Neue Fallmaschen 112 | 2021

entdeckt | Auf Ein-Blog-von-vielen las ich heute einen sehr wichtigen Text über das Triggerpotential pandemiebedingter Isolation und die Parallelen derselben zu früheren Isolationserfahrungen wie zum Beispiel bei Klinikaufenthalten. Die Autor:innen haben ebenfalls den von mir vor zwei Tagen empfohlenen Text über die Corona-Erschöpfung gelesen und denken das Thema weiter.

»Darin [im verlinkten Artikel in der NY-Times] wurde eine für mich neue Vokabel verwendet. ’Languishing’. Google-Translate übersetzte den Begriff mit ’schmachten’ und in mir verband sich die Erinnerung an eine frühere Mitpatientin von uns, die ständig von ihrem Schmacht nach einer Zigarette, Alkohol, einem Joint erzählte. […]

Wo ich – inmitten von vielen anderen Mitpatient_innen und Stationen drumherum – emotional wie sozial geschmachtet habe.
Es ist schwierig für mich ganz konkret zu beschreiben, was da gefehlt hat. Heute würde ich es als ’soziales Hintergrundrauschen’ beschreiben. Als ’das weiße Rauschen der Freiheit’, als „unterbewussten Takt der Normalität“. Und zwar, weil es bei dieser lange anhaltenden Deprivation nicht um den Entzug von Licht, Luft oder sozialer Interaktion ging, sondern um den Stoff aus dem Familie, Zuhause, Intimität, Vertrautheit und der Sicherheitsgefühle, die sich daraus entwickeln, gemacht ist.
Die Parallelen zur heutigen Situation sind frappierend, wenngleich die Unterschiede (glücklicherweise) ebenfalls. […]

Menschen, die während der Pandemie praktisch die ganze Zeit zu Hause sind, bemerken jetzt, wie sehr der Weg zur Arbeit, das Milchschaumherz auf dem Kaffee mit dem kleinen Keks neben der Tasse auf der Veranda eines Restaurants, das Geknittel mit den Kolleg_innen, die Gelegenheiten, zu denen man die unbequeme Hose anzieht, weil man glaubt damit würde man ernster genommen, auch sie ist. Dass das nicht nur Dinge sind, die sie erleben und gestalten, sondern auch sie selber sind. Und das ist nun weg.
Das ist, was allen entzogen wird, die länger in einer Psychiatrie oder einem Pflegeheim sind – das ist aber auch, was zum Beispiel schwerbehinderten Menschen erschwert zugänglich wird, wenn die Mobilität verweigert oder Assistenzen verwehrt werden.
Was mich an dem Artikel und dem Thread berührt ist, dass es mir das Ausmaß des Schadens der Psychiatriezeit kontextualisiert.«

Bitte weiterlesen >>> einblogvonvielen.org

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gelesen | Long Covid ist ein Thema, über das immer häufiger gesprochen wird, denn es gibt immer mehr Betroffene, denen ihre Covid-Erkrankung auch Wochen und Monate nach der vermeintlichen Genesung schwer zu schaffen macht. Offenbar betrifft es dabei vor allem Menschen in der Lebensmitte und Jüngere.

Frau hat für RiffReporter einen sehr lesenswerten Text darüber verfasst.

Was aber ist Long Covid überhaupt?

»US-amerikanische ÄrztInnen fassen unter dem Begriff ’Post-akutes Covid-19 Syndrom’ all die Beschwerden und Langzeitkomplikationen zusammen, die die Betroffenen auch vier Wochen nach Krankheitsbeginn noch plagen. Es gibt zudem Vorschläge die Krankheit in eine akute Phase, eine post akute Phase (ab drei Wochen) und chronische Phase (12 Wochen nach Beginn) einzuteilen. ’Long Covid’ wäre dann die chronische Phase.

Das Robert-Koch-Institut zitiert eine Übersichtsarbeit, die vorschlägt ’Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung nicht als einheitliches Phänomen zu betrachten, sondern verschiedene Krankheitsbilder zu beschreiben, die sowohl zeitversetzt als auch parallel in verschiedenen Ausprägungen auftreten können’. Für eine Aufteilung in mehrere Syndrome plädiert auch das britische National Institute for Health Research. PatientInnen, die schwer erkrankt waren und auf der Intensivstation behandelt werden mussten, leiden danach unter dem ’Post-Intensiv-Syndrom’. Außerdem unterscheiden die ForscherInnen ein „Post virales Erschöpfungssyndrom“, ein ’Langzeit Covid-Syndrom’ und ’bleibende Organschäden’. […]

Hilft eine Corona-Impfung auch bei Long Covid?

Je besser wir verstehen, welche Mechanismen bei Long Covid eine Rolle spielen, desto geeignetere Therapien wird es geben. Auf der Veranstaltung der Royal Society kamen erste Erfolge zur Sprache, die zum Beispiel eine Impfung gegen das Coronavirus für Long Covid PatientInnen haben kann. Berichte von einzelnen Betroffenen sowie eine kleine bisher noch nicht begutachtete Studie lassen vermuten, dass die Impfung – zumindest bei einem Teil der PatientInnen – die Symptome abmildern kann.«

Bitte weiterlesen >>> www.riffreporter.de

Neue Fallmaschen 111 | 2021

herausgefunden | Ich habe mal wieder einen kleinen WordPress-Lifehack für euch, und zwar für jene selbstgehosteten Blogs, die sich nicht auf Anhieb im WordPress-Reader abonnieren lassen. Nachdem ich einige neue Blogs x-mal vergeblich auf dem Handy zu abonnieren versucht habe, probierte ich es heute mit wenig Hoffnung endlich auch mal am Rechner. Und siehe da, mit folgenden Trick, den ich bei Emil abgeguckt habe, hat es endlich geklappt:

Setze ein WWW zwischen https:// und Blognamen, zum Beispiel so: https://www.blogname.servername.de. Füge diese URL in die Adresszeile des WordPressreaders (Verwalten-Modus). Kurz darauf wird dir der Blogname unter dem Adressfenster anzeigt. Klicke nun auf das Plus, um zu folgen.
Viel Glück!

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gelesen #1 | Zwei wohltuende, nachdenklich machende, inspirierende Texte möchte ich heute hier teilen. Im ersten geht es um ein ganz persönliches Auenland, gefunden bei Frau Lakritze.

»Jedes Mal, wenn beim Wandern – vor allem an heißen Tagen – das Weidenband eines Bachufers zwischen Wiesen sichtbar wird, beginnt in meiner Brust ein Fisch zu zappeln. Oh, das ist kühl! Das klingt so schön und riecht so gut! Eine andere Welt in anderem Licht – da will ich rein! Wenigstens mit den Füßen; … […]

Als Kind wäre ich hingestürmt, hätte mich beinebaumelnd draufgesetzt wie die Naturgewalt, die ich war, und hätte dieses Ufer neu gestaltet; heute aber kann ich das nicht mehr. Heute weiß ich, wie jeder Schritt, den ich tue, Gleichgewichte stören und wie leicht ich Schaden anrichten kann.

So habe ich mich selbst aus meinem Paradies vertrieben. Ich schaue nur von fern: da im Schatten, dicht unter der Wasserkühle liegen bei den Steinen die schönsten Erinnerungen, und ich komme nicht mehr dran.«

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gelesen #2 | Den zweiten Text hat Solminore geschrieben. Bei ihm geht es um artgerechtes Leben für uns Menschen. Und wie das aussehen könnte:

»Zu einer Arbeiterwohnung gehörte unbedingt auch ein Gärtlein hinter dem Haus. Nun ist heute für die Versorgung mit Eiern, Obst und Gemüse niemand mehr darauf angewiesen, Hühner zu halten oder einen Garten zu bestellen. Die Evolution hat uns aber so geschaffen, daß wir dasjenige wertschätzen, daß uns dasjenige glücklich macht, was notwendig ist. […]

Wir lieben offene Landschaften und erhöhte Standpunkte, weil uns der Überblick ein Gefühl von Sicherheit vor Freßfeinden vermittelt. […] Ein Smartphone dagegen, ein Rechner, ein Bügeleisen oder die doppelte Buchführung sind reines Menschenwerk, darauf hat die Natur nie abgezielt, als sie unsere Instinkte und mit den Instinkten unsere Vorlieben formte und uns das suchen ließ, was uns glücklich macht.

Was macht uns glücklich? Ein Lagerfeuer, Geschichten. Sich in Gruppen einbringen, die etwa 60 bis 100 Individuen umfassen. Zu Fuß gehen. Musik machen, malen, tanzen. Mit den Händen arbeiten. Früchte sammeln, jagen. Anerkennung in der Gruppe finden. In einem Umfeld leben, das wir unmittelbar kontrollieren können, in dem wir Selbstwirksamkeit erfahren.«

Neue Fallmaschen 110 | 2021

aufgeschnappt | Über die unterschiedlichen Auswirkungen der Pandemie auf unser aller Leben lesen wir dieser Tage viel. Heute fand ich den sehr treffenden Begriff Coronaerschöpfung.

»Es handelt sich nicht um eine psychische Erkrankung, sondern um ’die Abwesenheit von Wohlbefinden’, wie die @nytimes schreibt. [There’s a Name for the Blah You’re Feeling: It’s Called Languishing] Typisch dafür, zum Beispiel: Probleme, sich zu konzentrieren. Langeweile bei Dingen, die einen sonst interessieren. Schwache Begeisterungsfähigkeit. […] Ein Teil des Problems ist, dass viele vielleicht nicht merken, dass ihre Freude oder ihr Antrieb schwächer wird. Sie bemerken nicht, wie sie langsam in die Einsamkeit abgleiten: ’Sie sind gleichgültig gegenüber ihrer Gleichgültigkeit. Also suchen sie sich auch keine Hilfe.’«, schreibt Therese Bäuerlein auf Twitter zusammenfassend.

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gedacht | Wir Menschen lieben es, Geschichten erzählt zu bekommen. Als Kinder vor dem Einschlafen. Später konsumieren wir Bücher und Filme. Und wenn die schlimmen Szenen kommen, halten wir uns die Augen zu und murmeln: Es ist nur ein Film, es ist nur ein Film! Von Anfang an gewöhnen wir uns daran, dass Geschichten nicht wirklich wirklich sind.

Kann es sein, dass das ein Mitgrund dafür ist, dass wir uns in Sachen Klimakatastrophe und Pandemie so passiv verhalten, weggucken, Augen und Ohren verschließen?

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gefreut | Zugegeben, ich lese zurzeit je länger je lieber Texte, die nicht oder nur am Rand mit der Lage der Welt zu tun habe. Siehe oben. Besonders mag ich Ausflüge in die Natur. Und ganz besonders sehr mag ich, wie Herr Buddenbohm in seinem Hamburger Schreber- aka Strebergarten über Pflanzen und Tiere schreibt. Zum Beispiel in seinen Anmerkungen zur Heckenbraunelle.

»Wenn man so sitzt und guckt, wie ich das gerade mache, dann sieht man das irgendwann, wie sie das machen und wie sich das aufteilt. Es fühlt sich sehr gut an, das verstanden zu haben. Warum auch immer, es könnte mir ja auch egal sein«, schreibt Herr Buddenbohm.

Und ich denke mir dazu, dass das vielleicht dasjenige ist, was Kinder zum Lernen antreibt: dieses Wissen-wollen-wie-alles-zusammenhängt-Ding. Also: Da mal drüber nachdenken, wie Herr B. zu sagen pflegt.

Neue Fallmaschen 106 | 2021

gelesen | Nora Tschirner spricht über ihr Leben als depressive Frau, als Mutter, als Schauspielerin. Ein Text, den ich sehr herzlich zum Lesen empfehle. (Nur Text)

»Ich glaube, dass die Scham mehr Leute tötet als die Depression. […] Der Perfektionismus ist ein klassischer Leistungsgesellschafts-Auswuchs. Immer wollen wir alles super und ganz alleine hinkriegen. Dabei sind wir als Angehörige einer sozialen Spezies überhaupt nicht dafür gemacht, Sachen alleine hinzukriegen. Null, gar nicht! Aber das ist es, was wir von Tag eins an eingetrichtert bekommen. Das Baby muss lernen, alleine in einem dunklen Raum zu schlafen? Nein, muss es nicht.«

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gegessen | Meine gluten- und histaminfreien Omeletts-Crêpes-Pfannkuchen werden immer leckerer. Ich verrate euch das Rezept.

Hier ist es: Omeletts-Crêpes-Pfannkuchen

Omelett in Pfanne im Hintergrund, im Vordergrund ein Stück gerollte Omelette auf Gabel
Omeletts in the making

Pro 1 Ei | pro 4 Eier

30 | 120 g Maismehl (Maisstärke)
15 | 60 g Kartoffelmehl
9 | 36 g Kastanienmehl
9 | 36 g Kokosmehl
1-2 Prisen Salz

1. 1 Ei | 4 Eier und 1 dl | 375 ml (Hafer-)Milch dazugeben. Alles gut verrühren.
2. Die Mischung 20 Minuten quellen lassen.
3. Nach den 20 Minuten den Teig nochmals kräftig umrühren.
4. Den Teig mit einer Schöpfkelle portionsweise in eine heiße Pfanne mit Öl geben und dünne Pfannkuchen backen.

Eifreie Alternative mit Chia-Gel:
Dazu 1 EL Chiasamen mit 1 dl Wasser verrühren und 30 Minuten quellen lassen (ich püriere das Gel vor dem Einsatz, damit es sämiger wird).
Die Milchmenge entsprechend anpassen, so dass ein sämiger Teig entsteht.

Zwei gerollte Omeletts auf Teller
Zwei gerollte Omeletts auf Teller

Neue Fallmaschen 99 | 2021

gesehen | … und mich zurückgesehnt nach einer anderen Zeit.

Titelbild eines lustigen Videos auf Vimeo

Zeitsprung from Anna Amalie Blomeyer on Vimeo.

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getwittert | Heute Morgen stellte ich eine Umfrage auf Twitter: »Wer von euch glaubt noch ersthaft an die Möglichkeit eines ’gutes Lebens’ für die Menschheit (also nicht nur für Privilegierte) auf dieser Erde in zehn Jahren?«

Mehr als die Hälfte hat bis jetzt NEIN angekreuzt.

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entdeckt | Nun gibt es also auch bei uns im Dorf eine Teststation. Ob ich mich heute in fünf Tagen testen lassen soll? Beim heutigen Einkauf habe ich mich mal wieder so richtig unwohl gefühlt. Ob es andern wohl auch so geht, dass sie sich ständig kontaminiert oder infiziert fühlen, wenn sie unter Menschen waren?

Neue Fallmaschen 91 | 2021

erlebt | Des Liebsten Mama hat sich gestern Mittag bei Gartenarbeiten schwer die linke Hand verletzt. Ein Fall für den Notfall. Mit Nähen und allem. Mit dickem Verband kommt sie mit dem Liebsten zurück nach Hause die Arme. Wir stehen erzählend vor dem Haus. In den Blumenrabatten davor entdecke ich paar Blümchen noch ungepflanzt in ihren Töpfchen herumstehen. Ich bücke mich, frage, ob ich sie setzen darf. Sie freut sich, sagt ja und schon wühle ich mit den Händen in der Erde. Wie sehr ich das liebe!

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getan | Später, es ist früher Abend, entzünden wir ein Feuer. Der Liebste mag es sehr, seine Feuer mit einem einzigen Streichholz und ohne Papier zu entfachen. Dazu braucht es am Anfang ein bisschen Feinarbeit. Und Übung. Feines dürres Laub und Gras eignen sich durchaus als Zunder. Es ist spannender als jeder Krimi: Fangen die dünnen Zweiglein Feuer? Springt der Funke? Jaaa, und wie! Nach und nach legen wir dickeres Holz nach. Und irgendwann dürfen die Kartoffeln in die Glut. Und irgendwann holen wir sie wieder heraus. Wie gut sie schmecken!

Das Feuer in der Feuerschale, mein Schatten und ich
Das Feuer in der Feuerschale und mein Schatten und ich
Sonnenuntergang, Bäume, Scheune und das Feuer im Vordergrund
Die Sonne geht unter und das Feuer auf

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entdeckt  | Neulich ging in den Sozialen Medien – besonders auf Twitter und in der Blogosphäre – ein Aufschrei durch die Reihen: WordPress hat den klassischen Editor versteckt und angedroht, ihn innerhalb der Apps sogar ganz abzuschaffen. Für Leute, die gern mit dem klassischen Editor arbeiten, gibt es Abhilfe. Hoffentlich dauerhaft. Es braucht ein einziges Häckchen in den Einstellungen, um wieder eher unkompliziert auf dem klassischen Dashboard landen zu können:

Ruf dazu im Browser dein Blog auf und klicke im Menü auf dein Icon oben rechts. Du landest im neuen Dashboard. Öffne nun die Seite Einstellungen und scrolle nach unten. Dort aktivierst du den Button unter Dashboard-Design ’Erweiterte Dashoard-Seiten anzeigen’. Speichern nicht vergessen!

Wenn du dich jetzt zukünftig mit https://DeineSeite.wordpress.com/wp-admin/edit.php anmeldest, erscheint wieder das klassische Dashboard.

Der Schalter ’Erstellen’ lässt dir die Wahl zwischen Block-Editor und Klassischer Editor:

Hoffentlich wird uns diese letzte klassische Möglichkeit des Bloggens nicht auch noch genommen!