sozusagen …

… grundlos vergnügt

Ich freu‘ mich, dass am Himmel Wolken ziehen
Und dass es regnet, hagelt oder schneit.
Ich freu‘ mich auch zur grünen Jahreszeit,
Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
Dass Amseln flöten, und dass Immen summen,
Dass Mücken stechen und dass Brummer brummen,
Dass rote Luftballons ins Blaue steigen,
Dass Spatzen schwatzen und dass Fische schweigen.

Ich freu‘ mich, dass der Mond am Himmel steht
Und dass die Sonne täglich neu aufgeht.
Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,
Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,
Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehen.
Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehen.
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem, dass ich bin.

In mit ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt, das Feuer ist geschürt.
An solchen Tagen klettert man die Leiter,
die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
– weil er sich selber liebt, den Nächsten lieben.
Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne
Und an das Gute niemals ganz gewöhne.
Dass alles so erstaunlich bleibt und neu!
Ich freu‘ mich, dass ich … dass ich mich freu‘!

Mascha Kalèko
*1907 in Galizien + 1975 in Zürich

3 Kommentare zu „sozusagen …“

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