Eden

Der Traum von Paradies, wer träumt ihn nicht? Mindestens ein bisschen.

Gestern haben wir uns Straßenkarten für die Urlaubsreise im Juli gekauft. Vorfreude ist eben die schönste Freude. Im Bett liegend sich durch Kartenlandschaften zu träumen – so schön. Besonders, wenn es Träume sind, die sich umsetzen lassen.

Einen ganz anderen Traum vom Paradies haben wir uns gestern Abend im Kino angeschaut.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=ik9vsiwNnBw]

Mit sehr gemischten Gefühlen habe ich mir diese Geschichten aus jenem kleinen Berner Mikrokosmos im Westen von Bern zu Gemüte geführt. Ein wenig traurig hat er mich schon gemacht, dieser Film, denn kaum einer der gezeigten Menschen schien wirklich glücklich zu sein. Doch immerhin ein wenig glücklicher als er oder sie wäre, hätte sie ihr Stück Garten nicht.

Und wovon träumt ihr?

Der Koch

Kapitel 20 (Seite 129)
„In diesen Tagen feierten die Hindus Navarathiri, den Kampf des Guten gegen das Böse. Als sich die Götter einmal hilflos fühlten gegen die Mächte des Bösen, trennten sich alle von einen Teil ihrer göttlichen Kraft und formten daraus eine neue Göttin, Kali. In einem schrecklichen Kampf, der neun Tage und Nächte dauerte, besiegten sie den Dämon Mahishasura.“

Das Buch gefällt mir! Wie fast alle Bücher von Martin Suter geht es auch hier um Menschen, die irgendwo außerhalb der gesellschaftlichen Norm geraten sind. Oder schon immer waren. Wie Maravan, ein junger Tamile, der in Zürich einen positiven Entscheid auf sein Asylgesuch erwartet. Nein, Der Koch ist kein Roman über Asylbewerbende, dennoch erfahren wir lesend ganz nebenbei das eine oder andere über die Schweizer Praktiken. Und über den Krieg in Sri Lanka. Über die Machenschaften hinter den Kulissen – hüben ebenso wie drüben. Und über die Finanzkrise. Ein Politkrimi? Nein, auch das nicht. Und, nein, auch keine Liebesgeschichte, denn die Protagonistin Andrea, die Maravan mit einem aphrodisierenden Gericht Monate zuvor verführt hat, ist Lesbe. Dass die beiden später einen illegalen Partyservice für solche Speisen ins Leben rufen, hat denn auch genau damit zu tun: Der Wirkung dieser Mahlzeiten kann sich nämlich niemand entziehen! Das bestätigen die Erfahrungen.

Doch eines Tages machen alle mal einen Fehler. Sogar die schöne Andrea!

hier klicken für mehr Infos zum Buch

Solothurn

Lass uns auf den Weißenstein gehen!, schlug ich gestern meiner Freundin L. vor. Wir hatten einen gemeinsamen Freitag geplant.

In der Mitte trafen wir uns. Bahnhof Solothurn. Nachdem ich L. eingeladen hatte, fuhren wir nach Oberdorf zur Luftseilbahn-Talstation Weißenstein. Seltsam, das bekannte Gondelbähnlein nicht schon von weitem quietschen zu hören. Noch seltsamer aber, dass da keine Menschenschlangen vor der Station anstanden.

Wir erfuhren, dass der Betrieb der überalterten Bahn hatte eingestellt werden müssen. Aus Sicherheitsgründen. Doch die neue Bahn sei noch nicht bewilligt und die Schlammschlacht zwischen Umwelt- und Heimatschützern mit den Befürwortenden der neuen Bahn noch in vollem Gange. Die Autostraße sei aktuell gesperrt. Bis auf weiteres könne mensch also nur zu Fuß auf den Berg.

Nicht dass ich das nicht schon gemacht hätte. Und abwärts ebenfalls. Doch es war Mittag, wir beide hungrig und das Restaurant auf dem Weißen Berg nicht in Betrieb. Also nicht wirklich das, was wir gebrauchen konnten. Außer der Sonne. Und da ich – zu meiner Schande sei’s gesagt – Solothurn NICHT kannte, beschlossen wir, uns die Stadt anzuschauen. Eine von L.s Lieblingsstädten notabene.

Nach einem wunderbaren Mittagessen und ebensolchen Gesprächen beschlossen wir, ins Kunstmuseum zu pilgern. Eine gemeinsame Leidenschaft.

Die aktuelle Ausstellungen „Farblichtfluss“ im graphischen Atelier sowie eine Ausstellung mit Max Matters Werken hatten es uns besonders angetan.

Max und ich …

Später? Wieder bummeln, Tee trinken, lädele … Was für ein wunderschöner Frauentag!

Lila, Lila

Cooler Film, den wir da ausgewählt hatten. Zwar fing er bereits um zwanzig Uhr an, doch da wir ausnahmsweise mal früh gegessen hatten, passte das perfekt. Martin Suters gleichnamiges Buch hatte ich vor Jahren mal mit Genuss gelesen. Auch J. hatte von dem Film gehört, der erst letzte Woche Première hatte. Gucken lohnt sich!

Vielleicht habe ich mich ja auch bloß in deine Texte und Bilder verliebt?, flüsterte ich J. während des Filmes zu. So wie Marie, die Protagonistin. David, der liebeswürdige Antiheld, der mit einem gefundenen Manuskript, das er als seins ausgab, Maries Herz erobert und damit eine Lawine von unvorhersehbaren Umständen losgetreten hatte, hatte es wahrlich nicht einfach. Zumal seine Beichte, nämlich dass er gar nicht der richtige Autor wäre, niemanden interessierte. Zu gut passte er in das Bild des unbedarften literarischen Genies.

Nein, natürlich waren es nicht deine Texte, J., auch nicht deine Bilder. Obwohl ich sie mag. But it is you!

Ob Marie, die sich nach der dramatischen Trennung von David auf der Frankfurter Buchmesse, später doch wieder in David verliebt hat, weil er diesmal mit einem wirklich von ihm verfassten Buch erfolgreich war? Wer weiß das schon! Sein zweites, das heißt, sein erstes eigenes Buch fängt David mit folgenden Worten an: Dies ist die Geschichte von Marie und David. Lieber Gott, lass sie glücklich enden! Und das tat sie dann auch.

Und das soll auch meine. Und deine.

Ich für mich mag meine Lieblingsmenschen um ihrer selbst willen. Hey, Ihr Lieben da draußen, schön, dass es Euch gibt!

in Thun zu tun

Das leere Dokument lacht mich aus: Unmöglich all die Gedanken, die dir durch den Kopf gehen in Worte zu fassen!, höhnt es. Unmöglich, all diese Fäden, die da lose in deiner inneren Webstube herumliegen zu einem Ganzen zu verweben. Vergiss es!

Ob es recht hat, dieses blöde, weiße sonntagmorgenmuffelige Dokument? Ich stehe vom Laptop auf. Gehe in die Küche. Hole ein Stück Brot, obwohl ich eben gefrühstückt habe. Kauen rege die Gedankentätigkeit an, hab ich mal gelesen. Nun ja, über mangelnde Aktivität im Oberstübchen könnte ich mich ja eigentlich nicht beklagen. Eher über den Mangel, den Filter aktiv zu halten, der mir zeigt, was ich outputen soll. Sprich bloggen. Nein, an Inputs fehlt es mir beileibe nicht. Die kreative Welle, auf der ich zurzeit surfe, tut schon fast weh. Damit es nicht zur Wörterobstipation kommt, knabbere ich ein paar feige Wörter Wörterfeigen. Fast so gut wie Brot. Ich hacke dazu in die Tasten.

Nein, das hier war nicht wirklich mein Stil, diese schwarzgekleidete Lady da auf der Bühne. Obwohl sie schön war. Hätten wir nicht an der Wand gesessen, eingeklemmt von zig anderen Menschen, wären M. und ich vermutlich auf und davon. Was ich in solchen Situationen zu tun pflege? Das Beste draus machen. In diesem Fall hier – in der Alten Öle Thun, wo wir den Verlockungen des Wortes Surprise, das dieses Kulturevent titelte, auf den Leim gekrochen sind –, anfangen, Geschichten zu spinnen. Plötzlich saß ich also in einem Pariser Bistro. Dann wieder in einem Straßencafé in Granada. Sogar Rom kam in meinen Träumereien vor. Es waren denn auch die mediterranen Lieder, die mich mit dem Rest versöhnten. Kunst und Künstlichkeit – sie berührten sich in dieser Vorstellung nahtlos. Die Femme fatale, die deutsche Kunstlieder mit heiserer Stimme und ohne Mikrofon – dafür mit lasziven Gebärden unterstrichen – vortrug, von einem glatzköpfigen Pianisten der älteren Garde begleitet, mutierte in Sekundenschnelle in eine Chansons ins Mikrofon hauchende Pariserin. Am besten haben mir – wie gesagt – ihre französischen, spanischen und italienischen Lieder gefallen. Wirklich wahr, die Latina hat sie super hinbekommen. Alle gängigen Klischees der Körpersprache ausreizend. Köstlich Künstlichkeit mit Kunst verbindend.

Später erst stelle ich fest, dass die gesuchte Surprise mit den Fassadenfilmen zeitgleich im Hof der alten Öle, also in unmittelbarer Nähe, stattgefunden hat und dass das, was wir gesehen haben mit Madame stellt ein Klavier in die Alpen – Lieder und Chansons übertitelt war. Tja. Selber schuld, wenn frau nicht richtig liest. Dennoch bin ich um eine Erfahrung reicher.

Rückblende. Wir sitzen im Restaurant Waisenhaus, das heißt, nicht im, sondern davor. M. will rauchen. Die Nacht ist lau. Das Bälliz, Thuns Hauptschlagader, pulsiert und das Bier ist köstlich. Wir brüten über dem Programm der Thuner Kulturnacht. Zweimal Ristretto bitte, klarer Fall. Nein, nicht Kaffee. Auch nicht kleinen schnellen Kaffee. Immerhin schnell und klein passt. Und das Ambiente ebenfalls. Doch darüber später.

Nicht wie die singende Madame Klischees ausgereizt, sondern ziemlich viele geknackt, haben die vier Leute von Literaare, die in der Buchhandlung Thalia vorgelesen haben. Was sage ich da? Vorgelesen? Falsch! Perfomances waren das! Besonders gefallen haben mir Guy Krneta und Jens Nielsen. Will heißen ihre Texte, natürlich. M. favorisierte Matto Kämpf. Sandra Künzi, die vierte im Bunde, war auch okay, doch so richtig begeistert hat sie uns nicht. Spoken Word heißt sie, diese mir bis anhin unbekannte literarische Kunstrichtung. Texte, die ohne Satzzeichen auskommen, füllen Jens Nielsens kleinen Erzählband. Sie sind wunderbar zu lesen, doch vor allem sind sie wunderbar anzuhören. M. und ich werden – so hoffe ich – schon bald mal das Berner Café Kairo aufsuchen, wo es regelmäßige Spoken-Word-Sessions geben soll. Meine Vorliebe für Wortspielereien, Absurditäten und Surreales wurde gefüttert und rief nach mehr. So schnappte ich mir am Büchertisch den Band Alles wird wie niemand will und bat den Autoren um eine Signatur. Wie überrascht war ich, als ich den hochdeutsch vortragenden Nielsen nun im schönsten Aargauerdütsch mit mir plaudern hörte. Seine Wortspiele hätten es mir angetan, sagte ich. Da ich selber schriebe. Kleines Palaver unter Buchstabenklaubenden. Dann weiter ins Spettacolo.

Ristretto. Theatersport. Als meine Freundin R. vor ungefähr einem Jahr diese Sportart für sich entdeckt und mir davon erzählt hatte, konnte ich mir nicht wirklich etwas darunter vorstellen. Gestern endlich sah ich, wie Theater auch sein kann. In zwei Gruppen spielen die Akteurinnen und Akteure gegeneinander an. Die Vorgaben, welche Szenen spielend zu improvisieren sind, kommen immer aus dem Publikum. Von absurd bis dramatisch, von komödiantisch bis schwarzhumorig liegt alles drin. Die Lautstärke des Applauses entscheidet, welche Gruppe den nächsten Punkt verdient hat. Herrlich!

DSC02425a_small

Später, im Zug nach Bern, werweiße ich mit meiner Freundin M., wo ich heute wohl wäre, wenn ich Ambitionen hätte. Wenn ich ehrgeizig an meiner Karriere gebaut hätte. Wäre meine Schreibe qualitativ besser? Hätte ich wohl bereits richtige Bücher veröffentlicht? Ist es die Resonanz eines Publikums, die Kunst zur Kunst macht?

Und die alles entscheidende Frage:
Wäre ich heute glücklicher, wenn …?

Kein Märchen

Es war einmal eine Künstlerin, die fürs Leben gerne Steine klopfte. Aufgewachsen in den Schwäbischen Bergen konnte Angelika einfach nicht anders, als ihrer Leidenschaft für Steine zu folgen. Die Leichtigkeit des S(t)eins wurde zu ihrer ganz persönlichen Medizin.

Eines schönen Tages vor ein paar Jahren, als sie durch die Berge streifte – diesmal in Spanien –, verliebte sie sich in ein leer stehendes Haus und beschloss, ihren nächsten Lebensabschnitt in der Alpujarra zu verbringen.

1_100_1630_smallweb

Ein weiser Entschluss! Schon bald baute sie das alte Haus nach ihren Bedürfnissen um, schloss neue Freundschaften und lernte nebenbei spanisch. In den zwei kleinen Gästehäuschen war schon bald einmal Platz für Leute, die Ruhe suchten. Oder Kurse besuchen wollten.

2_Andalusien (9)_smallweb

3_100_1298_smallweb

Auf die Mail, die mir Angelika als Leserin meiner Websites eines schönen Tages vor zweieinhalb Jahren geschrieben hatte, folgten unzählige weitere. Gespannt darauf, wer diese wilde Frau ist, bestieg ich im Juni 07 das Flugzeug nach Südspanien. Um schon bald darauf gemeinsam mit ihr und den anderen Gästen ebenfalls Steine zu klopfen. Schleifen und schmirgeln ist eben auch meine Leidenschaft, die ich vor dreizehn Jahren im französischen Jura entdeckt hatte.

4_DSC00643_smallweb

5_DSC00641-1

Alpujarras: Sonne. Abkühlung im nahen Bach. Streifzüge durch die Gegend. Ausflüge nach Granada und die umliegenden Orte. Am Freak-Markt ein paar neue Klamotten kaufen. Viel Lachen. Viel Trinken. Viel Rauchen (damals noch). S., die mir spät nachts, als ich pinkeln gehen musste, rät: Pass immer gut auf! Wenn du zwei Wege siehst, nimm einfach immer den mittleren!

Was ich sagen wollte? Meine Freundin Angelika stellt aus. Nein, nicht in Spanien. In Köln. Vom 27. November bis am 8. Dezember 2009. Hingehen!

Zum Flyer: hier klicken für die Vorderseite.
Und hier für die Rückseite.

Sternschnuppen

Um 2:22 auf die Uhr zu schauen bringt Glück. Ebenso um 13:13. Pech, wenn du um 8:88 schaust. Besser ist 22:22. Auch bei 23:23 kommt das Glück. Und erst recht dann, wenn du dabei zuschauen kannst, wie die Zahl wechselt. Warum sonst gucke ich manchmal eine Beinahe-Minute lang ohne zu Blinzeln auf das Display meines Handys oder auf die rechte Ecke meines PC-Bildschirms?

M. war – und hat mich – felsenfest von ihrer Glückstheorie überzeugt, damals, und wir sofasophieren noch heute hin und wieder über die Wahrheit dieser Zahlenzauberei. Dreizehn Jahre später. Von Zahlen verdeckte Sternschnuppen nenne ich dieses Phänomen, im richtigen Moment auf die Uhr zu schauen, diese eines lauen Herbstabends an einem Feuer im französischen Jura kreierte Weisheit. Die Wahrheit dabei ist: Glück kommt, wenn wir es locken. Na ja, eigentlich ist es ja die ganze Zeit schon da und mag unsere lockenden Spielereien. Es mag uns, wenn wir glücklich sind, da es sich in diesem Klima vermehrt. Glücksvirus.

Heute Morgen. Früh. Noch dunkel hinter den Läden. Ich fragte meinen Wecker per Tastendruck nach der Zeit. 05:55 bedeutete er mir. Und ich? Dachte an Kuno! Natürlich. Und an Charlotte. An Kunos Abgang um nullfüf-füfeföfzg. Nicht heute. Auch nicht gestern. Irgendwann. Und an den Kaffee, den er aufsetzt. An ein wehmütiges Lied auf einem genialem Silberling (http://www.zueriwest.ch/ > Disco > Haubi Songs > 1.Song). Drehte mich zur Seite und konnte doch nicht mehr einschlafen. Obwohl ich noch mehr als eine Stunde gedurft hätte. Dachte stattdessen an die aktuelle Häufung der Sternschnuppen in Zahlenform. Und daran, dass ich glücklich bin. Daran, dass Glück weder von Zahlen noch von Sternschnuppen abhängt, auch von Sternen nicht. Eigentlich. Und auch nicht von Umständen. Einzig von meiner Fähigkeit, es zu sehen, zu fühlen. Dennoch mag ich Sternschuppen und Schnapszahlen. Und Doppelzahlen natürlich auch. Zahlenspiele sowieso. Und das Leben. Und Wochenenden. Und Besuche von lieben Menschen.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=6GQS7zkEqGs]

Die Fremde in dir

Eigentlich wollte ich mir gestern Abend mal wieder Antonia‘s Line anschauen, meinen Lieblingsfilm. Mutmachmedizin. Als ich in meiner DVD-Sammlung stöberte, fand ich Jodie Foster. Die Fremde in dir. Schnäppchenkauf. Ganz vergessen, dass ich den habe. Nie geguckt, obwohl Jodie Foster eine meiner Lieblingsschauspielerinnen ist. Wenn nicht gar die liebste. Nicht nur, dass ich sie eine sehr schöne Frau finde, mir gefällt auch, welche Filme sie dreht, welche Rollen sie wählt. Angefangen bei Papermoon, meiner Lieblingsserie, als ich ein Kind war. Als Tochter eines nicht ganz luschen* Bibelverkäufers, zog sie mit diesem übers Land. An die Geschichten erinnere ich mich nicht mehr, nur an die Stimmung. Diese Mischung aus Roadmovie und Kratzen am American Dream … Freiheit, Abenteuer, ein Leben voller Entbehrungen. Mit ganz viel Humor gelebt und mit nicht immer ganz legalen Überlebenstricks …

Jodie Foster wählt archaische Themen und lässt mich dabei an Fred Vargas, meine französische Lieblings-Krimiautorin denken. Da berühren wir Themen wie das Böse, die Angst vor dem Unbekannten, kollektive Wut. Siehe Nell. Siehe The Silence Of The Lambs.

The Brave One – schlecht übersetzt mit Die Fremde in dir. Obwohl der Titel mit der Aussage des Filmes übereinstimmt, hat er doch mit Tapferkeit, die der Originaltitel ansagt, nichts zu tun. Denn Tapferkeit braucht es in der Tat, um nach einem Überfall wie jenem, den die Radiosprecherin Erica Bain (Foster) erlebt hat, weiter zu gehen. Ihr Verlobter hat dabei sein Leben verloren. Von der New Yorker Gang, die sie angegriffen hatte, fehlt jede Spur. Erica mutiert zum Racheengel und bringt mit einer schwarz gekauften Pistole einige brutale Männer um. Ohne dass die Hände zittern. Detective Mercer, frisch geschieden und im Laufe der Story sichtbar angetan von Erica, ermittelt in diese Mordfällen. Als er ahnt, dass Erica dahinter steckt …

Nein. Weiter erzähle ich nicht. Auf alle Fälle ein unkonventioneller Filmschluss.

Jodie Foster überzeugt als Erica hundertprozentig. Die Kameraführung lässt ihre Ängste vor der Nacht, vor dem unbekannten Feind da draußen, geradezu greifbar werden. Sympathie zur Mörderin, zur Rächerin ist unvermeidbar.

_______________________________________________________________________

* lusch (luusch gesprochen) = berndeutsch für zwielichtig

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Ach noch was:
Eben habe ich was Tolles auf Cineman gesehen: Stieg Larsson kommt ins Kino!
Filmstarts:
Verblendung ab 15. Oktober in der Deutschschweiz
Verdammnis am 9. Oktober (vorerst im Tessin)