Morden Frauen anders?

Wir sind ein Netzwerk. So steht es in der Seitenleiste eines Blogs, dem ich nun schon eine ganze Weile folge. herlandnews.com heißt es und berichtet aus feministischer Sicht aus der Welt der Kriminalliteratur. (Wir sind) Frauen, die an unterschiedlichen Orten der kriminalliterarischen Buchproduktion wirken, heißt es weiter in der Seitenleisten. Wir verstehen uns als politisch, feministisch, gottlos, aufbrechend, gegen rechts, antikapitalistisch, antipatriarchal und erfolgreich.

Wer, wie ich, gerne Krimis liest, erkennt schnell, dass es auch in diesem Genre viel frischen Wind braucht. Frauen als Ermittlerinnen gibt es zwar schon eine Weile – in Filmen ebenso wie in Büchern –, doch sehr oft müssen Frauen auch dort doppelt so tough, doppelt so sportlich, doppelt so engagiert und mindestens dreimal so erfolgreich sein wie Männer um mithalten zu können. Männliche Ermittler dürfen gerne mal versoffene, unter versifften Bedinungen lebende, polygame und bindungsunfähige Zeitgenossen sein, doch Frauen mit den gleichen Eigenschaften haben einen schwierigeren Stand, werden nicht ernst genommen, belächelt. Unterschwellig ist also auch die Krimiwelt noch immer eine Männerdomäne, in der Frauen mehrheilich die Ausnahmen, die Eindringlinge sind.

Cover von Die LieferantinDabei lese ich wirklich sehr gerne Krimis, in welcher Frauen eigenständige Rollen spielen – egal ob auf der Seite der Gesetzesbrecherinnen oder der der Ermittlerinnen. Zoe Becks Lieferantin, das ich neulich gelesen habe, macht es vor und ja, es funktioniert.

»Unbedingt lesen! Fesselnd, unterhaltsam und sehr klug.«
Anja Goerz, Radio Bremen

Besprechungen gibt es zuhauf, weshalb ich es bei einem herzlichem Lesetipp belasse.

Natürlich ist es aber nun auch in der literarischen Frauenkrimiwelt nicht so, dass wir Frauen uns alle in den gleichen Topf werfen lassen. »Längst ist nachgewiesen, dass die Unterschiede in Fähigkeiten und Neigungen innerhalb eines Geschlechts wesentlich größer sind als zwischen den Geschlechtern«, schreibt Gudrun Lerchbaum in ihrem Artikel Ich bin halt eine Emanze auf  herlandnews.com – sehr, sehr lesenswert auch dieser Artikel!

Und das definitiv nicht nur für Frauen!

Ausgelesen #6 − Anna Salter

Nicht nur eins, sondern gleich alle fünf Bücher von Anna Salter habe ich in den letzten Wochen gelesen.

Die Psychologin, Salters erster Kriminalroman lag eines Tages in meinem ständig wachsenden Stapel zu lesender Bücher. Manche Bücher sind einfach plötzlich da. Ein altes Buch war es, nicht arg zerfleddert, aber nicht neu. Vielleicht habe ich es mal aus einer Tauschkiste gefischt? Die Sedimentation meiner Bücherstapel ist unerklärlich.

Auf Krimicouch kann ich lesen, dass Anna Salter in North Carolina geboren und aufgewachsen ist. Sie studierte Literaturwissenschaft und Psychologie, bevor sie sich in Harvard der Kinderpsychologie und klinischen Psychologie zuwandte. Ihre wissenschaftlichen Publikationen beschäftigen sich sowohl mit Sexualstraftätern wie auch mit der Behandlung von deren Opfern. Dr. Salter ist gefragte Beraterin bei Gericht und im Strafvollzug. Daneben unterrichtet sie an Universitäten weltweit. Schon diese Biografie hatte mich neugierig gemacht. Doch Anna Salter ist auch eine begnadete Autorin. Ich liebe ihren klaren Blick für die Details und vor allem liebe ich ihre zwei Protagonistinnen, jene der ersten vier Bücher ebenso wie jene des fünften Buches.

Während Die Psychologin, Der Schatten am Fenster, Tödliches Vertrauen und Schwarze Seelen zusammengehören und Einblick in die Fälle der charismatischen Psychologin Dr. Michael Stone geben, ist das fünfte Buch, Wenn du lügst, eine eigene, eine neue Geschichte, die Einblick in Fälle von Dr. Breeze Copen gibt.

BucBuchcover zu Wenn du lügst von Anna SalterBreeze Copens besonderes Talent ist die Synästhesie. Ich würde ihr auch Hochsensibilität oder gar Hochsensitivität unterstellen. Kurz: sie nimmt Dinge wahr, die anderen verborgen sind. Vielleicht habe ich sie deshalb sofort ins Herz geschlossen. (Im Gegensatz zu mir vertraut sie ihren Wahrnehmungen allerdings sehr und hat sie in ihre Arbeit integriert.) An beiden Heldinnen mag ich ihre Liebe zur Natur, ihre Natürlichkeit und ihren Mut, mit der sie sich den Problemen stellen.

Bei allen Büchern geht es um die therapeutische Arbeit mit Gewaltopfern und Sexualverbrechern – eingebetet in den Alltag der Figuren mit all ihren Alltagsproblemen, -freuden und -ängsten.

Starker Tobak, ja, aber mich fasziniert dieser detaillierte und anschauliche Blick hinter die Fassaden. denn mich interessieren die Menschen: Opfer ebenso wie Täter. Anders als in normalen Krimis bekomme ich hier das Gefühl, dass es sich wirklich so abgespielt haben könnte. Die Geschichten sind allerdings wirklich schmerzlich. Ich bin sehr involviert, bibbere mit und bin am Ende froh, dass sich die Dramen irgendwie zum Guten wenden. Allerdings nicht auf eine billige Art, eher so, dass ich für die Opfer Hoffnung schöpfen kann. Ich kann mir beispielsweise vorstellen, dass die jahrelang missbrauchte Mutter wieder einen Weg zu ihrer Tochter finden wird.

Ob ich deshalb Krimis lese – um der Hoffnung willen? Zumal ich ja vor allem Krimis lese, welche die Innenräume, das Leid, die Neuanfänge, die Prozesse der ProtagonistInnen zeichnen. Weil ich daraus Hoffnung schöpfen kann? Hoffnung, dass das Leben doch irgendwie lebenswert ist, auch wenn. Trotz allem.

[Anna Salters Bücher habe ich übrigens antiquarisch gekauft. (Vermutlich sind sie aber auch so noch erhältlich, vielleicht sogar als eBooks? Oder bei mir ausleihbar?)]

Genres

Von allen literarischen Genres mag ich die Biografie und den Kriminalroman am liebsten. Das war schon immer so. Heute habe ich endlich begriffen, warum es für mich so ist.

Beide Genres streben nach Aufklärung, Lösung und dem Wiederherstellen einer durcheinandergebrachten Ordnung.

Eigentlich mal wieder

Eigentlich sollte ich eine Buchbesprechung schreiben, eine die ich der Autorin versprochen habe. Im Blog oder auf einer meiner Webseiten. Eine moralische Pflicht. Weil ich gesagt habe: Ich mach das. Und weil ich ein kostenloses Rezensionsexemplar bekommen habe.

Ihr kennt das Dilemma: Der Lesegeschmack hat sich geändert. Das wäre vielleicht die neutralste und netteste Umschreibung für: Ich mag das Buch nicht wirklich.

Andererseits, ich gestehe es, ist es ja so, dass ich es verschlungen habe. (Was das wohl jetzt über mich aussagt?)

Und genau das ist auch ein Dilemma: Ich habe das Buch ja nur deshalb verschlungen, weil es so leicht verschlingbar ist, leicht verdaulich, leicht lesbar und nirgends blieb etwas wirklich hängen. Das Buch hat keine Kanten. Die Handlung ist vorhersehbar. Ein bisschen wie RTL, das ich – zu meiner Schande sei’s gesagt – zum Glück nur vom Hörensagen kenne.

Die Geschichte folgt einem gewohnten Spannungsbogen – ähnlich den Vorgängerbüchern dieser Krimi-Serie. Die Figuren kenne ich inzwischen. Die weibliche Hauptfigur ist trotz ihrer schlimmen Vergangenheit eine reine, liebe, nette, moralisch einwandfreie Frau, die ihrem Partner, der Fahnder bei der Kriminalpolizei ist, sogar verzeiht, als er mit ihr umspringt, wie man mit mir nicht umspringen dürfte. Statt ihn in die Wüste zu schicken, hofft sie nur, dass er sich nicht von ihr trennt. Nun ja …

Ihre mit Abstand größte Schwäche ist die, dass sie immer wieder auf eigene Faust ermittelt, weil sie jemandem helfen will oder muss, und sich so, auch in diesem Band wieder, immer mal in Lebensgefahr begibt. Auch diesmal wird sie schlussendlich gerettet und nimmt schließlich den Heiratsantrag ihres Polizisten an. Ooops. Hätte ich nicht verraten sollen. Wobei. Man weiß das ja ab dem Moment, wo er ihr in der Mitte des Buches den Ring gibt.

Die beiden Bösen haben zwar schon einen Grund, dass sie so böse geworden sind, natürlich, und es gibt sogar ein nachvollziehbares Motiv, ein ökologisches sogar, aber dennoch sind die beiden so schwarzweiß in ihrem optischen, sprachlichen und sozialen Auftreten dargestellt, so zweidimensional, so klischeehaft, dass ich zunehmend frustrierter bin, je mehr ich lese, und immer auf etwas mehr Grautöne hoffe. Mir reicht das nicht.

Beim ersten Buch der Autorin war ich gnädig, es war ja ihr Erstling. Und außerdem geschieht die Geschichte ja in meiner Heimatstadt. Und ich mag es, wenn Bücher in meiner Heimat spielen. Und überhaupt. Ich meine, es sei spannender gewesen als das hier. Gut, ich mag die Figuren, sie sind mir sympathisch. Dennoch stört mich jetzt, was mich schon beim ersten Buch gestört hat, je länger je mehr: Allem voran ist es wohl die unoriginelle, floskelhafte Sprache.

Und fast ebenso sehr nerven oder behindern mich die ständigen Erklärungen und Adjektive. Nichts bleibt meiner Phantasie überlassen. Nichts dem Zufall. Alles wird erklärt. Jede Gefühlsregung – obwohl sie schon in den Dialogen sichtbar ist – wird nochmals nachgeliefert. Hätte ich das Buch lektoriert, hätte ich der Autorin besonders solche für mich nicht unerheblichen stilistischen Feinheiten auszuarbeiten ans Herz gelegt.

Zitate gefällig?
Sein Gesicht nahm einen verschlossenen Ausdruck an. […] Jetzt huschte ein Lächeln über sein Gesicht. […] Wir tappen überall im Dunkeln.

Nun denn, der Plot ist soweit okay. Serienmorde aus Gründen, die ich nicht verraten will.

Doch fehlt mir auch hier die Tiefenschärfe, das Dreidimensionale: ein bisschen mehr Leben und Dreck bei den Guten, ein bisschen mehr Verständnisvermittlung bei den Bösen. Grautönen eben, denn Figuren, die nur gut oder böse sind, überzeugen mich nicht. Wir sind alle alles. Ich jedenfalls.

Und nun weiß ich nicht, was ich machen soll.

Das Buch sehr kritisch besprechen vermutlich.

Und weiterhin darüber nachdenken, was eigentlich einen guten Text wirklich ausmacht. Dabei muss ich mal wieder an einen wunderbaren Blogartikel von Irgendlink denken. Über gutes Schreiben. Über Füllwörter. Über das Kürzen.

Und darüber, dass im Grunde jeder und jede so schreiben soll, wie sie will. Ich muss es ja nicht lesen, ich Text-Snobine

Und ja, ich werde auch darüber nachdenke, was eine gute Buchbesprechung eigentlich ausmacht.

Ausgelesen II. #3 – und warum ich Krimis mag

Vom Versuch, ein guter Mensch zu sein, las ich dieser Tage im Krimi Der bessere Mensch von Georg Haderer. Der österreichische Polizeimajor Johannes Schäfer ist nach einem Burn-Out wieder in Dienst, quält sich nun dort aber mit der optimalen Dosierung seiner Antidepressiva herum – mal ist er unerträglich dünnhäutig und rührselig, gerade zu menschlich, dann wieder beherrscht von einer affektiven und impulsiven Aggression, die er an sich nur schwer aushält. Er reflektiert sein Verhalten immer wieder, während er mit seinem Team einen Doppelmörder jagt, und sehnt sich dabei zutieft nach einer besseren, nach einer guten Welt. Aktuell erträgt er das Böse schwerer als auch schon und leidet zudem an seiner eigenen Aggressivität. Nachdem sich am Anfang des Buches alles Spuren nach dem Mörder im Nichts verlaufen, sieht es auf einmal so aus, als stecke ein tot geglaubter Serienmörder hinter den neuen Morden und einem Überfall.

Von Wien nach Salzburg temporär (straf)versetzt, stößt Schäfer auf Spuren, die ihn beinahe das Leben kosten. Kann es sein, dass eine kleine Gruppe Psychiater in ihrer Erforschung des Bösen alle ethischen Grenzen überschritten haben? Ist es möglich, dass die Ärzte damals den Serienmörder retteten, um ihn in einen besseren Menschen zu verwandeln?

Haderers Schreibstil ist zwar gewöhnungsbedürftig, doch ich mag seine streckenweise assoziative Sprache, sprunghaft, intelligent, ohne zu viel zu sagen. Haderer ist nah an seinen Figuren dran und setzt sie in glaubwürdige Kontexte. Auf das Buch bin ich übrigens in meiner online-eBook-Bibliothek onleihe eher zufällig gestoßen. Ich schätze solche Zufälle und hoffe, dass ich dort auch bald Band 1 und 2 der Schäfer-Serie begegne.

Warum ich Krimis mag? Eine berechtigte Frage. Und gleich vorweg: Ich mag nicht einfach alle Krimis. Ich bin wohl eine ziemlich anspruchsvolle Krimi-Konsumentin und kann locker Bücher zuklappen und Filme ausschalten, wenn mich Geschichten nicht überzeugen. Auch die Figuren müssen mich ansprechen. Entweder als Identifikationsfiguren oder aber um mir das Böse zu erklären.
Ich bin dem Bösen auf der Spur!, sagte ich neulich zum Liebsten, als wir über den vorhin erwähnten Krimi sprachen.

Ich will, ahne ich, das Böse einkreisen, definieren, verstehen. Um es auszuhungern vielleicht. Zumindest das Böse in mir. Kampf gegen Windmühlen? Meine Sehnsucht nach einer besseren Welt, die ich mit Polizeimajor Johannes Schäfer teile, kann nicht funktionieren. Weil ich da bin. Und du. Wären wir nur gut, wären wir nicht die, die wir sind. Nicht so. Ich bin alles. Gutes und Böses habe ich in meinem Lebensrucksack drin, seit ich lebe. Das ist der Mensch. Das ist die freie Wahl. Und auch nichts neues. Bin ich dann ein guter Mensch, kritzelte ich neulich auf die Innenseite eines Schokoladenpapiers (schwarze Fairtrade-Bioschokolade immerhin), bin ich dann ein guter Mensch, wenn ich die bösen Anteil in mir akzeptiere und unter Kontrolle halte? Doch was genau heißt es, meine hässlichen Seiten unter Kontrolle zu halten – in einer Welt, wo schon beinahe alles geht?

Im Krimi ist der Tod omnipräsent und die Guten versuchen die Bösen, die Mörder nämlich und das Böse, zu fassen zu bekommen und sie zu bestrafen. Vielleicht mag ich Krimis auch, weil darin diese Sehnsucht nach einer wie auch immer gearteten Gerechtigkeit gelebt und ihr oft auch Genüge getan wird.

Und doch ist Leben und Sterben, Überleben und Tod komplexer als der faszinierendste Roman. Jedes einzelne Leben ist eine Geschichte, die nicht zu fassen ist.

Seit Monaten, seit Jahren sogar, habe ich Wolfgang Herrndorfs Blog gelesen und ihm beim Sterben zugehört und zugesehen. Nein, nicht in voyeuristischer Weise, sondern tief betroffen. Ich habe einem Menschen zugehört, der den Mut hatte, über den Zerfall, den eine unheilbare Krankheit in seinem Körper anrichtet, zu schreiben, schreibend zu schweigen auch, und allmählich zu verstummen. Ungeschönte Texte. Authentisch bis zum letzten Punkt. Sehr oft hätte ich gerne mit ihm über das, was er geschrieben hat, gesprochen. Mit äußerster Konsequenz hat er sich bis zuletzt die Würde bewahrt, seinen Todeszeitpunkt selbst zu bestimmen. Am letzten Montagabend hat er schließlich selbst den Schlusspunkt unter sein Leben gesetzt.

Ich wünsche mir, dass unsere Gesellschaft den Tod neu begreift. Die Würde der Selbstbestimmung, die oft zitiert wird, wenn es um das Leben selbst geht, soll auch für den Tod gelten.

Leben ist zerbrechlich. Wie Glas. Leben ist nicht Panzerglas.

Das Leben selbst bestimmen. Ich bin mir bewusst, dass meine politisch geregelte Freiheit der Selbstbestimmung über mein Leben, Menschen vor mir verdanke, die genau dafür gekämpft haben, doch warum mir genau jetzt mein Spültrogabfluss einfällt, den ich heute Morgen entstopft habe, weiß ich auch nicht. Oder doch Geht es im Leben nicht um Weiterentwicklung? Darum, das Leben als Fluss zu begreifen? Seit Wochen schon floss mein Abwassefluss jedoch immer träger. Mit allen mir bekannten Tricks war der Verstopfung heute nicht mehr beizukommen und ich fragte mich, ob ich zu chemischen Hilfsmitteln würde greifen müssen.

Wie löst man Probleme eigentlich am besten? Anfangen müssen wir immer damit genau hinzuschauen. Das heißt, ich muss die Rohre unter dem Trog aufschrauben. Gedacht, getan. Krass: trotz Sieb im Abfluss hatte sich im Knie des Rohrs seit Monaten das eine oder andere angesammelt. Nicht, dass ich es sonderlich appetitlich gefunden habe, doch fasziniert hat mich dieses Sammelsurium schon und vor allem die Erkenntnis, dass je mehr eine Leitung verstopft ist, desto mehr hängenbleibt. Wie auf der Straße: Je mehr Müll irgendwo schon herumliegt, desto kleiner ist unsere Hemmung, etwas, statt in einen Mülleimer, auf den Boden zu werfen.

Ach, die Verantwortung! Über den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen haben wir dieser Tage im Büro oft diskutiert und prompt ist gestern in der Kleinstadt, wo ich arbeite, am Vormittag eine halbe Stunde lang der Strom ausgefallen. Eine willkommenen Pause, keine Frage, und nachdem wir festgestellt hatten, dass der Ausfall nicht nur unser Gebäude betraf, sondern das Quartier oder gar den Ort, wussten wir, dass wir bald wieder am Netz sein würden. Die eine Kollegin war beim Ausfall mitten in einem Telefongespräch gewesen, eine andere hatte soeben eine Mail geschrieben, ich selbst brütete über einem Dokument, das die Erfassung unserer zukünftigen Statistiken vereinfachen sollte, und auf einmal ging nichts mehr. Noch nicht mal Kaffee und Tee kochen. Wie abhängig wir doch vom Stromnetz sind!

Auch das Patent Ochsner-Tourneeschluss-Konzert übermorgen ist nur dank Strom möglich. Ohne Verstärker und Mischpult wären die Jungs und Mädels der Band aufgeschmissen. Und wir Zuhörenden erst recht. Auch die Kunstzwerge auf dem Zweibrücker Rinckenhof, die dieses Wochenende beim Liebsten zu Gast sind, könnten ihre Sounds und Perfomances nur halb so gut in Szene setzen ohne Strom.

Ach, der Versuch ein guter Mensch zu sein – ist er hoffnungslos, weil ich ja doch immer Kompromisse eingehe, eingehen muss? Ich glaube, für mich gut gut genug. Besser und am besten können von mir aus andere versuchen.