unbeschreiblich

Mir fehlen die Worte, mein Glück zu beschreiben.
Ich schweige und lausche den Nichtworten.

Mein Herz wagt es, arrhythmisch zu trommeln.
Ich lasse mich auf seinen Wirbel ein.

Mein Innendrin überschwappt und überflutet alles.
Ich baue einen Brunnen und teile meine Fülle.

Ich lasse mich auf den Tanz des Lebens ein
und dich von Neuem los.

Ich freue mich auf unser nächste Wiedersehen
und lebe trotzdem gut. Jetzt. Ganz. Hier.

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(Für J.)

Berge

Ich säe Berge, sagte sie. Klein wie sie war, musste sie sich dazu nicht tief bücken. Kieselstein um Kieselstein legte sie in die warme Erde. Wie ihre Großmutter neben ihr hatte sie zuvor mit dem Setzholz eine Schneise gezogen. Bald würden hier Berge wachsen. So wie aus Apfelkernen Apfel- und aus Nüssen Nussbäume wurden.

Samstagmorgen. Mit der Kaffeetasse in der Hand wandert Julia durch Großmutters Garten. Längst ihr Garten. Oma und Opa sind schon lange tot, Berge keine gewachsen, doch Steine mag sie noch immer. Gesteinsschichten. Geschichten.

Meine Lebensgeschichte ist nichts anderes als das Umschichten von Erfahrungen, geht es ihr durch den Kopf. Kleines wird groß. Großes schrumpft. Und Unkraut wächst ohne zu fragen. Im Steingarten setzt Julia sich hin. Auf sonnengewärmte Erde.

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Diese Ges(teins)schichten habe ich gestern anlässlich eines literarischen Gottesdienstes vorgelesen. Thema: Saat gut – alles gut?

Abgehakt

Fünfe grad sein lassen? Leider nicht. Der Sigrist der Kirche von L. konnte es nicht lassen, auf der Tafel, die die Nummern der Lieder anzeigt, die falsch aufgehängte Fünf umzudrehen. Dabei war es gerade sie gewesen, die mir Mut zur Unvollkommenheit zugeblinzelt hatte.

Vor dem heute endlich stattfindenden literarischen Gottesdienst – StammBlogLesende wissen wie sehr ich im Vorfeld daraufhin gelitten und mich über meine Zusage nachträglich geärgert habe – trafen Pfarrer H. und ich uns nochmals zum definitiven Soundcheck mit dem Mikrofon. Noch einmal las ich meine Texte und noch einmal musste ich mir von ihm sagen lassen, dass ich undeutlich lese, dass ich die Endsilben verschlucke undundund. Doch diesmal nahm ich es mit mehr Humor als bei der Leseprobe vor einigen Wochen. Was hatte ich denn wirklich zu verlieren?

J., der zu meiner moralischen Unterstützung mitgekommen war, war genau dies. Seine Anwesenheit half mir, mein mentales Gleichgewicht zu bewahren und mich dem Strom, den ich vor ein paar Monaten bejaht hatte, hinzugeben. Noch am Morgen hatte ich zu ihm gesagt: Ich gehe einfach nicht hin! Im Brustton halbherziger Überzeugung allerdings nur.

Und nun saß ich also da, auf meinem Platz in der hintersten Reihe, von wo aus ich einen ersten lyrischen Text vortragen sollte um nachher in der vordersten Reihe Platz zu nehmen. Saß und nahm das Dröhnen meines Herzschlags wahr. Hörte die Kirchenglocken verhallen. Ließ mich vom Eingangsspiel auf dem Flügel einlullen und vergaß dabei beinahe, dass ich nicht in einem Konzertsaal war. Und dass ich jetzt dran war. Jetzt.

Irgendwie geht alles gut. Das Lesen macht sogar irgendwie Spaß, ich gestehe es. J. nickt mir ermutigend zu, als ich wieder meinen Platz neben ihm einnehme und wir bringen Predigt, Lieder und das ganze Brimborium hinter uns. Im anschließenden Apéro, bei Zopf, Käse und anderen Leckereien, lasse ich mich auf das eine oder andere ermutigende Gespräch ein und erfahre dabei, dass meine zweiteilige Geschichte offensichtlich den einen und anderen Menschen berührt hat. Und gehört wurde. Und verstanden.

Riesiger Felsblock, der mir vom Herzen fiel. Große Erleichterung. Und auf einmal große Müdigkeit. Und ich kann endlich wieder tief durchatmen.

Computer sind anders, Menschen auch

Seit RAH vor Wochen über die uns im alltäglichen Leben fehlende Suchfunktion des Computers geklagt hat, stolpere ich tagtäglich über weitere Analogien zwischen den verschiedenen Welten, in denen wir uns aufhalten.

Nein, der PC ist uns nicht überlegen, obwohl er das bessere Gedächtnis hat. Doch ein gutes Gedächtnis ist eben nicht alles. PCs können weder glücklich sein, noch trösten. Und sie können auch nicht umarmen.

Ist doch schön, dass es Mitmenschen gibt. Selbst wenn die nicht perfekt sind.

Hm. Wo lege ich eigentlich in mir drin all die Begegnungen mit meinen Mitmenschen ab? Hab ich da nichtmal irgendwo einen dicken Ordner gesehen? „Zwischenmenschliches“ steht auf seinem Rücken. Unterordner „Freunde & Freundinnen“ mit weiteren Unterunterordnern. Darauf Vornamen. Auch Unterordner „Schreiberlinge“ und „Verwandte“ gibt es da.

Ablegen gut und recht. Doch bitteschön in welchem Format? .pdf? Damit ich garantiert nichts mehr ändern kann? Oder doch lieber in einem Textformat wie .doc, .txt oder .rtf, damit ich jederzeit daran arbeiten kann? Und jetzt? Alles abspeichern? Backupen hin und wieder nicht vergessen!

Ooops. Dabei will ich doch fließen lassen. Alles. Immer. Jetzt. Und dabei innen und außen in Bewegung bleiben.

Ob mein Laptop auch dafür eine Analogie kennt? Ist eben auch nicht perfekt, das Teil!