Kunst überall

Gleich Mitternacht. Ich bin müde und mein Kopf brummt noch immer ein wenig von unserem Tag in Mainz.
In der dortigen Galerie Walpodenakademie durften Irgendlink und ich das eine der beiden Schaufenster mit einem Teil unserer iPhone-Kunstwerke von unserer Ausstellung im September bestücken.

Auf obigem Bild, das ich mit der Panorama-App-Kamera Photosynth aufgenommen habe, ist es zu witzigen Bildüberschneidungen gekommen. Das ist zwar unperfekt, jawohl, aber witzig dennoch. Wenn ich das Bild im Bildordner dieser App aufrufe, erscheint es in „elastischer Form“. Ich kann es mit Fingertippen hin und her, rauf und runter bewegen und so ein Google-Earth-artiges, dreidimensionales Betrachten erzeugen. Macht echt immer wieder Spaß, diese App!

Eine Auswahl der gerahmten Kunstwerke haben wir gleich für die Kunstausstellung „ArtShop“ – ebenfalls in der Walpodenakademie – mittransportiert. Hier mehr Infos:

Zum Programm (PDF) hier klicken >>> Artshop-Programm
Geht hin und schaut … 🙂
Sämtliche unserer ausgestellten Bilder – und ein paar mehr – könnt Ihr sowohl dort vor Ort als auch in unseren beiden Whitewall-Galerien kaufen! > Sofasophia: hier klicken & irgendlink: hier klicken.
Ich kann nur sagen: Superqualität! Und ich sag bloß Weihnachten, Weihnachtsmuffelin, ich!
Auf dem Weg zurück zum Auto dies hier aufgelesen – Graffiti und Schattenwurf wetteifern um eine Hauswand.

Auf dem Heimweg schließlich ein Abstecher auf den Donnersberg, den höchsten Punkt der Pfalz. Leider ist aus dem Bild, das mich auf dem kleinen Mark-Stein in der Yogastellung Baum hätte zeigen sollen, nichts geworden. Ich hab zu früh das Gleichgewicht verloren, jawohl, aber egal. Hauptsache, wir waren da. Und es war echt magisch, so in den Wolken zu schweben.

Kunst überall, habe ich diesen Artikel genannt. Ja, und Kunst ist auch jederzeit. Gestern, heute, morgen. Gestern Abend war Ausstellungseröffnung in H. in der Galerie B. (für mehr Infos: hier klicken, doch die Ausstellungsseite ist im Moment offenbar noch nicht aktualisiert).

Spannende Leute haben wir getroffen. Witzig, dass eine von den Künstlerinnen – Katharina Kunz (in der Bildmitte) – Schweizerin ist, wie ich. War echt schön, mal wieder Dialekt zu schwatzen 🙂
Dank eines Gesprächs mit dem Künstler Klaus Harth habe ich ein spannendes Kunstblog entdeckt. Besonders angetan haben es mir Klaus‘ Vogelbilder, von denen übrigens auch ein paar im ArtShop in Mainz hängen werden. Es lohnt sich also wirklich, im Dezember nach Mainz zu fahren!
Demnächst will und werde ich mich hier zum „Versatile Blogger“-Award, der mir verliehen worden ist, äußern. Mal sehen, was mir dazu einfällt 🙂
_____________________________________________________________________________________________
Bilder: iDogma:
Bild 1: fotografiert mit Photosynth, bearbeitet und beschnitten mit PS Express
Bild 2, 4 und 6: fotografiert mit Hipstamatic, unbearbeitet
Bild 3: Flyer der Walpodenakademie
Bild 5: fotografiert und direkt bearbeitet mit Pro HDR

aus dem Netz gefischt

Heute beim Surfen dieses Blog hier gefunden:
Cambras Blog

Die Autorin kannte ich ich bisher als Kunstbuchautorin. Dass sie bloggt, war mir nicht bekannt. Sie stellt sich und ihre Vision so vor:

Ich erforsche Kunst als Fachsprache des Schamanischen, male, tanze, reise, erfinde mich manchmal neu, besuche gerne alte Feuer, um Lebenslandkarten und Geschichten zu teilen.
(Quelle: Blogsite: About me)

Was lese ich da in ihrem Artikel vom zehnten November? Über die Kultivierung des Unperfekten?!
Wooow, das muss eine noch unbekannte Cousine sein, und mir fällt auch gleich mein allzeitbereiter Satz bei allfälligen Unperfektitäten sein: Das muss eben so sein! Sie schreibt:

Nicht versuchen zu kaschieren, sondern es betonen – die Fehler, das Schiefe, Schräge, Ausgerutschte, Danebengemalte, Holprige. Es zeigen, vielleicht sogar überzeichnen. „Du schneidest immer schief,“ hat meine Mutter gesagt, „und es sieht auch verschnitten aus. Lass uns versuchen, es gleich richtig schräg zu schneiden, dann sieht es gewollt aus.“ Das hat mir gefallen. Den Strich weiterziehen, wenn ich rausgemalt habe. Ein kleines Loch betonen, umranden, farbig unterlegen.
Was mache ich mit all dem anderen Unperfekten? Im Körperlichen? Motorischen? Sonstigem? Ihm ein Lied geben oder es tanzen, reingehen, überbetonen, spüren, da sein lassen, anerkennen.

Auch folgende Artikel auf dem schön gestalteten Blog haben es mir angetan:
# Lustvoll-verrücktes Schmarrnmachen
# Blog wird Buch
# Buchbestellung, Porto und Bequemlichkeit
# Ich sammle Wörter und Augenblicke
# Die versehrten Wörter
———————————————————————————————————
@ Li ssi: herzlichen Dank, für den Blogtipp!

Goldschnittchen

Über die Technik gäbe es dieser Tage viel zu erzählen. Und über Kontraste auch: Innen und außen (Temperaturen, Befindlichkeiten und so Sachen), drinnen und draußen (dito), früher und heute … Und noch früher erst recht.
Da waren wir also am Freitagabend mit Journalist F. auf der Piste. An der langen Nacht der Bibliotheken, welche die ansässigen Büchereien heuer das zweite Mal durchgeführt hatten. Weil wir die Einlasszeit zur ersten der drei Veranstaltungen verpasst hatten, genossen wir die Pause bei Flammkuchen und angeregten Gesprächen.
In der historischen Bibliothek gab es danach einen Crash-Kurs in Buchbinderei. Vom Buchblockbinden zum Goldschnitt. Damals und heute. Handgeschriebene Unikate mit Holz- und Ledereinbänden. Mit blattgoldenen Strukturen auf Ledereinband und Buchrücken. Die Weiterentwicklung zum gedruckten Buch, das bereits mit maßentauglichen Strukturrollern verziert wurde, war geradezu revolutionär. Ein erster Schritt zur Rationalisierung. Möglicherweise so revolutionär wie der Schritt vom Papierbuch zum eBook. Bücher wurden übrigens lange Zeit als umschlaglose Buchblocks gehandelt, auf dass die Käuferin damit zum Buchbinder ihres Herzens gehen und sich einen Einband nach Wunsch (und Inhalt des Geldbeutels) anfertigen lassen konnte. Was für ein wunderschönes (Kunst-)Handwerk! Schade, dass sich das heute kaum mehr jemand leistet.
Von der Goldschnittbibel in der Vitrine pilgerten wir danach in die Stadtbücherei. Großer Kontrast: Hörbücher, DVDs, Ratgeber, Romane quellen aus den Regalen. Mein Herz hüpft. Wie immer wenn ich inmitten von Büchern bin. Mit einem Drink in der Hand schreite ich die Regale ab. Es folgt ein rock-bluesiges Konzert dreier saarländischer Gitarristen, die ihr Hand- und Mundwerk verstehen. Wortkunst einmal anders. (((Michael Riehm und Co. auf YouTube)))
Noch mehr Technik schließlich gestern. Da das neulich ausgeführte Datenrettungsbackup meines winterschlafenden Laptops leider doch nicht ganz vollständig war, galt es dessen interne Festplatte auszubauen und in ein eigens dazu gebautes Case mit USB-Anschluss zu stecken. So konnte ich das Teil – wie eine externe Festplatte – bei meinem alten, wiederbelebten Laptop einstöpseln und so auch noch die letzten fehlenden Daten kopieren. Coole Technik! Was doch alles so geht!
Und jetzt, wo ich meine Bewerbungsunterlagen zur Verfügung habe, finde ich keine Ausreden mehr. Nun kann ich loslegen: Bewerbungen schreiben. Neue Stelle finden. Und morgen Vormittag zur Arbeitsagentur nach P. fahren.
Dass die mir eine Umschulung zur Buchbinderin bezahlen, ist eher unwahrscheinlich, doch träumen ist wohl immer erlaubt.
20111030-101518.jpg
20111030-101615.jpg
______________________________
beide Bilder: iDogma-Art
Alte Zeit trifft neue Zeit.

Spuren finden

In der neuen Ausgabe der Schweizer Zeitschrift Spuren zum Thema ver-rückt fand ich ein paar geniale Artikel. Zu erwähnen ist ein Gespräch mit dem Psychotherapeuten Theodor Itten, der, zum Thema Normalität befragt, erzählt:

Wir können von einer Normalitätsglockenkurve sprechen, das ist jene statistische Figur, die beispielsweise entsteht durch die Verteilung von gleichmäßig nach unten fallenden Sandkörnern. In der Mitte haben wir die höchste Erhebung. Der Berg ist die Normalität, die Ränder links und rechts sind die Abweichungen. Doch was passiert, wenn wir die Ränder, die sich außerhalb der Norm befinden, wegnehmen, um sie der Mehrheit in der Mitte zuzufügen? Sogleich rutschen Sandkörber aus der Mitte nach und füllen die Lücken. Das heißt, die fünf bis zehn Prozent an den Rändern stützen die Norm.

Das Bild ist klasse. Macht wunderbar Mut zum anders sein! Was wäre eine Gesellschaft ohne uns SpinnerInnen?
Auch andere, die in dieser Spuren-Nummer zu Wort kommen, beeindrucken mit Bildern, die sich in mir festsaugen. Der Holzbildhauer Erwin Schatzmann sagt:

Gemäß dem Grundsatz, dass falsch nicht sein kann, was alle tun, gilt der tägliche Wahnsinn als nicht verrückt. Die großen Fehler unserer Zeit werden nicht von einigen wenigen, sondern von der großen Mehrheit begangen. Das bewirkt, dass dagegen nichts auszurichten ist, da die Mehrheit sich selbst nicht anklagt und politisch sich keine Mehrheit gegen etwas findet, was die Mehrheit tut. (…) Nicht durch Verbrecher, sondern durch das Gesetz wird das Unheil vollzogen. (…) Es gibt gute und schlechte Spinner. Der schlechte verheddert sich in seinem Gespinst, verstrickt sich in einem Gewirr von Fäden und kommt schließlich zu Fall. Der gute Spinner aber folgt einem Faden, den er nicht verliert und den er sauber auf eine Spule aufwickelt. Damit kann er oder ein anderer Kleider weben für sich und die ganze Welt. (…) Mit dem Regenbogen ging es mir so. Ich wollte auf ihn raufklettern, sah mich bereits schon auf ihm. (…) Aber immer war er weg oder löste sich gar ganz auf. Inzwischen habe ich begriffen: Nirgends ist der Ort des Regenbogens. Er ist immer dort, wo man nicht ist. Aber jeder Ort ist ein Ort für das Unfassbare. Sonne und Regenbogen sind nicht zu fassen und vielleicht gerade darum unfassbar schön.

Und so weiter. Das Heft ist ein richtiger Prachtsbaum im Blätterwald.

Farben und ihre Wirkung

Diese Bilder, sie sind so … sooo … so stark, so farbig …, sagte eine Besucherin heute Nachmittag, die über unsere Ausstellung in der Zeitung gelesen hat und deshalb zum einsamen Gehöft gefahren ist.
Ein anwesender Journalist stellte unzählige Fragen zur Technik. Es schien ihm kaum vorstellbar, dass ein Smartphone zu solchen Taten, sprich Bildern, fähig ist. Dass alle unsere Bilder einzig und allein auf den iPhones gestaltet worden sind.
Mir gefällt dieses Bild total gut, sagte eine Dame, es ist so leuchtend und kräftig. Kein Wunder, dass es einen Wettbewerb gewonnen hat.

Broken Glass, 40 x 30, Fotoabzug, gerahmt
————————————–
Kurz und gut … es hat Spaß gemacht, mit unseren Gästen über Kunst, iPhoneographie und das iDogma zu plaudern, zu lachen, zu diskutieren, ihnen Crashkurse in Appologie zu erteilen und sich über die Reaktionen zu freuen, die unsere Bilder auslösten. Spannende Menschen waren da. Bekannte und neue Gesichter.
Morgen geht’s weiter. Schön, aber auch anstrengend ist es, die eigenen Innenwelten sichtbar zu machen.
Und genau über Sichtbarwerdung und Erfolg sowie die Angst vor beiden haben wir geredet, mit R. und S., und über den Weg einer Künstlerin, S. herself, die über Umwege ihren eigenen Kunstweg gefunden hat. Ein sehr inspirierendes Gespräch, das weit über die offizielle Öffnungszeit hinausgegangen ist.
Offenen Türen und offene Herzen – eine gute Erfahrung!
Hier klicken zum kleinen App-Lehrgang: Von der Idee zum Kunstwerk (pdf)
Hier klicken zu einer vierseitigen Dokumentation mit Bildern von unserer Ausstellung „Offenes Atelier 2011“ (pdf)
————————————–
Infos zur Ausstellung im Rahmen der Offenen Ateliers Rheinland-Pfalz
Wir haben etwas über siebzig mit dem iPhone fotografierte und bearbeitete Werke ausgestellt.
Ein Großteil sind Fotoabzüge in Rahmen, ein weiterer Teil auf Aludibond aufgezogene Fotoabzüge.
Ein Poster „Urban Artwalk Winterthur 2011“ mit Bilder von uns beiden.
Einige Direktdrucke auf Aludibond.
Mitausgestellt ist die Edition „Labyrinth“ von Jürgen Rinck (4 Kunstdrucke) und Stefan Folz (Text), geplant 2007, erschienen im September 2011 in der edition s beck, Homburg.

Herzklopfen

Ein bisschen ist mir zumute wie vor meiner ersten Lesung. Die erste Ausstellung! Okay, ich stelle nicht allein aus, dazu fehlt mir der Mut. Ich stehe in Irgendlinks Windschatten. Er hat zwei Drittel der Bilder kreiert. Ich bin Trittbrettfahrerin, sozusagen. Gast-Mitausstellerin. Dennoch. In dieser Ausstellung steckt so viel Herzblut. In all den kleinen Details. In der Werkliste. In den Bildbeschriftungen. Und natürlich ganz besonders in all meinen Bildern: Wie werden sie ankommen? Werden sie berühren? Werden sie verstanden?
Wie damals, als ich meine ersten Texte publiziert hatte, schlägt mein Herz laut.
Natürlich kreiere ich primär um des Prozesses willen, ich kann nicht anders. Doch ebenso natürlich ist die Hoffnung auf Resonanz. Selig die Künstlerin, die gänzlich frei von solchen Hoffnungen ist. Ich beneide sie unendlich.
Der neue Tag ist schon eine Stunde alt. Wir haben viel gearbeitet. Ein weiterer Abend im Atelier. Fast alles ist nun an seinem Ort. Kommt und seht! 🙂

Feindbilder füttern – bitte nicht!

Heute habe ich von S. aus der Schweiz diesen Aufruf hier erhalten. Ich schlucke schwer an dieser neuerlichen Rechtsaußenbewegung, die mein Heimatland unternimmt. Kann das wirklich sein? Lassen sich so viele Wählerinnen und Wähler einfach so nach immer mehr rechts bewegen?
Liebe Leserinnen und Leser, wo immer ihr seid: bitte, schaut und spürt ganz genau hin. Rassismus kommt auf leisen Füßen daher, doch er ist ein giftiger Stachel, der letztlich allen schadet … Bitte lasst uns nicht aufhören, uns Gedanken über unsere Mitwelt zu machen.

Die Hetzkampagnen der SVP stoppen!
(Unterstützungsaufruf weiter unten)
Mit ihrer neuen Hetzkampagne („Kosovaren schlitzen Schweizer auf„) erreicht die SVP einen neuen Tiefpunkt. Davon angewidert solidarisieren wir uns mit Christoph Schmutz und Andi Kunz, die nicht heimlich mitten in der Nacht, sondern am helllichten Tag und in aller Öffentlichkeit am vergangenen Samstag rund um die Altstadt einige Kampagne-Plakate der SVP gebleicht haben. Mit dem Weisseln von „MASSENEINWANDERUNG STOPPEN“- Plakaten zeigten sie ihren Protest gegen die fortgesetzte, diffamierende Hetze der SVP gegen Menschen ausländischer Herkunft.
Die Plakate suggerieren die anonyme, bedrohliche Invasion einer schwarz-bestiefelten Meute in unser Land. Die Träger der schwarzen Schuhe sind in Wahrheit die schlecht bezahlten ausländischen Erntehelfer, die auch den SVP-Bauern den günstigen Salat pflücken, sie sind die schlecht bezahlten ausländischen Küchengehilfinnen, die auch SVP-Wählern die Rösti auf den Teller liefern, sie stehen für die ausländischen Pflegekräfte, die auch SVP-Parteimitgliedern im Altersheim den Verband wechseln, sie meinen die ausländischen Lehrkräfte, die auch dem SVP-Nachwuchs die Geographie Europas näher bringen, sie symbolisieren die ausländischen Strassenbauer, die bei brütender Hitze auch SVP-Automobilen die Feuerthaler-Brücke sanieren und nicht zuletzt stehen die Stiefel auch für viele hochqualifizierte ausländische Kaderleute in manchen Schaffhauser Unternehmungen.
Eine Partei, die seit Jahren mit den Begriffen Disziplin, Anstand und generell mit „schweizerischen“ Werten hausiert, betreibt eigentliches Polit-Littering der schmutzigeren Sorte. Das jüngste Plakat ist der aktuelle Tiefpunkt in einer Reihe von Kampagnen, in denen Ausländer als schwarze Schafe oder Messerstecher dargestellt werden, Linke als rote Ratten diffamiert werden, schwarze Hände nach Schweizer Pässen greifen und Minarette in Raketenform die Schweizer Fahne durchbohren. Gegen diese widerliche, fortgesetzte Form der Ausgrenzung und Herabminderung von Menschen ist unser zivilgesellschaftlicher Widerstand gerichtet.
Die Meinungsfreiheit ist unbestritten ein sehr hohes Gut. Ebenso klar ist doch aber auch, dass diese Freiheit andere Grundrechte genauso respektieren muss: Die Achtung von Würde und Gleichheit aller Menschen. Die Verteidigung diesesRechtsgutes legitimiert unserer Ansicht nach die Form unseres Protests.
Die SVP hat eben nicht die Rolle des gesellschaftlichen Sorgen-Seismographen, sondern sie pflegt Feindbilder, schürt Ressentiments, bewirtschaftet Vorurteile. Sie lenkt damit ab von allen wirklich wichtigen Zeitfragen, die mit Sicherheit nicht mit einem nationalistischen Röhrenblick zu lösen sind. Gefragt wären heute ein Mehr an Demokratie, Beteiligung, Gerechtigkeit und Solidarität und ein Weniger an Feindbildern, Schuldzuweisungen, Spaltung und Schwarzmalerei.
Um unserer Solidarität mit Christoph Schmutz und Andi Kunz und unserem Protest gegen die widerlichen Hetzkampagnen der SVP Ausdruck zu verschaffen, möchten wir den vorliegenden Text in einem Inserat in der Zeitung platzieren. Wir rufen Sie dazu auf, sich unserem zivilgesellschaftlichen Protest anzuschliessen, um deutlich zu machen, dass die Protestaktion eine breite Basis hat. Bitte senden Sie uns möglichst bald (!) ein Mail mit Ihrem Vornamen und Namen an eine der unten stehenden Adressen, damit wir Sie namentlich im Inserat erwähnen können. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Werner Brandenberger, Rechtsanwalt (ra.brandenberger((at))shinternet.ch)
Peter Leu, Organist (leu.schilling((at))bluewin.ch)

Kunstzwerg im Rückspiegel

Ein Haufen Verrückter?

hier klicken zum Film-Dokument
FacebookerInnen können auch hier klicken
Dank dieses Filmbeitrages könnt ihr nachträglich am Kunstzwerg-Festival bei uns auf dem Hof teilhaben.
Mike & Robert, Meng, Inox, der Hundefänger, data shock und auch Brandstifter kommen zu Wort.
Eine kleine feine Auswahl hat sie getroffen, die Redaktion. Ziemlich gut gemacht, find ich.

The (Mon)Day After

Mit Frühstücken, Aufräumen und Abschiednehmen ist der Montagmorgen viel zu schnell vergangen. Das achte Mainzer Kunstzwerg-Festival ist Vergangenheit. Die letzten Gäste sind abgereist, Brandstifter, T., seine Liebste sowie die beiden Künstler Mike und Robert aus New York und New Jersey. Sie alle waren seit Donnerstag mit uns hier zuhause.
Nur P., auch bekannt als Qqlka, ist noch da und der ist ja eigentlich nicht wirklich ein Gast. Er gehört sozusagen zum Haus und half heute meinem Liebsten das kleine Chaos – bestehend aus vollen und leeren Flaschen, vollen Säcken und leerem Mietkühlschrank – zu bewältigen, während ich wieder zur Arbeit gefahren bin. Ruhe kehrt ein auf dem einsamen Gehöft.
Doch unruhig war es die letzten vier Tage nicht wirklich. Turbulent eher … und lustig, inspirierend, lebendig, zuweilen chaotisch, immer bunt und belebend. Und vor allem sehr, sehr angenehm – all meine Ängsten zum Trotz. Die Leute, die hier ein und aus gegangen sind, haben sich sichtlich wohlgefühlt. Sie haben sich im Garten, auf der Terrasse im nahen Wald, im Atelier-Kulturraum oder in der Außenküche aufgehalten, haben geschlafen, nicht geschlafen, miteinander geredet, zusammen geschwiegen, sich gegenseitig zugehört, sie haben gestaunt und gedöst, geraucht die einen, das Feuer geschürt, getrunken, gegessen und sie haben den neuen Klängen gelauscht.
Verdichtetes Leben. Klangfarben vielerlei Kunst.
Ein besonderes Erlebnis für mich war die Begegnung mit der taiwanesischen Künstlerin Meng Wu (sprich: Mong), die hier nicht nur als sich selbst sondern auch als Blume auf dem Feld mit dabei war.

Mengs Blog: http://meng-hsuan-wu.blogspot.com/
Weil wir eine Wette abgeschlossen haben, die wir beide gewonnen und verloren haben (ja, das gibt’s), bekam jede von der anderen ein Bild geschenkt. Während des Samstagabend-Konzertes im knappen Licht der sphärischen Beleuchtung, eingehüllt in psychedelische, außerirdische Klänge malten wir nebeneinander vor uns hin. Ein tolles Erlebnis. Die Übergabe erfolgte gestern Vormittag auf einem Spaziergang über die Felder. Da, wo es ganz still ist, stehend unter einem Baum, vor uns der Horizont, hinter dem es immer weiter und weiter geht, überreichten wir uns unsere zur gegenseitigen Ermutigung gedachten Werke.
Später, nach der letzten Improvisation im Atelier – unterstützt von zwei spontan eingeladenen Alphornisten und gefilmt von einem begeisterten Saarländisch-Rundfunk-Team, das über das dreitägige Festival für Mittwoch eine Sendung plant – reisten die meisten Leute ab. Auch Meng.
Werden wir uns je wiedersehen?
, fragten wir uns. Ich weiß es nicht. Doch vergessen werde ich sie nicht.
Gestern Abend war ausbaumeln angesagt. Wie halbtote Fliegen hingen wir, zu acht noch, in den Bänken, und tauschten uns aus. Ausgelassen, müde, authentisch, aufgekratzt. Mike (sk orchestra) und Robert (P.A.S.) schenkten mir gleich drei handsignierte CDs.
Thanks for helping us feeling at home. Was für ein schönes Kompliment!
So habe ich mit Katis nigelnagelneuer CD On The 2nd Thought, die ich mir heute Abend anhören werde, ganz schön viel neuen Sound im Haus.

Reichlin zum dritten

Man liebte und wurde verletzlich, schon eine Stecknadel riss tiefe Wunden, man stülpte das Innerste nach außen unter der Bedingung, dass der andere ebenso verletzlich war wie man selbst. Schmerz wurden mit Schmerz vergolten. (…) Andernfalls war diese ungeheuerliche Entblößung des Herzens nicht zu verantworten. Einseitigkeit war lebensgefährlich, hier ging es um ein exaktes Gleichmaß der Schwäche. Und Liebe war nichts anders als wunderbare, köstliche, schreckliche Schwäche. (…) In etwas derart Verrücktes durfte man sich nicht einseitig hineinbegeben. Nur wenn beide verrückt waren, verlor man nicht den Verstand.

Schreibt Linus Reichlin, will heißen, lässt er Hannes Jensen denken, Antiheld und frühpensionierter Polizist. Diesmal erlebt dieser allerdings keine metaphysischen Horrorstories oder Kriminalgeschichten wie in den beiden früheren Werken Reichlins. Diesmal erleben wir Jensen bei der Begegnung mit Gespenstern der etwas anderen Art. Eifersucht und Vergangenheit heißen zwei davon.

In einem Rutsch habe ich an diesem Regentag das Buch „Er“ verschlungen. Allerdings erst, nachdem ich den hässlichen Schutzumschlag entfernt habe. Über den immer wieder neu überraschenden Erzählstil Reichlins habe ich mich ebenso gefreut wie über die Handlung. Sie berührt, obwohl eigentlich gar nicht so viel passiert. Der Plot des dritten Romans dieses deutschsprachigen Autoren ist weniger spektakulär als jener der beiden Vorgängerromane, dennoch erschafft Reichlin mit seiner Erzählkunst, in der er zwei scheinbar nicht miteinander zusammenhängende Geschichten laufen lässt, eine unglaubliche Dichte, die mir zuweilen den Atem raubte.
Besonders faszinierten mich jene Passagen, in denen Jensen und eine weitere Figur beinahe assoziativ einen Ausschnitt ihrer Wahrnehmung mit uns teilen. Kurze knappe Beschreibungen ohne erklärender Schnickschnack. Dazu gänzlich wertfreie Zeichnungen der verschiedenen Personen. Ja, Bilder mit Worten malt Reichlin. Und Schnappschüsse zeigt er. Von Außen- ebenso wie von Innenräumen. Kein klassischer Adrenalin treibender oder gar maßentauglicher Krimi ist das, aber eine Geschichte, die es lohnt, gelesen zu werden. Ein echt starkes Stück!
mehr:
zur Website des Autors
und hier zur
Krimicouch
-Buchbesprechung.