Über das Lied wäre zu schreiben. Über mein Lied. Und dass jedes Wegstück, jedes Unterwegssein, ja Leben, im Grunde Suchen ist, ein Suchen nach meiner Melodie und nach dem Text meines Liedes. Wandernd geht es darum, meinen Rhythmus zu finden, meinen Takt. Ablenkungen ausblenden und einfach meinen Weg gehen. Suchen. Finden.
Doch gehe ich zu nahe bei andern Menschen, vor allem neben lauten, verliere ich mein Lied aus dem Sinn, weil es vom Lärm um mich her übertönt wird. Gehe ich jedoch neben Lieblingsmenschen, kann ich mein Lied trotz ihrer Melodien hören und mit summen. Hin und wieder muss ich aber, selbst wenn die liebsten Menschen neben wir gehen, Abstand nehmen, um mein Lied ein bisschen besser hören zu können. Ich will es zuweilen ohne Ablenkung hören. Es soll sich jetzt nicht mit den Liedern der andern vermischen. Alles zu seiner Zeit.
Bin ich allein, verinnerliche ich meine Melodie, damit ich sie, wenn ich mit anderen zusammen bin, nicht allzu schnell wieder verliere. Was leider immer noch hin und wieder geschieht. Wie schön, dass die Lieder meiner Lieblingsmenschen irgendwie ähnlich klingen wie meins. Unsere Lieder haben ähnliche Rhythmen, ähnliche Harmonien, Synkopen, Schräglagen, Dissonanzen. Gehen wir nebeneinander, verschmelzen die einzelnen Lieder zu einem gemeinsamen Lied. Daran lässt sich womöglich Freundschaft erkennen.
Doch letztlich, ja letztlich, ist jeder und ist jede ein Solist oder eine Solistin. Denn letztlich zählt nur das eigene Lied. Egoistisch? Nein, denn wer kann mein Lied singen, wenn nicht ich?
„Allein sein müssen ist das Schwerste, allein sein können das Schönste.“
Zitat von Hans Krailsheimer
(1888 – 1958)
LG von Rosie
willkommen hier rosie
das ist ein weises wort, das du da zitierst!
auf wiederlesen und liebe grüße
sofasophia
Ja, denn Alleinsein kann etwas sein, das wir bewusst ab und zu wählen sollten, um zu uns selbst zu finden und Abstand von anderen zu gewinnen. Genau so, wie du es schreibst: um unser eigenes Lied nicht zu vergessen…denn genau das ist es, was zählt.
Wenn du magst, dann schau mal hier in meinem BLOG:
http://roswithageisler.wordpress.com/2010/06/27/was-zahlt/
LG von Rosie
neulich las ich, dass es kein „das wichtigste“ geben kann, weil alles immer das wichtigste ist, wenn es JETZT dran ist.
ganz ähnlich also wie in deinem (sehr schönen) artikel …
deine melodie klingt irgendwie ähnlich wie meine, dünkt es mich. 🙂
schönes blog hast du, kompliment!
im alten Land, zur alten zeit wurden die kinder von denen adoptiert, die das ähnlichste lied sangen… welch ein schönes gesang… in unserer familie sang ich das fremde lied und leider wurde ich nicht im alten land, zur alten zeit geboren…
wie schön deine geschichte und wie traurig, dass das fremde lied nicht verstanden wird. hm. kommt mir irgendwie bekannt vor, liebe li ssi.