Was sehe ich nicht, was andere sehen? Was bin ich, das andere nicht sehen? So authentisch ich zu sein glaube, deckt sich doch das, was mir andere über mich rückmelden nie mit meiner eigenen Perspektive. (Ja, ich weiß, der größte Teil unserer Persönlichkeit ist unbekannt, aber trotzdem …)
Du stellst dein Licht unter den Scheffel, sagte Kurskollege P., der ein fiktives Bewerbungsgespräch lang meinen zukünftigen Chef gemimt hatte. Du kannst so viel, doch du zeigst es nicht. Zwei 5,4 in zwei verschiedenen Abschlusszeugnissen sagen viel über deine Qualitäten aus. (Für meine deutschen LeserInnen: Das nennt sich bei euch, so meine ich verstanden zu haben, wohl Einserzeugnis. In der Schweiz gilt: Je näher bei Note 6 desto besser …)
Mit deiner Stimme schaffst du eine Stimmung, die – obwohl du nicht laut sprichst – unsere volle Aufmerksamkeit erhält. Man muss dir einfach zuhören, sagt Kollege G.. Ich spüre, wie mir das Blut in den Kopf schießt.
Zum Rotwerden habe ich auch allen Grund. Göttin, war das peinlich! Die ersten fünf Minuten des imitierten Vorstellungsgespräches mit meinen beiden gefakten Personalverantwortlichen – Kollegin S. und Kollege P. – und einem Beobachter – Kollege G. – hatte ich das totale Blackout. So nervös war ich selten in meinem Leben und das, obwohl ich doch hier, in der vertrauten Runde, gar nichts zu verlieren hatte. Wie gut, dass ich in der kameralosen Gruppe gelandet bin! Hätten sie mich gefilmt, wäre es noch schlimmer gewesen. Dreimal hintereinander stoppte ich verzweifelt meine Rede. Sagte:
Delete. Ich fange noch einmal an. Klappe die nächste. Erst allmählich gewann meine Professionalität – oder was auch immer – wieder die Oberhand und das Gespräch machte sogar Spaß.
Kollegin S. meinte hinterher, dass ich bei ihr nach meiner offenbar überzeugenden Performance auf jeden Fall in die zweite Runde käme. Authentisch sei ich. Das lass ich gelten. So fühle ich mich. Dennoch. Die vollständige Kongruenz zwischen Fremd- und Selbstbild will und will sich nicht einstellen. Selbst wenn ich mir Komplimente gerne anhöre, lieber möchte ich endlich in mir das sehen, was andere sehen.
Trotz vielem Denken, Reden und Arbeiten – die zwei letzten Kurstage mit den intensiven „Rollenspielen“ haben total Spaß gemacht. Nun stehen uns Stellensuchenden bloß noch zwei Kurstage bevor. Bis dahin gilt es, das Gelernte konkret umzusetzen.
Juhu, zwei Wochen Pause. Verdauen. Und wer weiß, vielleicht habe ich bis dahin meinen Traumjob bekommen, für den ich ja bereits heute das Vorstellungsgespräch geübt habe. Wenn die Hauptprobe missglückt, wird die Première erfahrungsgemäss ein großer Erfolg … 😉
Was kann DA noch schief gehen?
Liebe Soso,
jeder ist auf seine Art und das ist gut so. Wenn wir uns selbst fremd fühlen, liegt es manchmal daran, dass wir eine bestimmte Vorstellung davon haben, wer wir sind oder wie wir zu sein haben. Was sind schon Noten? Ein künstlich erfundenes Bewertungssystem unserer Gesellschaft. Ja, gute Noten können ein gutes Gefühl geben. Aber das Streben nach guten Noten kann auch dazu führen, ganz an unserem Selbst vorbei zu leben und nur dem genügen zu wollen, was die Gesellschaft scheinbar von uns möchte. Schau, was DU von dir möchtest!
Was auch immer andere dir über dich sagen, es zählt letztlich nur, was du selbst über dich heraus gefunden hast und in dir sicher weißt. Gib dir die Zeit dazu, den Raum, die Umstände, die es braucht und die kommen werden, um dich in all deinen Facetten zu erfahren und so immer mehr von dir vor dir selbst aufzudecken.
Es kann nichts schief gehen. Du bist immer sicher, in dir selbst.
Auf das lebendige bunte Leben, was immer es mir und dir jetzt und morgen bringen wird. Es ist das, was unserer Seele dient.
Marion
danke für deine zeilen, liebe marion
natürlich hast du grundsätzlich recht, keine frage … nur: ich würde eigentlich schon ein bisschen mehr von mir halten und an mich glauben. nicht, dass das immer die anderen für mich übernehmen müssen 🙂
wenn ich nur mit mir bin und nicht mich um arbeit und den ganzen karsumpel kümmern muss, gehts mir so, wie du sagst. dann lebe ich in meinem universum.
aber eben … auch künstlerinnen müssen miete zahlen. und eine schöne wohnung trägt – so pragmatisch bin ich – eben auch zu einem guten lebensgefühl und zu (wenn auch vermeintlicher) sicherheit bei.
herzliche grüsse
soso
Liebe Soso,
was du von dir selbst hältst und inwieweit du an dich selbst glaubst hängt doch stark von dem ab, wie du dich erfahren hast. Da du ständig neue Erfahrungen sammelst, verändert sich das stetig.
Du bist sicher nicht nur hier, um mit dir in deinem eigenen Universum zu sein und dich dort wohl zu fühlen. Du bist auch nicht hier, um dich selbst zu verraten und das zu tun, was scheinbar die Gesellschaft von dir erwartet. Die Verbindung und Verknüpfung von dem einen mit dem anderen bringt die Harmonie und das sich wohl fühlen. Dahin zu kommen, dauert manchmal länger als uns lieb ist. Und das fühlt sich unterwegs nicht gut an. Der offensichtliche Konflikt fühlt sich nie gut an. Aber er ist da, damit wir diese Herausforderung bewältigen. Haben wir es geschafft, fühlen wir uns gut, sehr gut :).
Warum sollst du nicht Künstlerin sein können und trotzdem schön wohnen, das eine mit dem anderen verbinden? Warum solltest du nicht die Lebenskünstlerin mit all ihren Werten und allem, woran sie glaubt, in eine Berufstätigkeit einbringen können, die den Lebensunterhalt ermöglicht und dennoch daneben völlig frei von jeglichen Konventionen so zu künstlern, wie es dir gefällt?
Du wirst einen Weg finden. Bewerbungen und Absagen sind ein Spiel. Es hilft, konkreter zu werden, klarer zu spüren: Wo fühle ich mich wirklich wohl, wo passe ich ihn, wo kann ich einfach ich sein… Try and error führt irgendwann auch zu try and success. Auch wenn wir immer wieder neu aufbrechen, nachdem wir angekommen sind. Aber ich weiß: Worte sind manchmal eben nur Worte. Manchmal kommen sie nicht im Fühlen an und dann wirken sie leer. Das ist einfach so.
Von Herzen
Marion
das sehe ich wirklich ganz genau so. theoretisch bisweilen, manchmal auch praktisch. und um den dingen auf die spur zu kommen, die mich beschäftigen, polarisiere ich zuweilen, klopfe die dinge auf ihre wirkung und wirksamkeit, auf ihre echtheit ab.
meine aufgabe aktuell ist klar das verbinden der verschieden ebenen und das mich-integrieren-in-dieser-realität-da-draussen ohne mich dabei zu verlieren.
herzlichen dank für deine kostbaren impulse!
liebe grüsse
soso
Zum Erhalten des Traumjobs drück ich dir ganz fest die Daumen. 🙂
Liebe Grüße, Szintilla
danke, liebe szintilla …
ich bin natürlich sehr wohl bewusst, dass das immer ganz relativ ist. zumal ich mir ja immer aus inseraten ein bild mache, das beim gespräch schnell relativiert werden kann (siehe vorletzten blogartikel).
in diesem fall gefällt mir die branche (bildung unnd gesundheit) und die vielfalt. hoffentlich sind auch die leute toll und wollen mich kennenlernen.
liebe grüsse, soso
Oft liegen zwischen dem Inserat, das was man sich darunter vorstellt und dem was dann auf einen zu kommt Welten. So eine Erfahrung mache ich zur Zeit. Ich dachte immer, dass der Job bei dem ich bis Ende November zusätzlich zu meiner normalen Arbeit hospitiere, eine Alternative für mich wäre. Nachdem ich dort nun seit vier Wochen täglich ein par Stunden bin, habe ich erhebliche Zweifel, ob ich DAS die restliche Zeit bis zur Rente machen möchte.
Also: Reinschnuppern ist immer gut und dann aufs Gefühl hören ganz wichtig.
Liebe Grüße, Szintilla
das ist sehr wahr, liebe szintilla. wann immer möglich, schnuppere ich auch.
herzlich
soso
Liebe Soso,
ich drücke die Daumen!
..grüßt dich Monika herzlich
herzlichen dank und liebe zurück-grüsse 🙂
soso
Ich hab‘ ja so das selbe Problem wie du, Soso. Das wissen wir ja jetzt. Ich meine, so, dass es wirklich auffällt. Abgesehen davon, dass wir uns selbst nicht viel zutrauen, resultiert vielleicht auch folgender Grund für dieses „sich unter’n Scheffel stellen“: Wir halten „so wenig“ von unseren Fähigkeiten, dass wir anderen direkt signalisieren wollen, dass man nichts Großartiges von uns erwarten darf. Damit das auch niemand tut, machen wir irgendwie – nonverbal oder auch ein wenig verbal – klar, dass wir angeblich nicht soooviel drauf haben. Ich glaube, zumindest bei mir ist das ein wenig so. Keine Ahnung, ob du damit etwas anfangen kannst!
liebe sherry
ja, damit kann ich was anfangen.
das eigne können ist schließlich normal = selbstverständlich, aber das, was die andern können, ist – im vergleich dazu – wirklich toll. ich glaube nicht, dass ich das muster bei mir (bis jetzt) wirklich so begriffen hatte.
wir wollen „harmlos“ wirken, obwohl wir doch so wild und so großartig sind, hat neulich mal eine gesagt. das gefällt mir.
also los, sherry, wir üben weiter, zu unserer fülle an können zu stehen.
herzlich, soso
Ich stolpere über deinen Wunsch, dass du dich selbst so sehen lernen möchtest, wie es die anderen tun… okay, klar ist es gut endlich bei sich anzukommen, sich seine Fähigkeiten anzurechnen, sich selbst auf die Schulter zu klopfen, eben sich selbst zu lieben, etc., aber so wie mich die anderen sehen… eijei.. so viele Bilder und auch Projektionen, da bin ich doch lieber ich und sehe mich… 😉
herzliebe Grüße
oh, ich weiss, was du meinst. oder gelesen hast. meine absicht war und ist, mich so wohlwollend und liebevoll zu sehen, wie es andere tun. weniger inhaltlich als auf die wertschätzung bezogen. inhaltlich bitte nicht – wer weiss, was da die andern von mir denken 😉
danke für deinen einwand!
liebe grüsse zurück, auch vom liebsten