Ja, genau so muss der Titel dieses Artikels lauten. Ob der Text, den ich jetzt gleich dazu schreiben werde, wohl zu ihm passen wird? Mal gucken. Doch wo anfangen? Was ist relevant und darf ich nur titelrelevantes erzählen. Oder darf ich dort anfangen, wo ich mich heute Nachmittag in den „Mahlstrom“ von Berns Einkaufsüchtigen eingespeist habe, um J.s Worte zu plagiieren? Obwohl das alles keine Relevanz zum Titel hat.
Mal sehen, ob sich übrhaupt etwas über meine zwei Stunden in der Stadt sagen lässt … (selber schuld, wenn du weiterliest …) Meine Liste der in Berns Innenstadt zu besorgender Dinge war täglich gewachsen, so dass ich mir heute ein Herz gefasst und mich in die Höhle der Löwinnen und Löwen gewagt hatte. Mitten ins Getümmel! Besser jetzt noch, dachte ich mir, als in einer Woche. Besser nicht schon wieder verdrängen und verbummeln. Von prokrastinativen Rachefeldzügen habe ich im Moment genug.
Item. Erster Punkt auf der Liste: Buchladen. Buch für Patensohn. Ja, ein Weihnachtsgeschenk, ich gestehe es. Das einzige. Auch das gestehe ich freimütig. Alles andere waren Dinge des täglichen Bedarfs und fürs Büro. Papeterie, Bioladen und Naturapotheke wurden angepeilt. Nur genau zwei Stunden habe ich gebraucht und kein bisschen Stress, kein bisschen Hektik kamen auf. Auch waren noch waren alle Verkäuferinnen und Verkäufer freundlich. Und noch war ein Durchkommen in den Läden.
Mantrisch und meditativ arbeiten, möge ich heute. Was für ein Wort zum Tag! Gefischt aus einer Mail von J. und mutig umgesetzt. Sogar in der Freizeit.
Zurück zuhause hängte ich endlich meinen goldgelben Vorhang auf, den ich am Sonntag im Schrank gefunden hatte. Damit mein Gästezimmer, auch wenn es Nacht geworden ist, freundlich aussehen darf und ich beim Crossen nicht immer schwarze Fensterlöcher anstarren muss.
Also los. Das Ding montieren … Werkzeugkiste auf, Bohrmaschine, Schraubenzieher … Schon bald hängt das Teil und ich will das ganze Zöix wieder wegräumen. Dazu klappe ich den Deckel meiner Werkzeugkiste auf. Super-Gau: Lärmend poltern auf einmal Hunderte von Schrauben und Nägeln, die im Deckel der Kiste eingelegt und normalerweise mit einem speziellen verschließbaren Klappdeckel geschützt sind, zu Boden. Darunter solche, die über mindestens zwanzig meiner Lebensjahre berichten könnten. Hach, was nützt schon ein verschließbarer Deckel, wenn er offen steht! Wie war das doch gleich? Meditativ und mantrisch leben!
Ich atme aus und kann mir ein Kichern nicht verkneifen. Ich verlasse das Chaos und gehe erst mal in die Küche. Wo das nächste Chaos lauert. Schmutziges Geschirr im Spültrog. Ich schaue einfach nicht hin, ignoriere alles, denn jetzt brauche ich erst einmal eine Pause. Muss was essen und trinken. Aufräumen geht nach einer Pause eh immer viel besser.
So viele Schrauben und Nägel! Wieso werden die eigentlich immer im Dutzend oder so verkauft? Wo wir doch meistens nur zwei bis zehn Stück brauchen? Was für eine Verschwendung! Kunstwerke nehme in mir drin Gestalt an. Kunstwerke, die aus all dem Überschuss aus all den täglich gekauften Großpackungen entstehen könnten. Müssten!
Ich beginne, die mit der Kehrschaufel vom Boden gefischten Schrauben und Nägel meditativ und mantrisch nach Größe in die sechs kleinen Fächer umzuverteilen. Am Schluss würden so nur noch Nägel in der Schaufel liegen. Denke ich mir so. Hm.
Wäre ich lieber Schraube oder lieber Nagel? Nur ein einziges Mal zu gebrauchen, dafür lebenslänglich am gleichen Platz? Oder doch lieber immer wieder? Und wäre ich lieber stabil oder biegbar? Drehbar? Einfach so ein Teil zum Reinhauen? Beim Rausgeholtwerden jedoch würde ich achtlos verbogen und vermutlich weggeworfen. Dann doch lieber Schraube!, entscheide ich. In einen Dübel geschmiegt, Lasten tragend? Na ja … vielleicht doch lieber Mensch. Am liebsten mich selber.
Irgendwann wird mir das Sortieren zu bunt. Fertig meditiert. Bin ja nicht in der Psychi. Und überhaupt: Wozu? Wenn ich eine Schraube oder einen Nagel brauche, wühle ich ja ganz gerne in der Fülle. Außerdem ist mir eh jegliche Form von Ausgrenzung zuwider. Es lebe die Vielfalt! Integration statt Segregation! Her mit den Minaretten!
Ha. Und nun habe ich es sogar geschafft, ungefähr das zu schreiben, was der Titel verheißt … und erst noch ganz meditativ.