heute blau

Durch die Blogosphäre zu spazieren, nach vielen Tagen Abstinenz, kommt mir vor, als besuche ich alte Freundinnen und Freunde bei sich zu Hause. Da philosophiere ich ein wenig mit, dort lese ich über Erlebtes, woanders betrachte ich Bilder. Mal bleibe ich länger hängen und gehe voller wertvoller Impulse weiter.
Ich begreife, dass ich Blogs lese, weil ich mich von den Leben anderer berühren lassen will. Nenn es Voyeurismus.
Aus dem gleichen Grund mag ich Ausstellungen. Bilder ebenfalls aus nur diesem einen Grund. Auch wenn dieser Grund viele Facetten hat und die Frage zu klären wäre (falls sie relevant ist, wirklich relevant) warum ich mich berühren lassen will. Vielleicht, weil ich die Farben anderer Menschen, um ein Bild, das Sherry heute verbloggt hat, aufzugreifen, weil ich also die Farben anderer Menschen mit meinen verweben will. Und wenn ja, warum? Weil ich mich durch die Farben anderer ganzer fühle? Was nun nicht zum (falschen) Schluss führen darf, dass ich mich selbst nicht ganz fühle. Das tue ich. Nicht immer, aber meistens. Aber noch mehr als ganz geht einfach nur mit anderen. So sozial bin ich dann doch. Obwohl ich die Stille dieses Sonntags, ganz allein mit mir, außerordentlich genieße. Froh um das Alleinesein. Jetzt.
Berührung und Berühren, berührt zu werden – für mich existentiell notwendig. Wie Luft und wie Wasser. Herzberührungen physischer Natur zum einen, doch ich brauche auch Berührungen ätherischer Art. Sie sind mir wertvolle Impulse. Sie sind meine Herzschrittmacherinnen. Mich berührt nicht nur die Schönheit dieser Welt – Dinge, Texten, Bilder, Kunstwerken jeglicher Art – sondern auch ihre Hässlichkeit, ihre Dramatik und ihr Schmerz. Bei mir, bei anderen, in der Welt. Berührung berührt mich. Trifft mich. Macht mich betroffen. Löst etwas aus. Erlöst womöglich etwas in mir.
Seit Tagen füllt sich mein Mailbriefkasten ohne dass ich groß etwas dagegen tue. Dabei sind mir Menschen so wichtig. Menschen und ihre Farben, ihre Formen, ihre Art zu denken. Ich lese alle Mails. Mails berühren mich. Ich will antworten. Am liebsten gleich. Selten tue ich es. Später dann doch.
Diskrepanzen. Alleinseinwollen versus Begegnungsbedürfnis.
Wäre ich eine Farbe, wäre ich heute blau. Unvermischtes Grundfarbeblau. Heute.

0 Kommentare zu „heute blau“

  1. berühren und berühren lassen, das leben teilen, das ist auch mein motor für bloghausen und natürlich die wunderbare inspiration.
    und heute, was eine farbe hätte ich heute… drei sind es… blau, grün und türkis, nicht gestreift und nicht gepunktet, sondern im fließenden übergang miteinander…

  2. Liebe SoSo,
    nun hast du deinen Umzug schon hinter dir, Irgendlink ist schon unterwegs, und ich krieg nix mit … 🙁
    Wiederauferstandene Grüßle!
    (PS: Brauchst auch nciht zu antworten, niemand versteht diese zeitweise Unlust besser als ich)

    1. aber wenn ich will? danke sagen ist nämlich immer für beide schön. für dich und für mich.
      ich hoffe, dir gehts gut? das wünsch ich dir herzlich
      wir melden uns, wenns an england und so geht.
      herzlich, soso

      1. Wenn du willst, ist es was anderes!
        Ja mir gehts gut, danke, bisschen blockiert in letzter Zeit. Aber bei dem Wetter komm ich wieder ins Fließen.
        Man liest sich! Viel Spaß noch beim Auspacken und Ankommen. 🙂

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