alles neu

Just another Blog?
Alles neu macht …
Für einmal ist es bereits der April, der alles neu macht, denn ungefähr am ersten April – kein Scherz, nein! – werde ich hier den Vorhang lüften und erzählen, wie es mir in der Fremde ergeht.
In der Fremde?
Na ja. Irgendwie nah und irgendwie fern …
fern von Bern …?
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Was bisher geschah?
Sofasophia verlässt ihre geliebte Heimat. Bern – die Stadt ihres Herzens. Sie will es wissen. Sie will Neues entdecken. Dem Ruf der Liebe folgen. Nein, der Liebste hat sich nicht gedrängt, aber er hat sie eingeladen, an seiner Seite – in der schönen Pfalz, jenseits der schweizerischen Grenze – zu leben, zu spinnen, zu wohnen, zu lieben und zu sein.
Sofasophia ist neugierig. Und auch ein wenig ängstlich. Und sie freut sich auf deinen Besuch hier.
Demnächst in diesem Kino!

wohin und woher

Part I

Wenn ich aufstehe, das zerwühlte Bett verlasse und Richtung Küche tappe, noch schlaftrunken, noch ohne Licht, noch erwachend, kann ich mir die Welt da draußen nicht vorstellen. Sie ist nicht. Es ist nur das, was ich jetzt bin. Nur ich. Ich und meine Träume, die langsam von mir abfallen. Ich und meine Visionen, meine Hoffnungen, meine Sorgen, meine Ängste.

Ich ziehe die Jalousien hoch. Sonnenstrahlen küssen den Küchentisch. Und den dort herum fläzenden Möbelprospekt, der als Beilage die Wochenzeitung eingedickt hatte. Betten. Perfekte Schlafzimmer, minimal möbliert, mit Kunstdrucken an den Wänden. Perfekt gemachte Betten, faltenlos wie die leichtbekleideten Damen, die sich darauf räkeln.

Sterile Betten, die so gar nicht nach Lust, nicht nach Liebe, nicht nach Leidenschaft aussehen.

Seltsam eigentlich, ist doch das Bett, ist doch das Schlafzimmer jener Ort, wo wir am meisten uns selbst sind. Ganz. Wild. Verträumt …

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Part II

5. Habe keinen Respekt vor der Autorität anderer, denn es gibt in jedem Fall auch Autoritäten, die gegenteiliger Ansichten sind.

Ein Satz, den ich neulich beim Blogroll-Surfen via Wildgans bei Zigeunerweib gelesen habe. Hat Betrand Russel gesagt. Unter anderem.

Nicht, dass ich den Satz so ganz unterschreiben könnte, aber die Essenz hat was. Jede Ansicht hat ihr Gegenteil – bloß: was war zuerst?

Diese Woche ergab es sich, dass ich für Internetrecherchen ein paar Mal hintereinander virtuell Zeitung gelesen habe. Wie bei Blogs lassen sich solche online-Artikel kommentieren. Und wie die guten alten Papierbriefe von Lesenden spiegeln Kommentare die Sicht der jeweiligen Gesellschaft wider. Ob es eine Durchschnittssicht ist, die da auf dem Bildschirm abrufbar ich, kann ich allerdings nicht beurteilen. Sowenig wie ich übrigens an sogenannt repräsentative Umfragen glauben kann. Sind nicht immer die eine Gesellschaftgruppen lauter und melden sich eher zu Wort als andere? Deshalb weiß ich also nicht, ob es repräsentativ ist, wenn auf einen kritischen Artikel mit eher rot-grünen Klang zur Wahl des Hardliners Amstutz in den Ständerat, vor allem braune Antwortschreibende das Wort ergreifen, den Artikelschreiber mit Wortmüll bewerfen und ihn gar einseitig nennen. Und drohen, Amstutz‘ Wahl, sei erst der Anfang gewesen … Mir stockt der Atem. Wohin gehen wir? Wir – als Gesellschaft, als einzelne?

Demokratie heißt nebeneinander leben, sich respektieren. Heißt kommunizieren, versuchen, andere Ansichten zu verstehen, heißt sich reiben ohne sich aneinander aufzureiben.

Habe zwar Respekt vor der Autorität anderer, doch denke daran, dass es immer Autoritäten gibt, die gegenteiliger Ansicht sind. Dein Respekt sei wohlwollend, aber nicht unterwürfig.
(by Sofasophia)

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Part III

Ich öffne die Haustüre. Sie ist die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit, die Schleuse zwischen Innen und Außen. Fast unmerklich ziehe ich, sobald ich die Schwelle überschreite, eine Schutzhaut an. Traum, Wildheit, Geborgenheit lasse ich drinnen und betrete die kalte Welt da draußen.

Die kalte Welt?

Jede Ansicht hat ein Gegenteil.

Von Übergängen und anderem Überzöix

Übergänge wäre ein guter Titel. Oder genug. Nein, eher zu viel. Womit wir doch wieder bei den Übergängen wären, die sich irgendwo zwischen genug und zu viel im Niemandsland aufgebaut haben. Zollposten gleich.

Zwischen den rotweißen Balken stehe ich irgendwo. Zwischen drin. Weder innen noch außen. Noch nicht drüben und nicht mehr hier. Wie in einem der Lieder meiner Lieblingsband. (Nonid u schonümm, Seite 4) Kaum auszuhalten sind solche Phasen und mein Körper reagiert mit Erschöpfung. Seit vier bin ich wach. Das laut und schnell klopfende Herz ließ sind auch mit Baldrian nicht beruhigen. Um halb sechs, nach anderthalb Stunden mich hin- und herwälzender Unruhe, griff ich zum Krimi und konnte mich so zum Glück ein bisschen ablenken. Ablenken von all den Pflichten, die mich im Büro erwarteten. Zu viel. Zu viele Pflichten, die mir einerseits mein den Urlaub genießender Scheff aufgetragen hat, andererseits Pflichten, die zu meinem Alltagsjob gehören und dann auch solche, die mit meiner Funktion als Mitglied der Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit zusammenhängen. Nicht zuletzt mein Anspruch von Perfektionismus. Besonders in Bezug auf die Übergabe meiner Aufgabenbereiche an meine Nachfolgerin, die vor drei Tagen angefangen hat.

Die Zeit, sie rennt. Sagen derzeit alle. Überall. Schreibt Irgendlink. Oder sie versteckt sich vor mir und macht sich klein.

Alles baut sich auf, scheint es mir, alles spitzt sich zurzeit zu, der Spannung vor einem Gewitter gleich. Alles verdichtet sich in meinem Leben und fokussiert das Monatsende. Das Finale in Bern. Täglich schieben sich neue ToDos in meinen eh schon ziemlich vollen Kalender. Dazu wollen mich liebe Freundinnen und Freunde nochmals sehen und Abschied nehmen. Und ich natürlich auch von ihnen. Mir ist, als würde ich nach Australien auswandern, nicht bloß in die Pfalz. Was im Grunde nicht viel weiter ist als in die Süd- oder Ostschweiz. Nur eben über die Grenze. Und das ist doch ein ziemlich großer Schritt, zugegeben.

Obwohl. Grenzen überschreite ich zurzeit täglich, meine ganz persönlichen. Nicht immer zum guten, leider, denn meine eigenen Ressourcen kommen kaum nach sich zu erneuern. Ich gestehe, ich fühle mich überfordert.
Wie eine Decke, an der alle ziehen,
sagte ich heute zu Kollegin M., meiner Nachfolgerin. Mein Körper bremst mich aus. Fieber, seit heute Morgen, nicht hoch, aber doch genug, damit ich begreife, dass ich entschleunigen muss. Zum Glück habe ich drei Tage frei.

Heute eine Einladung zum Mittagessen bei Freundin C.. Soll ich absagen? Mit Fieber werde ich keine tolle Besucherin sein, überlege ich ihm Büro. Nein, halt, ich will C. sehen!, entscheide ich und radle los. Zu spät zwar, aber besser als nie.
C., du hast mir das Leben gerettet!, sage ich ein paar Stunden später, beim Abschied. Little-F., der kleine Strahlemann und seine Mama winken zum Abschied. Mein mentales Gleichgewicht ist trotz des Fiebers wieder im grünen Bereich.

Heißes Bad, Grog, schlafen … hilft alles zusammen ein bisschen. Doch noch dröhnt der Kopf. Noch bin ich zu aufgekratzt um loszulassen. J. kommt heute Nacht, will in den nächsten fünf Tagen das Bern-Meisterwerk vollenden. Und mich sehen auch, natürlich, und ich ihn. Trotz meiner Erschöpfung, die sogar Vorfreude frisst.

Grad wünsch ich mir nichts sehnlicher als das ganze Überzöix wie Pflichten im privaten und im Berufsleben einfach wie eine Schlangenhaut auszuziehen, abzulegen und mich fallen zu lassen.

Im Blogarium

Ich innen drinnen.
Du außen draußen guckst durch Glas,
das trennt und das verbindet. Undurchschaubar.

Ein Kaihu nach Irgendlinks Definition. Die europäische Antwort auf Japans Haikus. 5-8-11 lautet die Formel.

Formel? Aber ja doch, denn alles will definiert werden, alles will geklärt sein. Alles will in unserer materiellen Welt geformt und gefasst, gezähmt und eingegrenzt sein. Ich gestehe, dass mich diese Machbarkeit zuweilen überfordert. In diesen Augenblicken fühle ich mich wie sich wohl meine Rennmäuse gefühlt haben müssen, die inzwischen längst alle – unumglast – im Mäusehimmel herumrennen.

Da war dieser Moment – ich hatte ein paar Freundinnen zu Besuch –, wo wir uns alle um meine Terrarien gestellt und den Mäusen beim Klettern und Knabbern, beim Turnen und Tanzen zugeschaut hatten, als Freundin B. sagte:
Vielleicht sind da, sie zeigte nach hinten, oben, außen und wir alle folgten gebannt ihrem Finger, der ebenso gut das Universum wie die Nachbarin im oberen Stock meinen konnte, vielleicht sind da welche, die größer sind als wir. Und die uns nun zuschauen, wie wir den Mäusen zuschauen, und die über unsere Klettereien und Liebes- und Lebenstänze fachsimpeln. Oder die sich, wie wir bei den Mäusen, über tier- will heißen, menschengerechte Haltung, den Kopf zerbrechen.

Vielleicht.

Menschengerechte Haltung: Ist das Batteriehaltung in Hochhäusern, ist das Mobilität in engen Bussen auf verstopften Straßen? Ist das Arbeiten eingeklemmt zwischen Ordnern, Shredder, ToDo-Listen und Rollschränken?

Hallo, ist da jemand?

Kater Findus flirtet mit Micro Rennmaus. Bild aus meinem Archiv.

Laut gedacht

Packen hat ja auch was von Bloggen, kommentiert U. gestern mein Blog. Packen ist in der Tat wie Bloggen eine Form, sein Leben Revue passieren lassen. Und ich setze mich zurzeit wirklich sehr intensiv mit meiner Vergangenheit auseinander. Das alles hier in meinen Regalen bin ich. Und war ich. Doch ich bin noch mehr. Wie ich gestern Abend auf dem Sofa alte Briefe lese – statt Kisten zu füllen – und an all die wunderbaren Menschen denke, die ein kurzes oder längeres Stück Leben mit mir teilen oder geteilt haben, wird mir einmal mehr der Wert von Freundschaften bewusst und auch, wie lieb ich anderen Menschen offenbar bin.

Werde ich in der fremden Pfalz ebenso leicht anwachsen wie meine Linde, die Jahre lang auf meinem Balkon in einem Topf lebte und nun schon seit einem halben Jahr auf Irgendlinks Wiese prächtig gedeiht?, frage ich mich schweren Herzens. Werde ich auch in der Pfalz Menschen finden, die ein bisschen wie ich ticken? Menschen, die nicht einfach schon da sind, weil sie mit J. befreundet oder verwandt sind. Obwohl ich J.s Freunde, Freundinnen und Verwandte alle sehr mag, wünsche ich mir – wie hier in Bern –  ein paar eigene Leute.

((Notiz an mich: Können andere das verstehen? Haben andere dieses Bedürfnis nach eigenen Freundes- und Freundinnenkreis eigentlich auch? Wie wichtig ist mir, dass das verstanden wird?))

Eines der Geheimnisse von guten Beziehungen ist nämlich, dass beide Menschen ihre eigene Dinge tun und lassen, ihre eigene Wege gehen und nicht immer alles teilen, dass sie sich Raum geben und Raum nehmen. Das allgemein richtige Maß von genug Gemeinsamkeit und genug Eigenem gibt es zwar nicht, will heißen, es ist höchst individuell, doch ahne ich, dass J. und ich unser Maß wohl ziemlich gut gefunden haben.

((Noch eine Notiz an mich: Ob ich wohl eine neue Kategorie „laut gedacht“ für Artikel wie diesen hier eröffnen sollte? Doch wen mag sowas interessieren?))

Warum schreibst du eigentlich nicht mehr Details über eure Beziehung? Oder auch über Erotik?, hat neulich jemand gefragt, als wir über mein Blog ausgetauscht haben.
Tja, habe ich gesagt, ich lese so Sachen zwar bei anderen gerne … aber … nein, lieber nicht … das ist mir zu persönlich.

Widerspruch? Denn wäre mein Blog nicht persönlich, hätte ich keine Lust zu schreiben. Und hätte ich überhaupt LeserInnen, wenn mein Blog nicht irgendwie persönlich wäre? Ist es nicht das Persönliche, das uns voyeuristische LeserInnen anzieht und uns Schreibende zu unseren Buchstabenpirouetten verführt? Aber der Mensch ist ein wahrer Narziss; er bespiegelt sich überall gern selbst, er legt sich als Folie der ganzen Welt unter, sagte Goethe schon vor vielen Jahren und zitiert Blogkollege AxeAge in seinem Printlog mit ebendiesem Titel.

Was für ein Balanceakt! Innenschau.

Außenschau: Nebenan sitzt Irgendlink und studiert den Berner Stadtplan. Mit der Unterstützung seines Rechners, der alle Straßennamen-Schilder Berns weiß, die J. für seine Kunstsammlung bereits fotografiert hat, sucht und markiert er die noch unerforschten Quartiere und Straßen. Auch Irgendlinks Countdown läuft. Er ist das letzte oder zweitletzte Mal bei mir in Bern. In einem Monat ziehen wir um. Puh.

Nein, laut gedacht ist wirklich kein schlechter Titel. Und auch als Schlusssatz nicht zu verachten.