Zur Quelle hin: Mein Pilgertagebuch

Frühstück in Vira
Frühstück in Vira

Ab sofort ist mein Pilgertagebuch Zur Quelle hin als eBook oder PDF bei mir erhältlich (kostenlos oder gegen Unkostenbeitrag). Das Buch habe ich diesen Sommer während unserer Pilgerwanderung quer durch die Schweiz verfasst.

Ihr erinnert euch? Hier gab und gibt es Bilder.
Im Buch findet ihr schließlich und endlich den Text dazu.

Hier für mehr Infos klicken und weitererzählen.

Eine Art Spurensuche

Ich sehe ihn schon von weitem. Immer näher komme ich ihm. Schließlich verlassen ich mein bescheidenes Gefährt, denn die letzten Meter will ich zu Fuß zurücklegen. Von allen Seiten strömen andere Pilgerinnen und Pilger zusammen, denn alle haben wir das gleiche Ziel: den Tempel. Ich erklimme eine steile Treppe und schon bald betrete ich die heiligen Flure. Die wirkliche Welt – ist sie wirklich wirklicher als jene hier drin? – bleibt draußen. Ich lasse sie hinter mir, denn ich sollte mal wieder ….

Ich blinzle. So viele Eindrücke. Lichter. Farben. Verwirrt schaue ich mich um. Wo bin ich überhaupt und in welche Richtung muss ich gehen? Das Stimmengewirr erschlägt mich zuerst, doch bald habe ich mich daran gewöhnt. Ich wusste ja, dass ich hier nicht die Einzige sein würde.

Ich folge einem Strom von Menschen, um mir gehend einen ersten Überblick zu verschaffen. Meine Augen schauen hierhin, dorthin, suchen nach Hinweisen und Spuren, die mir für das letzte Wegstück Hilfe leisten. Hier herumirren will ich nun wirklich nicht. Ich frage also eine Frau, die einen kompetenten Eindruck macht, nach dem Weg. Sie deutet in die Richtung, die ich gehen muss. Da und dann dort und nachher links.

Gehofft hatte ich ja schon, dass es morgens hier noch nicht so viele Leute haben würde (das hat es vielleicht auch gar nicht; ich weiß ja nicht, wie es hier nachmittags ist). Doch jetzt bin ich da. Es gibt kein Zurück mehr. Was mich erstaunt, ist, dass die meisten Menschen vergnügt aussehen. Ganz anders als ich das Gefühl habe, auszusehen, denn solche riesigen Tempel flößen mir schon lange Unbehagen ein. Seltsam, dass es hier so viele Kinder hat, doch schließlich erinnere ich mich: Früher, als ich selbst noch Kind war, hat uns unsere Mutter bisweilen auch hierher mitgenommen. Ein- oder zweimal im Jahr. Sie hat uns jeweils der Obhut erfahrener Betreuuerinnen überlassen, damit sie tun konnte, was zu tun war. Ich folge also, erkenne ich jetzt, ihren Spuren. Obwohl alles anders geworden ist. Der Tempel hat sich verändert. Schon als Kind empfand ich ihn riesig, doch heute ist er riesiger als riesig. Unüberschaubar. Hätte mir die Frau nicht den Weg beschrieben, wäre ich nie am Ziel angekommen.

Endlich betrete ich die heilige Halle. Hier finde ich mich erstaunlich schnell zurecht, denn hier drin sieht es aus wie in allen ähnlichen heiligen Hallen, die ich je in meinem Leben betreten habe. Gestern haben sie mich von einer andern heiligen Halle hierher geschickt. Nur hier könne ich finden, was ich zu suchen hoffe. Also bin ich dem Ruf der Weisen gefolgt.

Zielstrebig gehe ich zum Ständer mit den Outdoor-Jacken. Und schon bald zahle ich das ausgewählte Teil an der Kasse, lasse mir Pflegetipps erklären und verlasse das Shoppingcenter beinahe fluchtartig auf der Suche nach meinem Auto.

Schnell ist mein Ausflug in den Kommerztempel Vergangenheit.

(geschrieben am Samstag, den 14. September, nachmittags)