Wären wir nicht auf dem tollen Camping in Bergsjö gestrandet, hätten wir unsre dortigen deutschen Nachbarn nicht getroffen. Und hätten wir mit denen nicht über „das müsst ihr gesehen haben“ gesprochen, wären wir kaum nach Järvsö gefahren. Bestenfalls mittendurch. So aber – das Schicksal hat uns geführt, wie J. zu sagen beliebt – konnten wir nicht ignorieren, was wir wussten. Dort sei das größte Gefägnis. „Das müsst ihr uuunbedingt hin!“, sagte B., die Nachbarin.
Auf Überlandstraßen kurvten wir also südwärts und fanden den Platz. DJURPARK stand auf den Wegweisern und für den Eintrittspreis hätten wir dreimal übernachten können. Hätte uns das Schicksal nicht dorthin – na, ihr wisst schon …
Netzmaschen. Grenzen. Innen. Außen. Wer ist wirklich gefangen? Die da drin? Ich? Wie frei bin ich wirklich? Die Illusion von vermeintlicher Freiheit – ich teile sie mit denen da drin. Meine Gitterstäbe heißen Zeit und Pflichten, Arbeit, Mietzinsrechnungen, Krankenkassenprämien und Beziehungsnetz. Nicht per se schlecht oder gut, einfach da. Selbstgewähltes Gehege: Freiheit bis zu den Grenzen, die da sind. Die mir das Schicksal …?
Ist die- oder derjenige weiser oder freier, die oder der sich mit den vorhandenen Grenzen abfindet oder der- oder diejenige, der oder die gegen diese angeht?
Auf den Grosstierzoo von Järvsö übersetzt: haben es jene Tiere leichter, die resigniert haben und sich mit den zugegeben riesigen Gehegegrenzen abfinden oder jene, die ständig in der Nähe der Grenzen herumschleichen, hoffend sie öffnen sich. Wenn ja, was dann? Was würden sie mit jener Freiheit anfangen. Da haben es wohl die in Gefangenschaft geborenen leichter.
In Gefangenschaft geboren – wie ich. Wie wir alle. Gefangen. Dochdoch, mir geht’s gut, danke. Ich habe ja frei, Urlaub. Neinnein, es ist nicht die Arbeit, die mich gefangen hält.
Illusion beides, die Gefangenschaft ebenso wie die Freiheit. Nur das Leben, das ist echt. Die Elche, Wölfe und Rentiere ebenso. Und ich auch.
Bild: ich bin so FREI, heute keins zu liefern. 🙂