Wer weiß schon, was morgen ist?
Ich wünsche uns allen guten Mut, das Alte loslassen zu können und viel Vertrauen ins Leben und in das Neue, das um die Ecke auf uns wartet.

Fallmaschen & Herzgespinste
Wer weiß schon, was morgen ist?
Ich wünsche uns allen guten Mut, das Alte loslassen zu können und viel Vertrauen ins Leben und in das Neue, das um die Ecke auf uns wartet.

Auf Cachetour. Auf dem Rückweg – es dämmert bereits und den Cache haben wir nur dank meiner Stirnlampe gefunden und loggen können –, kürzen wir ab. Statt wie auf dem Hinweg der arschglatten Straße zu folgen, gehen wir wortwörtlich querfeldein. Durch knöcheltiefen Schnee. Ein absehbares Stück. Ich folge Irgendlink.
Ich habe die Wahl zwischen dem Gehen in seinen Fußstapfen, was zwar einfacher zum Schreiten ist, mir aber längere Schritte als meine üblichen abverlangt, oder aber ich gehe im eigene Takt, muss mich dazu jedoch mehr anstrengen um Fuß für Fuß jeweils wieder aus der nassen knöchel- bis knietiefen Schneematschpampe zu heben.

Mein Herz wie schockgefroren. Diese
Zeit zwischen den Jahren ist
mir diesmal, als sei ich zwischen die Zeilen
gefallen. Ohne Netz. Freier Fall irgend-
wie. Ohne Strom. Ausgefallen.
Eingefroren. Die Anspannung und
Anstrengung der letzten Monate ver-
dichtet sich in Nichts. Fällt wie ein
Schneeball, an die Wand geworfen,
auseinander. Zurück
bleibt ein Klecks Brackwasser.
Ich. Oder nicht. Um erneut im
Wasserkreislauf mit zu fließen. Ein-
mal mehr.
Obstbäume wären sie, meine Talente. Deine auch. Vielleicht Zwetschgenbaum, dass du super malen kannst. Und Kirschenbaum, wie gut du dein Wissen über Geometrie oder Kochen an Banausen vermitteln kannst. Deine Geduld sei ein Nussbaum und dein Humor ein Orangenbaum.
Alle unsre Bäume tragen Früchte. Darum schenke ich dir ein paar von meinen. Wenn du willst. Und dir und dir auch. Und du gibst mir von deinen welche ab. Danke, wie schön!
Ich setze die Samen deiner Früchte in meinem Obstgarten. Dort einen Orangenkern, da drüben Apfel- und Birnenkerne und hier einige Nüsse. Die einen Kerne keimen und wachsen zu stattlichen Bäumen, anderes keimt zwar, wächst aber nicht an, weil ich zu gießen vergaß. So verschrumpelt es eines Tages. Und drittes passt einfach nicht zur Erde meines Gartens, bleibt Kern und zerfällt eines Tages. Oder es wird von Würmern verschlungen.
So stattlich der eine oder andere Baum auch wächst, so fad und klein sind womöglich seine Früchte. Erst veredelt mit einem deiner Äste wachsen Jahr für Jahr immer schönere, saftigere Früchte.
Dennoch: Kompost alles, das eine früher, anderes später.
Wenn ich groß bin, werde ich … Diesen Satz denke ich auch heute, wo ich doch groß genug zum groß sein wäre, immer mal wieder. Je nach Tagesform lautet die zweite Satzhälfte dein Kissen (wie heute Nacht zum Beispiel) oder was anderes geistreiches.
Dass ich jedoch eines Tages spontan als zweiten Satzteil ganz viel reisen denke, überrascht mich denn doch selbst, glaubte ich doch, diesen Virus vor ein paar Jahren – wegen unerfreulicher Erfahrungen – für immer aus meinem Leben verstoßen zu haben. Zu mühselig und schmerzhaft waren meine Erlebnisse gewesen. Meine Schwedenreise vor anderthalb Jahren läutete jedoch eine neue Epoche ein und die Reisen mit Irgendlink im Laufe dieses Jahres reanimierten meinen Reisevirus gänzlich.
Da fangen wir beiden Spinnerlinge heute Morgen beim Kaffee im Bett doch auf einmal über schwedische Fernwanderwege zu reden an! Internet liefert auch gleich schon Tipps, Routenvorschläge, Bilder und füttert somit mein Fernweh gleich noch mehr.
Wäre es doch schon Frühling, Sommer, seufze ich mit Blick auf den Neuschnee draußen. Trotzdem strahle ich vor mich hin. Vorfreude fließt durch meine Adern wie eine Droge. Ist sie wohl auch. Mein Sonnelachen zieht meine Mundwinkel nach oben, jenes Lächeln und Lachen, das ganz tief aus meiner Mitte kommt. Das Mondlachen nenne ich dagegen jenes Lachen, das ein mir geschenktes Sonnelachen reflektiert. So ist gemeinsames Lachen ein Perpetuum mobile. Ähnlich der Kreativität, die sich stetig selbst erneuert. Schräg und grad treffen aufeinander und schubsen sich laufend an. Das Pendel kann nie stillstehen.
So trifft Idee auf andere Idee, gebärt neue Idee und so ist nix was schon war, immer schon dagewesen und das Nichtsneues (unter der Sonne) wird zu einer Neumontage aller alten Sonnenbilder. Auch der ganzen diesseitigen Welt vielleicht. Zumindest der Perspektiven derselben. Und vielleicht – aber dies nur ganz leise geflüstert – ist alt ein Synonym für neu?
Wenn ich einmal groß bin, werde ich alt und neu, jung und alt, hier und dort Seiende, Reisende, Weise, Närrin. Klein und groß.
Und so groß bin ich jetzt schon.
In der einen Schale der Waage lagern wir all das, was nicht so ist, wie wir es uns gewünscht haben. Die bösen Worte etwa, die wir sagen, wenn uns jemand unter Druck setzt. Oder waren es Gedanken? Gedanken nur? Es war ja auch nicht böse gemeint, das weißt du doch? Dennoch liegt es in der Waagschale. Mit all den andern Dingen, die zwischen Soll und Ist stehen. Nicht wenig. Ablasshandel war schon immer ein gutes Geschäft – heute nicht weniger als früher!
Die zweite Waagschale, um Ausgleich bemüht – was auch die erste wohl genauso anstrebt –, hortet gute Taten, gute Worte und gute Gedanken. Der Balken in der Mitte heißt Gewissen. Gute Einrichtung irgendwie. Simple Rechnerei führt zur Erkenntnis, dass wer nichts Böses tut, auch nichts Gutes tun muss. Am besten also Nichtstun? Da aber Müßiggang auch als Sünde geahndet wird, kann das auch nicht funktionieren. Nicht Nichtstun ist Tun. Sobald wir jedoch etwas tun, füllen wir eine der beiden Waagschalen und der Stress geht von vorne los. Eine ganze Gesellschaft in der Ablasshandelsschule? Dazu ein dicker Ablasshandlungen-Versandkatalog.
Was da wohl hilft? Vermutlich nur eins: Pilgern!
😉
Superpünktlich ist das Flugzeug gelandet, das mir meinen Liebsten zurück gebracht hat. Auch das Ausladen ging schnell. So kam es, dass er mich statt ich ihn erwartete. Auch schön – und wie!
Was ich bloggen würde, falls ich heute bloggen würde. fragte mich Irgendlink beim Spätstück. Hm, sagte ich, vielleicht nur ein einziger Satz: ich bin so glücklich!
Nun ja, das wäre dann doch ein bisschen simpel und würde dem Ganzen kaum gerecht. Glück und Glücklichsein sind so vielschichtig und auch so ganz persönlich.
Nachts das ruhige Atmen zu hören, wenn ich kurz aufwache. Die vielen Gespräche. Die vertraute berührende Nähe. Gerüche. Praktische Dinge wie gemeinsames Kochen (ja, auch Spülen …) oder Wäsche aufhängen.
Sind dies die Puzzleteile für Glück? Heute ja. Ein paar. Ein Ausschnitt. Wir sind immer mehr, als das, was wir sehen, mehr auch als das, was wir fühlen. Mehr auch als alles, was wir denken. Und noch viel mehr als die Summe all dessen.
Glück ist vielmehr. Und immer nur gegenwärtig.
Irgendlink schrieb, dass sein Rucksack ohne Futter, Wasser und Kamera nur 8,5kg gewogen habe. Super! Auch das Anbordgehen hat gemäß SMS wie geplant geklappt.
Nun liegt es nicht mehr an uns, sondern an Eisen und anderer Materie, die sich wunschgemäß von S und B nach Z verschieben soll, sowie an Wind, Wetter und Personal, ob alles so klappt, wie wir es uns erhoffen.
Schicksal?
Kurz vor drei bereits wieder erwacht, nachdem sich erst wenige Stunden vorher das vor Freude zappelnde Herz doch hatte herunter dimmen lassen. In zehn Stunden bin ich auf dem Zürcher Flughafen. Vielleicht schon (bald) in J.s Armen. Wieder klopft mein Herz bis in die Ohren. Die Stadt schläft. Die stillste Stunde der Nacht. Der längsten Nacht des Jahres. Als würde die Welt mit mir den Atem anhalten. Es ist jener Moment, in der die Meereswelle einen Nanosekundenbruchteil stehen bleibt, um gleich darauf sich selbst zu brechen.
Dieser winzige Punkt … Innehalten. Erstarren. Stillstand. Bewegungslosigkeit. Schließlich abstoßen, schließlich brechen: Wende. Neuanfang. Wieder längere Tage. Sonne und Licht.
Jetzt: das Dunkel. Einer Decke gleich, in die ich mich hülle. Ich und mein iFöun. Winzige Tasten. Große Gefühle. Herzklopfen. Müde Augen. Vorfreude, größer als meine Müdigkeit.
In ein paar Stunden wird die Trennung von fünf Wochen und zweieinhalb Tagen Erinnerung sein. Eine mehr.
Erinnerungen und Texte. Mails, SMS, Blogartikel. Wie viele auf winzigster und normaler Tastatur getippte Buchstaben, wie viele Wörter wir wohl getauscht haben, J. und ich? Die am Telefon gewechselten gar nicht mitgezählt. Sandkörner in der Ewigkeit eines kleinen Menschenlebens.
Wolfstunde: alles ist wahr und alles ist möglich. Dass Wörtern zu nachtschlafender Stunde Flügel wachsen ebenso wie dass die Sonne wieder scheinen wird. Später irgendwann.
Und falls mir Mister Sandman begegnet, werde ich ihn gewiss nicht von der Bettkante stoßen.
Wow, so groß, sagt Kollegin J. über meine Wohnung, die sie zwecks allfälliger Mietübernahme anschaut. Sie wohnt mit ihrem Freund in einer winzigen Einzimmerwohnung in der Länggasse. Ohne Backofen, ohne Balkon. Und dennoch so reich wie Hans im Glück.
Ich weiß nicht recht, sagt sie, vielleicht ist sie mir doch zu groß?, sagt sie, während sie sich umschaut. Ich könnte mich glatt verirren. Wie sollte ich sie ausfüllen?
Schnitt.
Letzter Samstagabend. Das letzte Tram hat mich unweit meiner Wohnung ausgespuckt. Seit wir Tram im Quartier haben, sind wir AußerholligerInnen richtig mondän geworden und können ohne Umsteigen bis Saali und Ostring fahren. Ungefähr da war ich an jenem Abend. Bei A. und M., die im Murifeld eine wunderbare große Altwohnung bewohnen. Ich meine: wirklich groß. Groß und sehr sparsam möbliert. Zum Verirren. Ich meine: wirklich zum Verirren. Wo ist gleich das Klo und wie komme ich danach wieder ins Wohnzimmer zurück? Großer Flur, hohe Decken, Stuck.
Ausgespuckt vom Tram nun die Treppe hoch. Die Wohnung aufgeschlossen. Wie klein sie ist. Wie behaglich und gemütlich, wie vertraut. Mein Kokon, aus dem ich bald schlüpfen werde. Die Flügel aufklappen. Weiterfliegen.