Neue Wörter braucht das Land

Die besten Dinge passieren nebenbei, absichtslos, unauffällig … Die besten Ideen kommen, wenn wir nicht denken, wenn wir nicht grübeln. Auf einmal sind sie da. Ganz logisch passen sie in den Zusammenhang. Serendipität, ihr wisst schon.

Möglich, dass auch die Linkschreibung, ursprünglich als Wortspiel „passiert“, so eine Sache ist … Die Rechtschreibung mit ihren vielen Regeln ist gut und recht. Doch zugegeben ziemlich stur, unkreativ und beschränkt. Was wir wirklich brauchen, ist Raum. Raum für Ideen, für Gedankenspiele, für Höhenflüge, für Tiefschürfungen … Jedes Ding auf dieser Erde definiert sich über sein Gegenüber, über einen Gegenpol. Auch machen Kontraste ja das Leben erst farbig.

Doch was soll denn der Gegenpol zur Rechtschreibung und ihren Regeln sein? Eine Sprache ohne Regeln? Ja. Das heißt, nein, denn auch die Linkschreibung braucht möglicherweise ein paar Leitplanken. Ohne jedoch durch deren Festlegung elitär werden zu wollen.Leitplanken, die es erst noch zu definieren, zu ergänzen und mit Leben und neuen Wörtern zu erfüllen gilt. Und auszuweiten. Denn Raum braucht Weite. Neue Wörter braucht das Land. Oder bestehende Wörter – in neuen Kontexten. Oder oder oder …

Ich freue mich auf eure Inputs, Verlinkungen, Inspirationen …

Erste Leitplanken der neuen deutschen Linkschreibung sind:

1.) politisch unkorrekte Sprachanwendung
2.) anarchistische Anti-Regeln
3.) intuitive Un- und Umregeln
4.) neue Wortkreationen
5.) sinnleere Wörter
6.) sub- und adversive Sprachneuschöpfungen
7.) rot-grün klingende Wortmelodien
8.) mehrwortige Begrifflichkeiten
9.) Vergegenteilungen/Verwandlungen/Erweiterungen einzelner Wortteile
10.) …

Beispiele (in Klammer die Nummer der Leitplanke):

Weiber (1) (nur von echten Weibern anwendbar)
ManöverInnen und -außen (2) (by sofasophia)
Hailait, pl. Hailaiz (für Highlight/s) (3) (by sofasophia)
Liebstöckelschuhe (4) (by irgendlink)
fremdstören (4) (by irgendlink)
Brummland (5) (by irgendlink)
Lachland (5) (by sofasophia)
Rechthabmensch (6) (by irgendlink)
Linkloslasstier (6) (by sofasophia)
Langzeitherrscher in der Schlucht des Vergessens (8) (by irgendlink)
anderverständlich (9) ( > selbstverständlich) (by irgendlink)
Sinrad (9) ( > Konrad) (by irgendlink)
Ichden (10) ( > Duden) (by irgendlink)
Sieden (10) ( > Duden) (by irgendlink)
zurechtschlimmen (10) (by sofasophia)

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Gerade noch rechtzeitig vor dem historischen Moment des Publizierens dieses Artikels kommt per irgendlinkscher Mail der Titel unseres neuen Buchprojekts rein:

SIEDEN – neue deutsche Linkschreibung (Assoziationen, äh, Dissoziationen zum Standardwerk, äh, Sitzdardwerk der deutschen Sprache).
2. Erweiterte Auflage mit iPhone Fipptehler Standards

Spiegelimspiegelimspiegel

Du meinst also, du weißt, wie ich ticke. Schließlich bist du Stammleserin, Stammleser. Stimmt’s?
Du kennst mich
a.) sogar persönlich
c.) zwar nicht direkt persönlich, aber dafür meine Schreibe.
Jedenfalls glaubst du zu wissen, wer ich bin. Dein Bild ist gemacht. Du denkst: Sofasophia ist so, denkt so, macht so … möglicherweise liegst du mit der einen oder anderen Annahme sogar goldrichtig.
Aber …

Und ich? Ich meine, zu wissen, wie du tickst. Ich kenne schließlich dein Blog/deine Mails/dich schon lange. Ich habe dich
a.) zwar noch nicht
b.) sogar schon einmal
c.) schon oft persönlich getroffen.
Jedenfalls glaube ich zu wissen, wer du bist. Mein Bild von dir ist gemacht. Ich denke, XY ist so, denkt so, macht so und möglicherweise liege ich mit dem einen oder anderen Gedanken sogar goldrichtig.
Aber …

… was wir voneinander sehen, sind Ausschnittchen. Selbstdarstellung kleiner Ausschnitte meiner Welt, deiner Welt. Von dir ausgewählt, von mir rausgepickt. Rosinen. Misthaufen. Zurecht geschönt, zurecht geschlimmt. Zoom. Das Spiegelbild im Spiegelbild im Spiegelbild. Immer kleiner und kleiner wird es, je genauer wir hinschauen. Immer unklarer, unschärfer.

Selbst wenn ich alle deine Blogtexte, alle deine Bilder, alle deine Mails oder alle unsere Gespräche verinnerlicht hätte, sie immer und immer wieder gelesen und betrachtet und erforscht hätte, oder du meine Schreibe, meine Bilder oder meine Aussagen bis ins Detail studiert hättest – wer ich bin, kannst du nur ahnen, wer du bist, kann ich nur ahnen. Eine Illusion, jemanden wirklich verstehen zu wollen, ganz verstehen zu können.

Ich will dich immer wieder überraschen. Und
ich will mich von dir immer wieder überraschen lassen.
Ich will dir und mir Raum geben für Veränderungen.
Ich will querdenken und rückwärtstaumeln dürfen, aber
ich will mir auch erlauben, für einmal ohne Umwege von A nach B zu gehen und Ziele erreichen zu können.
Ich will mir erlauben, es mir grundlos gut gehen zu lassen.
Ich will meine Prinzipien, falls ich denn welche habe, immer mal wieder fallen lassen und ihnen untreu werden, wenn es der Sache dient, der Entwicklung meines Lebens.
Ich will mich immer wieder neu begreifen und vor allem
will ich mir immer in die Augen schauen können.