Eigentlich, sagt meine Freundin C., eigentlich ist niemand wirklich frei. Niemand! Alle sind wir doch an unsere im Laufe des Lebens heruntergeladenen Programme gebunden. Sie diktieren unser Handeln. Wir alle sind eben irgendwo irgendwie aufgewachsen und alle sind wir irgendwo und irgendwie imprägniert mit christlichen, ethischen, sozialen, asozialen oder sonst wie scheinheiligen Verhaltensmustern, nach denen wir handeln oder ein Handeln verweigern. So ist niemand frei von irgendeiner Doktrin. Freie Meinungsbildung ist eine Illusion.
Ja, eigentlich wäre wirkliche Freiheit das totale Wegfallen jeglicher Prägungen, denke ich. Ob eine solche Freiheit erstrebenswert ist oder nicht, ist eine andere Frage. Wie frei wären wir wirklich ohne jegliches Grundgefühl für Werte?
Aufpassen, Sofasophia, nicht werten ist das Gebot des Zeitgeistes, nicht verurteilen! Was weißt du schon, wie andere ticken?
Urteilen oder gar verurteilen will ich nicht, nein, mich nicht und andere auch nicht, dennoch will ich meinen Werten, meiner Spur von Gut und Böse, von Richtig und Falsch, weiterfolgen. Ob sie nun richtig oder falsch ist. Wer anders als ich, kann das für mich bewerten? Schon wieder Wertung? Nein, nicht aus Prinzip folge ich meiner Spur, das nicht, doch mit einer mir eigenen Konsequenz, die wohl zu meinem Überlebensstrategien-Repertoire gehört, handle ich, ruhe ich, lebe ich so gut ich kann. Auch auf die Gefahr hin, deshalb nicht wirklich, nicht ganz frei zu sein. Ja, mir selbst will ich gehorchen. Und gehören. Gleicher Wortstamm. Diese Unfreiheit gönne ich mir. So ähnlich debattiere ich in unserer Unfreiheitsdebatte mit C. und bestätige damit ihre These.
Und ich weiß auch, dass ich eben – wie sie sagte – nicht nur mein Lied, sondern auch jenes meiner Gesellschaft, jenes meines Umfeldes zwitschere. Habe ich denn eine Wahl? Und ist die Aussage, dass ich lebe, wie ich lebe, ist, weil ich so leben will, wirklich wahr oder ein fauler Kompromiss?
Früher haben solche Gedankenketten wahre Abgründe in mir aufgerissen und sind zu immer neue Aspekten herangewachsen, die mich von innen und von außen zugleich aufgefressen und sich gar angemessen haben, zu bahaupten, stärker zu sein als ich. Heute kann ich solcherlei denken ohne zu stolpern. Neu gewonnene Freiheit oder eher Resignation und Kompromissbereitschaft? Können wir wirklich kompromisslos leben?
Ist vielleicht wahre Freiheit der Verzicht darauf, jederzeit zu tun und zu lassen, was ich will, stattdessen das zu tun, was jetzt genau die Situation, die Umstände, das Leben um mich her und in mir drin verlangen? Freiheit sei der freie Wille, jederzeit auf das aktuelle Leben zu reagieren.
Vielleicht.