dankbar

Weil ich nach diesem arbeits- und begegnungsintensiven Tag keine Lust habe, den Laptop aufzustarten, blogge ich per iFon und beschwöre damit ein bisschen Ferienfeeling herauf.
Über Freundschaft und Chemie habe ich die letzten Tage viel nachgedacht und wie es kommt, dass zwei Menschen Freunde oder Freundinnen werden. Mit Freundin U. im schwarzen Wald habe ich darüber gemailt und heute Morgen, am Telefon mit meiner deutschen Freundin A., die seit vielen Jahren in den spanischen Bergen lebt und die ich „zufällig“ über internette Verbindungen kennengelernt habe, sofasophierte ich ebenfalls darüber. Wir redeten über unsere erste und bisher einzige, zehn Tage dauernde persönliche Begegnung in den Alpujarras vor vier Jahren und wie dort ein roter Faden zu wachsen begonnen hat, der virtuell immer dicker und stabiler wurde.
Das brachte mich auf die Idee, einmal die Essenz all meiner Freundschaften zu extrahieren. Oder, mathematisch gesprochen, den gemeinsamen Nenner zu finden. Falls das geht, denn jede Freundschaft hat ja letztlich ihre ganz eigene Farbe.
Meine Essenzen:
Gleiche Augenhöhe: Mit allen meinen Freundinnen und Freunden nehme ich mich auf gleicher Augenhöhe wahr. Niemand ist der Scheff, beide Seiten bringen sich zu gleichen Teilen und gleichwertig in die Beziehung ein.
Negativform: Die eine Person dominiert und gibt die Richtung vor. Sie drängt sich mit zwar gutgemeinten, aber ungefragt erteilten Ratschlägen auf.
No smalltalk und keine Floskeln: Die Gespräche drehen sich um Themen, die über das Wetter hinausgehen. Natürlich wird auch mal über gemeinsame Bekannte ausgetauscht, doch in erster Linie geht es um uns selbst, um Befinden, Gedanken, Prozesse und Gefühle. Und immer wieder wird zusammen gelacht, denn liebevoll miteinander zu lachen, ist der Kitt zwischenmenschlicher Beziehungen.
Negativform: Das ein- oder gegenseitige Interesse erlischt, nachdem die üblichen Floskeln und Allgemeinplätze abgehakt sind.
Vertrauen: Dieses ist die Voraussetzung einer jeden Freundschaft. Kann ich sein, wie ich bin? Fühle ich mich mit der anderen Person geborgen und wohl? Traue ich der anderen Person zu, mir vorurteils- und wertfrei zu begegnen?
Negativform: Eine Herzöffnung ist erschwert, da die eine oder andere Person einen unruhigen, belehrenden oder sonstwie nicht vertrauenserweckenden Eindruck macht.
Solidarität: Auch wenn sich befreundete Menschen einmal nicht einig sind, unterstützen sie sich ungefragt gegenseitig.
Negativform: Kaum besteht Uneinigkeit, fällt der eine oder die andere über den oder die andere/n her.
Bereitschaft, auch unbequemes zu teilen: Ist eine Person in einer schwierigen Lebensphase, kann sie ihre Probleme erstens mit der anderen Person teilen und zweitens auf deren Unterstützung in der gewünschten Form und im hilfreichen Umfang zählen.
Negativform: Kaum hat eine Person eine Krise, ist die andere anderweitig unabkömmlich und hat keine Zeit. Oder aber sie textet die andere Person mit RatSCHLÄGEN zu.
Gegenseitige Kritikfähigkeit und -bereitschaft: Wer einen Menschen gern hat, will sein bestes. Doch ungefragt Rat erteilen, zeugt von schlechtem Stil. Auch ungefragte Kritik ist uneffizient. Will ich einer Freundin sagen, was ich über ihre in meinen Augen vielleicht fragwürdigen Prozesse oder ihre für mich nicht nachvollziehbaren Entscheidungen denke, frage ich nach, ob sie an meiner Meinung interessiert ist. Sagt sie ja, teile ich meine Gedanken mit ihr. Sonst nicht.
Negativform: Bei jeder Situation, in der sich die eine Person befindet, gibt die andere ungefragt und ungebeten ihre Meinung ab.
Sensibilität: Alle meine FreundInnen verfügen über große soziale Kompezenzen und eine überdurschnittliche Sensibilität. Das ist vielleicht gar der verbindendste Faktor. Sich in einander einzufühlen ist nur so annähernd möglich.
Negativform: Die eine Person versteht und/oder spürt gar nicht wirklich hin, was die andere meint.
Kurz und gut: Menschen, die mir so begegnen, wie ich es kursiv geschrieben habe, können nicht meine Freunde oder meine Freundinnen werden.
Dennoch ist es mehr als die Summe der erwähnten Elemente aus meiner unvollständigen Liste, das das Wesen einer Freundschaft ausmacht.
Im Grunde ist es der nicht in Worten fassbare Funke, der am Anfang einer Freundschaft steht, jenes Leuchten in den Augen, eine Art geheimer Code gar oder auch einfach die Art, wie ein Gespräch verläuft oder wie jemand auf etwas reagiert … Ein Anfang wie ein Doppelpunkt.
Freundschaft ist Alchemie: Was geschieht, wenn zwei Menschen im Reagenzglas des Lebens geschüttelt werden. Wie Essig und Öl das eine Mal, ein anderes Mal wie Kaffee und Milch.
Freundschaftliche Liebe kann niemand machen, Freundschaft ist ein Geschenk.
Den erwähnten Freundinnen A. und U. gewidmet, dankbar für unsere Freundschaften. Und natürlich auch allen anderen FreundInnen.

dream on

Nein, die Kinder sind es nicht primär, die dazu beitragen, dass mich mein neuer Job stresst. Obwohl ebendiese Kids ganz schön ausprobieren, wie weit sie bei mir gehen können. Nein, es sind auch nicht nur die schlechten Bedingungen, obwohl ich bei mehr Lohn gewiss motivierter wäre. Was mich am meisten stresst, ist eher etwas irrationales und ganz und gar nicht neu. Es ist die simple Tatsache, dass mein Brötchenjob mir Lebenszeit abzwackt. Lebenszeit, die ich in etwas investiere, das mir nur bedingt wichtig ist, ich aber dennoch nicht halbherzig machen kann. Weil ich einfach nicht halbherzig arbeiten kann. Zeit, die mich ermüdet, weil ich mich engagiere. Vor allem aber Zeit, die ich nicht frei gestalten kann. Was ein großer Traum von mir ist, eine Illusion natürlich, doch ein schlichter Wunsch: meine Zeit selbst zu gestalten und keine materiellen Sorgen haben zu müssen. Doch wenn ich kein Geld habe, muss ich logischerweise welches verdienen. Und wenn ich meine Kunst nicht vermarkte und/oder wenn sie niemand kauft, gibt es auch kein Geld. Ergo muss ich arbeiten. Es ist wohl am meisten dieses Müssen, das mir nicht gut bekommt. Weil ich nicht gerne muss. Ich will wollen, nicht müssen, denn eigentlich arbeite ich gerne.
Schnitt.
Heute, auf dem Weg zur Arbeit  – über meine Erschöpfung und Müdigkeit nachgrübelnd –, musste ich an den Krug denken, der zum Brunnen geht bis er bricht. Wie es verschiedene Krüge gibt – irdene, gläserne, solche aus Blei oder Kupfer, gibt es auch vielerlei Menschen, zumindest die einen und die anderen. Die einen kaufen oder töpfern sich einfach, wenn der alte Krug gebrochen ist, einen neuen. Oder noch besser: sie lassen sich einen schenken. Die anderen grübeln Jahre, bevor der Krug auch nur ans Risse machen und Zerbrechen denkt, schon an den bevorstehenden Bruch und was sie tun werden, wenn er eines fernen Tages tatsächlich brechen wird. Falls er denn brechen wird, so lange sie leben. Mit ihren Angst-vor-den-Scherben-Sorgen versauen sie sich jegliche Alltagsfreude. Irgendlink gehört zu den einen, ich nicht, leider.
Selig, die einen Krug haben, den sie füllen können.

nährend

Was für ein erholsamer, nährender Sonntag! Ausschlafen. Den Tee ins Bett gebracht bekommen. Nähe. Vertrautheit. Geborgenheit. Sonne wider Erwarten. Lust, die gestern an Land gezogene Einladung, gemeinsam mit Irgendlink Bilder auszustellen, heute aufzugleisen. Die Zeit läuft. Bereits in vier Wochen, am 11. September, ist Walnussfest in G.. Dort sind wir eingeladen, einen Tag lang unsere Kunst zu präsentieren, iPhone-Kunst vorwiegend. Gewünschter Schwerpunkt: Naturaufnahmen aus der Umgebung. Nichts allzu verrücktes. Möglicher Nebeneffekt dieser Begegnung: Wir können, wenn nichts dagegen spricht, ein kleines Ausstellungsgebäude langfristig bildnerisch gestalten.
Nach dem Gespräch mit dem Verantwortlichen gestern Abend haben wir am Küchentisch unsere Hirne gestürmt und alle Ideen aufgeschrieben, die uns zur Umsetzung eingefallen sind. Denn das Problem ist in der Tat die Umsetzung, denn wir können nicht einfach Bilder, die nur für G. passen, ausstellen. Dazu haben wir weder die Zeit noch das Geld und schlimmstenfalls würden wir auf diesen sitzenbleiben.
Ein bisschen verkauft Frau – und Mann auch – schon die Seele, wenn sie (oder er) sich bei der Themenwahl dem Anlass und dem Publikum anpassen soll. Ich sage mir jedoch, dass ja trotzdem jedes meiner Bilder meine Handschrift tragen wird, selbst wenn ich mich thematisch angleiche. So what? Mir fällt kein Zacken aus der Krone, wenn ich mich von gegebenen Themen, die ja nicht abwegig sind, inspirieren lasse.
Das liebe Geld: Qualität hat ihren Preis. Bilder herstellen lassen kostet. Kosten, die ich für meine Kunstwerke selbst trage. Da es eine Freiluftausstellung sein wird, haben Irgendlink und ich uns für auf Aludibond gedruckte Bilder entschieden. Eine sehr praktische Technik, die allerdings nicht billig ist. Wir werden beide je etwa zehn Bilder ausstellen sowie eine gemeinsame Fotomappe mit weiteren Bildern, die bestellt werden können, auflegen. Weitere Ideen sind noch nicht druckreif aber in der Mache. Die Bilder, die wir zeigen, werden sowohl für den Anlass in G. passen, doch wir können sie auch am anschließenden Weekend, dem 17. und 18. September, im Offenen Atelier – hier auf dem Gehöft – ausstellen können (zur Liste: hier klicken, Seite 13 oben).
Ja, ich werde erstmals Bilder ausstellen. Irgendlink hat mich eingeladen, beim Offenen Atelier mitzumachen, bei dem er jährlich ein Wochenende lang seine Ateliertüren für Besuch aus aller Welt öffnet. Die Veranstaltung wird im Rahmen des Kultursommers vom OrgaTeam Meyer-Grönhof/Lohrengel organisiert, in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband Bildender Künstler Rheinland-Pfalz (BBK) und im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur (Zitat Internet). Soviel zum Hintergrund.
Im Vordergrund stehen jede Menge Kunstschaffende, die ihre Kreationen teilen sowie sicht- und erfahrbar machen wollen.
Schnitt.
Beim Frühstück beschlossen wir spontan, einen der Rundwanderwege von G. zu erwandern und dabei Bilder zu sammeln. Genug für die Ausstellungen hätten wir ja, doch da war die Lust auf neue Bilder … Gesagt getan. Für mich gibt es kaum etwas schöneres als mit meinem Liebsten und der Kamera unterwegs in der Natur zu sein.
Über hundertvierzig neue Bilder habe ich mit nach Hause gebracht. Es gibt viel zu tun, doch Kunst zu schaffen ist eine Arbeit, auf die ich mich freue und die mich nährt. Genau so sollte Arbeit sein, eigentlich!

Bild: Ideensammlung. Das hintere Bild denke ich mir als mögliches Ausstellungsraumelement. Vorne: ein Entwurf/Stilleben.

müde

Eigentlich habe ich gar keine Zeit zum Arbeiten, habe ich neulich geschrieben. Ja, stimmt. Doch auch zum Bloggen fehlt mir die Zeit. Zeitgeizig geworden, wie einst in Bern, kaum dass ich wieder außer Haus arbeite. Die Zeit zum Nichtstun fehlt mir, jede Minute ist wieder verplant mit Haushalt und anderem. Dabei würde ich mich am liebsten mit meinem englischen Krimi im Bett verkriechen und die Welt sich einfach um sich selbst drehen lassen. Sie tut es ja eh. Ob ich mit will oder nicht.
Lesen und auf dem iPhone Bilder bearbeiten sind zurzeit die beiden einzigen Dinge, die mich nicht stressen. Außerdem dauert meine „in der Schweiz ist alles besser“-Phase noch immer an. Sie musste kommen. Nein, ich bin nicht ich mit der Idee nach Deutschland umgezogen, dass hier alles besser sei, ich bin aus persönlichen Gründen hierher gezogen. Und nochmals nein: ich bereue den Umzug nicht und genieße es täglich sehr, mit meinem Liebsten Tür an Tür zu wohnen und den Alltag zu teilen. Dennoch kann ich nicht anders, als hin und wieder Vergleiche zu ziehen. Sie drängen sich mir geradezu auf. Vergleiche im zwischenmenschlichen Umgang vor alle, subtile, kaum fassbare Unterschiede sind es, die mich anstrengen. Selbstverständlichkeiten, die eine ganze Gesellschaft verinnerlicht hat, die mir zuweilen wie geheime Codes erscheinen und die ich nicht verstehe. Fremdsprachen sind anstrengend.
Kurz: Ich bin des Neuen müde. Müde beschreibt mein aktuelles Lebensgefühl sehr genau. Müde mit all seinen Facetten. Aber Bilder machen tut, wie gesagt, sehr gut …

Bild: Menschliche Landschaften

schnell

Eigentlich habe ich gar keine Zeit zum Arbeiten, denn eigentlich hätte ich genug anderes, das ich viel lieber tun würde. Schreiben und Bloggen zum Beispiel. Aus den Liveblogtexten von der Schwedenreise – wie letztes Jahr – wieder ein kleines Buch für Irgendlink und mich gestalten. Bilder auswerten und bearbeiten. Oder endlich mal die Idee meines Liebsten sich setzen lassen, dass wir eine gemeinsame iPhoneArt-iDogma-Ausstellung anpacken sollten. Ihr Form geben. Endlich mal dies und endlich mal das. Das Liegengebliebene, das nie Erledigte.
Ich muss an Nietzsches „Vereinsamt“ denken, an diese Zeilen hier:

Bald wird es schnein –
Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!

Was jetzt erledigt ist, ist erledigt. Gemäht ist gemäht. Vorbei ist vorbei. Ein desperates Gefühl, dass ich mit meiner Rückkehr ins Berufsleben nun keine Zeit mehr für Kreatives haben werde, will von mir Besitz ergreifen. Immer schon habe ich meine Arbeit außer Haus als Konkurrenz zu meiner eigentlichen Passion – dem künstlerischen Ausdruck – empfunden.
Der Hamsterradtretmühlenalltag hat mich wieder. Von Viertel vor eins bis Viertel vor fünf bin ich eingebunden. Fünf Tage die Woche. Zu sechst begleiten wir hundert Kids zwischen zehn und fünfzehn Jahren durch den freien Nachmittag. Für einen Hungerlohn. Wir sorgen dafür, dass sie unter anderem ihre Hausaufgaben gemacht haben, wenn sie heimgehen. In meiner Gruppe sind zwanzig Kids, davon dreizehn Jungs. Elf davon FünftklässlerInnen, also neue GymnasiastInnen. Ich bin schon ein bisschen stolz, dass ich nach der ersten Aufgabenstunde gestern schon alle Namen der siebzehn Anwesenden den Gesichtern zuordnen konnte. Dennoch war es auch sehr anstrengend, sowohl für eine gemütliche Ruhe besorgt zu sein, als auch die mir gezeigten Aufgaben jeweils konzentriert zu kontrollieren. Bereits sehe ich, wie unterschiedlich begabt die einzelnen Kinder sind. Zwanzig Kinder – jedes hat seine Geschichte. Ich hoffe, dass wir es gut zusammen haben werden.
Dennoch – ich war total kaputt, als ich um Viertel vor fünf das Schulhaus verließ. Der Lärmpegel in der halben Stunde von halb drei bis drei, als die meisten heimgingen oder abgeholt wurden, war schon recht hoch. Ohne dass die Kinder gezankt hatten. Einfach Gespräche- und Spiellärm von ungefähr noch fünfzig Kindern im Aufenthaltsraum.
Alles ist Gewohnheit. Ich werde mich an den neuen Alltag gewöhnen.
Wie immer. Aber ist das alles?
 

langsam

Die Langsamkeit der Seele darf nicht unterschätzt werden. Sie bewegt sich nicht schneller als mit zwanzig Stundenkilometern. Wenn wir im Stau stehen, ist das genau genommen eigentlich ganz praktisch. So kann sie uns wieder einholen. Wenn wir nicht Stau stehen müssen, braucht sie länger.
Zwar bin ich hier. Zuhause. In der Pfalz. Ich habe ausgepackt, die beinahe siebenhundert Bilder auf den Rechner geladen, ein paar davon sogar in die IPA-Community gestellt, doch irgendwie bin ich noch nicht wirklich hier gelandet. Wo meine Seele ist, weiß ich nicht so genau. Irgendwo in Norddeutschland, in Oldenburg vielleicht?

Wo auch immer: irgendwann wird sie mich sicher einholen. Hoffentlich bald.
Schnitt.
Morgen um zehn Uhr fange ich meine neue Stelle an. Zurück zum Ernst des Lebens.

noch dies …

Letztes Unterwegs-Picknick bei Engelade. Rückblick auf einer Bank am Waldrand. Wir essen in der Oldenburger Insel-Bäckerei gekauftes Brot. Dort haben wir uns nämlich heute Morgen ein herzhaftes Frühstück gegönnt. Nach der kurzen Nacht und dem Regenschauer beim Packen des Zeltes hatten wir schlicht keine Lust, länger als nötig auf dem nassen Camping zu bleiben und Kaffee und Tee zu kochen.
Das gute Ende: Beim Auschecken – ich bekam meinen Ausweis zurück – bat ich um Preisnachlass, da wir ja kaum geschlafen hätten. Das heißt, öhm, nicht Preisnachlass begehrte ich, sondern Kostenbefreiung. Die wurde uns bereitwillig und mitfühlend gewährt. Toll. Pluspunkte für den Campingplatz!
Für den gesparten Übernachtungspreis gönnten wir uns unter zunehmend sonnigem Himmel im Freien das erwähnte köstliche Morgenessen – inmitten alter Damen.
Echt wahr: Oldenburgs Insel-Bäckerei-Café kann ich herzlich empfehlen 🙂

Unter der Milchstraße

Was für ein Sternenhimmel!
Da – eine Sternschnuppe!

Wir sitzen am Meer. Flüchtlinge. Es ist halb drei Uhr. Nach vergeblichen Einschlafversuchen sind wir dem Weg klippabwärts gefolgt und haben uns auf eine Isomatte gehockt.
Wir probieren noch einmal. Wenn noch immer keine Ruhe ist, schlafen wir hier unten!
Gute Idee. Es sieht ja nicht nach Regen aus.

Was zuerst wie die größte Katastrophe unseres Urlaubs aussah, ist nun – heute Morgen, wo ich direkt am Strand unter dem offenen, zwar bedeckten, aber wolkenfreien Himmel im Schlafsack auf einer Matte im Kies liege – ein Geschenk. Wann kann ich schon direkt bei Meeresrauschen schlafen?
Wir waren relativ spät auf die Fähre Rødby-Puttgarden gekommen. Dänemark zu durchqueren, war eine staureiche Angelenheit. So war es bereits um halb neun rum, als wir die Insel Fehmarn und damit deutschen Boden betraten.
Den allerersten Camping verpassten wir und verließen bald schon – vor der Kulisse eines herrlichen Sonnenuntergangs – die Insel. Dank Google fand ich an der Westküste einige Campings. Wir entschieden uns für diesen hier. Blank-Eck oder so. Zwischen Neuteschendorf und Johannistal.
Auf der Klippe vorn habe es noch Platz, sagte der ausnahmsweise noch anwesende Platzwart. Tja, Platz. Hm, ja, schon, nur …
Deutschland hat uns wieder. Lärmige Junge mit Technoachlagerghettoblustern. Ballerman reloaded (Generation 2.0).
Wir fliehen an den äußert möglichen Zipfel der Klippe, ohne zu wissen, dass wir eben unser Zelt auf der Ameisenstraße der Nachtvögel und RaucherInnen aufbauen.
Das kleine Radlerzelt, das J. spontan auch miteingepackt hatte, war – trotz Wind – schnell aufgestellt. Meine Laune sank jedoch müdigkeitskopfwehbedingt bald unter den Nullpunkt, als der Lärm dreier Gangs auch nach elf, nach der Dusche, nicht aufgehört hatte.
Und um zwölf, trotz Ruherufen und Gesprächen mit den vorbeilärmenten Kids, noch immer nicht. Auch nicht um eins. Technobässe wummern selbst durch die besten Ohrstöpsel. Jeder Einschlafversuch – bei immer mal wieder fünf Minuten Musikpause – wird durch neuerlichen Lärm vereitelt. Selbst meinem Liebsten, die Geduld in Menschengestalt, wird es zu viel. Wir diskutieren Optionen wie Zeltabbau und Weiterfahrt, Polizei rufen, Platzwart rufen, doch alle verwerfen wir wieder. Keine Lust. Nur das Bedürfnis nach Schlaf und Ruhe.
Irgendwann mein Vorschlag, einen Strandspaziergang zu machen. Gute Sache. Um drei legen wir unsere müden Häupter in die Kissen.
Wie friedlich das Erwachen hier ist! Ein neuer Tag, ein neuer Anfang. Heimreise.