Halb oder ganz und unsere Interpretationen

Sehen wir etwas Halbes, denken wir es uns ganz. Fehlende Buchstaben in der Leuchtschrift sind ein typisches Beispiel. Unbewusst folgen wir einem inneren Gesetz der Ergänzung.

Sehen wir einen Menschen und seine offensichtlichen Eigenschaften, denken wir ihn uns ganz. Ergänzen ihn. Unbewusst folgen wir auch hier einem inneren Gesetz der Ergänzung, das auf unserer Erfahrung mit anderen Menschen beruht. Auf Erfahrungen, auch Menschenkenntnis und vor allem auf eins: Auf Interpretation.

Sehe ich einen Menschen, der schuftet wie ein Wahnsinniger, halte ich ihn für besonders leistungsfähig.

So gesehen müssen mich die anderen Menschen, drehe ich das Ganze hier einmal um, für klug, stark und fit halten – wenn ich die Rückmeldungen meiner GruppenkollegInnen so höre.

Und ich begreife, dass wir auf Menschen das Gesetz der Ergänzung nicht anwenden dürfen. Zu viele Unbekannten!

Natürlich bin ich relativ gebildet, und manchmal bin ich stark. Und manchmal bin ich sogar ziemlich fit. Aber. Wie habe ich neulich doch Herrn Bock zitiert? ’Als depressiver Mensch kannst du alles, nur nicht einfach so. Und schon gar nicht immer. Und manchmal gar nicht.’

Unter gewissen Vorzeichen gehe ich leider und noch immer regelmäßig über meine Grenzen. Bin auf Adrenalin und Cortisol sozusagen, unruhig, ruhelos. In Kontexten wie Arbeit oder dem Kurs, den ich aktuell besuche, spüre ich das gleich doppelt. In zeitlich absehbaren Situationen kann ich noch weniger als im Arbeitsalltag halbe Sachen machen. Entweder blende ich mich aus und halte ich mich heraus (wie das geht, weiß ich aber allerdings nicht wirklich) oder ich gebe alles. Normalerweise gebe ich alles. Und danach bin ich kaputt.

Ich kann meine Kräfte nicht wirklich einteilen, gehe immer an die Grenzen und darüber. Und so bin ich entsprechend dauerausgelaugt. Anders, als wenn ich vom Wandern, vom Kunsten, vom Kreativsein müde oder erschöpft bin. Dort baut mich das Tun auf, auch wenn ich müde bin. Es kommt aus meiner Mitte und nährt mich, während ich etwas erschaffe.

Es ist wohl der Fokus, der den Unterschied macht zwischen diesem auslaugenden, erschöpfenden, anstrengenden, ich-gebe-alles-haften Tun und dem kreativen, nährenden Schaffen bei dem ich ebenfalls alles gebe, oder wenigstens so viel, wie ich noch habe.

Beim kreativen Schaffen synchronisiere ich innen und außen, beim auslaugenden Tun stehe ich gleichsam neben mir, sehe mir beim Hampeln, beim Leisten zu und kippe das Adrenalin und Cortisol-Füllhorn über mir aus, damit ich es durchstehen kann. Okay, ich übertreibe ein wenig. Und es ist ja auch nicht immer gleich. Aber während mich das eine aufbaut und beruhigt (sogar das Kritzeln und Zeichnen in den Kursstunden), macht mich das andere hibbelig.

Nun überlege ich, wie ich dem Adrenalin und Cortisol beikommen könnte?


Zur Information

Bei Hochsensibilität werden »in akuten Stresssituationen die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin ins Blut ausgeschüttet. Ersteres bereitet den Körper auf eine Flucht- oder Kampfsituation vor, zweiteres ist ein Neurotransmitter, der das Gleiche mit dem Gehirn macht – es wird für schnelle Bewertungen und Entscheidungen in Schwung gebracht. Erfährt der Metabolismus innerhalb einer gewissen Zeitspanne mehrere Adrenalinstöße, so wird das für Dauerstress zuständige Hormon Cortisol ausgeschüttet, was Körper und Geist in nachhaltige Alarmbereitschaft versetzt. Wie viele bzw. wie starke Aufregungen oder Störungen dafür notwendig sind variiert von Mensch zu Mensch, bei manchen hochsensiblen Personen (HSP) können jedoch schon drei relativ geringfügige Unterbrechungen der Konzentration innerhalb einer halben Stunde dazu führen. Untersuchungen an einer amerikanischen Universität haben gezeigt, dass hochempfindliche Kleinkinder schon bei einer einzigen Konfrontation mit etwas Unbekanntem in den Cortisolzustand wechseln, wenn sie davor zwei Stunden lang mit einer nur mäßig aufmerksamen Betreuungsperson verbracht haben, war die Betreuungsperson jedoch sehr aufmerksam, sind die Kinder viel belastbarer.«

Quelle: www.zartbesaitet.net

Mir hinterher sein

Ich bin mir auf der Spur. Langsam aber sicher will ich mich wieder einholen.

soso22
Noch mehr Spuren
  • Eben habe ich die Bilder für den nächsten Pixartix-Galerie-Zyklus („Spuren“), der am ersten April beginnen wird, ausgewählt. Endlich etwas zum Abhaken.
  • Bei der bösen Reiseversicherung reklamieren. Noch nicht abgehakt.
  • Rechnungen schreiben für die Kundinnen der letzten zwei Monate. Noch nicht abgehakt.
  • Drei Webseiten updaten. Noch nicht Abgehakt.
  • Recherchen für Fundraising eines Trauerarbeit-Schreibprojektes endlich abschliessen und Fundraising starten. Noch nicht abgehakt.
  • Trauerbuch-Interview-Fragen formulieren für das erste Interview nächsten Donnerstag. Noch nicht abgehakt.
  • Eigenes Buchprojekt (Arbeitstitel: Weiterleben -> Trauerarbeit, Depression, Heilung) weiterführen. Noch nicht abgehakt.
  • Wohnung putzen, insbesondere die Fenster. Noch nicht abgehakt. (Wie lange habe ich eigentlich schon nicht mehr geputzt? Nein, ich will es gar nicht wissen).
  • Die Zeit mit dem Liebsten genießen und auskosten, solange er noch da ist. Immer nur teilweise möglich.
  • Mit Muße Mails beantworten, endlich mal wieder, ohne Zeitdruck. Immer nur teilweise möglich.
  • Lustvoll Blogs lesen und kommentieren, ohne Zeitdruck. Immer nur teilweise möglich.

Baustellen, eine neben der anderen. Im Büro sieht es ähnlich aus. Ich renne mir hinterher. Ich renne ständig. Ich fühle mich gestresst, oft, und nein, ich mag es nicht wirklich, zumal ich alle Arbeiten (na ja, von Reklamieren und Fensterputzen mal abgesehen) gerne mache. Und ja, ich mag meine neue Arbeit. Sehr sogar. Sehrsehr. Nur eben bitte nicht immer so unter Zeitdruck. Wegen der zwei Konzerte in der Schule, die diese Woche über die Bühne gehen durften, gab es noch mehr als sonst zu tun. Für nächste Woche sind die Musikprüfungen endlich auch aufgegleist, eine Kommissionssitzung steht an, undundund …

Ich lösche Feuer, trage die oberste Spitze des wachsenden Berges ab, horte Überzeit.

Reagieren statt Agieren steht auf ein Post-It gekritzelt und klebt neben meinem Laptop. Ein Blogthema, das mich schon lange beschäftigt. Je mehr Dinge von außen kommen, die getan werden sollten und die ich meistens sogar von Herzen gerne tun will, desto mehr befinde ich mich, dennoch, im Reaktionsmodus.

So bleibt die eigene Aktion, die Kreativität, die kreative Energie zurzeit der Traumwelt vorbehalten. Ich träume aktuell sehr lebhaft, sehr bunt, oft krass surreal, sehr schräg zuweilen. In Zeiten von wenig Freiraum, so fällt mir auf, übernehmen die Traumgeister oft das Ruder und färben mein Leben ein.

Gut so.
Gut ja.
Gut ist gut genug.

Bloggen, mal wieder, ja, auch das steht auf meiner Liste. Abhaken?

Streicheln erlaubt

Bitte streichelnWenn der Bostich keine Klammern mehr ausspuckt.
Wenn die Schublade klemmt.
Wenn die Nerven flattern.
Wenn die Zahlen einfach nicht stimmen wollen.
Wenn die Datenbank einfriert.
Wenn alle etwas von dir wollen und gleichzeitig noch das Telefon klingelt.
Wenn du am liebsten einfach den ganzen Zirkus namens Büro hinter dir lassen nur eins willst: Raus an die Sonne!

Dann gibts nur eins …