Von wichtigen Büchern und andern Geschichten III

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Erzähl mir ein Märchen!, sagte das Kind. Ja, es war die Stimme eines Kindes, ohne Zweifel, die unser Märchenbuch in den Ohren gekitzelt und aus dem Dämmerzustand geweckt hatte. Kaum hatte es den Satz gehört, machte sein staubtrockenes Herz einen Sprung. Einen klitzekleinen nur, denn da wo es saß, war es eng. Seine Augen richteten sich nach innen, dorthin, wo die Essenzen der Märchen lebten und blinzelten sie wach. Vibrierend öffneten diese ihre Sinne, die wir uns am besten wie Blütenknospen vorstellen, welche vom Sonnenlicht berührt werden.

Erzähl mir ein Märchen, Onkel Marcel! Biiitteee!, sagte das Kind nun wieder. Hartnäckiger diesmal.

Schritte im Raum. Sie kamen näher. Das Märchenbuch pulsierte. Die anderen Bücher drängten sich in den Vordergrund und boten sich den Händen dar, die über die Buchrücken strichen.

Da muss doch noch mein altes Märchenbuch sein. Irgendwo. Einen Moment. Aha, da! Als das Märchenbuch die Hände seines Menschen an seinem Rücken ziehen fühlte, war alles wieder da. Hellwach. Diese Hände würde es nie vergessen. Der Mann und das Kind, es war ein kleines Mädchen, hatten es sich im Sessel bequem gemacht.

Schau, aus dieses Buch hat mir meine Mama vorgelesen. Deine Oma. Jeden Abend. Das Mädchen klatschte vor Aufregung in die Hände und streichelte über das Bild auf der Vorderseite. Ein Schloss. Bäume. Ein Hirsch im Hintergrund, der seinen Blick auf das Schloss gewandt hat.

Marcel öffnete das Buch. Er blätterte sich von Seite zu Seite, atmete den Duft aus Bücherstaub und Kindheit ein und schien vergessen zu haben, dass seine Nichte auf seinem Schoss saß. Ich werde dieses Buch wieder lesen, dachte er. Wieder und wieder.

Erzähl mir ein Märchen …, bettelte das Mädchen zum dritten Mal. Und Marcel erzählte.