Heute mal ohne Titel, denn Missverständnisse wären nicht auszuschließen

Wie ich meinen Rücken im Hund dehne und dabei den Po gen Himmel recke, fällt mir mein heutiger Blogartikel-Titel ein: Die Leidenschaft des Sichnacktausziehens. Nein, lieber nicht und nein, ich übe Yoga nicht nackt. Schlechter Titel. Zu viele Suchanfragende mit andersgearteten Absichten würden sich bei diesem Titel ganz unvermutet auf meinem Blog wiederfinden. Gut zwar für die Statistik, na ja, aber … nein. Nein, danke. Außerdem ist sich nackt ausziehen eigentlich auch nicht korrekt. Und Seelenstrip ebenfalls nicht. Beides hat zwar was, denn Bloggende machen sich sichtbar, aber …
Wie ich mich im Sonnengruß in alle Richtungen dehne und der Kobra in mir erlaube, sich selbst zu sein, fällt mir auf, dass ich a.) nicht bei der Sache bin und b.) mein erster Gedanke nicht wirklich stimmt. Eigentlich geht es ja nicht um das Sichsichtbarmachen im Blog, sondern um suchen, finden und erfinden. Sich. Ideen. Die Welt. Das Leben. Sichtbarwerdung ist bloßes Nebenprodukt. Und schon gar nicht leidenschaftlich beabsichtigt.
Der Wunsch, mehr über mich und das Leben herauzufinden ist es, der mich Wege des Ausdrucks beschreiten lässt. Der mich vorwärts bringt. Oder rückwärts. Womit nicht Rückschritt gemeint ist, sondern jeder Schritt, der in eine andere Richtung geht, als der Nase nach. Hauptsache authentisch.
Wie ich mich dieser Tage durch Irgendlinks im Bücherregal wiederentdecktes Blog-Buch aus dem Jahre 2002 lese und immer wieder auf philosophische Perlen stoße, werde ich den Gedanken nicht los, dass wir am meisten über uns selbst erfahren, wenn wir uns öffnen und dabei nicht allzu viel zensurieren. Öffnung gegenüber uns selbst in einem persönlichen Tagebuch zum Beispiel. Einem lieben Menschen gegenüber vielleicht. Und schließlich auch in Richtung eines virtuellen, dennoch realen Publikums.
Kunstprojekte sind gut und um ihrer selbst willen lebensberechtigt. Doch wenn sich andere mitbegeistern lassen, ist das umso schöner. Auf den Rundbriefversand der letzten Tage haben wir schon ein paar richtig schöne Rückmeldungen erhalten. Danke! (Wer den Rundbrief lesen möchte, klickt bitte hier.)
Da war gestern die Mail einer alten Bekannten, der ich den Rundbrief einfach so mit angehängt hatte. Sie ist im Bereich Körperarbeit tätig, publiziert und wirbt dafür mit großer Begeisterung. Ich freue mich immer sehr über ihren Rundbrief, obwohl ich ihn einfach lese, ohne darauf zu reagieren.
Ich bin selbst eine Reisende und mache es nicht öffentlich, schrieb sie. Den leisen Vorwurf habe ich möglicherweise nur interpretiert? Ja, wir alle sind Reisende. Die meisten reisen still und leise – von den bunten Postkarten mal abgesehen, die verschickt werden. Doch was du mit Leidenschaft betreibst, was deinem Leben Inhalt und Begeisterung gibt und dich und deine Phantasie nährt, das willst du mit anderen teilen. Ob das nun Körperarbeit oder Fotografie, Literatur oder das Kunstreisebloggen ist, ist unwesentlich. Hauptsache, du verfolgst dein Ding mit Begeisterung, denn sie macht dein Leben bunt. Auch wenn Begeisterung und Alltag oft schwer vereinbar sind. Und zu Problemen führen können.
Zurück zum Konflikt, schrieb Irgendlink vor fast zehn Jahren, zurück zum Konflikt, in dem ich mich befinde, den ich hier nach und nach ausbreite. Das ist es, was mich verunsichert hat die letzten Tage: was soll das hier in der theoretischen Öffentlichkeit des Internet? Was geht die große weite Welt, also Sie, der/die Sie das lesen, mein eigener kleiner Konflikt zwischen Realität und Traum an? Was könnte Ihnen das nützen und warum muss ich dermaßen intim mit ihnen werden? (…)
Der Künstler Irgendlink und der Postmann Irgendlink sind nur Platzhalter in dieser Geschichte. Zwei Kästchen, in die sie mühelos Ihr eigenes kleines Leben einfüllen können. (…)
Der öffentliche gelebte, ureigene Konflikt hier in diesem Blog könnte auch Ihr Leben sein. Tauschen Sie nur die Parameter aus. Ändern sie Ort, Zeit, Namen, Beruf, Kollegen und auch den Lebenstraum …
Quelle: Rincks Alltag – Weblog (Zweite Staffel) – 12. November 2002
Einige wenige handsignierte, nummerierte und handverschraubte Exemplare gibt es übrigens noch 🙂
Bestellungen gerne direkt bei Irgendlink.

Mit Anlauf …

Ich nehme Anlauf. Anlauf für den nächsten Schub Kisten, der zu füllen ist. Anlauf, indem ich durch die Blogosphäre spaziere. Prokrastiniere. Schreibs klein! Flüstere es! Nein, nein, ich suche bloß nach Inspiration. Klingt besser. Stimmt sogar. Suche Denk- und Herzfutter für den Tag. Ja, so irgendwie. Um beim Kisten füllen, im Kopf und im Herzen drin was zu futtern zu haben. Doch halt … heute gibt’s nichts über Kisten und so.
Ich möchte mal wieder etwas ganz Normales bloggen, hab ich heute Morgen zu Irgendlink gesagt. Ein bisschen geseufzt habe ich dabei. Etwas, das nicht mit deiner Reise und mit meinem Umzug zu tun hat. Und wenn es dabei gleich die Herzen meiner Leserinnen mitfüttert – umso besser. Und die meiner Leser natürlich auch.
Aber vor allem will ich etwas schreiben, was von da innen drin kommt. Etwas Gedachtes, Gefühltes, Gelebtes, Geliebtes, das ich teilen will. Etwas in Worte Gefasstes. Als wären meine Worte ein Stück Gold (hört, hört!), das einen Edelstein umschmiegt. Etwas, das mich und andere durch den Tag trägt und nicht gleich wieder verdampft – aus den Ohren, aus dem Sinn –, kaum dass ich mich ans Kistenpacken Arbeiten mache.
Item, wie die Schweizerin sagt, um zum Thema zurückkommen, das heute keins ist. Denn ich hänge gleichsam im luftleeren Raum. Von allen guten Themen verlassen. So leer wie die Regale ist mein Kopf. Gut so. Platz für neues. Zum Beispiel für das neue Kleidchen von pixartix – dAS Bilderblog.
Item. Bevor ich also noch mehr von meiner aktuellen Leere mit euch teile, klick ich wohl besser auf „publizieren“. Ja, ja, du denkst „löschen“, gib’s zu. Selbst schuld, wenn du bis hierher gelesen hat. Andererseits: Muss immer alles sinnvoll und klug, geistreich und bodenständig, top und unübertrefflich sein? Na eben.

Am Feuer

Man darf das Feuer nicht fürchten.
Gedacht, als ich heute Morgen Feuer im Ofen schürte, damit wir es schön warm haben. Gedacht, als genau in dem Moment ein glühendes Stück Holz herausrutschte, als ich neues Holz nachlegen wollte. Gedacht, nachdem ich dieses Stück ohne Nachzudenken und mit einer so schnellen, mit dem Feuer vertrauten Bewegung zurück ins Feuer geschoben hatte. So schnell, dass ich nicht mal auf die Idee gekommen war, dass mir das Feuer weh tun könnte.
Ich rede immer mit dem Feuer, wenn ich es entfache und danke ihm, wenn es brennt. Und wenn ich es füttere ebenfalls.
Da ist viel Respekt ja, aber Angst? Nein.
Schon viel habe ich vom Feuer gelernt. Ein bisschen Demut auf jeden Fall. Wärme und Dankbarkeit sind bei mir eng verbunden. Ohne Feuer wäre ich nicht da.
Nein, man darf das Feuer nicht fürchten.

Urban Artwalk Heidelberg

Was für ein inspirirender Stadtspaziergang! Heidelberg hat mich gestern nach allen Regeln der Kunst verzaubert 🙂



Mehr Heidelberger Stadtspaziergang-Bilder von Irgendlink und mir auf pixartix – dAS Bilderblog
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Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

Der Anfang vom Ende – Akt zwei

Akt eins, wen wundert’s, ging am Tag X über die Bühne. Jenem Tag, als ich den Kindern an der Schule, wo ich letzten Herbst für ungefähr drei Monate gearbeitet habe, meinen baldigen Abschied vorankündigte.
Akt zwei läuft jetzt. Meine letzten Tage in Deutschland. Morgen in zwei Wochen laden wir das Umzugsauto und fahren in die Schweiz. Danach werde ich hier noch ein paar Tage Abschied nehmen. Und putzen – als Akt des Abschließens. Die Zugabe. Mein Bonustrack sozusagen.
Akt zwei begann heute. Mit meinem Gang in den Keller, wo ich die leeren Umzugskartons gestapelt habe. Einige sind schon mindestens fünfmal mit mir umgezogen. Ich erkenne es an den Schriftzügen der Helferinnen. Küche steht da – in B.s akurater Schrift. Akt zwei also. Wie ich mit drei leeren Kisten ins Wohnzimmer betrete, mir einen Packplatz einrichte und Bücher mit leichten Sachen kombiniert verpacke, damit die Kisten nicht zu schwer werden.
Drei Kisten später kommt J. von der Arbeit nach Hause. Wir stehen vor dem halbleeren Büchergestell. Seltsam, wie leere Gestelle das Lebensgefühl verändern. Seltsam, wie Leere nach Fülle schreit. Seltsam schön, dass diese Dinge, diese Kleinigkeiten nun verpackt sind. Ein Grundgefühl von Schwerelosigkeit will sich in mir breitmachen. Auf einem Regalboden meines Büchergestells waren noch vor ein paar Stunden Bücher von Menschen, die ich persönlich kenne, versammelt. Allesamt signierte Bücher, selbst oder bei einem Verlag herausgegeben, einige wenige auch handgebunden. Eins von J., eine limitierte, wunderschön handverschraubte Ausgabe eines Weblog-Buches, das er vor bald zehn Jahren publiziert hat. Er erzählt darin aus einer Zeit vor unserer Zeit. Der gleiche Mensch, doch mir noch unbekannt. Seltsam vertraut. Ich tauche lesend – nicht zum ersten Mal – in das Leben eines Menschen ein, den ich heute kenne. Heute? Kenne? Beides relativ. Beides immer im Wandel.
Außen- und Innenwelt gehen zurzeit nahtlos ineinander über. Da ist Vorfreude auf sovieles. Auf den Frühling. Auf den Neuanfang. Auf die Schweiz. Auf die neue Wohnung und das Einrichten. Mit-Vorfreude auch – zusammen mit Irgendlink – auf dessen große Reise.
Eine Kehrseite hat alles. Kehrseite von neuer Wohnung ist alte Wohnung. Von Neuanfang Loslassen. Von Schweiz in meinem Fall hier Deutschland. Von Reise Sehnsucht. Von Abenteuer Ungewissheit.
Innendrin sitzt Geborgenheit und innendrin ist auch Angst zuhause. Nachbarinnen, die sich zuweilen aneinander aufreiben. Angst nimmt oft noch zu viel Platz ein und tapeziert das Treppenhaus mit großen, einschüchternden Plakaten. Geborgenheit schüttelt leise den Kopf darüber und sagt, dass ich mich nicht fürchten soll. Am Ende sei sie stärker. Am Ende vom Ende. Da wo alles anfängt. Immer. Und jetzt auch.

Von Visionen und dem Lebenssinn

Vor ein paar Tagen war es. Ich verpackte die letzten Briefe in Umschläge. Serienbriefe zwar, aber liebevoll gemachte. Serienbriefe, die entweder Menschen ansprechen, die an Schaltstellen von Zeitungen, Zeitschriften und Internetmagazinen – zum Thema Reisen und Mobilität, wo immer möglich – sitzen oder aber die eine Firma im Bereich Outdoor-Artikel leiten (guckt dazu in Irgendlinks Blog im Pressebereich). Menschen also, die sich für Irgendlinks „Ums Meer“-Projekt interessieren könnten und die auch gleich die Möglichkeit haben, dieses Projekt materiell oder dank ihrer Medien zu begleiten. Jede Adresse haben wir dazu feinsäuberlich recherchiert.
Bei jedem Brief, den ich zuklebte, dachte ich mir, dass sich diese Dame bestimmt melden wird. Oder dieser Herr. Oder dieses Radioteam. Nein, ich bin nicht so naiv, dass ich damit rechne, dass sich alle melden. Aber meine Absicht, mein Wunsch, meine Intension sind trotzdem da. Wer weiß schon, was wird?
Später im Auto. Auf dem Weg zur Post. Die Tasche mit den Briefen neben mir auf dem Beifahrerinnensitz. Auf einmal ein neulich gefallener Satz im Kopf. Von R., der unter anderem in der Werbebranche arbeitet. Dass wir es ganz anders aufziehen sollten, dieses Reiseprojekt. Viel größer und lauter. Und unbedingt ein Charity-Programm dran knüpfen. Die Leute könnten dann pro gefahrenen Kilometer etwas für ein tolles Projekt spenden. Etwas zu Herzen gehendes, etwas anrührendes.
Wie ich über den Kreuzberg in die Stadt runter fahre, zweifle ich. Das erste Mal, dass ich an Irgendlinks Reiseprojekt zweifle. Nein, falsch, nicht am Projekt. Ich zweifle nur daran, dass es außer uns und ein paar Nahestehenden sonst eine Sau da draußen interessieren könnte. Es ist ja, strenggenommen, einfach eine Reise. Alle reisen.
Alle reisen! Alle machen Fotos! Alle schreiben (okay, die meisten nur hin und wieder) Tagebuch! Alle fahren ab und zu Rad. So what? Wozu der ganze Aufwand?, zählt Frau Zweifel auf.
Du wieder, als ob du eine Ahnung davon hättest!, kontert Frau Kunst sofort. Ja, gut, alle reisen, aber wem ist eine Reise schon so wichtig, dass er dafür seinen Job riskiert und ein einfaches, komfortloses Leben auf sich nimmt, um seine Reise machen zu können? Dazu drei Monate lang Tag und Nacht Wind, Wetter, Sonne und Regen ausgesetzt sein! Wer ist schon verrückt genug, alle zehn Kilometer respektive alle sechs bis acht Meilen ein Bild zu knipsen, egal, ob es da nun schön oder hässlich ist? Und wer ist schon fit genug, so eine lange Reise auf dem Rad zu wagen? Das hier ist Kunst! Reisekunst. Blogkunst. KUNST!
Ich schaue hin und her – wie eine Tennisschiedsrichterin. Sehe die verbalen Bälle hin und her fliegen. Frau Zweifel und Frau Kunst legen sich ganz schön ins Zeug, muss ich sagen, beide Überzeugte von ihrer Sicht der Dinge. Und als Frau Zweifel das Thema Charity aufgreift, fällt ihr Frau Kunst nur lachend ins Wort.
Da verwechselst du etwas! Natürlich dürfen und sollen die Leute für tolle Projekte spenden. Sehr wichtig! Gutes tun geht immer, doch dazu müssen nicht Tränendrüsenaktivatoren mit Kunstprojekten verknüpft werden. Charity ist wichtig, ohne Zweifel, aber … ja, GROßES ABER … Kunst muss sich nicht mit Benefizzöix dekorieren, um sich selbst rechtfertigen. Kunst genügt sich selbst, ist um ihrer selbst willen daseinsberechtigt.
Zeig mir eine glückliche Gesellschaft auf dieser Welt, die ohne Kunst funktioniert. Siehst du? Gibt es nicht. Kunst ist notwendig, damit Menschen aus dem Alltagshamsterrad ausbrechen können. Kunst wendet grau in bunt. Irgendlinks Reisekunstprojekt ist in sich genug. Ob da nun fünf oder tausend Menschen mitreisen. Das Projekt wird, weil es mitten aus dem Leben kommt, viele berühren und vielen Freude bereiten.
Wie ich dann die Briefe am Tischchen neben dem Kopierer mit Marken versehe – ob das nun andere Kunstmanagerinnen auch selbst tun oder nicht, ist mir dabei egal, denn es ist ein geradezu sinnlicher, spiritueller Akt – wird mit klar, dass sich hier ein Kreis schließt. Die Idee zu diesem Projekt ist mehr als ein Jahr alt. Die Vision wird bald Wirklichkeit. Herzblut, ganz viel. Mit jeder Handlung, so alltäglich sie ist, die ich mit Liebe und Hingabe verrichte, fließt meine Liebe in die Welt. Und der Wunsch, die Welt ein wenig schöner zu gestalten.
Und genau das kann das Projekt „Ums Meer“ tun, Frau Zweifel, hast du das gelesen?

Kundenkopierer

Für einmal war ich richtig froh, gestern auf der Post, dass die Deutschen mit der Gleichberechtigung in der Sprache schludern. Ich hoffe sehr, dass das mit Kundenkopierer beschriftete Ding wirklich nur das tut, was ihm aufgetragen worden ist. Alle Kunden in der Reihe vor mir zu kopieren, ginge ja noch, doch würde der Kopierer auch gleich alle Kundinnen kopieren – puh, nicht auszudenken, da wäre ich ja heute noch dort!
Was habe ich gelernt? Es gibt definitiv mehr Frauen, die Briefe und Pakete verschicken.

Jemandes Sprache

Ich frag mich, ob wir jemanden kennen, der jemanden kennt, der jemanden kennt … Irgendlink zieht die Brauen hoch und sieht mich über seiner dritten Tasse Kaffee verschlafen aufwachend an. So viele Worte, so früh am Morgen. Immerhin erst kurz nach neun und wir haben schon Yoga (ich) und Feuer (er) gemacht.
Du meinst? Jemand der?, fragt er.
Ja, ob jemand … vielleicht jemand, der jemanden kennt, der oder die mein Blog liest, weißt du, und der oder die Bekannte könnte vielleicht Norwegisch?
Gestern habe ich das Werbemailing für Zeitungen, Reisezeitschriften, Radios verpackt. Briefe auch für Sponsorinnen, Sponsoren sowie Menschen, die das Projekt „Ums Meer“ sonst wie unterstützenswert finden dürften.
Der Newsletter für die Du-Leute ist ebenfalls versandbereit und sogar Irgendlinks Webauftritte sind fast fertig. Der Spendeknopf ist noch in der Warteschlaufe, doch auch das wird.
Bald wird er losradeln können, derweilen ich mein neues Zuhause einrichte.
Die Idee, durch jetzt vorzubereitende Infos, eine Spur in den jeweiligen Medien jener Landstriche, die Irgendlink durchradelt, zu hinterlassen, hat zwei Gesichter. Ein verführerisches: Je mehr Leute von der Reise a.) wissen und b.) mental und/oder finanziell beteiligt sind, desto eher kann sie gelingen (heißt, muss nicht mangels Geld abgebrochen werden). Die hässliche Fratze der ganzen Aufmerksamkeit ist, dass J. nicht wirklich der mediengeile Typ ist und am liebsten still vor sich hin radeln täte. Das zweischneidige Schwert! Doch ist es eine Möglichkeit, jene Kunstform, die ihm entspricht, sichtbar zu machen. Und käuflich. Denn auch Kunstschaffende brauchen was zu essen.
Apropos Kunstschaffende und Brötchen verdienen: Neulich, wie ich in der Stadt war, kommt mir ein netter Mann mit strahlendem Gesicht entgegen, zwei CDs in der Hand. Mein Verdacht, er sei fromm, Hare Krishna-Member oder bei den Sciento-Typen zerstreute sich schnell. Er mache Musik und verkaufe seine Platten unter anderem auf der Straße. Ich kaufte ihm gleich zwei ab. Und bereue nix.
Guckt hier und hier
Öhm, was ich fragen wollte, liebe Leserinnen und Leser: Ob wohl jemand von euch da draußen jemanden kennt, der oder die jemanden kennt, der Deutsch in Norwegisch übersetzen kann?
Tipps gerne an mich unter: homebase[ät]europenner[punkt]de
Das Kleingedruckte:
Als Gegendienstleistung erhält die/der Übersetzer/in ein auf Aludibond aufgezogenes Bild nach Wahl (18×18 cm), fotografiert, geappt und signiert von Irgendlink.
Beim zu übersetzenden Text handelt es sich um eine Medienmitteilung (ca. 2000 Zeichen mit LS) für die Zeitungen und Radios unterwegs.
Natürlich brauchen wir auch Übersetzungen in Französisch, Englisch, Holländisch, Dänisch und Schwedisch, doch da kennen wir selbst jemanden, die jemanden kennt.
Ooops, so früh schon so viel getippt? Es ist ja erst kurz nach zehn … und erst noch alles auf dem iPhone. Ich glaube, es wird Frühling!

so langsam

Nachdem der ganze Papierkram, den ein Umzug mit sich bringt, fast erledigt ist – sogar die neue Adressstempelplatte habe ich Stempelfetischistin, die ich bin, schon bestellt –, geht es schon bald um den praktischen Teil der Materialverschiebung. Leben ist ein einziges Verschieben von Materie. Von A nach B. Von B nach C. Und wieder zurück. Und wieder von vorne. Und irgendwann alles im Müll. Alles. Irgendwann.
Kurz und gut: Bald gilt es Kisten zu packen. Mal wieder.
Und heute in genau drei Wochen laden wir die Kisten in W., meinem neuen Wohnort, bereits wieder aus. Wenn alles läuft wie geplant. Sogar das Zügu-Team – hier wie dort – hat sich gefunden. Und das fast ohne mein Zutun.
Vor einem Jahr habe ich neben der ganze Arbeit gepackt. Jeden Abend ein paar Kisten. Am Wochenende dann Brockenhäuser aufgesucht und Altlasten abgeworfen.
Diesmal habe ich Zeit. Rein theoretisch könnte ich in drei Arbeitstagen stressfrei alles packen. Stress will ich nicht, diesmal nicht, lange in einer ungemütlichen, weil mit Kisten überstellten Wohnung leben, aber auch nicht. Doch ich weiß: die Seele braucht Zeit. Erst wenn Kisten herumstehen, wird mein Herz begreifen. Dass das alles ernst ist. Diese Sache mit dem Umzug in die Schweiz. Diese bevorstehende Trennung – räumlich viele-viele Kilometer! – von Irgendlink, der die Welt die Nordsee umradelt. Das Leben.
Du bist mein Sonnenuntergang!, sagte ich, als dieser mich mit einem Kuss weckte. Draußen dunkeldämmert’s. Verschlafen reibe ich mir die Augen. Vor dem Ofen war ich über meinem Buch sitzend eingedöst. Obwohl wir ausgemacht hatten, dass ich ihn wecke. Damit wir gemeinsam in den Sonnenuntergang spazieren können. Zu spät für das letzte Abendlicht.
Ich bin dein Weltuntergang?, sagt er, so ist das also!
Was zählt, wenn die Welt untergeht? Nein, nicht die tollen Drucksachen und Werbeträger, die J.s Reiseprojekt bewerben, nicht mal seine tollen, neuen Visitenkarten, nein, auch nicht meine neue Schweizer Telefonnummer, die ich seit gestern habe. Nicht mal meine neue Adresse und schon gar nicht das eine oder das andere Land. Dies alles sind bloß Rahmen. Bilderrahmen. Buchumschläge meinetwegen. Tablare vielleicht oder Büchergestelle, Schränke und Schubladen.
Nicht dass Rahmen und so Sachen nicht wichtig wären, aber zählen tut, was auf den Tablaren, in den Schränken und Schubladen liegt, in den Rahmen gezeigt wird, im Buch geschrieben steht. Zählen tun nicht die Farben, nicht der Glanz des Lacks und nicht die Buchstaben. Es zählt, was sie sagen. Was sie meinen. Was sie sind. Du. Ich.

außen vor und mitten drin

Einfach weg. Von den Strömungen des Tages weggeschwemmt. Wie Treibholz. Na und! Soll sie doch jemand anders fischen, trocknen und verwenden. Gehören tut sie sowieso nicht mir und weg ist weg. Ist ja nicht das erste Mal.
Wie wir da sitzen, am Ofen, und den Feierabend genießend den Tag resümieren, erwähne ich meinen heutigen Verlust. Ob groß oder klein kann ich nicht einschätzen, da ich mich ja nicht mehr an sie erinnere. Jetzt ist sie weg, die Geschichte, die mögliche, die heute Morgen in mir gelebt hatte und erzählt werden wollte. Ich war ihr wohl nicht schnell genug?
Um Außenseitertum ging es, das weiß ich noch, sage ich zu J.. Hast du dich auch schon gefragt, warum alle Welt AußenseiterInnengeschichten liebt?
Es sind die Geschichten über Menschen, die an etwas leiden, die wir am liebsten hören. Zum Trost? Mit den ausgemusterten, abgehalfterten, schwachen, nicht in der Norm sich verhaltenden Menschen identifizieren wir uns. Alle. Irgendwie. Obwohl wir natürlich nicht so sind. Zum Glück nicht. Ganz anders.
Irgendlink zückt sein digitales Notizbuch und liest vor, was er heute bei der Arbeit notiert hat. Über Außenseitertum. Wie wir werden, leben und sind – oder nicht und warum.
Du auch? Ich gucke schief aus der Wäsche. Schon lange haben wir dieses Thema nicht mehr diskutiert. Heute ist es da, ganz offensichtlich. Meine Notiz liegt zwar eine Woche zurück, hat aber bis heute Nacht im Verborgenen geschlummert, bis sie sich am Morgen in einer Geschichte manifestiert hatte. Was heißt da manifestiert? Jetzt ist sie abgetaucht, hat nur ein paar schwache Abdrücke in meiner Erinnerung hinterlassen.
Zur Außenseiterin wird eine, wenn sie sich anders verhält, wenn sie anders ist, wenn sie quer steht und aneckt, wenn sie anders denkt. Anders als … denn es ist unser Verhältnis zur Gesellschaft, das Maß unserer Bereitschaft zur Anpassung, das unsere Stellung in der Hackordnung definiert. Ein Teil davon können wir beeinflussen, den ganzen Rest nicht. Nicht das Umfeld, nicht die Ströme ringsum.
Es sind die wehen, verminten Stellen in der Landschaft unserer Seele, die uns zu angepassten Menschen machen. Nein falsch, es ist die Angst vor neuen Explosionen. Nochmals nein, es sind die diffuse Erinnerung und der ungefähre Gedanke an die bloße Möglichkeit einer neuen Explosion. Konjunktiv. Die Angst vor der Angst. Zumal die alten Narben nie verschwinden. Nie ganz. Und diese Angst hier, hinter der Möglichkeit der Anpassung, heißt Ablehnung. Ihr beugen und vor ihr verbeugen und verbiegen wir uns. Ihr huldigen und katzbuckeln wir – oder auch nicht.
Anderssein – viele sind es, alle wollen es zumindest oder glauben es zu sein, doch kaum jemand traut sich …
Wo sie wohl gestrandet ist, die Geschichte von heute Morgen? Wenn du sie findest, erzähl einfach du sie … anders als ich, aber das ist ja letztlich nicht so wichtig. Hauptsache, wir vergessen sie nicht.