Kleiner Rant zur aktuellen Virusgefahr-Bagatellisierung

Gleich zuerst: Nein, ich weiß es auch nicht. Ich weiß nicht, ob all die Maßnahmen sinnvoll sind. Ich weiß nicht, ob es übertrieben ist. Womöglich sogar untertrieben? Die Lockerungen zu früh? Und nein, ich weiß nicht, ob das alles mehr nützt oder mehr schadet. Nein, ich weiß es nicht.

Doch etwas weiß ich: Das hier ich keine Glaubensfrage. Sich an Maßnahmen zu halten ist keine Religion und keine Unterwerfung an eine Diktatur.

Das hier ist etwas, womit sich niemand so wirklich auskennt. Es ist etwas Neues. Die, die am meisten wissen, sind jene Menschen, die wissenschaftliche Ausbildungen haben. Logischerweise vertraue ich darum am ehesten diesen Menschen. Ich vertraue ausgewiesenen Virolog:innen und Ärzt:innen mehr als Pfarrer:innen, Prediger:innen, Astrolog:innen, Esoteriker:innen, Medien, Verschwörungstheoretiker:innen und Dummschwätzer:innen.

Vielleicht bin ich inzwischen so diesseitig geworden, dass mir das Jenseitige einfach nur noch abstrus vorkommen kann. Nach wie vor bin ich davon überzeugt, dass alles zusammenhängt. Wir alle hängen zusammen, sind verbunden. Der Mensch hat nicht nur darum überlebt, weil er sich ständig mutiert, sich stetig weiterentwickelt hat, er hat vor allem überlebt, weil Menschen sich seit jeher umeinander gekümmert haben.

Gesunder Menschenverstand ist wichtig und natürlich muss jede und jeder abwägen, dennoch ist das alles hier keine Glaubenssache, sondern eine Frage, wem wir vertrauen. Den Forschenden oder den Plappernden.

Selbst wenn ich in meinem Umfeld keine wirklich wirklich sehr gefährdeten Menschen hätte – und ja, natürlich, eines Tages werden wir eh alle sterben! –, könnte ich diese Haltung nicht verstehen, die aktuell so manche vor sich her tragen wie ein Schild.

Nur weil sie und ihr Umfeld bis jetzt nicht betroffen waren, halten sie die Krankheit für ungefährlich und behaupten, dass sich manche Menschen viel zu sehr und unnötigerweise einschränken sich. Kann man so sehen. Man kann sich die Welt immer schön einfach und einfach schön reden. Und die andern von Angst Dominierte nennen, ist auch ganz einfach. Doch ehrlich gesagt ist das meiner Meinung nach einfach furchtbar ignorant. Es ist sehr einfach, nur weil man bisher Glück hatte, nicht über den Tellerrand zu schauen. Vielleicht glaubt man sogar, es verdient zu haben, dass man verschont blieb. Die andern sind eben selbst schuld, wenn es ihnen nicht gut geht.

Ehrlich: Ich kann nicht, nur weil ich nicht an die Maßnahmen ’glaube’, die Gesundheit mir lieber Menschen (und notabene meine eigene) aufs Spiel setzen. Hier geht es um ein noch sehr unbekanntes, noch sehr unvorhersehbares Virus, das noch niemand wirklich so genau kennt und von dem noch niemand voraussagen kann, wie es sich weiter entwickeln wird.

Über den Klimawandel las ich neulich ein Textbild, das sinngemäß besagte, dass wir jetzt all die wichtigen und im Moment als angezeigt notwendigen Maßnahmen umsetzen und dann schon bald feststellen würden, dass das Klima auf einmal wieder gut sei und das Leben wieder viel angenehmer für alle. Im Rückblick würden wir womöglich feststellen, dass es die Maßnahmen gar nicht gebraucht hätte. Aber hey: Das Leben ist wieder viel angenehmer für alle. Also: Scheiß auf die vielen vielleicht überzogenen Maßnahmen. Es geht uns allen besser. Aber was genau alles geholfen hat, wissen wir nicht.

Dieses Gedankenspiel übersetze ich für mich auf die Coronakrise. Selbst wenn das alles hier überzogen sein sollte – ich weiß es nämlich wirklich nicht! –, so haben wir alle zusammen doch dafür gesorgt, dass sich Menschen wie unser rollstuhlfahrender Freund M., unser chronischkranker Freund S., all die alt gewordenen Verwandten sich wertgeschätzt und erwünscht wissen dürfen und nicht ständig in Ansteckungs- und damit in Todesangst leben müssen, sondern miterleben können, wie sich eine ganze Gesellschaft um sie sorgt und sie nicht der Wirtschaft opfert.

Ja, richtig, dafür ziehe ich mir eine Maske an, halte Abstand und wasche mir die Hände. Obwohl ich Masketragen ziemlich unangenehm finde. Und auch wenn ich nicht weiß, ob es übertrieben ist.


Hier zwei Links zu Faktencheck-Seiten:

Coronavirus: Die Stunde der fragwürdigen Youtube-Doktoren

https://www.swr3.de/aktuell/fake-news-check/index.html

Wieder da. Oder dort. Also eigentlich hier.

Sonntag. Morgen. Nein, Halt. Mittag. Früher Nachmittag sogar bereits schon. Noch keine vierundzwanzig Stunden bin ich da. Geschlüpft durch ein Wurmloch in der deutschen Grenze* erscheinen mir die fast „vierzig Tage in der Wüste“, die nun hinter uns liegen, bereits merkwürdig unwirklich und unfassbar. Es ist als wäre ich nie weg gewesen.

Ähnlich unfassbar war es für mich am Freitag gewesen, als ich erfahren hatte, dass die deutschen Grenzen für binationale Paare wieder offen seien. Weshalb ich gestern schließlich schon am Vormittag hoffnungsvoll Richtung Deutschland losgefahren bin.

Was für ein Wiedersehen!

Obwohl es jetzt bereits ist, als wäre ich nie weggewesen, brauchte die Seele Zeit. Seelen-Jetlag. Die etwa viereinhalbstündige Fahrt war jedenfalls notwendig und wichtig gewesen. Wie ein Herantasten an eine veränderte Realität. Ein Wechsel des Aggregatzustandes gleichsam, war ich doch des latenten Abwartens müde gewesen. Müde und mürbe auch von der langen Sehnsucht auf unser Wiedersehen.

Heute haben wir ausgeschlafen und uns gegenseitig immer wieder neu unserer physischen Gegenwart versichert. Das Miteinandersein zelebrieren wir geradezu, es ist weniger selbstverständlich als beim letzen Mal.

Gefrühstückt haben wir spät. Wir tun und wir lassen. Wir sind.

„Am liebsten würde ich ja jetzt einfach mal gar nichts tun, einfach nur da sein; die Sinne sind so offen wie selten. Hm. Aber einfach nur sein ist gar nicht mal so einfach“, sage ich, während ich aus dem Fenster gucke und den Blättern beim Einfach-nur-grün-Sein zugucke und wie sie der Wind beim Grün-Sein verwirbelt. Der Himmel macht derweilen gekonnt Blau und alles könnte ganz wunderbar einfach sein, wenn da nicht immer gleich die Innere Chronistin aufspringen würde, die bereits im Moment des Erlebens nach Worten sucht, alles Erleben festzuhalten.

Vermutlich ein Problem von Schreiberlingen aller Art ist. (Warum eigentlich Problem? Vielleicht ist es ja ein Segen?) Mein Gedankenarchiv füllt sich jedenfalls laufend und überläuft. Wenn ich nicht immer mal wieder schreibenderweise das eine oder andere Ventil öffne, geht es mir ganz schnell ganz schlecht. Das ist dann wirklich problematisch.

Wir sind Zeitzeugen, sagen wir zueinander. Warum also nicht festhalten, was geschieht und was es mit uns macht?

Irgendlink, der seit einigen Tagen auf radlantix.de an der Fortsetzung seiner virtuellen Liveblog-Radreise nach Andorra schreibt, gibt zögerlich zu, dass er vermutlich nicht weiterschreiben könne, wenn ich da bin. Dass er zu dieser Art des Schreibens totales Alleinsein brauche. Stunden zuvor habe ich ihm versichert, dass ich in der Zeit, in welcher er täglich weiterbloggen wird, an meinen eigenen Projekten arbeiten werde. Meinerseits kein Problem, weil ich geradezu süchtig nach Irgendlinks neuen fiktiven Reisetexten bin. Weil sie mich vergessen lassen, dass sie am Schreibtisch entstehen.

„Soll ich wieder gehen?“, frage ich scherzend, er verneint lachend. Natürlich nicht. Und ja, ich glaube, ich verstehe schon wie er es meint mit dem Alleinsein: Allein in Quarantäne kann man sich als phantasiebegabtes Wesen eine eigene Welt erschaffen und alles, was ist, in dieser selbstgeschaffenen, möglicherweise sogar fiktiven Welt verorten. Metaphorisch gesprochen ist diese eigene Welt eine Pflanze. Auch die fiktive Schreiberei gleicht einer Pflanze. Wir haben es hier mit sehr empfindlichen Pflanzen zu tun. Anders als bei einem realen Reisebericht, der sich aus den tatsächlich erlebten Erfahrungen speist, die verkürzt gesagt „nur aufgeschrieben werden müssen“, ernährt sich eine fiktive Erzählung von Phantasien, Vorstellungen, Gedanken. Und um solche zu entwickeln braucht es Ruhe, Raum, Zeit.

Noch weiß ich also nicht, ob die (fiktive) Vélodysee weitergeschrieben wird oder nicht***. Und das macht mich traurig.

Doch es ist, wie es ist, sagt die Liebe.**


*Hier schrieb ich gestern über meine „Grenzerfahrung“.

**Frei nach Erich Fried.

***EDIT: 28. 4. 20: Er schreibt doch wieder weiter. Was mich sehr freut.

Vorsätze und Sehnsüchte

Die Vorsätze waren ziemlich gut gewesen. Endlich wieder fiktiv schreiben wollte ich. Mehr jedenfalls. Geschichten. Weil ich mich nach diesem Erlebnis sehnte, hatte ich mir sogar extra ein Spiel ausgedacht. Ich hatte richtig was vor. Ich hätte Spaß haben können. Aber nein. Der Alltag kam dazwischen. Es will nicht so recht fließen, das fiktive Schreiben. Überhaupt ist alles verlangsamt. Und ich mir hinterher. Da ist gerade so ein großes Viel-zu-Viel in mir, so ein Lärm, so ein Überfließen, dazu das wieder schriller gewordene Geläute vom Tinnitus obendrauf. Doch weil es mir ja immer noch schlechter gehen könnte – und weil es mir schon wirklich deutlich schlechter gegangen ist –, sage ich auf Nachfrage: Es geht mir oke. Dabei halte ich es im Grunde schlecht aus, dieses Aushalten, Ausharren, Warten. Auf andere Zeiten. Nein, nicht das Normal von vorher. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis Corona uns nicht mehr so sehr gefährdet wie jetzt. Noch ist erst ein kleiner Teil der Bevölkerung immun, die Kurve ist zwar flacher geworden, zum Glück, aber die Gefahr ist noch lange nicht gebannt. Ein Narr, wer das behauptet. Es ist schwierig. Für alle. Für manche mehr, für andere weniger. Aber auch für die, denen es leichter fällt als anderen, ist dies nicht die Zeit für Leichtsinn. Es tut mir weh, wenn ich Menschen zuhöre oder sehe, wie sie die Pandemie klein reden. Menschen, die so zu tun, als sei alles nur halb so schlimm, als wären die Maßnahmen übertrieben, nur weil sie selbst nicht direkt betroffen sind und weil sie niemanden kennen, der schon Corona hatte und es überlebte oder – wahlweise – daran (fast) gestorben ist. Wie kann man so egoistisch sein? Das macht mich wütend. Aber vielleicht verbirgt sich hinter ihr ja auch nur meine Angst, dass diese aus meiner Sicht leichtsinnigen Menschen an Corona sterben könnten? So oder so. Das hier ist die hohe Zeit der Absurditäten, der Über- und Unterreaktionen. Vernüftig geht anders. Wie gesagt, ich finde die Maßnahmen unserer Regierungen grundsätzlich in Ordnung. Die Pandemie ist mit größtem Respekt zu behandeln, keine Frage. Es hapert allerdings jen- und diesseits von Landesgrenzen immer wieder beim Herunterbrechen der Beschlüsse in den Alltag. Wo ich hinschaue, sehe ich fragende Gesichter. Ja, auch ich habe Fragen: Warum  zum Beispiel dürfen sich binationale Paare ohne Trauschein nicht treffen, während es solche mit Trauschein inzwischen (via BaWü) dürfen? Die beiderseitige Ansteckungsgefahr zwischen Paaren ist doch mit Grenze nicht größer als ohne, und so ein Trauschein macht ja auch nicht covidimmun so viel ich weiß? Kann mir das bitte jemand erklären, lieber Bundesregierungen? Eine internationale Petition läuft übrigens seit einer Weile, und wie gesagt, können sich binational Verheiratete zumindest in der Schweiz wieder treffen. Na also. Geht doch. Aber warum, zum Geier, gilt diese Regel nur für Angetraute? Wie wäre es, wenn Paare an der Grenze zum Beispiel mittels einer Liste mit Referenzpersonen drauf –  die Hausärztin von mir aus oder sonstwie Bekannte – nachweisen, dass sie tatsächlich jenseits der Grenzen einen Liebsten, eine Liebste haben? Und diese:n unter den üblichen Sicherheitsmaßnahmen, die im jeweiligen und im eigenen Land gelten, besuchen dürfen? Heute ist Tag 39 ohne den Liebsten. Ich finde, das reicht. Wir leben seit Wochen in sorgfältiger Selbstquarantäne und werden das auch weiterhin tun. Weil es sinnvoll ist. Aber ohne einander? Dafür fehlt mir das Verständnis.

Im Rückspiegel | Bern-Andorra-Bern im Mai 2010

Es war einmal … vor langer, langer Zeit. Na ja, zehn Jahre? Ist das nun lang oder war das eben erst?

Es war jedenfalls unser allererstes gemeinsames Blogprojekt, das Irgendlink und ich zusammen auf die Welt gebracht hatten. Er radelnderweise, ich bloggenderweise.

Irgendlink auf Fotopirsch im Schilf vor einem Boot im See
Irgendlink auf Fotopirsch

Dazu muss man wissen, dass vor zehn Jahren die Smartphonologie noch in den vielzitierten Kinderschuhen steckte. Ob es androide Smartphones schon gab, weiß ich nicht mehr so genau, nur dass sich Irgendlink ein nigelnagelneues iPhone 3S zusammengespart hatte. Und zwar nicht einfach für einfach so. In seinem visionsbegabten Gehirn hatte sich, nachdem er wenige Wochen zuvor das ebenso nigelnagelneue iPhone 3S seines guten Freundes Journalist F. angefasst hatte, eine Idee zu manifestieren begonnen:

Sollte es, angetan mit einem solch gps-fähigen, vielseitig begabten Gerät nicht eigentlich möglich sein, hinaus in die Welt zu radeln, Bilder mit bildstandortgetreuen Koordinaten zu machen, diese und vielleicht so gar den einen oder anderen Text via Blog in die Welt hinauszuschicken und dabei sein Radelreiseabenteuer zeitnah abzubilden?

Ich sag nur: iPhones und ihr Kontaktgift! Hast du je eins berührt, sehnst du dich danach, das immer wieder tun zu dürfen. So jedenfalls ging seine Mär, die er sich und uns anderen erzählte, um seinen Kauf zu rechtfertigen. Als das Gerät schließlich seins war, fing die Suche nach einer fähigen App an, einer, die die Bloggerei von unterwegs ermöglichte. Leider war im Frühling 2010 noch keine auf dem Markt, die Irgendlinks Ansprüchen halbwegs genügte, die WordPress-App gab es zwar schon, doch sie lief recht unzuverlässig und jedes Update war riskant und oft eher eine Verschlimmbesserung. Es ließ sich damals schon per Mail bloggen, was als Zwischenlösung sogar nicht mal so schlecht funktionierte. Weil beides nicht immer sehr zuverlässig war, baldowerten wir schließlich die Sache mit der Homebase – vormals (Blog-)Basis Alpha 1 – aus: Der radelnde Irgendlink würde mir im Laufe des Tages, wann immer er einen Hotspot, ein freies Netz oder auch nur ein gutgenuges Netz fände, einige Bilder des Tages schicken, und ich würde daheim, an meinem Rechner, täglich aus SMS und kleinen Mails  kleine Artikel spinnen. So würde die Welt das draußen schließlich seinem Abenteuer Zweibrücken-Andorra zeitnah folgen können.

  • Hier gehts los (Tag 0).
  • Ab hier (Tag 1) einfach immer zum nächsten Artikel der Andorrareise von 2010 weiterklicken. (Achtung: Parallel dazu läuft am Anfang noch der Rückblick auf den Reisebericht vom Jahr 2000*)

Dass es vor zehn Jahren noch kein freies europaweites Handynetz gab, muss natürlich hier unbedingt erwähnt werden. Jede SMS und jede Mail verursachte Kosten. Roaming war damals übrigens noch richtig teuer. Online-Anrufen übers Handy zwar möglich, aber übers Handynetz unerschwinglich, und oft genug wegen Lahmnetz unrealistisch. Kurz gesagt, waren meine damaligen Festnetztelefonrechnungen exorbitant hoch, zumal es in unseren Gesprächen nicht nur um die persönlichen Befindlichkeiten ging; ich musste ja den Reisenden schließlich auch zum Tag interviewen, um den Leserinnen und Lesern etwas zu erzählen zu haben.

Wie schon bei der initialen Reise Zweibrücken-Andorra im Jahre 20 vor Corona wollte Herr Irgendlink auch vor zehn Jahren eigentlich am liebsten gleich weiter nach Gibraltar radeln, kurz vor Andorra befand er jedoch, dass es mit Andorra gut sei und er sich gerne dort irgendwo abholen lassen würde. Unser schon von Anfang an mitgedachter ’Plan B’ kam nun also zum Tragen.

Kurzfristig reichte ich zehn Tage Ferien ein, – Auffahrt und Pfingsten lagen perfekt –, und fuhr innerhalb zwei Tagen über Nicht-Mautstrassen nach Borredà, wo Irgendlink mich an einer zuvor definierten Kreuzung erwartete. (Ich glaube, da kam mir mein GPS-Gerät, das ich mir einige Monate zuvor zwecks Geocaching angeschafft hatte, zugute, denn ich selbst hatte damals ja noch kein iPhone. Das Kontaktgift hatte allerdings seine Wirkung bereits entfaltet.)

Was für ein wunderbares Wiedersehen! Sein mit all den vielen wilden Zeltübernachtungen eingesparte Reisegeld hat Irgendlink in zwei Hotelnächte mit mir investiert.

Sein Reiserad passt geradeso in mein rotes Sternchen und von da an fahren wir gemeinsam auf vier Rädern weiter.

Das hinten offene Auto, Sternchen genannt, neben dem Zelt auf einer Zeltplatzwiese unter Bäumen
Auto und Zelt auf einer Zeltplatzwiese

Meine Reise und unsere gemeinsamen Tage habe ich damals – nachträglich von zuhause aus – in meinem Ur-Blog festgehalten:

Ich verlinke das hier mit Irgendlinks heutigem Blogartikel seines aktuellem Reiseprojekts, seiner dritten Reise von Zweibrücken nach Andorra, diesmal coronabedingt fiktiv, vom Schreibtischsessel aus. Neu radelt er diesmal sogar weiter von Andorra aus Richtung Atlantik.


*Für Reiseinteressierte: Ebenfalls im Irgendlink-Blog findet sich die von Irgendlink selbst fürs Blog aus analogen Vorlagen aufbereitete Zweibrücken-Andorra-Reise aus dem Jahre 20 vor Corona (= 2000): Teil 1 ist hier, von da aus weitergucken.)

Am Stöpsel ziehen

Logo aus Sprechblase und vier bunten Streifen
Erzähl-mir-eine-Geschichte-Logo von Lakritze (Klick aufs Bild öffnet den Link)

Sie taucht unter. Auch den Kopf. Die Geräusche verstummen. Nur den Herzschlag hört sie noch. Ihre Haare schwimmen an die Oberfläche, die Füße liegen auf dem Wasserhahn, denn nicht alles von ihr passt gleichzeitig in die Wanne. Ist Sehnsucht eigentlich eine Art Badezusatz, einer dieser unzähligen Kannst-du-haben-brauchst-du-aber-nicht-wirklich?, fragt sie sich, während sie die Luft anhält. Na ja, das hängt wohl davon ab, ob das Ziel einer Sehnsucht ein Geht-auch-Ohne ist oder ein Brauche-ich-Unbedingt. Und das lässt sich nun wirklich nicht verallgemeinern. Wirklich nicht. Sehnen und Fühlen und Wünschen lässt sich nicht über irgendwelche allgemein gültige Maßstäben definieren.

Sie taucht wieder auf. Holt tief Luft. Genießt die Sinnlosigkeit des Augenblicks. Ha. Als müsste alles immer einen Sinn haben. Also wirklich! Sie seufzt. Denn natürlich kennt sie selbst diesen Wunsch sehr gut, diese Sehnsucht, allem Schwierigen einen übergeordnete Sinn geben zu können, um die erlebte Mühsal durch Sinnhaftigkeit zu veredeln. Nachträglich Sinnloses als Sinnvolles betrachten zu können, alles Erlebte zu allem Gewesenen und noch Kommenden in Zusammenhang sehen zu können, um … Ja, wozu eigentlich? Vielleicht ist es ja unsere Fähigkeit zur Sehnsucht, die uns von Katzen unterscheidet, von Ratten, Hunden und Rehen. Sie lächelt vor sich hin und zieht am Stöpsel.

Gurgelnd fließt das Wasser ab. Sie duscht sich kurz ab, kalt, warm, wieder kalt. Wechseldusche halt. Tastet nach der Stange. Oh, nein, da fehlt ein Handtuch!, erkannte sie, als sie nach ihrem Wechselbad der Gefühle aus der Wanne stieg. Oh verflixt, ich habe kein Handtuch, lacht sie, denkt an die Vogonen und ist froh darüber, nicht in einem Raumschiff durchs All zu rasen, während sie im Schrank nach einem sauberen Tuch sucht. Wobei. Ist das hier nicht auch ein bisschen Raumschiff und All, diese Erde, diese Welt, diese Natur?

In ein kuscheliges Tuch gewickelt stellt sich ans Fenster und schaut hinaus. Rechts der Weg in den Wald. Vor ihr der See, glitzernd. Das kleine Ruderboot ist fest vertäut und schaukelt. Wie schön es da draußen gerade ist! Die Sonne wird bald untergehen, das Licht ist typisch für Herbst, die Schatten und das Licht lassen sie glauben, das alles sei für immer. Ewige Vergänglichkeit.

Alles ist Natur, denkt sie. Das alles. Leben. Die Katze auf dem Holzstapel, die sich im Sonnenlicht räkelt. Alles Natur. Werden und Vergehen. Alles Natur. Gesundsein und Kranksein. Sterben und Gesundwerden. Herbst und Frühling. Alles Natur. Ganz und gar unzynisch denkt sie es. Sie denkt es einfach. So, wie sie über Sehnsucht und Sinn nachgedacht hat.

Sie betrachtet die junge Linde, die sie vor einem Jahr auf der Wiese gepflanzt hat. Am Anfang hatte sie gleich daneben einen Stock als Stütze in den Boden gesteckt, doch bald gemerkt, dass ihre junge Linde keine Stütze brauchte. Bäume brauchen uns Menschen nicht, ich glaube, denkt sie, ich glaube, die sind sich einfach von Natur zugewandt, ohne sich gegenseitig zu brauchen. Jeder wächst für sich, selbst wenn sich ihre Wurzeln und vielleicht sogar ihre Stämme berühren.


Erwürfelter Halbsatz (mit zwei Würfeln): Fünf Augen = fünfte Kommentar-Antwort
Erwürfeltes Genre: Sechs Augen = Kurzgeschichte, Märchen oder Drama selbst gewählt: Kurzgeschichte

Das ist mein erster Beitrag zum Schreibspiel Gemeinsam Schreiben #1 (Infos)
Zugleich ist es mein erster Beitrag für Frau Lakritzes Projekt ’ Erzähl mir eine Geschichte’ (Klick aufs Bild öffnet den Link)

Gemeinsam schreiben | Die Schreibaktion #1

Bitte phantasiert im Kommentar eine zweite Satzhälfte zum Halbsatz unten.

Wenn schon bald ein paar tolle zweite Halbsätze in den Kommentaren stehen, greifen wir zu unsern Würfeln und legen los!

Die (Nicht-)Regeln dazu gibt es hier.

Mehr Infos zur Idee gibt es hier.

Bitte verlinke deine Geschichte oder dein Gedicht mit dem Artikel hier, so dass es unter den Kommentaren ein Pingback in den Kommentaren gibt und wir deine Geschichte oder dein Gedicht mitbekomme.

Der heutige Halbsatz* lautet:

Da fehlt ein Handtuch, erkannte er …

*entstanden, in dem ich ein Buch aufklappte, ein paar Wörter auswählte und daraus einen Halbsatz mixte.

Gemeinsam schreiben | Das Experiment

Meine Idee ist, wie gesagt, ein kleiner Mix aus anderen Schreibkollaborationen. Meine persönliche Motivation ist es, meine verlorene Schreiblust wiederzufinden und wieder kleine oder größere Geschichten zu schreiben.

Und du? Wie sieht es bei dir aus? Machst du mit?

Mehr Infos zur Idee gibt es hier.

Die Idee:

1.) Im folgenden Blogartikel steht ein initialer Halbsatz. Ich öffne die Kommentarfunktion darunter, damit ihr den Halbsatz nach Lust und Laune ergänzen könnt.

2.) Sobald einige spannende Halbsätze eingetroffen sein werde, entscheide ich mich per Lust oder Los für einen und schreibe dazu im ausgelosten oder erwürfelten Genre* (siehe unten) – oder in jenem, auf das ich gerade Lust habe – die Geschichte oder das Gedicht weiter. Was immer mir dazu einfällt. Der zweiteilige Satz kann – muss aber nicht – am Anfang stehen, er darf überall stehen, mittendrin oder am Schluss, auseinanderdividiert oder wie immer es passt. (Diese Nicht-Regeln hier sind nur als Inspiration gedacht.)

3.) Damit ich nicht die Einzige bin, die Schreibspaß haben wird, bist du herzlich eingeladen, mitmachen. (Wer kein eigenes Blog hat, mailt mir ihre_seine Geschichte und ich publiziere sie dann bei mir.)

Ich lade euch hier auch herzlich dazu ein, eure Geschichten mit Lakritzes Geschichten-Artikel zu verlinken und  sie mit dem eigens von ihr kreierten, wunderschönen Logo illustrieren.

 

 

 

*Einige Genres und Subgenres zur Auswahl, zum Auslosen, zum Erwürfeln wie du magst:

  1. Aufsatz/Essay
  2. (Corona-)Tagebuch
  3. Roman
  4. Kriminalroman
  5. Novelle
  6. Kurzgeschichte
  7. Mythos/Legende
  8. Fabel
  9. Science Fiction
  10. Erzählung
  11. Schelmenroman
  12. Märchen
  13. Witz
  14. Haiku, Elfchen oder ähnliches
  15. Lied/Ballade
  16. Lyrik
  17. Epos
  18. Drama
  19. Komödie

Würfle ich eine 1, wähle ich aus zwischen 1, 7, 13 oder 19.
Würfle ich eine 2, wähle ich aus zwischen 2, 8 oder 14.
Würfle ich eine 3, wähle ich aus zwischen 3, 9 oder 15.
Würfle ich eine 4, wähle ich aus zwischen 4, 10 oder 16.
Würfle ich eine 5, wähle ich aus zwischen 5, 11 oder 17.
Würfle ich eine 6, wähle ich aus zwischen 6, 12 oder 18.

Zum Beispiel. Oder anders.
Du hast die Wahl.

Zum ersten Halbsatz geht es hier lang.

Gemeinsam schreiben | Die Idee

Es ist höchste Zeit für neue Geschichten, denke ich zurzeit ziemlich oft. Gestern, als ich in Teil 9 von Juttas Schreibkurs über das Pingpong-Texten las, bekam ich Lust auf Neuland – wenigstens vom Schreibtisch aus. Ich dachte mir etwa aus, etwas für uns alle. Etwas Gemeinsames. Denn kollaboratives Schreiben mochte ich immer schon, es ist inspirierend und tut der Seele gut.

Gemeinsame Schreibprojekte gibt es viele. Ich kenne einige. So etwas Ähnliches wie das Halbsätze-Pingpong, das Jutta im erwähnten Text beschreibt, praktizieren zum Beispiel meine Blognachbar:innen Susanne Haun und Jürgen Küster sowie  Ulli Gau und Gerda Kazakou. Ach, und dann gibt es da ja auch noch die abc.Étüden, wie diese feinen Text-Miniaturen aus vorher definierten Wortspenden genannt werden.

Frau Lakritze hat neulich ebenfalls zum Geschichtenschreiben aufgerufen. Unter ’Erzähl mir eine Geschichte!’ hat sie einen ersten feinen Schritt getan. Und dazu auch gleich ein schönes Logo kreiert. Ebenfalls bei Lakritze gibts übrigens auch immer wieder tolle Freitagstexter-Bilder. Dabei handelt es sich um Bilder, die ohne Titel eingestellt werden, um – darum geht es in diesem Spiel – möglichst sinnig betitelt zu werden. Die für am originellsten befundene Titelspende wird wöchentlich mit einem Wanderpokal honoriert, der wie ein Stafettenlauf-Stab weitergereicht wird. Auf dass das Spiel von Neuem beginne.

So viele wunderbare Projekte und Ideen! Alle dazu da, uns zu inspirieren, uns zu animieren, über den Tellerrand zu schauen und neue Schreibabenteuer zu wagen.

Mein eigenes neues Schreibexperiment, das von all den genannten Ideen eine Prise oder zwei Löffel voll enthält, möge uns allen viel Spaß machen.

Ich hoffe, dass es uns hilft, die momentan schwierige Situation um uns herum besser auszuhalten. Und vielleicht sogar dazu dienen, die Situation für uns – zumindest ’inn-wändig’ –zu wandeln. 

Sei dabei!

Fortsetzung folgt.


Die (Nicht-)Regeln dazu gibt es hier.

Zum ersten Halbsatz geht es hier lang.

Was gut tut

Die Buddenbohms fragten jüngst in ihrem Blog nach unseren Rettungsschirmchen, die uns durch diese Tage helfen. Tage, die für viele schwierig, für manche sehr schwierig und für fast niemanden, den ich kenne, leicht sind.

Mein Rettungsschirmchen ist neben Chats mit lieben Menschen alles, was den Sinnen gut tut. Die Stille der Natur. Spaziergänge, am liebsten durch den nahen Wald. Bärlauch ernten. Daheim helfen mir Malen. Nähen. Lesen. Und Kochen, ja, definitiv auch Kochen. Leider zurzeit ohne den Liebsten, die Grenzen sind noch immer geschlossen.

Gestern habe ich den Rest meiner Bärlauchernte vom Wochenende verarbeitet. Eine grüne Lasagne kam dabei heraus.

Meine Lasagnen werden immer wieder anders, denn ich koche sie nie nach Rezept, probiere immer wieder aus, was als Füllung auch noch funktionieren könnte, variiere bei den Zutaten und nehme das, was gerade im Haus ist. Gestern hatte ich Lust auf Zucchini, eins meiner Immer-da-Gemüse schlechthin.

Im folgenden Rezept stehen keine Mengenangaben. Aber vielleicht ist das ja umso inspirerender für jene, die auch mal etwas Neues ausprobieren wollen?

Mein Rezept ist vegetarisch, nicht vegan. Meine Béchamel habe ich zwar mit Reismilch, aber mit Käse gemacht. Eine vegane Version herauszufinden, stelle ich mir spannend vor.

Bildbeschreibung für Sehbeeinträchtigte: Auf den folgenden Bildern ist immer das zu sehen, was im Rezept steht, inklusive des jeweiligen Textes im Bild.

Hier nun mein Rezept ohne Mengenangaben

1.) Gratinform einfetten
2.) Mit wenig Salzwasser blanchierten Bärlauch in die Form geben

3.) Lasagneblätter auf den Bärlauch geben
(ja, das könnte Irgendlink schöner, nein, das schmeckt man nicht)

4.) Längs gehobelte und vorher kurz in Salzwasser gedämpfte Zucchini einschichten
(ja, das darfst du gerne schöner machen, natürlich!)

5.) Die Hälfte der vorbereiteten Béchamelsauce auf die Zucchini verteilen
(ja, es hat Klümpchen, nein, die schmeckt man nachher nicht)

6.) Lasagneblätter auf die Zucchini-Béchamel-Schicht geben

7.) Mit wenig Salzwasser blanchierten Bärlauch auf die Lasagneblätter geben und mit Lasagneblättern zudecken (ohne Bild)

+ Hier sich ein Bild denken +

8.) Längs gehobelte und vorher kurz in Salzwasser gedämpfte Zucchini einschichten
(ja, schöner ist natürlich schöner, schmeckt aber auch so sehr lecker)

9.) Letzte Schicht Lasagneblätter auf die Zucchini legen
(ja, da hab ich mir ein bisschen mehr Mühe gegeben, aber es waren ja auch nur noch zwei Lasagneblätter)

10.) Zweite Hälfte der Béchamelsauce darauf verteilen und mit Sbrinz oder Parmesan bestreuen
(na, Lust bekommen?)

11.) Im vorgeheizten Ofen gemäß Verpackungsangaben backen (bei mir 20 Minuten bei 220°)

Guten Appetit!


Gewidmet dem Liebsten, auf das wir schon bald wieder durch Wälder streifen können … und zusammen kochen!


EDIT:
Vegan wäre das hier dann zum Beispiel so realisierbar:

(Twitter ist manchmal schon wunderbar!)