oder Die Rache des Aufschiebens
Alle tun es, nein, falsch, alle lassen es. Alle schieben Dinge vor sich her. Über das Warum zu diskutieren, ist müßig. Über die Rache dieser vermutlich in unseren Genen verborgenen Strategien zu reden vermutlich ebenso. Sie hat genauso viele Facetten, diese Rache, wie die Palette jener Dinge, die wir aufzuschieben belieben, Farben hat.
Zu meinen ganz persönlichen Lieblingsaufschiebereien gehören Prozesse, die aus mehreren aneinanderzureihender Details bestehen. Also nicht bloß: Erledige A.! Sondern so: Erledige A., doch das geht erst, wenn du A.1 und davor A.2 geklärt – wahlweise auch erledigt oder organisiert – hast. Und gleich darauf folgt auch schon B und B.1. Als logische Konsequenz dann C.1, weil … da muss ja …
Na, Ihr wisst schon … So Dinge eben, wo der Prozess erst losgehen kann, wenn dies und das zusammenpasst. Dazu bin ich vermutlich einfach zu faul. Und zu wenig ambitioniert. Und leider gibt es davon in unserem Büro einiges. Und netterweise sucht sich so Zöix immer meinen Schreibtisch zum Warten aus. Wie gerne ich da Dinge, die aus einer von A bis Z überschaubaren Handlung bestehen und die natürlich und zum Glück auch wichtig sind, dazwischenschiebe!
Aber ebe, die anderen Dinge, aktuell der Weihnachtskartenversand, erledigen sich leider nicht allein. Im Privatleben meide ich so Sachen ja geflissentlich, doch im Büro gehört das in den Bereich Öffentlichkeitsarbeit, der immer schwerer auf meinen Schulter lastet und auf meinem Schreibtisch hockt. Heuer habe ich schlicht und einfach die Beschaffung der diesjährigen Karten verdrängt verbummelt. Immerhin habe ich mich mit dem Inhalt der Karte auseinander gesetzt. Aber ebe … Verdrängen lohnt sich nicht. Machen muss ich es ja doch. Rache, dein Name ist Druck, Stress, Hektik.
Doch zu merken, dass mich meine Kolleginnen und mein Boss nicht alleine den Karren aus dem Dreck ziehen lassen und mich sogar tatkräftig unterstützen, tut echt gut. Du hast mir ja auch schon oft geholfen, sagte G. gestern. Wirklich, so was tut gut.
Und nach Feierabend auf meinem Crosstrainer zu rennen, ist ebenfalls wohltuend. Ich lasse alle meine Gedanken des Tages los. Die ganze Hektik fällt von mir ab, während ich ganz und gar in die Musik und den Rhytmus meiner Bewegungen eintauche. Heute meine Brücke zwischen Arbeit und Feierabend. Und diesen aufzuschieben wäre doch wirklich jammerschade!
Was ich niemals aufschieben möchte …
- den Feierabend
- Ferien
- ein gutes Gespräch
- ein herzliches Kompliment
- ein ermutigendes Wort
- jemandem sagen, dass ich ihn oder sie mag
- eine Massage geben oder bekommen
- einen Kuss
- eine Umarmung
- guten 6+++
- alles, was gut tut, zu tun
- ein feines Bier
- Genüsse aller Art
- jetzt leben
- … und natürlich meinen MitbloggerInnen hin und wieder ermutigende Kommentare schreiben 🙂 (… selbst wenn es bloss Zitate wären aus Bredenbergs Buch 1000 Kommentare – originell, neutral, freundlichst und wiederverwendbar)
Gut gebrüllt! 😉