Örkelljunga

Hier waren wir schon mal!, sagt Irgendlink. Da vorne kommt rechts eine Kirche, links ein Parkplatz.
Wir haben nach Meerbad, Dusche und Frühstück das Zelt abgebaut und Norrkiven und seine Küste verlassen. Südlich der Hallandsås, dem Gebirgszug, den wir vor Tagen beradelt haben, besuchten wir eine Dauerausstellung, die den jahrzehntelangen Eisenbahntunnelbau durch besagtes Gebirge illustriert. Spannend.
Später, nach einem Picknick in einem Friedhofpavillon, der geradezu zum Faulenzen drängt, beschließen wir, uns einen nicht allzu weit entfernten Zeltplatz mit Seeanschluss zu suchen. Fahrrichtung südsüdöstlich, so dass wir ab übermorgen den Rückweg ohne Stress in zwei Etappen anpacken können.
Auf dem Weg nach Örkelljunga schließlich J.s Déjà-vu.
20110804-085119.jpg
Die Kirche steht da, wo er gesagt hat und an die Landschaft erinnere ich mich möglicherweise, doch diese ist austauschbar. Felder, Wälder, Straßen. Hier, auf dieser Route, sind wir letztes Jahr nordwärts gefahren, immerhin das weiß ich noch. Die Route habe ich noch ungefähr im Kopf. Aber diese Kirche? Nein, sorry, keine Erinnerung. Auf dem iPhone finden wir Bilder von der nahen Umgebung und ans Baden und Geocachen ernnere ich mich sogar noch detailliert, doch die Kirche? Hm. Okay, auch sie ist austauschbar. Weißer, schlichter Bau, großer Friedhof.
Bin ich übersättigt, reizüberflutet? Oder war ich es letztes Jahr? Jetzt eher nicht. Ich fühle mich sogar seit ein paar Tagen so ausgewogen wie schon lange nicht mehr. Die Sonne tut das ihre. Die Natur, das Meer, die Einfachheit des Alltags mit seinen Eckpfeilern wie Frühstück, Abendessenkochen und Abwaschen sowie den täglichen Abwechslungen lassen den Alltag zuhause zuweilen vergessen. Die neuen Eindrücke und Erfahrungen legen sich quasi in die vorhandenen Regale und Schubladen.
Doch da sind auch Träume – so viele, wie schon lange nicht mehr, da der Unterwegs-im-Zelt-Schlaf leicht ist. Träume, die von mir Antworten fordern: Wohin bin ich unterwegs und wie? Welche Arbeit passt wirklich zu mir?
Ich sehe mich schreibend. Dennoch ist da zuweilen die Angst, dass mir eines Tages der Stoff ausgehen könnte. Wohl eine unbegründete Angst. Ich hatte sie auch vor dieser Reise. Wie wird dich das Livebloggen dieses Jahr anfühlen? Als schlechter Abklatsch von letztem Jahr, als Wiederholung – die Reise ebenso wie das Bloggen? Unbegründete Angst. Das Leben ist alt-neu-immer-wieder-anders. So kann sich eine Reise nicht wiederholen, selbst wenn wir die gleiche Strecke (Polarkreis – zurück) wiederholt hätten. Das Leben ist immer wieder anders. Nicht mal das heutige Meerbad war gleich wie das gestrige. Selbst ähnliche oder gleiche Erkenntnisse unterscheiden sich je nachdem, in welcher Verfassung sie uns antreffen. Oder in welcher Schublade sie heute liegen.
Und wir? Wir liegen heute – für ein bis zwei Nächte – in Örkelljungas Campinggefilden: direkt am Hjälmsjön, der über zwanzig Grad warm ist. Nebenan, im Minizelt, wohnen ein geselliger Däne und seine zwölfjährigen Tochter, die eine Woche lang Schonen per Rad bereisen.
Ein schöner Platz, günstig, mit WiFi sogar. Das Passwort – ohne Zeitlimit – haben wir für zwanzig Kronen gekauft. Dennoch mach ich jetzt Schluss für heute 🙂
Morgen womöglich noch mehr Gedanken, warum wir vertraute und bekannte Orte brauchen, und Wiederholungen.

0 Kommentare zu „Örkelljunga“

  1. Ach, ich beneide euch! Würde jetzt auch am liebsten verreisen. Andere Umgebung, andere Impulse, andere Gedanken – wie schön ist das. 🙂
    Viel Spaß noch euch beiden! Ich hoffe ihr habt weniger Regen als wir hier.

Antworte auf den Kommentar von wildgans Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert