Seit einem Tag sind wir wieder in der Zivilisation meiner Wohnung. Zeit für einen kleinen Rückblick auf unsere 18-tägige Wanderung vom Wasserschloss der Reuss, wie der Zusammenfluss von Reuss, Aare und Limmat heißt, bis zu ihrer Quelle auf dem Gotthard …
0 Ahnung hatten wir, wohin die Reise führen wird, als wir loszogen
1 Brandblase nur gab es in 18 Wandertagen, von heißem Wasser
1 fettes Schweizer Messer mit Lupe, Schere und Säge wanderte mit
1 repariertes Loch in meiner Luftmatratze
2 Flussbäder nahmen wir im Durchschnitt pro Tag und Person
2 Zeltplatz-Paradiese haben wir entdeckt (mindestens!)
2 Wandernde waren wir, unterwegs von hier nach dort
2 Holzsplitter unter Fingernägeln gab es
3 Zeckenbisse
3 Hotelübernachtungen
3 Schifffahrten
3 Tuben Kondensmilch
3 x bei Bauern auf dem Land gezeltet
4 Füße unterwegs von Nord nach Süd
4 heiße Duschen in 18 Tagen
5 Bus-/Postautofahrten
5 x umsteigen von Linescio bis nach Hause
6 Kantone der Schweiz durch- und bewandert
7 Zwerge getroffen
7 abgebrochene Fingernägel (mindestens!)
8-tung Dung – in Kuhwiesen insbesondere!
9 – 11 war die Zeit, in der wir meistens frühstückten, unsere Tagebücher und Blogs fütterten und das Lager wieder verließen
12 x wild gezeltet
13 – 15 kg Gepäck pro Rucksack, je nach Menge des Proviants
16 und mehr Begegnungen, Kratzer, Brennnesselküsse, Mückenstiche …
1001 tolle Gespräche, Schweigeminuten, Lachsalven …
+++++++++++
Unterwegs-Gedanken
- Wandern/Gehen ist wie Lesen.
Du liest dir gehend/wandernd laufend deine eigene Lebensgeschichte vor.
- Gut ist gut genug: Wenn es zwei Wege gibt – einen über den Berg und einen auf Zweidrittel Höhe des Berges und du hast 15 kg auf dem Rücken -, musst du nicht unbedingt ÜBER den Berg.
- Wenn ich zu schnell gehe, bekommt es mir nicht gut. Auch zu langsam nicht. Vergleichen bringt nichts, wenn ich wandere. Einzig in meinem Tempo zu gehen tut mir gut.
- Wenn ich Schritt für Schritt vorwärts gehe, komme ich auf den Berg, sogar bei Regen und knapp fünf Grad.
- Auch nach dem Berg geht es weiter.
- Tiefpunkte gehören zum Leben, denn das Leben ist nicht ideal.
- Einmal Gelerntes habe ich zwar gelernt, aber das Wissen darum muss von Mal zu Mal neu aktiviert werden.
- Stille ist für mich essentiell.
- Mir selbst und meiner Intuition vertrauen, auch mal Grenzen mutig überschreiten, funktinoniert meist besser als zu viel denken und hinterfragen.
- Es gibt immer noch neues und unerwartetes zu entdecken, auch wenn ich schon viel gesehen und erlebt habe.
- Es finden sich immer wieder neue Wege und Lösungen, wenn wir sie brauchen und offen für sie sind.
- Ich erlaube mir alles, was mir gut tut – in Verantwortung meiner Mitwelt gegenüber.
- Niemand kann meinen Weg gehen, ich kann niemandes Weg gehen.
- Nichttun tut nichts anderes als gut – ich will es auch in meinen Alltag integrieren.
- Ich kann gut (eine Weile?) ohne andere Geschichten sein, ohne Bücher. Das erstaunt mich sehr.
- Je wilder die Reuss wird, desto wilder fühle ich mich – wild, ursprünglich, der Natur verbunden.
- Traditionen sind die Steine im Fluss unserer Gesellschaft. Vom Wasser der Zeit geschliffen.