Ein Ei #4

Was ist denn los? Wieso kräht Roland Hahn wie wild Richtung Hühnerhoftor?
Ach so, sie ist wieder ausgebüxt, Lady White, und kommt nun reumütig zurück zur Schar. Es ist Sonntagvormittag und Irgenlink öffnet ihr netterweise die Türe. Was wäre, wenn er das gelassen hätte? Zuschauen hätten wir sollen, zudchauen, wie sie ohne unser Zutun zurück geht. Schlau wie sie ist, hätte sie es geschafft. Raus ist sie ja auch von alleine. Wie Blondie.
Und bestimmt hat sie wieder irgendwo Eier gelegt, sag ich noch zu Irgendlink. Später gehe ich rüber in meine Höhle, komme dabei an Lady Whites Versteck von vorgestern vorbei und entdecke drei Eier. Eins noch legewarm.
Am Abend, als ich bereits den Hühnerstall geschlossen habe und mich anschicke, den Hühnerhof durchs Gatter zu verlassen, kommt seelenruhig ein letztes Huhn daherspaziert. Ach, das wollte Roland Hahn mir also sagen, empört krähend, während ich das Tor geschlossen habe. Nein, es ist weder Blondie noch Lady White, sondern eine braunweiß gefiederte Hühnerdame, die wie eine Königin durch die beiden Türen schreitet, die ich ihr öffne. Kein bisschen Hektik.
Drei Ausbrecherinnen? Was will uns das sagen?

unerwartet

In der iPhoneArt-Community, wo wir – mein Liebster als iRgendlink und ich als iSophien – seit bald zwei Monaten mit dabei sind, ist heute Wettbewerb-Abgabetermin. Thema uncharted.
Beide haben wir zehn Bilder eingereicht. So weit, so gut. Warum aber ausgerechnet mein Lieblingsbild, zumal es bis vorgestern das einzige war, das ich eingereicht hatte, im Promotion-Film gezeigt wird, weiß der Kuckuck. Und dazu gleich als Erstes, bei 00:12-00:14 könnt ihr es sehen. Freuen tuts mich natürlich 🙂

Guckt hier:
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Ach, noch was: Mit jedem Mal, wo eins unserer Bilder angeklickt wird, kann es womöglich ein bisschen nach oben rutschen … Ab morgen beginnt das Voting für die Mitglieder. Pro Tag eine Stimme. Für wen ich vote ich schon mal klar!
Hier findet ihr alle Bilder des Wettbewerbs: http://www.iphoneart.com/groups/115?tab=popular

Das Drama auf dem Hühnerhof oder Ein Ei #3

Da sitze ich gemütlich mit dem Frühstückstee auf der Treppe vor dem Haus und genieße friedlich vor mich hin, als ich auf einmal in unüblicher Nähe ein Huhn gackern höre. Blondie?, denke ich, so früh schon ausgebüxt?, als ich weißes Gefieder hinter den Holzvorrat huschen sehe.
Ich auf, Tasse hingestellt, gehe rüber zum Stapel und will mit beruhigenden Worten das Huhn raus ködern. Was nix bringt, natürlich. Ein langes Holzstück, mit dem ich hinter den Stapel in den schmalen Spalt rein fummle, lässt das Huhn verstört heraus huschen. In der Scheune, in die es vor meiner sanften Stimme flüchtet – ich befürchte, dass es mein Schweizerdeutsch nicht versteht – gibt es viele Optionen. Es wählt den schwierigsten. Seine Neugier hat gesiegt. Neuland lockt auch Hühner. Im Holzlager versteigt es sich geradezu. Sicher zwar vor mir, die ich nicht auf dem aufgetürmten Vorrat herum klettern mag, aber es steckt doch irgendwie in der Sackgasse.
Ich mache ihm den Rückfluchtweg frei und das Spiel geht von vorne los. Huhn geht zurück in den Spalt hinter dem Stapel, nachdem ich ihm auf dem Hof vergeblich gefolgt bin.
Da – genau da! – will es sein Ei legen, genau da, unerreichbar. Oke, das Ei wäre ein kleiner Verlust. Hier geht es um das Huhn. Würde es, wie Blondie, die Ausbrechkönigin, das Loch im Zaun finden und von selbst zurückkehren? Oder würde es vorher vom Fuchs, einer Wildsau oder einem der hier herumfliegenden Raubvögel gefressen werden? Rettet dem Huhn der schützende Zaun das Leben, da die Freiheit zu gefährlich ist?
Ich warte ab. Fünf Minuten. Mit dem Besen in der Hand gehe ich erneut zum Stapel. Das Huhn ist ruhig. Es kommt auch nicht gleich hervor, als ich mit dem Besen vor seinem Schnabel herum wedle. Ganz langsam und laut schimpfend kommt es schließlich heraus, flattert in die Scheune, diesmal richtig Richtung Hühnerhof, und versteckt sich nur mal kurz unter dem Wohnwagen. Ich bitte es mit Hilfe des Besens heimwärts, wo die restliche Hühnerschar, allen voran Roland Hahn, sich aufplusternd, Spalier steht und die verlorene Tochter willkommen heißt. Leider ist eine Hühnerhoftüre keine halbdurchlässige Wand. Huhn rein lotsen ohne andere Hühner rauszulassen ist nicht ohne. Glückliches Gegacker, als ich nach gelungener Tat das Tor zustoße. Puh, geschafft!
Und die Moral von der Geschicht‘? Wie ich zurück zu meinem abgekühlten Tee spaziere, liegt dies hier, unter dem Wohnwagenvorderteil, wohlbehalten auf meinem Weg:

EDIT: Gute Eierschalen vermögen gut zu schützen! 🙂

Kein Titel ist auch ein Titel

Oder soll ich ihn „Mein Wassergeist“ nennen, diesen Artikel, wegen des Bildes?

Ach, wie gerne würde ich jetzt den Film besprechen, den J. und ich gestern Abend geguckt haben … 21 Gramm. Doch dazu bin ich zu müde und überlasse dies darum Wiki …
Da meint frau, dass sie endlich mehr Zeit zum kreativen Schaffen und Artikel schreiben hat, aber nein, immer ist was los! Sei es auch nur einkaufen, im Hühnerstall Futter und Eier ausbalancieren oder die fällige Autoreparatur einfädeln. Dies und das. Kochen auch. Putzen. Alltag. Dazu der Countdown zu einem iPhone-Bilderwettbewerb zum ach so passenden Thema „schnelllebig“. Der Artikelabgabetermin, der naht. Meine Jurymitarbeit im iPhoneart-Bereich. Nein, ich jammere nicht, doch alles hat eben seine Zeit.
Und jetzt ist Zeit zum Schlafen …
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Bild: iDogma (bis auf den Upload. Denn diesen habe ich über den heimischen Rechner gemacht) –
Das Bild habe ich mit diesen Apps hier gebaut: Hipstamatic, Juxtaposer, PS Express, ProCamera, Diptic, Halftone und Pic Grunger.

Neue Schuhe

Na, hast du dich schon eingelebt?, lautet eine der Fragen, die mir in letzter Zeit häufig gestellt werden.

Wie ich vorhin im frisch geputzten Bad, meine Zähne schrubbend, meine Gedanken belausche, begreife ich, dass das hier wirklich Wirklichkeit ist. Meine neue Gegenwart. Ich. Hier. In diesem kleinen, großen Haus wohnend. Irgendwo zwischen hier und dort und nirgendwo in der pfälzischen Landschaft. Zeit. Stille. Tun und lassen nach Bedarf.
Neue Schuhe wollen eingelaufen werden, wir wollen uns schließlich keine Blasen holen. Wir spazieren zuerst nur kurze Stücke, geben den Neuen Zeit, unsern Fuß kennenzulernen, ihn zu umschmiegen, sich an ihn zu gewöhnen. Und umgekehrt. Als Kind sind wir regelmäßig den alten Schuhen entwachsen. Die neuen Schuhe wurden ein klein bisschen zu groß gekauft, und erst nach ein paar Wochen waren wir ihnen endlich gewachsen.
Sich einleben – ein bisschen ist es wie neue Schuhe einlaufen. Noch zu große Schuhe vielleicht. Ich wachse hinein. Wachstumsschmerzen zuweilen. Sehnsucht gar nach den alten Schuhen, ich gebe es zu. Und ab und zu kann ich es kaum glauben, wie gut ich es doch habe. Die äußeren Umstände ebenso wie innerlich, was meine Bedürfnisse nach Liebe, Zufriedenheit, Stille, Autonomie und vielem mehr betrifft.
Ja, danke, ich habe mich gut eingelebt. Von ein paar Blasen abgesehen, die wohl einfach Teil des Prozesses namens Einleben sind.

Soft-Proof

Da hab ich also auf Whitewall einen Bilderladen eingerichtet. Gut und schön. Und nun? Werbung machen, sprich: weitersagen und darauf hoffen, dass jemand eins oder gar mehrere meiner Bilder toll findet und bestellt. Und aufhängt. Und weitererzählt. Und andere auch …
Ja. Nein. Nein! Ja doch, ich kreiere Bilder, ich schreibe Texte, weil ich nicht anders kann. Kunstschaffen als Selbstzweck. Primär, ja. Nein, das fertige Produkt (fertig? ähm …) ist dennoch nicht Nebensache. Ja, ich will mit meinen künstlerischen Stoffwechselprodukten berühren. Nein, ich produziere dennoch nicht in erster Linie für andere. Ambivalenzen, so weit ich schaue. Ja und nein gibt null.
Schnitt.
Die beiden zu besprechenden Bücher für „meine“ Zeitschrift befassen sich mit Hochsensibilität, jene Eigenschaft, die einen Fünftel der Menschheit betrifft. Wir sind jene Menschen, die – salopp gesagt – weniger dichte Filter haben und deshalb mehr Eindrücke als Normalsensible aufnehmen und als Folge davon – darum auch die wachsende Menge hilfreicher Fachliteratur – in unserer schnelllebigen Zeit oft genug überfordert, überstimuliert, reizüberflutet zusammenklappen. Unsere körpereigenen Systeme verarbeiten die Eindrücke erstens langsamer als jene der Normalsensiblen und zweitens bauen wir auch all die ausgeschütteten Hormone und Botenstoffe viel weniger schnell ab.
Schnitt.
Während ich meine Bilder, die ich für meinen virtuellen Bilderladen hochgeladen habe, für den Verkauf aufbereite, will das Programm von mir wissen, wie das zu verkaufende Bild aussehen soll. Soft-Proof im Fachjargon. Die Feinabstimmung, die Kalibrierung. Fünf Vorschläge. Heller, dunkler, rotstichiger, kontrastreicher und kontrastärmer. Ich klicke mich durch die verschiedenen Varianten. Es sind die winzigen Nuancen, die kleine Unterschiede, auf die es immer wieder ankommt. Im Bild. Im Text. Im Leben.
Beispiel gefällig? Die letzten drei kurzen Sätze hätten locker statt mit Punkten mit Kommas funktioniert. Nur eine Nuance, die dennoch etwas bewirkt.
Alles wirkt. Kunst will wirken. Es sind nicht die Buchstaben, nicht mal die Worte an sich, nicht die Farben, nicht Pinsel und nicht Leinwand, nicht Fotoapparat und nicht Bearbeitungsmaterialien. Es sind die Soft-Proofs, es ist die Feinabstimmung, die ankommt, die berührt. Innehalten. Hinschauen. Hinhören.
Schnitt.
Eine Übung, um mit Überstimulation besser umgehen zu können, geht so: Benenne innerlich oder äußerlich alles, was du jetzt grad siehst, hörst, spürst, wahrnimmst.
Das Flugzeug, das Rauschen der Pappeln, die Sonne auf dem linken Arm, der rechte ist im Schatten. Die nackten Füsse, angewinkelt, die Sofalehne im Rücken, Hühnerstille (ganz ungewöhnlich), Licht-Schatten-Wechsel im Takt der Wolken, volle Blase, Finger auf dem Display.
Jetzt.