Ausgelesen II. #13 – Die Frau ohne Gesicht

Nein, nicht wirklich in einem Zug gelesen, weder noch. Weder im Zug sitzend noch in einem Rutsch. Seit ich nicht mehr regelmäßig Zug fahre, lese ich weniger Bücher und arbeite mehr. Mehr an den eigenen Projekten auf jeden Fall. Aber meine Buchbesprechungsserie soll trotzdem weitergehen. Wenn auch sporadischer, wie ihr wohl gemerkt habt … 🙂 Und eine richtige Buchbesprechung ist das hier auch nicht. Dafür eine herzliche Leseempfehlung.

Als sich die Aufzugtür öffnete, wurde ihr noch etwas anderes bewusst. Sie hatte keine Angst. Nach dem die Gefahr vorbei war, verspürte sie ein merkwürdig angenehmes Gefühl.
So dürfte ich nicht empfinden. Ich war in Lebensgefahr. Aber ich fühle mich stark und in jeder Hinsicht verdammt gut.
[…]
„Ich verstehe jetzt, warum du diese Arbeit machst“, sagte Lia. „Sie gibt einem das Gefühl, stark zu sein.“
Mari nickte.
„Nicht immer. Aber ziemlich oft.“

hiltunen_frauDiese Zeilen aus dem Buch Die Frau ohne Gesicht des Finnen Pekka Hiltunen klingen bei mir nach. Eine tolle Buchbesprechung dazu gibt’s bei Nicole auf My CrimeTime. Dort habe ich mir auch die Inspiration, dieses Buch zu lesen, geholt.

Ich mochte dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite – wegen des Schreibstils (dicht, authentisch, detailreich und äußerst realistisch) ebenso wie wegen der Figuren (nachvollziehbar, mehrdimensional, lebendig). Das tröstete mich über die tragischen Ereignisse hinweg, die der Autor erzählt. Doch was mir an dieser neuen Serie besonders gut gefällt, ist, wie die beiden finnischen Frauen Lia und Mari, die sich in London kennenlernen, gemeinsam Dinge in Bewegung setzen, um die Welt zu einer besseren zu machen – zuweilen auch jenseits des Gesetzes. Und das so ganz ohne Moralin, Pathos und gänzlich ungekünstelt. Einfach, weil sie ein Unrecht nicht länger mitanschauen können. Und weil sie Mitgefühl haben. Weil sie Menschen sind.

Ich verstehe jetzt, warum du diese Arbeit machst, sagt Lia. Ich verstehe jetzt, warum ich schreiben muss, sage ich. Und ich verstehe jetzt, warum so viele schreiben müssen und wollen. Es gibt uns das Gefühl, stark zu sein und die Welt ein klein bisschen besser machen zu können. Mit unseren Gedanken über das Leben, über die Welt, über die Liebe, über Missstände. Und ja, auch mit unseren Gedanken über die Schönheit. Und auch mit Humor machen wir die Welt ein klein bisschen besser.

Wir schreiben uns die Welt lebenswerter. Wenn ich durch den Reader gescrollt bin und meine Lieblingsblogs besucht habe, fühle ich mich gut genährt. Nach diesem Seelenfrühstück sieht die Welt doch gleich lebenswerter aus.

Und nun freue ich mich auf die Fortsetzung von Pekka Hiltunen. Auf Lias und Maris neue Geniestreiche.

Ausgelesen II. #12 – Die Frau, die nie fror

Eigentlich lese ich ja fast nie Romane aus den USA, jedenfalls nicht Krimis. Dass der Roman mit dem tollen Titel Die Frau, die nie fror in Boston/USA spielt, habe ich erst beim Lesen begriffen. Ausgewählt habe ich dieses Bibliotheksbuch primär, weil mir das Cover gefiel. Und der Titel sowieso.cover fraufror

Elisabeth Elo erzählt Pirios Geschichte sehr unmittelbar in Ich- und Gegenwartsform. Pirio und ihr Kumpel Ned werden beim Hummerfischen in der Bucht vor Boston von einem riesigen Schiff gerammt und erleiden dabei Schiffbruch. Der Frachter begeht Fahrerflucht, was beim herrschenden Nebel sehr einfach ist. Pirio erinnert sich nur noch an die Farbe des Bugs. Grau. Dass Pirios Körper mit Kälte so gut klar kommen würde, wusste sie nicht. Sie überlebt vier Stunden im eiskalten Wasser, während Ned, nachdem er einen Notruf funken konnte, ertrinkt. Pirio wird als Sensation gefeiert, als Heldin und Überlebende, was ihr gar nicht recht ist. Auch für die Navy und die Forschung ist sie ein Wunder und wird schon bald wissenschaftlich untersucht. Doch da sie nicht nur einen guten Freund verloren hat, sondern auch eine sehr traumatische Erfahrung erlitten hat, will sie bald wissen, was wirklich passiert ist. Zumal die Küstenpolizei die Suche nach dem fahrerflüchtigen Frachter schon bald aufgibt.

An Neds Trauerfeier lernt Pirio einen Mann kennen, der ihr einige seltsame Fragen stellt. Langsam begreift sie, dass mehr hinter dem Schiffsunglück steckt. Sie und ihre Freundin Thomasina, Mutter von Neds Sohn Noah, deren Patin sie ist, beschliessen, herauszufinden, was die wirkliche Ursache für Neds Tod ist. War das Unglück Absicht? Auch Pirios Vater, mit ihrer Mutter vor vielen Jahren aus Russland eingewandert, behauptet, dass Ned ermordet wurde. Pirios hartnäckige Suche löst einen Rattenschwanz von Ereignissen, Bewegungen und Erkenntnissen aus. Wozu auch einige neue Einsichten in das Leben ihrer vor vielen Jahren verstorbenen Mutter gehören.

Mehr verrate ich aber nun wirklich nicht, denn das Buch ist schlicht und einfach lesenswert. Nicht zuletzt, weil es die Autorin schafft, ihren Ökokrimi weder allzu zynisch noch wirklich moralisch zu schreiben. Ein absolut lesenswertes Buch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite gepackt hat.

Ausgelesen II. #11 – Zwei Krimiautorinnen

Diesmal stelle ich gleich zwei Krimiautorinnen und je eins ihrer Bücher vor. Die eine, Ina Haller, lebt schon ganz lange in der Schweiz, ist aber in Deutschland geboren, die andere, Zoé Beck lebt in Deutschland, wählt aber als Schauplatz für ihre Romane häufig England.

Ob das Land, das uns geprägt hat, auch unsern Schreibstil prägt, ist eine Frage, über die nachzudenken sich gewiss lohnt. Wir sehen die Welt ja immer irgendwie durch den Filter unserer kulturellen und geografischen Prägungen und Erfahrungen. Deshalb mag ich vielleicht besonders Bücher, die in Ländern spielen, die ich kenne, mag oder die ich gerne bereisen würde. Skandinavische, französische, deutsche, englische und Schweizer Krimis lese ich definitiv am häufigsten.

Ina Hallers neues Buch Gift im Aargau knüpft am Vorgängerbuch (Tod im Aargau) an. Die Hauptfigur Andrina, Lektorin und inzwischen mit dem Kripobeamten Marco liiert, erlebt auch im zweiten Roman, der – wie der erste – in Aarau und Umgebung spielt, sehr spannende Mordermittlungen covergiftimaargauaus nächster Nähe mit. Diesmal gehört sie sogar zum Kreis der Verdächtigen, als es den Mord an einer ihrer Freundinnen aufzuklären gilt. Ihre stilistischen Schwächen macht Haller, studierte Geologin, mit ihrer originell und stringent erzählten Geschichte schnell wett.  Die Autorin verfügt nicht nur über das notwendige Hintergrundwissen zur höchst spannenden Materie der Giftmüllentsorgung, sondern verknüpft ihre Kenntnisse auch gleich zu einer höchst aufregenden Geschichte über Freundschaft und Vertrauen. Ein überzeugender Plot, der ganz nebenbei auch meine romantische Seele berührt.

Bei Zoé Becks Das zerbrochenen Fenster beobachten wir Pippa auf der Suche nach ihrem verschollenen Liebhaber Sean, dem ihre stinkreiche Familie, von der sie sich distanziert hat, keine Träne nachweint. Ihre Suche, die sie im Tagebuch akribisch nachzeichnet, wird schon bald recht krankhaft und es zeichnet sich bald ab, dass mehr hinter Seans Verschwinden steckt als gedacht. dzf_titel_small Parallel zu Pippas Tagebuchauszügen, die die letzten sieben Jahre skizzieren, erleben wir im Heute die Mordermittlungen an Cedrics noch ziemlich junger Stiefmutter mit. Der junge Lord Cedric hat sich ebenfalls schon vor dem Tod seines Vaters vor sieben Jahren von seiner reichen Familie distanziert, kann aber wegen seiner Soziophobie und anderer psychischer Probleme nicht wirklich ohne finanziellen Rückhalt leben. Wir blicken nach und nach hinter die Fassaden der reichen englischen und schottischen Gesellschaft und geraten dabei mit dem Journalisten Ben auf die Spur einer Frauenärztin, die Babys nach Wunsch per Samenbank produziert. Praktisch jeder und jede von Jennys Figuren hat einen an der Waffel, was die Figuren sowohl liebens- als auch hassenswert macht. Ist es Krimi, Thriller, Gesellschaftsstudie oder gar eine Parodie auf alle diese Genres, das Beck da vorgelegt hat? Ich weiß es nicht so genau. Lesen lohnt sich trotzdem.

Ausgelesen II. #10 – Zwischen zwei Wassern

Véro und ihr Partner, der Ich-Erzähler, verbringen ihren Urlaub in der Bretagne. Sie pflücken Muscheln auf den Granitfelsen von Feunteun Aod, als unvermittelt eine mächtige Welle vor den beiden aufsteigt und Véro verschluckt. Er überlebt wie durch ein Wunder – und genau das ist sein Problem. neeser_coverDie Verletzungen des Körpers lassen sich kurieren, doch wie lässt sich das Schicksal des Überlebenden annehmen?
Ein Jahr später reist der Erzähler erneut in das kleine bretonische Küstendorf. Er will Abschied nehmen, sich mit dem Meer und sich selbst versöhnen.
Andreas Neeser erzählt eine große, eine wichtige, eine existentielle Geschichte. Ich möchte mit Zitaten Lust auf dieses Buch machen, das mich sehr berührt hat.

„Im Nachhinein ist jedem Verhängnis zu entkommen. Der Konjunktiv schreibt jede Geschichte neu, das Leben hingegen geht nicht in Revision.“

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„Meine Klasse und Max, das wäre eine Konfrontation. Generation Copy/Paste und das lebende Original. Hipness gegen Verbindlichkeit, Bodycare gegen Natürlichkeit, Fastfood gegen Nachhaltigkeit. Übelzunehmen wäre das meinen Teenagern nicht. Wie sollten sie es besser wissen? Junge Menschen, die das zweck- und gewinnorientierte Leben zwingt, sich immer raffiniertere Vermeidungsstrategien anzueignen.“

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„Einen Gedanken, bevor die Welle kam, gibt es nicht. […] So muss es sein, sagte Véro, und wir legten uns ineinander, schmeckten im Mund des andern die faserigen Reste der Krabben. Als ich aus dir herausfiel, war ich nichts mehr, woran ich mich erinnern könnte.
Und dann war die Welle da. Ich hatte sie nicht kommensehen. […] Etwas hatte sie aus dem Meer herausgewuchtet, aufgetürmt unmittelbar vor unserem Muschelfelsen.“

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„Ich hatte mir diesen Moment sehr emotional vorgestellt. Auge in Auge mit dem Lebensretter. Und dann passierte nichts. […] Heute Morgen ist mir erneut bewusst geworden, das der Tod hier draußen immer auch etwas Anekdotisches hat. Man erzählt sich Geschichten vom Sterben, weil sie zum Leben gehören. Doch der Tod, über den gesprochen wird, ist immer ein entfernter Tod. Die Geschichten über das Sterben sind Platzhalter für die Sprachlosigkeit im Eigenen.“

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„Neuerdings schichte ich den Steinhaufen um, wenn ich herkomme. […] Es sind lange Tage hier oben. Nicht immer stehe ich sie durch. Wenn sich alles dreht im Kopf, wenn die Fliehkraft jeden einzelnen Gedanken gegen die Schädelwand drückt, kommen die Kopfschmerzen.“

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„Ich akzeptiere den Tod von Véro, und ich würde gerne auch seine Sinnlosigkeit akzeptieren. Ob ich es kann – ich weiß es nicht. Dass ich letztlich keine Wahl habe, ist mir jetzt klar. Dein Verdienst. Will ich je wieder einen klaren Gedanken fassen können, will ich überhaupt wieder etwas zustande bringen in meinem Leben, dann darf ich die Sinnlosigkeit des Todes nicht mit Sinn füllen wollen. Jede Sinnsuche würde mich von mir weg, aus mir herausführen. Ich muss die Sinnlosigkeit akzeptieren und hinter mir lassen. Einen anderen Weg, der mich bei mir selbst bleiben lässt, gibt es nicht. In mir drin gibt es keinen Sinn. Und einen anderen will ich nicht.“

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„Man funktioniert, man kämpft mit dem Alltag, der keiner mehr ist, und die Wunde frisst sich ein. Das Schmerzloch bemerkt man erst dann, wenn man längst begonnen hat, sich darin aufzulösen. Wenn man nicht trauern kann. Wies soll so etwas zu überwinden sein?“

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Andreas Neeser gehört schon seit langem zu den konstanten, hochinteressanten Autoren in der Schweiz, weil er die Möglichkeiten der Sprache ausschöpft. Seine literarische Arbeit wirkt über die Schweiz hinaus in die deutschsprachige Literatur hinein. Er ist einer der ganz spannenden Autoren, weil er eben nicht einfach den Leuten nach dem Maul schreibt, sondern das tut, was die Literatur kann: Fesseln, nicht nur über den Inhalt, sondern vor allem auch durch die Sprache.
Hardy Ruoss

Ausgelesen II. #9 – Der kalte Schlaf

Manchmal habe ich einfach Glück. Neulich surfte ich auf Onleihe, einem eBook-Leihportal, bei welchem meine Bibliothek angeschlossen ist und fand ein Buch von Sophie Hannah. War es der Vorname der Autorin und dessen Ähnlichkeit zu meinem Blogtitel oder war es eher der Titel des Buches – Der kalte Schlaf – der mich angesprungen hat? Neugierig habe ich die Buchinfos geöffnet und Buchzusammenfassung und Textausschnitt gelesen. Beides gefiel mir und darum lud ich das Buch für zwei Wochen auf meinen Reader ein. Und nun, zwei Tage später, habe ich es bereits fertig gelesen. Und das, obwohl das Buch alles andere als leichte Kost ist! Gut, meine Erkältung hat sicher dazu beigetragen, dass ich mir ein paar zusätzliche Lesestunden gegönnt habe … Dennoch. Es ist mal wieder eins dieser Bücher, das mich rundum überzeugt – nicht nur gefallen mir Idee und Plot, sondern eben auch der Schreibstil.

Der britische Humor der Autorin erinnert mich an jenen der genialen schottischen Autorinnen Kate Atkinson und Helen Fitzgerald. Und doch schreibt sie ganz anders ist. Und natürlich kann man auch Atkinson und Fitzgerald nicht wirklich vergleichen, doch allen ähnlich ist eben eine Art Fatalismus, gepaart mit liebevoll-schwarzem Humor.

Hannahs Figuren sind wunderbar schräg und doch so echt, so liebevoll und menschlich, so gut, so böse, so kaputt, so genial, so tolpatschig und so sensibel wie das wirkliche Leben. Irritierend an Hannahs Erzählstil mag sein, wie die Autorin nicht nur immer wieder die Perspektiven wechselt, sondern auch zwei Ich-Erzählerinnen das Wort erteilt.

cover der kalte SchlafDass eine Hypnosetherapie schlussendlich den Schlüssel für zwei Morde und noch mehr Mordversuche liefern würde, hätte Amber auch nicht gedacht, als sie eines kalten Novembernachmittags ihre Schlaflosigkeit behandeln lassen will. Natürlich glaubt sie nicht wirklich an den Humbug und kann es darum nicht so richtig nachvollziehen, was sie davon halten soll, als eine Erinnerung hochsteigt, die sie gar nicht wissen kann. Die Therapeutin, die die Rahmengeschichte-Erzählerin ist und auch von Amber sehr glaubwürdig und mit deren ganzer Skepsis geschildert wird, liefert im Laufe der Geschichte einige sehr spannende Zusammenhänge aus der Psychologie. Sie erzählt über das Wesen von Erinnerungen, wie Verdrängung funktioniert und wie Narzissmus entsteht. Für mich als Nicht-Psychologin klingt alles sehr nachvollziehbar und im Kontext mit der Geschichte auch glaubwürdig, doch was eine psychologisch geschulte Person darüber denken würde, weiß ich nicht. Der Verweis auf eine Liste konsultierter Fachliteratur sagt mir aber, dass die Autorin es sich  nicht leicht gemacht hat.

Sophie Hannah zeichnet ihre Figuren so herrlich lebendig, menschlich und dreidimensional wie ich es mag. Dabei karikiert sie zwar ein klein wenig, ohne dabei aber klischeehaft zu werden. Ich mag vor allem Amber, die mich mit ihrer Art, die Welt zu sehen, ein bisschen an mich selbst erinnert. Wie ich oft genug, stößt auch sie immer wieder auf Unverständnis, wenn sie etwas wahrnimmt, was niemand anders so sieht. Weiter schätze ich die Ausgewogenheit der Erzählperspektiven. Das Ermittlungsteam  der Polizei hat ungefähr gleich viel Präsenz wie die in die Mordfälle verwickelten Personen und die Geschichte entwickelt sich entsprechend vielschichtig. Dennoch sind, wie ich inzwischen erfahren habe, die Polizisten – allen voran Charlie Zailer und ihr Partner Simon Waterhouse  – der rote Faden in den Büchern von Sophie Hannah.

Nun habe ich mir bereits ein weiteres Buch dieser Autorin geliehen. Ein älteres. Ich hoffe, dass mich Das fremde Haus ebenso packt wie Der kalte Schlaf.

Ein bisschen dreckiger …

Meistens stelle ich hier Bücher vor, die ich mag. Weil ich sie mag. Wenn das, was mir gefällt, überwiegt, hat ein Buch Chancen, in meinem Blog vorgestellt zu werden. Als Vielleserin (bei durchschnittlich zwei Büchern pro Woche) kann ich allerdings nicht jedes Buch vorstellen, sorry. Was ich auch nicht kann, ist ein Buch ohne kritischen Blick zu lesen. Nein, ein Buch muss nicht perfekt sein, um mir zu gefallen, doch es muss mich überzeugen. Ich muss dem Autor, der Autorin die Geschichte glauben, denn auch fiktive Geschichten müssen wahr sein. Inhaltlich konstruiert wirkende und allzu perfekt gestrickte Geschichten sind mir suspekt. Wie zum Beispiel jene von Hanns-Josef Ortheils Das Verlangen nach Liebe.

Meine nachfolgende Kritik erhebt nicht den Anspruch, eine klassische Literaturkritik zu sein, eher ist es eine inhaltliche Annäherung. Oder Auseinandersetzung. Ein Verriss gar?

Kurz und gut: Ich nehme dem Autor diese Geschichte nicht ab. Schon beim Lesen fragte ich mich ernsthaft, ob der Schriftsteller je eine Liebesbeziehung hatte. Eine längere, meine ich. Keine Ahnung. Ich werde nachher mal im Internet forschen, denn – zugegeben – viel weiß ich nicht über Ortheil. Ja, ich gestehe es, mich stört die Idealisierung der Liebe, wie sie vom Ich-Erzähler Johannes und somit natürlich vom Autor selbst impliziert wird. Nicht, dass Liebe nicht idealisiert werden darf, das nicht. Ich mag romantische Gedichte sehr, zum Beispiel, oder auch Momentaufnahmen glückseligen Liebesausdrucks in Textform. Dennoch nehme ich Ortheil diese Geschichte nicht ab. Die Figuren sind zu ideal, die Umstände sind zu ideal, die Zufälle sind zu ideal und die Dialoge sowieso.

Am meisten aber stolpere ich über etwas anderes: über die subtile Botschaft, die den roten Faden dieses Buches bildet. Ich unterstelle Ortheil, mit seiner Geschichte implizieren zu wollen, man könne nur einmal lieben, einmal eine große Liebe leben, sich nur einmal einem andern Menschen von ganzem Herzen hingeben oder zumindest, dass das das Ideal sei (meine Assoziation mit Freuds Theorie, die Frau könne nur auf eine Art einen richtigen Orgasmus erleben, ist so abwegig wohl gar nicht).

Der Plot? Judith, die erfolgreiche Kunsthistorikerin und Kuratorin und Johannes, der berühmte Konzertpianist sind aus beruflichen Gründen in Zürich und begegnen sich dort zufällig. Nach achtzehn Jahren Funkstille, die ihrem Beziehungsbruch nach acht Jahren gemeinsamen Lebens gefolgt war. Beider Liebe zueinander erwacht sofort wieder, war nie vergangen und eine behutsame Annäherung beginnt. Die beiden führen höchst wunderbare Gespräche über ihre Kunstprojekte und  tauchen vor allem tief in ihre gemeinsame Vergangenheit ein. Ein großes „Weißt du noch?“ beginnt und spricht von wunderbaren acht Beziehungsjahren, die abrupt endeten, als Johannes, früher von einer Konzertreise zurückgekehrt, Judith in flagranti bei einem einmaligen Liebesabenteuer mit einem finnischen Arbeitskollegen erwischt. Klischeehafter könnte der Bruch nicht sein, dachte ich, aber nun gut. Krank vor Kummer wendet Johannes sich ganz und gar von Judith ab und geht auf ihre Versöhnungsversuche in keiner Weise ein. Er widmet sich nur noch seinem Pianospiel und wird somit auch immer besser. Seine Agentin Tanja sorgt dafür, dass er ein disziplinierter Künstler wird, der für seine Kunst lebt und nur hin und wieder – mal mit ihr, mal mit andern Frauen – ein wenig sexuelle Zerstreuung erlebt. Johannes ist kein unglücklicher Mensch, das nicht, doch die Sehnsucht nach Judith, die er vergessen geglaubt hatte, bricht beim Wiedersehen geradezu aus ihm heraus. Er verliert kurz den Boden unter den Füßen, doch letztendlich wird nun sein Spiel noch besser und die wunderbaren Gespräche mit Judith inspirieren ihn zu neuen Konzertideen. Auch Judith wird von der neuen alten Liebe überwältigt und kann sich ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Sie lässt sich unmitterlbar für die aktuelle Ausstellung von seinen Ideen inspirieren. Dass es am Rand der Geschichte auch zwischen Anna, Judiths Assistentin und Johannes knistert und natürlich immer wieder neu zwischen Johannes und Tanja … na ja, für mich ist das ein bisschen zu viel des Guten. Ein eitler Ich-Erzähler, denke ich, der es genießt, von attraktiven Frauen bewundert zu werden … Wer kann es ihm verargen?

Die wunderbare und wunderbar erzählte Geschichte endet natürlich mit einem wunderbaren Happyend und ich muss gestehen, dass ich Geschichten lieber mag, die ein bisschen dreckiger sind. Echter, glaubwürdiger.

Bis zur Stelle, wo die Agentin Tanja, die im Internet Judiths Liebensleben recherchiert und dabei auf mindestens drei Männer (sooo viele?!) in Judiths Biografie gestoßen ist, Johannes mit ihrem Wissen konfrontiert, ertrug ich das Buch ziemlich gut. Doch ab dort schluckte ich immer mal wieder leer. Judith, das Flittchen? Johannes erschütterten die neuen Informationen und so ließ er Judith keine Ruhe, bis er alles über ihre Männer wusste, was er zu wissen müssen glaubte. Dass die drei Beziehungen in den letzten achtzehn Jahren eher Zweck- als wirkliche Liebesbeziehungen gewesen seien und dass sie sich nie wieder in einen andern Mann verliebt habe, sagt sie Johannes schließlich sehr deutlich. Okay. So soll es denn sein. Dennoch. Ich glaube diese Geschichte nicht. Zwar kenne ich auch einige Paare, die schon ewig und einen Tag zusammen sind, doch die waren eben in dieser Zeit immer zusammen, nie getrennt, schon gar nicht achtzehn Jahre. Wenn man jedoch so viele Jahre eigene Wege geht, wie kann es dann sein, dass man niemandem begegnet, der das Herz nicht ein wenig schneller schlagen lässt?

Kurz und gut: Ich kann mir nicht vorstellen, dass man – bei einer solchen Biografie – nur einmal geliebt hat. Man kann mehrere Menschen lieben, mehrere Partner, mehrere Partnerinnen. Ich weiß es, denn ich habe es erlebt. Und alle meine Lieben waren wahr und echt. Jede Liebe war wie eine erste Liebe. Non, je ne regrette rien …

Jede Liebe ist anders, hat andere Grundfarben, hat andere Formen, andere Dimensionen, ist unvergleichlich, gleicht somit nur sich selbst und ist ohne Vorbild.

Und noch nie in meinem früheren Leben habe ich so geliebt wie jetzt, wie heute, weder mit diesen Ressourcen noch mit diesen Gedanken. So ist für mich jede Liebe eine erste Liebe. Eine ewige Liebe. Die aktuelle Liebe sowieso.

Natürlich gibt es auch Gutes zu sagen über dieses Buch: Ortheil erzählt toll. Ich mag seine philosophischen Exkurse, seine Beschreibungen von Menschen, Orten, Stimmungen, ich bin begeistert von seiner Beobachtungsgabe und seiner Wortwahl. Weil ich Zürich kenne, dort selbst gelebt habe, bin ich ihm wie selbstverständlich durch die vertrauten Straßen gefolgt. An den See. Der Limmat entlang. Durchs Niederdorf …

Wer glückliche Liebesgeschichten mag, soll dieses Buch unbedingt lesen. Denn eins ist es wirklich: sehr schön.

Ausgelesen II. #8 – Die Frau im Spiegel

Ich gestehe, dass ich zu jenen Frauen gehöre, die die „Kriminalromane werden vor allem von Frauen gelesen“-Statistik mitbegründen. Nicht nur lese ich tatsächlich viele Krimis, ich gucke auch viele. Bitte fragt mich bloß nicht wieso. Die These, dass Krimis ein Aggressionsabbau-Potential haben, kann ich weder bestätigen noch dementieren. Obwohl … ein bisschen Psychohygiene bewirken sie sicher, diese Mordgeschichten, wenn auch nur im Sinne von: Auch andere haben es manchmal schwer (nein, das ist NICHT zynisch gemeint …).

Aber eigentlich, wenn ich genau hinspüre, geht es mir um die Menschen. Wie verhalten sich Menschen in krassen Situationen? Wie gehen sie mit Unrecht, mit Drama, mit Tod und Leid um? Die Antwort? Immer wieder anders. Und das ist es wohl, müsste ich die Frage nach meiner Krimi-Sucht beantworten, was ich sagen würde: Die Figuren sind immer wieder anders. Und immer geht es um Tod – auf immer wieder andere Art. Ein Thema, das für mich kein Tabu, sondern sehr wichtig ist – schon als Kind – Leben und Tod, um genauer zu sein.

Lange Vorrede, ich weiß, um auf mein aktuelles Zug-Buch einzuspuren. Ich lese Die Frau im Spiegel von Eric-Emmanuel Schmitt. Und nein, das ist KEIN Krimi. Und doch äußerst spannend. spiegel_coverDas Buch greift ein Thema auf, das uns alle – Frauen wie Männer – angeht. Schmitt erzählt von drei sehr unterschiedlichen Frauen aus drei verschiedenen Zeitepochen (Mittelalter, Anfang zwanzigstes Jahrhundert und Gegenwart), die über Umwege endlich zu sich selbst finden.

In jeder Zeit war es schwierig sich selbst zuliebe, gegen den Strom zu schwimmen. Das ist heute nicht anders als vor sechshundert Jahren, als Anne statt der Heirat mit einem jungen hübschen Burschen ein Leben als Mystikerin wählt. Und es ist heute nicht weniger schwer als vor hundert Jahren als Hanna ihren goldenen Käfig verlässt, um Psychoanalytikerin zu werden. Auch Anny, die Hollywoodschauspielerin springt aus dem Karussell aus, um sich auf die Suche nach ihrer wahren Natur zu machen. In vorgefertigten Rollen leben wir alle, auch wenn wir vermeintlich freier als je zuvor leben. Wie oft lassen wir uns von falscher Rücksicht oder Scham bremsen statt auf unsere Intuition zu hören … Oder wir lassen uns von wirtschaftlichen und existentiellen Ängsten ausbremsen. Nachvollziehbar.

Aber. Ja, das ABER und die Frage WIE SONST? taucht in Großbuchstaben vor meinen inneren Augen auf. Ich lasse die beiden ein, füttere sie und lasse zu, dass sie mir in den Ohren liegen. Ob ich ihnen eines Tages antworten kann und Schritte tun – ähnlich wie Anne, Hanna und Anny in Schmitts Buch?

Schmitt erzählt als Mann die Schicksale von Frauen. Kann das gut gehen? Ja, es kann, es tut. Ich bin positiv überrascht. Ein lesenswertes Buch.

Ausgelesen II. #7 – Die Analphabetin, die rechnen konnte

Ohne angefangenes Buch fühle ich mich nur als halber Mensch. Die Zeit zwischen zwei Büchern finde ich immer irgendwie schwierig. Wie ohne Krücken, wenn ich den Fuß gebrochen hätte. Oder wie kurz vor einer Zigarette, als ich noch rauchte. Nun habe ich also wieder dieses gefährliche Stadium erreicht, denn heute Nachmittag habe ich die Analphabetin ausgelesen. Was wohl als nächstes kommt? Ortheil?

die-analphabetin-die-rechnen-konnte_coverVon Jonassons erstem Roman hatte ich viel gehört. Wie toll er sei und wie phantastisch. So habe ich mich nun auf diesen seinen zweiten Roman eingelassen und ihn wirklich mit Genuss gelesen. Ja, mit Genuss. Mit viel Genuss sogar. Dennoch auch mit höchst zwiespältigen Gefühlen.
Apartheid, Aufrüstung, Abrüstung und Flucht sind heikle Themen. Jonassons Erzählton ist flapsig, vereinfachend, humorvoll und immer mal wieder sarkastisch. Geht das zusammen – darf man das?

Dennoch – ich mochte die Hauptfigur, das Mädchens Nombeko, von der ersten Minute an. Wie sie allen Widrigkeiten zum Trotz ihr großes Talent für Mathematik lebt und damit immer wieder für Verblüffung und Überraschungen sorgt. Wie sie sich in temporär unabänderliches schicken kann, um dennoch laufend nach Lösungen von Missständen Ausschau zu halten. Und wie sie schließlich in Schweden landet, eine Atombombe, die übrig geblieben ist, im Gepäck und dort dafür sorgt, dass diese Bombe keinen Schaden anrichtet, ist schon verrückt. Und genial. Eine schwarzhäutige Pippi Langstrumpf. Eine Heldin.

Und natürlich ist alles ein Märchen. Und wenn wir das Buch genauso lesen, mit dem Wissen, wie viel Wahres doch in Märchen steckt, ist das Buch wirklich genial. Dass es nur ein Abklatsch seines Vorgängerbuches („Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“) kann ich nicht bestätigen, weil ich jenes noch nicht gelesen habe. Werde ich aber. Denn mir gefällt Jonassons Sprache. Mir gefällt die Verrücktheit seiner Menschen. Wie alles schief geht und wieder ins Lot kommt. Ein Buch, das trotz aller Ironie, auch viele Denkanstöße gibt. Ein Buch über Fanatismus und was dieser anrichten kann. Und auch ein Buch über grenzenlose Freundschaft.

Ein Video-Interview mit Jonas Jonasson: Hier klicken.

Einen ganz anderen Roman habe ich früher ebenfalls hier vorgestellt und heute erneut aus dem Regal geholt. Einen Roman von Linus Reichlin. Das Leuchten in der Ferne. (Und hier habe ich über das Buch geschrieben.) Dass Reichlin in B. aus diesem Buch vorliest, fünf Fahrradminuten von meinem Zuhause entfernt, habe ich zufällig auf einer Plakatwand gelesen. Die Lesung, eine Matinée, war genial. Sehr gut moderiert, mit interessanten Publikumsfragen gewürzt und dazwischen drei tollen Lesebeiträgen von Reichlin. Wer das Buch noch nicht kannte, hat nur genau so viel darüber erfahren, dass er es lesen will. Und jetzt steht also ein Reichlin mit Widmung und Signatur in meinem Büchergestell … 🙂

Ausgelesen II. #6 – Koma

Während unserer Herbstferien im dänischen Jütland waren wir einkaufen. Im Kwickly. An sich nichts weltbewegendes. Bloß ein paar Lebensmittel und einen Teddybären. Für das neue Enkelkind meines dänischen Cousins, den wir nach dem Einkauf besuchen würden. Das Kwickly ist trotz seiner Größe ein sehr angenehmes Kaufhaus. Was mir zuhause ein Gräuel ist, mag ich in andern Ländern. Ich streife dort gerne durch Ladenregale, gucke mir Produkte an und vergleiche sie mit jenen zuhause. Im Kwickly hatte es uns besonders das Bierregal angetan: Was für eine Auswahl! Kurz und gut: wir blieben länger als geplant und fanden auch wirklich einen tollen kleinen Bären. Aber was ist schon ein toller kleiner Bär ohne schönes Geschenkpapier drumrum?

Wer sucht, der findet. Und noch viel mehr als gedacht. Bücher nämlich. Eigentlich nur eins, doch eins, worauf wir über zwei Jahre gewartet hatten. Eins, das wir Tage später auf dem Rückweg nach Süddeutschland – bei unserer kleinen Stippvisite bei Kollege S. in Itzehoe – unbedingt und sofort kaufen mussten. Wenn es bereits von Norwegisch auf Dänisch übersetzt worden war, dann gewiss auch auf Deutsch?

KomaNein!, sagte die Dame im Buchladen, die noch nie etwas von Nesbø gehört hatte. (Was ich ihr nicht so ganz verziehen habe, wenn ich ehrlich bin. Wie kann man als Buchhändlerin Nesbø nicht kennen?).
Nein, sagte sie also, das Buch ist noch nicht erschienen. Ich schielte auf den Bildschirm und las es mit eigenen Augen. Neuerscheinung: 11. November. Unsere Mundwinkel senkten sich synchron. Wie bitte? Noch soo lange warten? Zum Glück hatte ich den Umschlag des dänischen Buches Tage zuvor im Kwickly fotografiert und mir eine ungefähre Übersetzung des Klappentextes aus dem Netz gefischt. Immerhin wussten wir nun, dass unser Held doch nicht gestorben ist.

Ganze zwei Jahre hat uns Jo Nesbø im Ungewissen darüber gelassen, ob Harry Hole noch lebt. Bloß ein Cliffhanger am Ende von Larve, dem neunten Teil der Serie, oder gar das Ende derselben? Wie haben wir spekuliert! Dass er noch lebt. Ob er tot ist. Ja. Nein. Sicher nicht. Aber sicher. Oder doch nicht?

Vor vier Jahren haben Irgendlink und ich Jo Nesbø entdeckt und seither Buch um Buch verschlungen. Eine Klasse für sich, wie dieser Autor schreibt! Nicht nur führen alle Figuren, selbst jene in den Nebenrollen, ein glaubwürdiges Eigenleben und nicht nur wachsen einem diese allzu menschlichen Gestalten mit jedem gelösten (und ungelösten) Fall ein bisschen mehr ans Herz, sondern übertrifft sich der Autor auch mit jedem neuen Buch selbst. Souverän gestaltet er seine Plots, baut Spannungsbögen auf und ab und bleibt dabei – trotz aller oftmals krasser und phantasievoller Fiktion – dennoch auf dem Boden. Zugegeben, im Koma, wie das neue Buch auf Deutsch heißt, gibt es einige Szenen, die …

…neeeiiin, ich verrate diesmal hier nichts über den Plot, sonst behauptet Irgendlink bloß wieder, ich hätte ihm schon alles verraten und er brauche das Buch gar nicht erst zu lesen … 🙂 (Danke, dass du mir den Vortritt gelassen hast!)

Bloß dies noch: der dänische Titel Politi (Polizei) passt – wie so oft – besser als die deutsche Titel-Version.

Ein über sechshundert Seiten dickes Buch, das ich am liebsten in einem Stück gelesen hätte …

Ohne Leine

Ich lasse mich von der Leine. Ich werde darum eine Weile offline sein. Gut so. Ich freue mich drauf. Vielleicht werden die zwei Wochen genügen, damit ich nachher nicht mehr zurück an die Leine, heißt online, gehen will? Wer weiß.

Ferien nennt sich das bei uns in der Schweiz. Urlaub hier in Deutschland, von wo aus wir morgen nordwärts fahren. Nach Süddänemark. Nach Haderslev. Ferien heißt zwei Wochen nicht arbeiten. Zwei Wochen nicht früh aufstehen müssen. Zwei Wochen nicht und nichts müssen. Nur tun, was ich will. Am Manuskript weiterschreiben und -feilen vielleicht. Womöglich mal wieder einige Bilder aufnehmen? Mal sehen.

Nur tun, was wir wollen. Nichts müssen. Nichts sollen. Nicht mal meinen, bloggen zu müssen.

Und mich erholen. Die Migräne gestern Abend war ein deutliches Zeichen meines Körpers. Mich wieder mehr nach innen wenden, soll ich, sagt er mir. Nicht immer rennen. Nicht immer Erwartungen erfüllen. Nicht immer nett sein. Nicht immer die andern zuerst …

Darum habe ich mich heute ruhig verhalten. Erholung und Alleinsein statt mit Irgendlink und den andern der Col Art-Kunst zu frönen. Und ein gutes Buch lesen.

ewigdeincoverEwig Dein habe ich gelesen. Wäre da nicht die Empfehlung Emils gewesen, der zwei Bücher des Autors Daniel Glattauer gelesen und im Blog empfohlen hat, hätte mich der Titel wohl in die Flucht geschlagen.

Im Supermarkt lernt Judith, Mitte dreißig und Single, Hannes kennen. Kurz darauf taucht er in dem edlen kleinen Lampengeschäft auf, das Judith, unterstützt von ihrem Lehrmädchen Bianca, führt. Hannes, Architekt, ledig und in den besten Jahren, ist nicht nur der Traum aller Schwiegermütter – auch Judiths Freunde sind restlos begeistert. Am Anfang empfindet Judith die Liebe, die er ihr entgegenbringt, als Genuss. Doch schon bald fühlt sie sich durch seine intensive Zuwendung erdrückt und eingesperrt. All ihre Versuche, ihn wieder aus ihrem Leben zu kriegen, scheitern – er verfolgt sie sogar bis in ihre Träume …

(Quelle: www.hanser-literaturverlage.de)

Ein Buch, das unter die Haut geht. Eine Geschichte, die ich sicher nicht so schnell wieder vergessen werde. Und eins ist sicher: Sobald ich die andern beiden Bücher von Glattauer in die Finger bekomme, werde ich sie ebenfalls verschlingen. Der Autor versteht es vorzüglich, seine Figuren so dreidimensional, menschlich und glaubwürdig zu malen, dass ich beinahe damit rechne, ihnen auf der Straße zu begegnen.

Auf dem Rückweg von meinem sonnigen Waldspaziergang kann ich darum der Sitzbank nicht wiederstehen, die – von zwei Birken umrankt – mich geradezu nötigt, die letzten Seiten des Buches zu verschlingen. Books are a girl’s best friend!

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LIebe Leserinnen und Leser, ich sage jetzt auf Wiederlesen bis irgendwann im Oktober oder so und winke euch herzlich zu.