Pflicht und Kür

Schon seit Stunden sitze ich am Laptop. Erledige, was zu tun ist. Nebenan wartet die Küche auf mich. Küche in Kisten verpacken ist nicht mein Liebstes. Meine Stunden in dieser Wohnung sind gezählt. Am Mittwoch fahren wir mit dem Umzugwagen in die Schweiz.
Ja doch, flüstere ich mir zu, die Zeit wird reichen.
Aber laut sage ich: Die Zeit wird knapp. Viel zu oft.
Die Zeit ist ein Trichter. Ein immer enger werdender Trichter.
Zeit ist immer. Wir setzen uns Grenzen selbst. Durch Termine. Pläne erfüllen sich. Oder auch nicht.
Die letzten Tage in Mainz hallen nach. Ich lese in meinem iPhone-Notizbuch; „Wie präsentiere ich Kunst? Heißt das nicht eigentlich: Wie locke ich Menschen an?
Konkret: Wo stelle ich den Tisch hin? Welches Bild hängt wo? Was zieht?
Menschen kommen und gehen. Die einen spülen ganz von allein in die Koje. Und eben so einfach wieder raus. Andere brauchen ein einladendes Lächeln, um die unsichtbare Schwelle zu überschreiten. Dritte werden von einem ganz bestimmten Bild in die Koje gezogen. Gesogen sozusagen. Wieder andere meinen Photoshop und Konsorten zu erkennen. Sie ziehen Parallelen und wollen erzählen. Dann gibt es Standbesuchende, die grundsätzlich in jede Koje kurz eintreten, um alles gesehen, nichts verpasst zu haben. Und schließlich sind da noch die, die Prospekte und Gratiskarten sammeln – wozu auch immer? Habe ich jemanden vergessen?
Allen gemein ist, dass alle ganz und gar verschieden sind und unterschiedliche Bedürfnisse haben. Während die einen lieber unbeachtet sein wollen, brauchen andere ein Lächeln, einen grüßenden Blick oder ein Wort. Gut hinspüren, Lachen und Lächeln sind Magie pur.“
Gestern Mittag fuhr ich für ein paar Stunden nach Wiesbaden. Im Frauenmuseum war die Buchpräsentation und Ausstellungseröffnung von Cambra Skadés neuem Buch. Die Frage, wie sich ein Buch, dazu ein Blog-Buch, überhaupt ausstellen lässt, wurde auf sehr überraschende Weise beantwortet. Doch da lasse ich wohl besser die Bilder sprechen … (((Die Ausstellung dauert übrigens noch bis Ende Oktober. Hingehen lohnt sich!)))

(((durch Anklicken werden alle Bilder größer …)))
Viele der im Buch abgebildeten Szenenbilder hat Cambra auch gleich mit ausgestellt, was dem Ausstellungsraum Tiefe und Heiterkeit verlieh.


Gleich zu Anfang fand im Erdgeschoss nach einer tiefsinnig-heiteren Laudatio, umrahmt von den Herzgesängen einer begnadeten Musikantin, eine szenische Einführung von Cambra und zwei Freundinnen statt. Sehr stimmungsvoll und sehr stimmig. Alltag-Magie-Schamanismus-Kunst. Alles verbunden. Ohne Punkt und ohne Komma. Alles gehört zusammen.
Das Summen der mehr als hundert Frauen- und wenigen Männerstimmen vor der Veranstaltung wirkte auf mich, die ich von den langen Ausstellungstagen in Mainz schon recht weichgekocht war, angenehm einschläfernd. Geborgenheit. Geborgen in ganz viel Frauenkraft. Mutige Männer, die sich auf diese anarchistische Energie, die in diesen Räumen waberte, eingelassen haben! Kindergeschrei. Marktplatzstimmung. Und immer wieder Stille. Heiterkeit auch. Übermut sehr. Danke, Cambra, ich bin froh, gekommen zu sein.

Buch bestellen

Kür ist, wenn ich mir nach und neben all den Pflichten, die einfach getan werden müssen, den Raum zum Schreiben schaffe.
Die Tastatur ist die Türe zu meinem Innern, mein Verdauungsapparat sozusagen.
Ich wünsche mir, dass ich in der nächsten Zeit wieder mehr dazu kommen werde …
__________________________________________________________________
Bilder: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

Vorhang auf für Brigitte Wüster

Ein weiters Häppchen von der Kunst direkt 2012 in Mainz.
Gleich gegenüber Annas und Irgendlinks Stand stellt die Keramikschule IKKG – Institut für künstlerische Keramik und Glas die Werke von vier StudentInnen vor.
Besonders sprechen mich Brigitte Wüsters Keramikarbeiten an. Da steckt ganz viel Liebe zum Detail drin sowie Lust am und Mut zum Kontrast. So verstömt der aus unzähligen kleinen Zylindern geformte Zylinder Leichtigkeit – obwohl sein Material doch so schwer wiegt.
Mehr zu ihrer Kunst auf der Website www.sculpture-network.org.
Mehr von mir von Brigitte auf pixatix – dAS Bilderblog.
20120318-225835.jpg
__________________________________________________________________
Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

Vorhang auf für Barbara Rößler

Noch mehr von der Kunst direkt 2012 in Mainz.
Nicht weit von Irgendlinks Koje hat Barbara ihren Stand mit genialen Collagen. Kunstwerke, die sich nur schwer in Worte fassen lassen. Mit Acryl bemalte Leinwände mit aufgeklebten Zeitungsausschnitten und anderen Kleinoden. Mit präzisem Pinselstrich zeigt Barbara spacige Szenen zwischen Nettigkeit und globalem Irrsinn, die Denk- und Schmunzelmuskeln gleichermaßen anschubsen.
Zauberhaft!
Mehr zu ihrer Kunst auf ihrer Website www.freizeichnen.de.
Mehr von mir verkunstete Kunst auf pixatix – dAS Bilderblog
20120317-212422.jpg
__________________________________________________________________
Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

Vorhang auf für Anna Bludau-Hary

Live von der Kunst direkt 2012 in Mainz. Wand an Wand zeigen Anna und Irgendlink ihre Kunstwerke. Beide Kojen sind gleich. Zwölf Quadratmeter groß. Und doch beide so verschieden.
Annas Materialien sind unterschiedliche Japanpapiere, ihre Arbeiten verspielt, luftig, filgran. Draht und Leerbücher verbinden Papier mit Papier und Gesicher mit Geschichten und Erinnerungen.
Papier Leben einhauchen – für einmal ganz anders als mit Worten.
Zauberhaft!
Mehr zu ihrer Kunst auf ihrer Website www.bludau-kunst.de.
Mehr von mir verkunstete Kunst auf pixatix – dAS Bilderblog
20120317-212955.jpg
__________________________________________________________________
Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

Maske bitte!

In Fassadenbauen sind wir gut. Würde mir die Frau von der Arbeitsagentur oder jene an der Kasse im Bioladen ansehen oder zutrauen, dass ich so denke, wie ich denke? Dass ich so zartbesaitet bin? Dass ich so bin, wie ich bin? Nur mal angenommen, sie würde sich das überhaupt fragen. Und ich? Auch ich sehe nur ihre Fassade. Dabei lese ich womöglich ab und zu in ihrem Blog und kenne sie somit längst. Ja, im Internet sind viele von uns mutiger, offener und authentischer als im realen Leben. Pseudonyme sind die Fasnachtsmasken der virtuellen Gesellschaft, hinter denen wir so richtig echt uns selbst sein können.
Schnitt.
Den Film Die Herrschaft der Männer, den mir Canela im Kommentarstrang vom letzten Artikel empfohlen hat, kann ich nur allen weiterempfehlen. Irgendlink und ich haben ihn uns heute Nachmittag angehört, während wir am Kunstarbeiten waren.
Ich musste zwischendurch immer mal wieder auf Pause klicken, weil wir das eine oder andere Stichwort diskutieren wollten. Echt verrückt fand ich besonders jene Passage gegen Schluss, wo ein Zusammenschnitt fünf oder sechs Männer aus Quebec gezeigt wurde. Quebec ist, wie ich heute erfahren habe, so emanzipiert, dass sich gewisse Männer dort ihres Lebens nicht mehr wohl fühlen (wie vielen Frauen auf der Welt es wohl andernorts so geht?). Sie ließen kein einziges gutes Haar an dieser Entwicklung. Am schlimmsten fand ich, dass einer von ihnen meinte, dass die Statistiken über Gewaltverbrechen getürkt seien. Nicht 85% aller Gewaltdelikte würden an Frauen, sondern von Frauen an Männern verübt, sagte er. Dass er glaubte, was er sagte, machte das ganze besonders grotesk. Ich musste an die Holocaustlüge denken, als schon ein nächster Mann meinte, dass das, was die Frauen in Quebec und auch anderswo anrichten, schlimmer sei als das, was die Nazis damals gemacht hätten. Sie (die armen Männer) würden total unterdrückt. Was sei schon ab und zu eine Ohrfeige im richtigen Moment gegen diese Hetzkampagnen der Emanzen?!
Das ist ja das pure Matriarchat!, sagte einer von ihnen, als wäre das M-Wort ein F-Wort. Worauf J. meinte, ob sich dieser Mann wohl schon mal überlegt habe, wie es für Frauen sei, im Patriarchat zu leben.
Dass Männer ganz eindeutig das schwächere Geschlecht sind, wurde mir heute deutlich, als ich den jungen Frauen zuhörte, die nach ihrem Männerbild befragt, Antworten gaben, die mir alle Haare zu Berge stehen ließen. Dass Männer eben Frauen brauchen, die zu ihnen aufschauen, war da noch etwas vom harmloseren (wenn auch getarnt harmlos natürlich). Männer brauchen dies und Männer brauchen das … Das arme, schwache, bedürftige Geschlecht. Unausgesprochen das Satzende, dass die armen Männer sich mit Gewalt holen, wenn sie nicht freiwillig kriegen, was ihnen zusteht. Dinge, von denen sogar Frauen glauben, dass es Männern zusteht. Macht über sie, nur so als Beispiel. Ich zitiere hier nur, was junge Frauen von heute sagen und denken. Und vor allem verinnerlicht haben. Wenn jede dieser Frauen sich auch nur halb so viel Gedanken darüber machen würde, was sie selbst braucht und was ihr wirklich (!) gut tut, sähe die Welt besser aus. Und wenn auch nur ein paar von diesen Männern sich Gedanken machen würden, was denn ihre Partnerinnen brauchen …
Die verbeulten, vernarbten, eingegipsten, sprich verprügelten Frauen, die interviewt wurden, haben alle eins gemeinsam: sie haben längst den Glauben an ihren Wert verloren und harren in dieser Beziehungswüste mit täglichen Schikanen oft schon seit Jahrzehnten aus.
Nein, nicht alle Frauen und nicht alle Männer sind so, aber das verinnerlichte Frauenbild in unserer Gesellschaft hat mich einmal mehr geschockt. Im Film sehen wir sehr viele Aspekte, wo sich dieses rosa Frauen-Idealbild im Alltag zeigt. Ob im Spielwarenladen oder auf dem Strich ist gar kein so großer Unterschied: sind die Frauen schön, klein, süß und nett und verhalten sich adäquat, ist alles gut *hüstel* …
Im Film hören wir auch Gespräche mit einem Künstler, der am Rechner Bilder von Models aufpimpt, und mit einem Arzt, der Penisse verlängert. Die Aussagen des Mannes, der seinem Leben mit seinem nun endlich verlängerten Ding mehr Würde, Macht, Männlichkeit und somit Daseinsberechtigung zu verleihen glaubt, sind so peinlich, dass ich mich frage, ob er das wirklich glauben kann, was er da sagt. Doch offenbar schon.
Irgendwie muss ich bei vielen der gezeigten Männern an die Tamagotchis von früher denken, die immerzu riefen: Hab mich lieb, hab mich lieb, hab mich lieb.
Ich glaube, ich habe die Gleichwertigkeit von Mann und Frau einfach in mir drin. Ich komme gar nicht auf die Idee, mich unterdrückt zu fühlen, wenn ich nach dem Essen den Tisch abwische oder das Geschirr in die Spülmaschine stelle. Haushalt ist doch nicht minderwertig und ich mach‘ ja genauso viel Dreck wie du …, sagt Irgendlink später.
Das nenn ich wahre Männlichkeit Menschlichkeit.

Von Visionen und dem Lebenssinn

Vor ein paar Tagen war es. Ich verpackte die letzten Briefe in Umschläge. Serienbriefe zwar, aber liebevoll gemachte. Serienbriefe, die entweder Menschen ansprechen, die an Schaltstellen von Zeitungen, Zeitschriften und Internetmagazinen – zum Thema Reisen und Mobilität, wo immer möglich – sitzen oder aber die eine Firma im Bereich Outdoor-Artikel leiten (guckt dazu in Irgendlinks Blog im Pressebereich). Menschen also, die sich für Irgendlinks „Ums Meer“-Projekt interessieren könnten und die auch gleich die Möglichkeit haben, dieses Projekt materiell oder dank ihrer Medien zu begleiten. Jede Adresse haben wir dazu feinsäuberlich recherchiert.
Bei jedem Brief, den ich zuklebte, dachte ich mir, dass sich diese Dame bestimmt melden wird. Oder dieser Herr. Oder dieses Radioteam. Nein, ich bin nicht so naiv, dass ich damit rechne, dass sich alle melden. Aber meine Absicht, mein Wunsch, meine Intension sind trotzdem da. Wer weiß schon, was wird?
Später im Auto. Auf dem Weg zur Post. Die Tasche mit den Briefen neben mir auf dem Beifahrerinnensitz. Auf einmal ein neulich gefallener Satz im Kopf. Von R., der unter anderem in der Werbebranche arbeitet. Dass wir es ganz anders aufziehen sollten, dieses Reiseprojekt. Viel größer und lauter. Und unbedingt ein Charity-Programm dran knüpfen. Die Leute könnten dann pro gefahrenen Kilometer etwas für ein tolles Projekt spenden. Etwas zu Herzen gehendes, etwas anrührendes.
Wie ich über den Kreuzberg in die Stadt runter fahre, zweifle ich. Das erste Mal, dass ich an Irgendlinks Reiseprojekt zweifle. Nein, falsch, nicht am Projekt. Ich zweifle nur daran, dass es außer uns und ein paar Nahestehenden sonst eine Sau da draußen interessieren könnte. Es ist ja, strenggenommen, einfach eine Reise. Alle reisen.
Alle reisen! Alle machen Fotos! Alle schreiben (okay, die meisten nur hin und wieder) Tagebuch! Alle fahren ab und zu Rad. So what? Wozu der ganze Aufwand?, zählt Frau Zweifel auf.
Du wieder, als ob du eine Ahnung davon hättest!, kontert Frau Kunst sofort. Ja, gut, alle reisen, aber wem ist eine Reise schon so wichtig, dass er dafür seinen Job riskiert und ein einfaches, komfortloses Leben auf sich nimmt, um seine Reise machen zu können? Dazu drei Monate lang Tag und Nacht Wind, Wetter, Sonne und Regen ausgesetzt sein! Wer ist schon verrückt genug, alle zehn Kilometer respektive alle sechs bis acht Meilen ein Bild zu knipsen, egal, ob es da nun schön oder hässlich ist? Und wer ist schon fit genug, so eine lange Reise auf dem Rad zu wagen? Das hier ist Kunst! Reisekunst. Blogkunst. KUNST!
Ich schaue hin und her – wie eine Tennisschiedsrichterin. Sehe die verbalen Bälle hin und her fliegen. Frau Zweifel und Frau Kunst legen sich ganz schön ins Zeug, muss ich sagen, beide Überzeugte von ihrer Sicht der Dinge. Und als Frau Zweifel das Thema Charity aufgreift, fällt ihr Frau Kunst nur lachend ins Wort.
Da verwechselst du etwas! Natürlich dürfen und sollen die Leute für tolle Projekte spenden. Sehr wichtig! Gutes tun geht immer, doch dazu müssen nicht Tränendrüsenaktivatoren mit Kunstprojekten verknüpft werden. Charity ist wichtig, ohne Zweifel, aber … ja, GROßES ABER … Kunst muss sich nicht mit Benefizzöix dekorieren, um sich selbst rechtfertigen. Kunst genügt sich selbst, ist um ihrer selbst willen daseinsberechtigt.
Zeig mir eine glückliche Gesellschaft auf dieser Welt, die ohne Kunst funktioniert. Siehst du? Gibt es nicht. Kunst ist notwendig, damit Menschen aus dem Alltagshamsterrad ausbrechen können. Kunst wendet grau in bunt. Irgendlinks Reisekunstprojekt ist in sich genug. Ob da nun fünf oder tausend Menschen mitreisen. Das Projekt wird, weil es mitten aus dem Leben kommt, viele berühren und vielen Freude bereiten.
Wie ich dann die Briefe am Tischchen neben dem Kopierer mit Marken versehe – ob das nun andere Kunstmanagerinnen auch selbst tun oder nicht, ist mir dabei egal, denn es ist ein geradezu sinnlicher, spiritueller Akt – wird mit klar, dass sich hier ein Kreis schließt. Die Idee zu diesem Projekt ist mehr als ein Jahr alt. Die Vision wird bald Wirklichkeit. Herzblut, ganz viel. Mit jeder Handlung, so alltäglich sie ist, die ich mit Liebe und Hingabe verrichte, fließt meine Liebe in die Welt. Und der Wunsch, die Welt ein wenig schöner zu gestalten.
Und genau das kann das Projekt „Ums Meer“ tun, Frau Zweifel, hast du das gelesen?

irgenwann und immer

Irgendeinsch fingts Glück eim …, singt Kuno auf dem letzten Kilometer zur dritten und letzten Wohnungsbesichtigung des Tages. Das Glück – findet es mich, finde ich es, habe ich es schon, ist es gar von Räumlich- und Örtlichkeiten abhängig?
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=eH2n2Z2hRC0&feature=related]
***
Ist es Zufall, dass dieses Lied gerade in dem Moment läuft, während ich zu jener Wohnung fahre, der ich nach der Besichtigung fünf Sternchen und tausend „like it!“ geben werde (okay, auch die beiden andern bekommen mindestens je drei bis vier Sterne).
Ist es Zufall, dass in diesem Lied von zuhause die Rede ist. Von Heimkommen und davon, dass irgendwann und irgendwo allen das Glück über den Weg läuft.
Ist es Zufall, dass ich jemanden kenne, der jemanden kennt, dem er mich als neue Mieterin sehr empfehlen kann?
Eigentlich hat mich das Glück schon gefunden, begreife ich – später bei Freundin L. und ihrem Liebsten H. Am Küchentisch. Und später am Telefon mit Irgendlink. Das Glück in Menschengestalt, herunter gebrochen auf Wörter, heißt Liebe, heißt Freundschaft, Mitgefühl, Solidarität. Und seine große Schwester ist Dankbarkeit.
Wie auch immer die Wohnungssuche weitergeht: es wird gut. Es gibt immer einen Weg, wie schon mein Vater mich lehrte. Und ja, irgendwann ist es da, das Glück, das ja schon immer da war. Und irgendwann lass ich es sogar ein. Endlich. Immer? Jetzt!

unfertig

Vor ein paar Tagen, genau gesagt, als wir damit angefangen haben, Irgendlinks Fernradreise-Liveblogprojekt professioneller anzugehen, dachte ich: Wenn er seine Europenner-Website fertig redesigned und relauncht hat, werde ich mal so richtig Werbung machen – hier auf dem Blog und mit einer Rundmail. Denn was ich bei mir kaum kann, kann ich bei andern sehr gut: Erkennen, was gute Kunst ist und ein bisschen pushen. Außerdem freuen sich meine Freunde, Freundinnen und meine treue LeserInnen womöglich genauso wie wir über das, was da werden wird. Das Projekt ist einfach zu gut, um es nicht sichtbar zu machen. Und wenn alles fertig ist, dann rühre ich für meinen Liebsten die Werbetrommel. Dachte ich.

Wenn ich so und so, dann … Wenn wir so und so, dann … Über den Konjunktivismus und die lange Bank der Prokrastination habe ich hier schon viel geschrieben. Wie ein Kehrreim ist das Thema. Wie ein Ohrwurm. Hartnäckig und klebrig. Glück vorgaukelnd, Sehnsüchte weckend und Illusionen nährend taumelt es durch unsere Gegenwart und vertröstet uns auf später.
Ich behaupte nicht, dass es nur das Jetzt gibt. Zu sehr prägt mich die Vergangenheit. Zu sehr werfe ich Schatten in die Zukunft, in die nahe ebenso wie die ferne, in meine und auch in die von J., denn letztlich sind sowohl das Projekt „Ums Meer“ als auch mein Umzug in sechs-sieben Wochen jetzt noch Zukunft. Doch Zukunft muss vorbereitet werden. Die Zeit ist der rote Faden auf dem die bunten Lebensperlen baumeln. Holzperlen. Glasperlen. Süßwasserperlen. Alle echt. Manchmal fällt eine zu Boden, rollt unters Sofa, und zeigt sich erst beim nächsten Staubsaugen. Manche Perlen verblassen, andere fassen wir so oft an, später, dass sie glatt und glänzend werden, während wieder andere Risse bekommen. Und doch baumeln sie alle am gleichen Faden.
Rote Fäden haben es an sich, sich zu verheddern. Manchmal führen sie uns aus dem Labyrinth scheinbar nicht mehr heraus. Manchmal scheinen sie sich rückwärts zu bewegen und wir vergessen kurz, dass auch rückwärts vorwärts ist, weil die Zeit nicht der Chronologie einer Zeitachse, sondern jener der Spirale folgt.
Was ich sagen will: Nein, die Europenner-Seite ist noch nicht fertig, doch lesbar. Sehr sogar! Und wer wissen will, was es mit diesem Wort auf sich hat, lese hier weiter. Die Seite wächst beim Gehen. Der Weg wächst, wenn du ihn gehst. Ein irisches Sprichwort, meine ich mich zu erinnern, das die Vorversion von europenner.de untertitelte. Ich hoffe, dass ich richtig zitiert habe.
Zur Reisevorbereitung in Sachen PR gehört unter anderem die Überarbeitung des Jakobsweg-Buches, das J. vor vierzehn Monaten auf irgendlink.de live gebloggt hat. Dort rückwärts lesbar – heißt der neueste Artikel zuoberst –, wird es jetzt auf europenner.de in lesefreundliche Weise neu ins Netz gestellt >>> hier zum Text. Irgendlink hat es sanft überarbeitet und ein klein bisschen geschlankt. Für mich ist es auch mit Abstand – nicht mehr im Live-Modus, da Vergangenheit – eine wundervolle Lektüre.
Auch „Ums Meer“ wird Irgendlink wieder live bloggen. Und live Bilder einstellen. Wir alle können mitreisen.
Ich zitiere aus dem Brief, den wir an Menschen, die das Projekt womöglich finanziell unterstützen wollen, versenden werden.

Reisen Sie mit!
Als Sponsor oder Sponsorin unterstützen Sie Rincks aktuelles Projekt finanziell oder materiell. Im Gegenzug erscheint Ihr Firmenlogo auf Rincks Reise- und Alltagsblog irgendlink.de. Selbstverständlich werden Sie auf Wunsch in Publikationen namentlich erwähnt. Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf.
Auch als Spenderin oder Spender können Sie mitreisen: Kleine oder große Spenden sind herzlich willkommen. Wir verraten Ihnen auf Anfrage gerne die Bankverbindung zur Überweisung Ihres Beitrags.

  • Mit 30 Euro ermöglichen Sie Rinck zwei Wochen freies Internet bei T-elekom.
  • Mit 50 Euro ermöglichen Sie Rinck drei Tage Verpflegung aus dem Gaskocher von Trangia.
  • Mit 100 Euro kann sich Rinck fünf Campingplatz-Nächte leisten
  • Mit 200 Euro ermöglichen Sie ihm freies Internet für die ganze Reise bei T-elekom.
  • Mit 200 Euro: Der Künstler kann sich einen Rundum-Service für sein Fahrrad leisten. Neue Bremsbeläge, neue Schläuche, neue Reifen.
  • Mit 500 Euro: Jürgen Rinck kann sich einen ganzen Monat verpflegen und vielleicht sogar eine norwegische Pizza essen gehen.
  • Mit 1000 Euro: Campingplatz und Verpflegung für einen Monat sind gewährleistet.

Wer das Projekt mitträgt, wird auf Wunsch in Publikationen und im Blog namentlich dankend erwähnt.“

(((Vielleicht hat ja auch hier jemand Lust, sich ähm, finanziell, *hüstel* zu beteiligen?)))
Fertig sind die PR-Dokumente noch nicht. Noch baue ich an einem Interview, das wir dem Versand teilsweise beilegen wollen. Auch die Web-Auftritte sind noch nicht fertig. Vielleicht nie. Wie im richtigen Leben. Bloggen und leben haben ziemlich viele Ähnlichkeiten. Beides geschieht laufend. Beides endet erst mit dem letzten Atemzug oder dem letzten Punkt. Ob fertig oder nicht. Und ob das jemand je wissen kann?
Oh, die Spülmaschine ist fertig. Toll, wenigstens sie kann es.

Von Gewohnheiten, Pflichten und anderen Dingen

Es gibt Dinge, die tun wir, weil sie uns Spaß machen. Yoga am Morgen. Tee trinken. Spazieren gehen. Beim zweiten Mal tun wir sie bereits in der Erinnerung daran, dass sie uns das erste Mal gut getan. Beim dritten Mal finden wir vielleicht sogar einen besten Zeitpunkt im Tag oder in der Woche. So werden Dinge zu Gewohnheiten. Der Körper und die Seele erinnern sich. Es ist wie ein Weg im Wald, der mit jedem Mal, den ihn jemand geht, ein bisschen breiter wird. Erinnerungen prägen sich ein.
Vernachlässigen wir Gewohnheiten, wächst der Trampelpfad wieder zu. Doch die Erinnerung geht nicht verloren, sie wird irgendwo abgespeichert. An einem unsichtbaren Platz, der sich nicht in Gigabytes beschreiben lässt. Die Kammer der Erinnerungen.
Wenn du etwas tust, das du vor zehn Jahren das letzte Mal gemacht hast, erinnert sich dein Körper. Das Gedächtnis auch, denn die beiden sind aus dem gleich Stoff gewoben – ebenso das Wissen der Zellen und die Botschaften und Erkenntnissen der Neurotransmitter. Alles drum und dran. Alles immer da. Alles immer wieder neu.
Gewohnheiten sind die Leitplanken unserer Alltagsstraßen. Gewohnheiten rahmen unser Leben ein. Sie sind das Hamsterrad, das uns in Bewegung hält und sie sind die Lügen, die wir übernehmen und glauben, um nicht selbst denken zu müssen. Gewohnheiten sind unsere Geländer, wenn wir den Boden unter den Füßen verloren haben und sie sind der rote Faden, an den wir uns klammern können, wenn sich der Sumpf öffnet und uns in die Tiefe zieht.
Es gibt zweierlei Menschen. Die einen, die selbst reflektieren können und es auch tun. Die Gewissenhaften. Und es gibt jene anderen, die alles, was sie stört, als Nachlässigkeiten oder Fehler oder Schwächen anderer verstehen.
Bist du noch auf der richtigen Seite?, fragte sein Vorgesetzter den Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler, der im Laufe der Überwachung des verdächtigen Schriftstellers Georg Dreyman angefangen hatte, Fakten zu vertuschen, die zum Fall des Künstlers geführt hätten. Ohne zu zögern sagte der Hauptmann deutlich ja. Für mich klang es wie:
Ja, endlich bin ich auf der richtigen Seite! Der Film „Das Leben der anderen“ zeigte mir einmal mehr, wie manipulierbar und zerbrechlich wir Menschen sind. Besonders, wenn es um unsere Liebsten geht. Würde ich, um meine Karriere oder gar mein Leben zu retten, andere verraten?
Wir sind immer auf der richtigen Seite, wir alle, immer. Glauben wir jedenfalls. Doch hören wir hin, wenn uns jemand kritisiert? Nehmen wir unsere eigene und die Reflektion anderer ernst oder winken wir ab? Dann zum Beispiel, wenn uns jemand auf Dinge anspricht, die wir tun, obwohl sie uns nicht gut tun.
Wie steht es mit jenen Dingen, die wir tun müssen? Wer sagt uns, was wir tun müssen? Und was ist mit jenen Dingen, die wir sein lassen, obwohl andere sie von uns erwarten? Pflichten. Verpflichtungen. Ein Wort, das für mich sehr ambivalent besetzt ist. Aus Pflichtbewusstsein erledigte Dinge sind für mich weniger wert als aus Begeisterung erledigte. Obwohl in ihnen im ersten Fall mehr Energie, besonders Energie der Selbstüberwindung, steckt. Wert und Energie haben bei mir offenbar nicht die gleiche Maßeinheit zur Grundlage.
Ja, auch über jene Dinge, die wir tun, weil wir sie für sinnvoll halten, gäbe es viel zu erzählen. Ganz nach dem Motto: Sag mir, was dir wichtig für dein Leben ist, was du für sinnvoll hältst, und ich sage dir, wer du bist. In der Tat sagt unsere Prioritätenliste viel über unsere Werte aus.
Mut zu einer Neuüberprüfung dieser innere Werte wünsche ich mir jeden Tag neu. Und die Bereitschaft, meine Werte immer wieder zu überdenken. Und die Werte hinter, über oder unter den Werten, der Boden, auf dem ich stehe.

ausgezeichnet?

Gleich zweimal habe ich in den letzten Tagen den Versatile Blog Award erhalten. Ich bedanke mich herzlich bei den Damen Penelope & Ariadne und Sherry Iranique.
So sieht er aus:

und das sind seine Regeln:
1. Bedanke dich bei der Person, die dich mit der Auszeichnung beehrt hat und verlinke ihren Blog.
2. Teile mit deinen LeserInnen sieben Fakten über dich. Bei mehreren Awards entsprechend multiplizieren. 🙂
3. Gib die Auszeichnung an fünfzehn andere Bloggende weiter, deren Blogs du wertschätzest und benachrichtige sie, denn sie sollen ja erfahren, dass sie von dir die Auszeichnung erhalten haben.
********************************
Sie hat ein bisschen zu viel Phantasie, sagten die Lehrpersonen zu ihren Eltern. Und ihre Schrift! Wer soll das lesen können?!
Eine Träumerin!, sagten die Leute von ihrer Clique, als sie jung war. Doch sie träumt auch heute noch.
Du kannst aus nichts etwas machen!, sagte ihr erster Ehemann. Du guckst in den Kühlschrank und zauberst in einer Dreiviertelstunde ein geniales Essen. Und das ganz ohne Rezept!
Du machst nichts aus dem, was du könntest!,
sagten ihre Eltern. Du könntest studieren. Du könntest Karriere machen!
Wie machst du das bloß, dass Menschen dir schon nach ganz kurzer Zeit Persönliches aus ihrem Leben erzählen?,
sagte ihr Liebster.
Deine Bilder sind einfach fantastisch!, sagte Freundin L., deine Ideen sind einfach so clever umgesetzt.
Ich glaube an deine Schreibe!, sagte Freundin C. zu ihr. Und ich freue mich auf deine Bücher.
Du bist so gar nicht nachtragend!, sagte Freund M..
Und sie, was sagt Sofasophia über sich? Das Außenbild, gleicht es nicht irgendwie einer Gipsmaske, die noch während sie auf der eingefetteten Gesichtshaut erstarrte und trocknete, bereits Vergangenes abbildete?
Doch sie, sie ist die, die hinter die Maske und darunter, sie ist die, die hinter den Vorhang blicken will, selbst wenn sie weiß, dass es dort nicht immer schön ist.
Sie liebt Spaziergänge, tut es jedoch viel zu selten. Sie liebt Gedankenspiele und angeregte Gespräche. Sie denkt und fühlt und lebt. Ein Privileg, wie sie heute im Wald begriffen hat.
Was wäre, wenn ich damals, mit sechzehn immer tiefer in jene Gruppe gerutscht wäre, die mit Drogen experimentiert hatte. Wäre ich so wie heute?, denkt sie, dankbar, dass sie da ist. Noch.
Zuhause findet sie eine Mail in ihrem Postfach: Gratulation, du bist Künstlerin des Tages bei IPA, unserer iPhoneArt-Gallery. Vierundzwanzig Stunden Ruhm und Ehre. Und Komplimente. Und liebe Gratulationen. Hat die Kaiserin Kleider an?
Mit dem Liebsten hat sie dieser Tage beim Autofahren über Anerkennung philosophiert, und die Unfreiheit, die Erwartung und den Druck, die gleich mitgeliefert werden. Jede Auszeichnung ist eine Messlatte. Mehr! Besser!
Frei ist, wer über diesen Dingen steht. Eine Freiheit, die sie sich wünscht. Gepaart mit dem Wunsch, dass ihre Bilder und Texte als eigenständige Werke etwas bewegen und berühren. Kunst losgelöst von den KünstlerInnen, Kunst mit Aussage, Kunst in einen sozialen Kontext gestellt – kein Egotrip.
Wer hat mitgezählt? Hat sie inzwischen schon vierzehn Fakten – Fakten? sind das Fakten? – verraten? Hat sie ihr Soll erreicht?
Und hiermit reicht sie den Award weiter an folgende Damen und einen lieben Herrn, da sie alle diese Blogs allesamt mit Genuss und Lust liest. Und natürlich liest sie noch andere Blogs sehr gerne. Erwähnt sei hier zum Beispiel die nicht gelistete Frau Freihändig – und sie hat noch mehr Lieblingsblogs, auch solche, die zurzeit oder schon länger brachliegen … Zum Glück ist bloggen freiwillig! 😉
# aramatique
# Anhora
# Canela
# irgendlink
# Hausfrau Hanna
# Hausdrachen
# Kati
# Kirschkernzeit
# Li Ssi – Café Weltenall
# Madame Lila
# Mützenfalterin
# Quersatzein
# RAH
# Syntaxia
# Wildgans
Eigentlich müssten auch Sherry Iranique und Penelope & Ariadne von mir, ähm ihr natürlich, diesen Award erhalten, doch sie haben ihn mir, also natürlich ihr, ja überreicht! 🙂