auf das Display meines Handys oder auf die rechte Ecke meines PC-Bildschirms?

M. war – und hat mich – felsenfest von ihrer Glückstheorie überzeugt, damals, und wir sofasophieren noch heute hin und wieder über die Wahrheit dieser Zahlenzauberei. Dreizehn Jahre später. Von Zahlen verdeckte Sternschnuppen nenne ich dieses Phänomen, im richtigen Moment auf die Uhr zu schauen, diese eines lauen Herbstabends an einem Feuer im französischen Jura kreierte Weisheit. Die Wahrheit dabei ist: Glück kommt, wenn wir es locken. Na ja, eigentlich ist es ja die ganze Zeit schon da und mag unsere lockenden Spielereien. Es mag uns, wenn wir glücklich sind, da es sich in diesem Klima vermehrt. Glücksvirus.

Heute Morgen. Früh. Noch dunkel hinter den Läden. Ich fragte meinen Wecker per Tastendruck nach der Zeit. 05:55 bedeutete er mir. Und ich? Dachte an Kuno! Natürlich. Und an Charlotte. An Kunos Abgang um nullfüf-füfeföfzg. Nicht heute. Auch nicht gestern. Irgendwann. Und an den Kaffee, den er aufsetzt. An ein wehmütiges Lied auf einem genialem Silberling (http://www.zueriwest.ch/ > Disco > Haubi Songs > 1.Song). Drehte mich zur Seite und konnte doch nicht mehr einschlafen. Obwohl ich noch mehr als eine Stunde gedurft hätte. Dachte stattdessen an die aktuelle Häufung der Sternschnuppen in Zahlenform. Und daran, dass ich glücklich bin. Daran, dass Glück weder von Zahlen noch von Sternschnuppen abhängt, auch von Sternen nicht. Eigentlich. Und auch nicht von Umständen. Einzig von meiner Fähigkeit, es zu sehen, zu fühlen. Dennoch mag ich Sternschuppen und Schnapszahlen. Und Doppelzahlen natürlich auch. Zahlenspiele sowieso. Und das Leben. Und Wochenenden. Und Besuche von lieben Menschen.

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Puntos Universum

Die beiden Männer sitzen schon da, warten, ins Gespräch vertieft, auf die Frauen. Auf mich zum Beispiel. Schön, S. mal wieder zu sehen. Und R., unser Neuer, war auch schon lange nicht mehr dabei. Auch die anderen tröpfeln nach und nach ein. Zuletzt K., die eigentlich vor einem Jahr aus der Schreibgruppe ausgestiegen ist. Doch die freundschaftlichen Bänder sind offenbar stärker, weshalb sie uns allpot mal besucht Zu acht waren wir schon lange nicht mehr. Nur M. fehlt, the third Man. Schade.

Angeregtes Austauschen. Von mir aus könnte es den ganzen Abend so weitergehen, denn längst sind mir meine Mitschreiberlinge und ihre Themen ans Herz gewachsen. Im Punto wird italienisch gekocht. Gopf sind diese all’arrabiata scharf! Der Koch sei eben mit einer Amerikanerin zusammen, erklärt die Kellnerin. Alles klar?

An unseren Texten arbeiten wir so diszipliniert, wie schon lange nicht mehr. Mit der Uhr. Zum Glück habe ich nur einen kurzen Text dabei. Fünf Minuten vorlesen. Fünf Minuten Feedback. Vielleicht mag ich diese Menschen deshalb so sehr? Wir alle sind ehrlich zueinander, gnadenlos, doch wohlwollend, klar und ohne uns zu konkurrieren. Eine Miniwelt, die funktioniert. Ein Modell der Entwicklungsarbeit, das ich gerne auch auf das reale Leben übertrage und auch in allen anderen Beziehungen anwende. Hach, wenn Leben doch bloß überall so einfach wäre!

Zum Feierabendbier wechseln wir diesmal ins Tibits. Doch, nein, nicht des Katers wegen bin ich heute Morgen zuhause geblieben. Seit ein paar Tagen habe ich mal wieder meine Kopfweh-Tiefdruckphase. Chemieseidank geht’s mir jetzt wieder besser, so dass ich mich am Nachmittag wieder in mein Arbeitsuniversum stürzen kann. Doch jetzt genieße ich es einfach – noch immer im Bett -, dass sich mein Kopf langsam wieder lichtet.

Suchbilder

Bestimmt kennt ihr Vexierbilder! Zum Beispiel dies hier … Zuweilen kommt mir das Leben so vor … Du guckst hin und siehst, was du siehst. Was du sehen willst. Was du zu sehen glaubst. Was du zu sehen gewohnt bist … Dann zwinkerst du. Nur ein bisschen. Auf einmal sieht das Ganze ganz anders aus.

Vexierbild

Ich wünsche mir das Talent, eine VexierGESCHICHTE schreiben zu können. Stell dir vor, du  liest dann meinen Text und machst dir Bilder. Du siehst, was du sehen willst. Was du zu sehen glaubst. Was du gelesen zu haben glaubst. Was du – von daher – zu sehen gewohnt bist … Dann zwinkerst du. Nur ein bisschen. Liest den Satz, den Abschnitt, den Ausschnitt, die Geschichte von Neuem und auf einmal sieht alles anders aus.

getroffen

Es ist Herbst. Sie schießen wieder. Männer! Männer und Motoren! Männer, Motoren und Straßen. Kann das gut gehen?  … in solchen Klischees zu baden, meine ich natürlich … 😉

Nichts böses ahnend, radle ich meine Straße entlang. Richtung Büro. Der erste Schuss trifft mich am Unterschenkel. Gleich darauf einer am rechten Knie. Hey, Mann, pass doch auf!, sage ich. Hören tut er mich nicht. Er trägt Ohrenschützer und ist sich der Gefahr, in der seine Mitwelt schwebt, höchstens am Rand bewusst. Er fräst in Gedanken versunken weiter, ungeachtet der spitzen Steine, die er aufwirbelt. Die Motorsense, mit der er den Grasstreifen zwischen Straße und Radweg bearbeitet, zwischen den Beinen. Potenz der etwas anderen Art. Eben so doof, diese Erfindung, wie der Laubbläser. Als ob es effizienter wäre, mit Luft Laub zu stapeln, als mit einem Laubrechen. Beppo, Momos Straßenkehrer, kommt mir in den Sinn. Schritt – Atemzug – Besenstrich. Und auf einmal ist die ganze lange Straße gekehrt.

Geihts no?, frage ich. Nicht den mähenden Mann von der Straße, nein, doch die Männer, die in solchen Dingen das Sagen haben. Denn das müssen Männer sein. Geihts no? Da reden alle von Klimaerwärmung und C02-Senkung, doch unter dem Strich tun sie nicht. Tun wir nichts. Null Komma gar nichts, wie meine Arbeitskollegin M. bei jeder unpassenden Gelegenheit sagt. Dabei wäre es a.) gesünder, b.) klimaverträglicher, c.) ungefährlicher und d.) lärmfreier, wenn die Männer vom Straßendienst statt Motorsensen richtige Sensen gebrauchen würden. Und, wo wir dabei sind, auch gleich richtige Laubrechen statt den Bläsern. Und natürlich würden wir alle mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren!

Geihts no? – Auch so ein Ausdruck, der zum Grundwortschatz potentieller Bernheimsuchender gehört. Und auch ‚geihts no?‘ ist – wie äuä – multifunktionell. Siehe gestern. Es heißt sowohl ‚Spinnst du?‘ als auch ‚Danke! Was für eine schöne Überraschung! Damit hätte ich nicht gerechnet!‘ Die eigentliche Bedeutung lässt sich nur am Klang heraushören. Und am Glitzern der Augen.

Ja, ja, Bern und seine sprachliche Besonderheiten!

Ach, und übrigens … Hier gibt es ihn noch, den Majestatis Pluralis, den der Rest der Welt als ausgestorben betrachtet! Chöitr mr säge, wo‘s düregeiht zum Bahnhof?, fragt jemand einen ortskundigen Menschen, wenn er sich verirrt hat. Nicht ‚können Sie mir …?‘, sondern ‚könnt ihr mir …?‘. Niemand sagt hier Sie. Höfliche Anrede gleich Ihr.

Dennoch … ich mag natürlich auch viele andere Dialekte. Büündnerdütsch zum Beispiel. Oder wolliserdütsch, obwohl ich davon höchstens die Hälfte verstehe und bei ‚schi chuunt ai‘ an englisch denken muss, obwohl das bloß bedeutet, dass sie auch kommt. Lozärnerdütsch mag ich ebenfalls mit seinen rüdig-derben Ausdrücken.

Mit baaseldiitsch und den Ostschweizer Dialekten habe ich wenig am Hut, obwohl ich ganz liebe Freundinnen und Freunde, die so sprechen, habe.

Doch auch bayrisch gefällt mir, denn so spricht Luisa. Dann mag ich auch schwäbisch. Pfälzisch. Hamburgisch. Berlinerisch. Hach, diese Vielfalt! Gut hinhören, mit dem Herzen! … und auf einmal wird jede Sprache zur Offenbarung. Und zur Übung in Toleranz.

Na ja, Toleranz hin oder her: Wäre es denn nicht einfach schöner, die Berner Straßenkehrer hätten richtige Sensen und Laubrechen?

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EDIT: Eben als ich vorhin auf Veröffentlichen geklickt habe, ging draußen der Lärm los. Na? Was wohl? Das Gärtnerteam bläst Laub! *grmpf*