Feindbilder füttern – bitte nicht!

Heute habe ich von S. aus der Schweiz diesen Aufruf hier erhalten. Ich schlucke schwer an dieser neuerlichen Rechtsaußenbewegung, die mein Heimatland unternimmt. Kann das wirklich sein? Lassen sich so viele Wählerinnen und Wähler einfach so nach immer mehr rechts bewegen?
Liebe Leserinnen und Leser, wo immer ihr seid: bitte, schaut und spürt ganz genau hin. Rassismus kommt auf leisen Füßen daher, doch er ist ein giftiger Stachel, der letztlich allen schadet … Bitte lasst uns nicht aufhören, uns Gedanken über unsere Mitwelt zu machen.

Die Hetzkampagnen der SVP stoppen!
(Unterstützungsaufruf weiter unten)
Mit ihrer neuen Hetzkampagne („Kosovaren schlitzen Schweizer auf„) erreicht die SVP einen neuen Tiefpunkt. Davon angewidert solidarisieren wir uns mit Christoph Schmutz und Andi Kunz, die nicht heimlich mitten in der Nacht, sondern am helllichten Tag und in aller Öffentlichkeit am vergangenen Samstag rund um die Altstadt einige Kampagne-Plakate der SVP gebleicht haben. Mit dem Weisseln von „MASSENEINWANDERUNG STOPPEN“- Plakaten zeigten sie ihren Protest gegen die fortgesetzte, diffamierende Hetze der SVP gegen Menschen ausländischer Herkunft.
Die Plakate suggerieren die anonyme, bedrohliche Invasion einer schwarz-bestiefelten Meute in unser Land. Die Träger der schwarzen Schuhe sind in Wahrheit die schlecht bezahlten ausländischen Erntehelfer, die auch den SVP-Bauern den günstigen Salat pflücken, sie sind die schlecht bezahlten ausländischen Küchengehilfinnen, die auch SVP-Wählern die Rösti auf den Teller liefern, sie stehen für die ausländischen Pflegekräfte, die auch SVP-Parteimitgliedern im Altersheim den Verband wechseln, sie meinen die ausländischen Lehrkräfte, die auch dem SVP-Nachwuchs die Geographie Europas näher bringen, sie symbolisieren die ausländischen Strassenbauer, die bei brütender Hitze auch SVP-Automobilen die Feuerthaler-Brücke sanieren und nicht zuletzt stehen die Stiefel auch für viele hochqualifizierte ausländische Kaderleute in manchen Schaffhauser Unternehmungen.
Eine Partei, die seit Jahren mit den Begriffen Disziplin, Anstand und generell mit „schweizerischen“ Werten hausiert, betreibt eigentliches Polit-Littering der schmutzigeren Sorte. Das jüngste Plakat ist der aktuelle Tiefpunkt in einer Reihe von Kampagnen, in denen Ausländer als schwarze Schafe oder Messerstecher dargestellt werden, Linke als rote Ratten diffamiert werden, schwarze Hände nach Schweizer Pässen greifen und Minarette in Raketenform die Schweizer Fahne durchbohren. Gegen diese widerliche, fortgesetzte Form der Ausgrenzung und Herabminderung von Menschen ist unser zivilgesellschaftlicher Widerstand gerichtet.
Die Meinungsfreiheit ist unbestritten ein sehr hohes Gut. Ebenso klar ist doch aber auch, dass diese Freiheit andere Grundrechte genauso respektieren muss: Die Achtung von Würde und Gleichheit aller Menschen. Die Verteidigung diesesRechtsgutes legitimiert unserer Ansicht nach die Form unseres Protests.
Die SVP hat eben nicht die Rolle des gesellschaftlichen Sorgen-Seismographen, sondern sie pflegt Feindbilder, schürt Ressentiments, bewirtschaftet Vorurteile. Sie lenkt damit ab von allen wirklich wichtigen Zeitfragen, die mit Sicherheit nicht mit einem nationalistischen Röhrenblick zu lösen sind. Gefragt wären heute ein Mehr an Demokratie, Beteiligung, Gerechtigkeit und Solidarität und ein Weniger an Feindbildern, Schuldzuweisungen, Spaltung und Schwarzmalerei.
Um unserer Solidarität mit Christoph Schmutz und Andi Kunz und unserem Protest gegen die widerlichen Hetzkampagnen der SVP Ausdruck zu verschaffen, möchten wir den vorliegenden Text in einem Inserat in der Zeitung platzieren. Wir rufen Sie dazu auf, sich unserem zivilgesellschaftlichen Protest anzuschliessen, um deutlich zu machen, dass die Protestaktion eine breite Basis hat. Bitte senden Sie uns möglichst bald (!) ein Mail mit Ihrem Vornamen und Namen an eine der unten stehenden Adressen, damit wir Sie namentlich im Inserat erwähnen können. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Werner Brandenberger, Rechtsanwalt (ra.brandenberger((at))shinternet.ch)
Peter Leu, Organist (leu.schilling((at))bluewin.ch)

Bilder einer Ausstellung #2

Noch viel zu tun, schon viel getan. Zwar stehen unsere Bilder noch zusammenhangslos im Raum herum, doch immerhin sind sie fertig oder halbfertig gerahmt. Bis auf zehn. Passepartout-Karton ist alle. Die auf Aludibond aufgezogene Fotoabzüge sind alle mit Aufhängern versehen.
Nun gilt es ernst, der Countdown läuft: Welches Bild kommt wohin, neben welches?
Das wird eine intensive Woche, ich sehe es schon, denn Galerie und Umgebung müssen ja auch noch geputzt und die Werkliste ergänzt werden.
Doch am Samstag und Sonntag öffnen wir nachmittags die Türen weit: Kommt und seht selbst!
>>>> www.rinckenhof.de
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mehr: www.offene-ateliers-rlp.de/
zur Liste: www.offene-ateliers-rlp.de/images/stories/OATELIER/Teilnehmerliste2011_web.pdf (Seite 13, 6.te von oben)

Integrationskurs „Alltag in Deutschland“ – Lektion 6: gesund oder krank? Teil 2

Es ist höchste Zeit, meine Integrationsarbeit fortzusetzen, denn die Integration der nach Deutschland ausgewanderten Schweizerin – ihres Zeichen Autorin dieses Blogs – ist noch längst nicht vollendet ist.
Heute behandeln wir zum zweiten Mal das Thema „gesund und krank“ und wenden uns dem Schwerpunkt Krankschreibung zu. Was macht eine Arbeitsnehmerin, die in Deutschland erkrankt? Halt, ich frage besser andersrum, denn hier soll es ja auch – ein bisschen zumindest – um Völkerverständnis und –verständigung gehen: Was macht eine Schweizer Arbeitsnehmerin, die krank ist?
Fall a.) Ist sie so krank, dass absehbar ist, dass sie sich länger als drei Tage nicht am Arbeitsplatz zeigen kann, geht sie baldmöglichst zu ihrer Ärztin und lässt sich behandeln. Die Ärztin rät ihr nach reiflicher Untersuchung der Arbeitsstelle so und so lange fernzubleiben und sich bestmöglich zu erholen. Vielleicht verschreibt sie ihr zusätzlich das eine oder andere Medikament. Mit einem seriösen, selbst verfassten Zeugnis bescheinigt sie, dass die Patientin von dann bis dann krank ist und nicht arbeiten kann.
Fall b.) Ist die Patientin schlicht und einfach erkältet und es ist absehbar, dass sie am vierten Tag wieder arbeiten gehen kann, bleibt sie zuhause und pflegt sich gesund. Drei Tage ohne Zeugnis, während denen sie ihre Scheffin über den Heilungsprozess telefonisch auf dem Laufenden hält.
Deutsche reagieren, wenn ich das erzähle, empört. Da kann ja jeder einfach mal drei Tage krank feiern!, sagen sie. Hat was, jedenfalls ohne nähere Kenntnisse der Schweizer Gepflogenheiten. Ihr müsst wissen, dass ein Arztbesuch in der Schweiz kostet. Mindestens zehn Prozent zahlt die Patientin selbst, neunzig Prozent übernimmt die Krankenkasse – je nach Vertrag auch weniger oder (bis eine vorher definierte Höhe erreicht ist) auch gar nichts. Darum rennen Schweizerinnen nicht wegen jedem Schnupfen zur Ärztin. Positiv daran: die Ärztinnen haben so den Rücken frei für jene Patientinnen, die mehr als nur erkältet sind. Mit der Drei-Tage-krank-sein-ohne-Zeugnis-Regelung werden aber auch die Kassen geschont und die Patientinnen zu Eigenverantwortung erzogen. Diese wird – jedenfalls in meinen vertrauten Arbeitsumgebungen – ernst genommen und in der Regel gehen die Arbeitsnehmerinnen am zweiten oder dritten Tag wieder arbeiten. Pflichtbewusstsein und so. Ihr wisst schon.
Da kann ja jeder schnell mal eine Woche krank feiern!, sage ich zu meinen Liebsten, nachdem er mir erklärt hat, wie es in Deutschland läuft. Du gehst zwar bereits am ersten Tag (oder wie ich letzten Donnerstag am dritten, da ich die Regel nicht kannte) zur Ärztin, doch die Untersuchung – in meinem Fall dauerte diese ganze zwei Minuten (nach einer Dreiviertelstunde Wartezeit) – war so rudimentär, dass meine Ärztin nicht mal gemerkt hätte, wenn ich an Pest erkrankt wäre. Immerhin hat sie das von mir für die Arbeitsgeberin notwendige Vordruckformular – allerdings noch im Leerzustand – unterschrieben (wie lange soll ich Sie denn krankschreiben?) während sie der Praxisassistentin am PC etwas von viralem Infekt und die auszufüllenden Daten mitteilte.
Mit dem auf dem PC ausgefüllten Vordruck in der Tasche verlasse ich irritiert die Praxis. Ich fühle mich wie ein Stück Fleisch, am Fließband untersucht und für krank befunden. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung heißt das Stück Papier, das ich erhalten habe. Na ja, irgendwie muss es ja heißen. Irritiert bin ich weniger vom Namen als vom Verfahren, das nicht wirklich vertrauenswürdig zu sein scheint, und ich bereue ein klein bisschen, dass ich mich nicht gleich eine Woche länger habe arbeitsunfähig  bescheinigen lassen. Aber nur ein bisschen. Pflichtbewusstsein und so. Ihr wisst schon.
Kann ich einer Ärztin trauen, die tut, was ich will? Kann eine Arbeitsgeberin, die ja weiß, wie das bei den Weißkitteln läuft, überhaupt a.)  ihren Arbeitsnehmerinnen und b.) den Ärztinnen trauen? Kann ich … na ja. Irgendwie muss es ja funktionieren … Pflichtbewusstsein und so. Ihr wisst schon.
Merke: Und die Erde dreht sich doch. Ob aus Pflichtbewusstsein oder nicht hat sie mir jedoch nicht verraten.
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Anmerkung: Mit der weiblichen Form sind selbstverständlich auch alle Männer mit gemeint. Der Einfachheit halber habe ich ausschließlich die weibliche Form verwendet.
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Weiterführende Artikel:
Integrationskurs „Alltag in Deutschland“ – Lektion 1: Einkaufen
Integrationskurs „Alltag in Deutschland“ – Lektion 2: Wie Löwenzahn
Integrationskurs „Alltag in Deutschland“ – Lektion 3: Der Ausweis
Integrationskurs „Alltag in Deutschland“ – Lektion 4: gesund oder krank? Teil 1
Integrationskurs „Alltag in Deutschland“ – Lektion 5: auswärts essen

Kunstzwerg im Rückspiegel

Ein Haufen Verrückter?

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Dank dieses Filmbeitrages könnt ihr nachträglich am Kunstzwerg-Festival bei uns auf dem Hof teilhaben.
Mike & Robert, Meng, Inox, der Hundefänger, data shock und auch Brandstifter kommen zu Wort.
Eine kleine feine Auswahl hat sie getroffen, die Redaktion. Ziemlich gut gemacht, find ich.

Wespen und so

Wie hat Inox Kapell uns auf seinen beiden äußerst inspirierenden Insektenführungen samstags und sonntags erzählt? Wespen ließen sich mit Kupfer vertreiben.
Montagmorgen auf der Südterrasse. Liveexperiment. Wir sitzen beim Frühstück. T. fotografiert und dokumentiert, wie die Wespe sich ohne zu zögern auf das Marmeladenbrot neben den Kupfermünzen setzt. Entgegen Inox‘ Aussage.
Du glaubst bloß zu wenig daran, sage ich augenzwinkernd aus der wespenfreien Zone, wo zwei kleine Kupferröhrchen vor unseren Frühstückstellern liegen.
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Addition
Wespe hasst Kupfer.
Wespe liebt Marmelade.
Wespe zögert, kurz, Kupfer plus Marmelade zu mögen.
Wespe setzt sich auf Kupfer plus Marmelade und lässt es sich dort gut gehen.
Nein, das ist keine Fabel, sie hat keine Moral. Ebensowenig wie die Wespe.

The (Mon)Day After

Mit Frühstücken, Aufräumen und Abschiednehmen ist der Montagmorgen viel zu schnell vergangen. Das achte Mainzer Kunstzwerg-Festival ist Vergangenheit. Die letzten Gäste sind abgereist, Brandstifter, T., seine Liebste sowie die beiden Künstler Mike und Robert aus New York und New Jersey. Sie alle waren seit Donnerstag mit uns hier zuhause.
Nur P., auch bekannt als Qqlka, ist noch da und der ist ja eigentlich nicht wirklich ein Gast. Er gehört sozusagen zum Haus und half heute meinem Liebsten das kleine Chaos – bestehend aus vollen und leeren Flaschen, vollen Säcken und leerem Mietkühlschrank – zu bewältigen, während ich wieder zur Arbeit gefahren bin. Ruhe kehrt ein auf dem einsamen Gehöft.
Doch unruhig war es die letzten vier Tage nicht wirklich. Turbulent eher … und lustig, inspirierend, lebendig, zuweilen chaotisch, immer bunt und belebend. Und vor allem sehr, sehr angenehm – all meine Ängsten zum Trotz. Die Leute, die hier ein und aus gegangen sind, haben sich sichtlich wohlgefühlt. Sie haben sich im Garten, auf der Terrasse im nahen Wald, im Atelier-Kulturraum oder in der Außenküche aufgehalten, haben geschlafen, nicht geschlafen, miteinander geredet, zusammen geschwiegen, sich gegenseitig zugehört, sie haben gestaunt und gedöst, geraucht die einen, das Feuer geschürt, getrunken, gegessen und sie haben den neuen Klängen gelauscht.
Verdichtetes Leben. Klangfarben vielerlei Kunst.
Ein besonderes Erlebnis für mich war die Begegnung mit der taiwanesischen Künstlerin Meng Wu (sprich: Mong), die hier nicht nur als sich selbst sondern auch als Blume auf dem Feld mit dabei war.

Mengs Blog: http://meng-hsuan-wu.blogspot.com/
Weil wir eine Wette abgeschlossen haben, die wir beide gewonnen und verloren haben (ja, das gibt’s), bekam jede von der anderen ein Bild geschenkt. Während des Samstagabend-Konzertes im knappen Licht der sphärischen Beleuchtung, eingehüllt in psychedelische, außerirdische Klänge malten wir nebeneinander vor uns hin. Ein tolles Erlebnis. Die Übergabe erfolgte gestern Vormittag auf einem Spaziergang über die Felder. Da, wo es ganz still ist, stehend unter einem Baum, vor uns der Horizont, hinter dem es immer weiter und weiter geht, überreichten wir uns unsere zur gegenseitigen Ermutigung gedachten Werke.
Später, nach der letzten Improvisation im Atelier – unterstützt von zwei spontan eingeladenen Alphornisten und gefilmt von einem begeisterten Saarländisch-Rundfunk-Team, das über das dreitägige Festival für Mittwoch eine Sendung plant – reisten die meisten Leute ab. Auch Meng.
Werden wir uns je wiedersehen?
, fragten wir uns. Ich weiß es nicht. Doch vergessen werde ich sie nicht.
Gestern Abend war ausbaumeln angesagt. Wie halbtote Fliegen hingen wir, zu acht noch, in den Bänken, und tauschten uns aus. Ausgelassen, müde, authentisch, aufgekratzt. Mike (sk orchestra) und Robert (P.A.S.) schenkten mir gleich drei handsignierte CDs.
Thanks for helping us feeling at home. Was für ein schönes Kompliment!
So habe ich mit Katis nigelnagelneuer CD On The 2nd Thought, die ich mir heute Abend anhören werde, ganz schön viel neuen Sound im Haus.

Bliss happens

Heute zitiere ich sehr gerne wieder einmal Luisa Francia. Ihr Webtagebuch ist für mich eine immerwährende Herz-, Seelen- und Hirnnahrung.

ich glaube das wichtigste ist nicht, dass man viel geld hat, sondern ein leichtes herz – und nette nachbarInnen! habe ich reichlich.
luisa francia am 30.08.2011 um 08:36:43

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das haben mich jetzt einige gefragt: wie schafft man es, ein leichtes herz zu haben? nichts festhalten. ärgern und weg damit, weinen und weg damit. dann hat man irgendwann keine speicherkapazitäten für das blöde, weil das schöne so viel platz braucht.
vom verdrängen wird das herz allerdings nicht leichter. irgendwie muss mans einmal durch die wahrnehmung ziehen, um es loslassen zu können. ich habs mal in „starke medizin“ so gesagt: die bitterkeit kommt von allein. heiterkeit will gelockt werden.
luisa francia am 1.09.2011 um 08:06:14

Quelle: http://www.salamandra.de/tagebuch/start.php

endlich

Heute habe ich eins meiner Manuskripte, das Loch im Eis, wachgeküsst. Noch immer fiebrig, fiebriger als gestern, war ich bei meiner Ärztin und ließ mich bis morgen krankschreiben. Vielleicht geh ich aber morgen auch arbeiten. Je nach Zustand. Fiebrig und kreativ geht oft sehr gut bei mir. Schreibrausch und Fieberrausch sind sich ähnlich. Etwas zum Abschluss bringen, endlich, das will ich. Endlich das Ende neu schreiben. Endlich einen Verlag finden. Endlich an mich glauben.
Draußen sitzen Irgendlink und zwei Gäste am Feuer. Ich werde mich jetzt zu ihnen setzen. Pause muss sein.

Von Ekelpegeln, Maßstäben und einem wilden Haufen Kunstschaffender

Ein bisschen graut es mir schon. Gastgeber und Gastgeberin zu sein ist gar nicht so einfach. Vor allem, wenn die Gästeschar aus einem wilden und internationalen Haufen PerformancekünstlerInnen besteht, die uns und ein noch unbekanntes Publikum drei Tage unterhalten werden. Wobei … unterhalten ist da vielleicht nicht ganz das richtige Wort.
Es geht um Begegnung!, hat Brandstifter gesagt, vor zwei Wochen, als wir die infrastrukturellen Details des Kunstzwerg-2011-Events besprachen. Okay, ich bin nur ZaunGastgeberin, Trittbrettfahrerin irgendwie, wie bei allem, was Irgendlink vor meinem Umzug auf das einsame Gehöft eingefädelt hat und ich nun mit ihm gemeinsam ausbade. Am meisten wünsche ich mir fürs Wochenende angenehme, stressfreie Tage. Und es soll allen wohl sein. M., meine hamburgische Freundin aus Bern kommt bereits morgen Abend, ebenso ein paar Leute vom Kunstverein Mainz.
Fertig mit der Ruhe. Meine zwei Krankheitstage habe ich in einer Blase verbracht. Sie haben mir sehr gut getan und ich hatte endlich mal wieder Zeit zum Alleinsein, zum Nachdenken, zum Schreiben, zum Nichtstun. Das ist die schöne Seite am Kranksein: Du musst nichts. Niemand erwartet etwas von dir.
Der Körper weiß, was mir gut tut. Und wenn ich es nicht schaffe, Gutes für mich zu tun, dann weiß er es erst recht. Das Fieber ist im Laufe des Nachmittags gesunken und der Hals tut nur noch ein bisschen weh. Die Nase tröpfelt ein wenig vor sich hin, doch die Ohren sind wieder frei. Ob ich morgen fit für die Arbeit bin, wird sich beim Erwachen zeigen.
Während ich am frühen Abend – auf dem Weg der Besserung bereits – Irgendlinks Außenküche samt Tresen putzte und von monatealtem Spinnwebenmief befreite, da dieser Bereich von den Gästen mitbenutzt wird, kam ich nicht umhin darüber nachzugrübeln, warum die einen Menschen Sauberkeit brauchen, damit sie sich wohlfühlen können, während andere ihr gegenüber beinahe resistent oder zumindest gleichgültig sind.
Wege zum individuellen Sauberkeitspegel gibt es viele. Ich gehöre zu jenen Menschen, die bereits wieder nach relativ kurzer Zeit putzen, damit der Dreck mich nicht eines Tages gänzlich auffressen kann. Ich halte es auch darum so, weil ich beim Putzen oft auch Ruhe in meine Gedanken bringen kann. In meinen vier Wänden jedenfalls. Andere putzen –  ob am liebsten oder weil sie es nicht länger aufschieben können, sei dahingestellt – erst dann, wenn sich so richtig viel Dreck angesammelt hat. Dann lohnt es sich so richtig!, sagen diese Menschen. Besser oder schlechter gibt es hier nicht. Jeder Mensch hat da einen eigenen Maßstab.
Jedem und jeder den ganz persönlichen Ekelpegel! Ich lass dir deinen, lass du mir meinen … mein elftes Gebot!
Ähm, und falls du noch nicht weißt, wo du dein Wochenende verbringen willst: Kunstzwergfestival ist bestimmt eine gute Wahl. Bis bald?