Der Countdown läuft. In einer Stunde bin ich schon fast im Büro. Ich sitze an meinem Schreibtisch und versuche mich abzulenken und die Nervosität auszutricksen, indem ich die Zeit, bis ich gehe, gut nutze. Geschlafen habe ich zwar gut, aber wenig. Lag schon früh wach. Kopfkino, wie meine Freundin U. das nennt.
Was muss noch getan werden, was habe ich noch vergessen? Das Fest stampft wie ein Elefant auf mich zu. Ich fühle mich klein und überfordert. Schreibe schließlich Zettel mit letzten ToDos, nehme eine Baldriantablette und Notfalltropfen. Bringt nicht viel. Später Yoga. Tut gut. Dann ein Entspannungsbad am Morgen – ein Novum. Hat gegen Nervosität nicht viel genutzt. Puls 85 oder so. Eine SMS vom Scheff, dass ich doch bitte noch …, trägt auch nicht eben zu meiner Entspannung bei.
Schließlich Tagebuchschreiben, Schreibtischzettelaufräumen und Minuten zählen. Wann muss ich mich bereit machen? Wann ziehe ich mich um? Wann fahre ich los? Im Büro muss ich noch den Laptop samt Beamer holen. Und die Blume, die bestellten, unterwegs. Worstcase wäre, denke ich, wenn jemand mein Auto überfallen hätte. Was ich nicht hoffe. Natürlich nicht. Wäre schade für den Grappa. Und so.
Auf dem Schreibtisch Traumnotizzettel, die ich abtippe. Mich erinnernd und zusammenreimend, was ich mit den wochenalten Stichworten gemeint hatte.
In einer Traum-Szene, die ich auf einem Zettel festgehalten habe und nun entziffere, war ich verwirrt. Ich hatte sogar vergessen, meine Briefkästen – es waren gleich zwei, die mir gehörten und einander gegenüber angebracht waren – zu leeren. Sie waren allerdings auch wegen Gitterdrähten sehr schwer zugänglich und steckten voller Zeitungen. Überbordende Ungelesenheit.
Während ich diese Zeilen in mein Tagebuch abtippe, frage ich mich, ob ich das je einmal lesen werde.
Werde ich, wenn ich alt bin, meine Tagebücher hervorkramen, auch die fehlenden aus meinen ganz schwierigen Jahren, die ich vielleicht irgendwann irgendwo wiederfinden werde?
Werde ich später Lust haben in mein heutiges Leben einzutauchen?
Vielleicht werde ich mich erinnern wollen.
Vielleicht werde ich alle Bücher verbrennen.
Vielleicht schreibe ich – wie in einem Gedicht, das ich am Dienstag vorgelesen habe – wirklich nur für das große schwarze Loch, für den Augenblick.
Und weil mir schreiben Spaß macht.
So what?
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Ich schreibe für das große schwarze Loch.
Für den Augenblick.
Für das Vergessen.
Für mich.
Für dich.
Für jetzt.
Schwupps. Und schon vorbei.
Die Dichte der Dichtung
an der Webkante meiner Gewebe gebrochen
scheiβt Buchstaben
die wir verschlingen
noch und noch
und noch
ohne Punkt
und
ohne Komma
ohneLeerschlagsogar
Schnell
schneller
noch schneller
verdauen wir
kaum noch
all die
Buchstabenbilder
Buchstabengebilde
Buchstabengewebe
schlucken sie herunter
würgen manchmal
weil sie
uns
im Hals stecken
bleiben
und uns
danach
schwer im Magen liegen…
Sorry, doch dieses undichte Gedichte muss hier fertig sein,
denn ich muss mal …
(2.9.200(EDIT)9, ebenfalls in diesem Blog)


