Rätsel über Rätsel …Warum die Mietz ausgerechnet jetzt, wo ich meinen alten Laptop, den Kollege D. neulich repariert hat und den ich nun mit Updates ab externer Festplatte füttere, warum also die Mietz ausgerechnet jetzt dicht neben mir auf dem großen Sofa sitzen will, ist mir wirklich ein Rätsel. Ich mutmaße, dass sie Elektrosmog mag. Irgendlink vermutet eher, dass sie mich mag. Auch möglich, gut und schön, doch meine Hand- sprich Mausfreiheit ist massiv eingeschränkt. Mehr als einmal versuche ich es mit netten Worten, mehr als einmal setze ich sie auf den Boden, am häufigsten jedoch schubse ich sie einfach ein bisschen weg. Nein, keine falschen Rückschlüsse bitte! Ich mag sie – ziemlich jedenfalls. Und alle Katzen und anderen Tiere dieser Welt ebenfalls. Aber wenn ich vor lauter Katze einen Maus-Arm (analog dem weltberühmten Tennis-Arm) bekomme, finde ich das weniger lustig. Lustiger ist es dafür, wenn mir – wie eben – die Maus vom Laptop herunterfällt, auf den ich sie aus Platzmangel gelegt habe, und die Katze vor Schreck für eine halbe Minute das Weite sucht.
Doch eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben.
Da stehe ich also heute Nachmittag in Irgendlinks Scheune, die in absehbarer Zeit eine glänzende Zukunft vor sich hat. Ich sehe es vor mir, irgendwann wird sie ein großer Galerieraum sein. Sie soll die Bilder und Kunststraßeninstallationen der von Irgendlink bereisten Länder sichtbar machen. Doch jetzt, heute, ist sie nichts anderes als der doppelte Boden, die zweite Ebene, der leere Raum unter dem Dach – einen Stock höher gelegen als die bereits aktive Galerie.
Latten, Dämmmaterial aus Glasfaser und Steinwolle, ein Arbeitstisch mit viel Werkzeug, Sägeböcke und ein alter Schrank stehen herum. Nichts überflüssiges mehr. Im letzten Herbst haben wir ausgemistet. Viel ist nicht geblieben. Baumaterial. Ich trage zwei weitere Rigips-Platten ins neue Haus gleich nebenan. Ins neue Haus im Haus, wie ich nenne, was hier wächst, denn von der Scheune aus, sieht das, was wir bauen, genauso aus . Unter dem zehn Meter hohen, unisolierten Dach hat J. neulich eine erste neue Wand gezogen um seinen Wohnraum zu erweitern. Wände und ein Dach, so wenig braucht es im Grunde, um ein neues Haus zu bauen. Bodenfläche mal vorausgesetzt. Vor zwei Wochen haben wir zusammen die Decke gedämmt die J. seither getäfert hat. Nun wollen wir jene Außenwand des neuen Hauses dämmen, die an die kalte Scheune grenzt.
Während der neue, unbeheizte Raum fünf Grad warm ist, hat die Scheune immer Außentemperatur, die Ritzen lassen jeden Windzug durch. In der Künstlerbude nebenan sind es mollige holzbeheizte zwanzig Grad. So wechseln wir bei der Arbeit ständig die Klimazonen. Mit schmalen Balken strukturieren wir die Wand in rigipsplatten-große Felder, um nach dem Anbringen des Dämmmaterials diese Dinger befestigen zu können. Schon bald wir es hier ein gemütliches Stilles Örtchen und eine neue Küche geben. Schritt für Schritt gehen wir diesem Ziel entgegen. Während ich die Balken ausmesse und mit der Stichsäge zusäge, wird mit wieder mal klar, dass es keinen anderen Weg gibt, als kleine Schritte zu tun, wenn ich vorankommen will. Abkürzungen gibt es keine. Gefahren viele und Geling-Garantien vergisst du eh am besten gleich. Hauptsache, du machst dich auf deinen Weg.