doch novembrig

Nach dem gestrigen Schreibtreffen durch die Straßen von Bern nach Hause radelnd, beschloss ich, endlich mit meinem diesjährigen Novemberschreiben anzufangen. Wo ich doch die Einschreibegebühr eingezahlt habe! Doch ich würde alle Ideale, alle Plots, alle Ziele über Bord werfen. Einfach schreiben. Was grad kommt. Kein Anspruch auf eine Geschichte.

Der Titel? Keine Ahnung. Echt wahr, das ist der Titel. Vorläufig – wie immer.

Ein privates Weiterbloggen also, oder eine Erweiterung des privat geführten Tagebuches. Mittels der Tastatur denken irgendwie. Wörter kotzen. Immer drauflos.

Im Blog werde ich Ausschnitte daraus einfügen. Eine gute praktische und vernünftige Lösung.

Anfänglich habe ich ja mal rumerzählt, dass ich doch einfach meine im  Blog geschriebenen Wörter in die Zählmaschine eingeben könnte. Was so natürlich nicht der Idee des Novemberschreibens entspricht. Und was so auch nicht den erwünschten Effekt hätte, dass ich mehr schreiben würde, als ich eh schon schreibe. Weshalb ich diese Idee verworfen habe. Die neue Idee des Keine Ahnung-Buches ist da doch viel besser. Ideale loslassen.

Und hier nun ein Ausschnitt aus meinem heutigen Geschreibsel.

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Gern haben ist der Anfang allen Schmerzes, aller Freude …

Würde ich nicht gerne haben – Menschen, Dinge – würde sie zu verlieren nicht weh tun. Würde erinnern, würde vermissen, würde erkennen nicht weh tun. Wenn. Wenn ich die Fähigkeit, gern zu haben, nicht hätte, wäre das Leben schmerzfrei. Doch kein Leben mehr.

Ist es die Sehnsucht nach dem Ideal, nach dem ganz persönlichen Ideal, das uns am Leben erhält? Das uns weiterhoffe, das uns weiterträumen, das uns weitergehen lässt? Ist, falls wir eines Tages das Ideal gefunden haben – in uns, außerhalb unserer selbst – alles gut? Oder das Leben sinnlos geworden, da es nichts mehr zu suchen gibt? Wie erstrebenswert, wie gesund ist es überhaupt, unser Ideal zu erforschen, ihm nachzurennen? Wie viel einfacher wäre es, unsere Ideale loszulassen! Entspannender wäre es, uns mit dem Unidealen zufrieden zu geben. Zufriedenheit? Da wollen wir, da will ich doch hin! Ich sage ja eh immer, dass das Leben nicht ideal ist. So what?!

Dies zu akzeptieren kann doch nicht so schwierig sein. Hieße es aber, zu resignieren? Aufzugeben? Oder eben erst recht zu leben? Hieße es womöglich, fortan ziellos zu sein, so ganz ohne Ideale? Sich zu verirren.

Kann ich denn nicht einfach Ideale als Ziele haben und zugleich den unidealen Status des Lebens akzeptieren? Na, das mache ich wohl eh schon die ganze Zeit. Und das ist es wohl auch, das mich eben weiterleben wollen lässt?

Ist Leben gehen? Ist es warten? Ist es suchen? Oder einfach nur sein?

Alles. Nichts.

Ob mir das je genügt? Je genügen wird? Ich will mehr. Sogar das mehr-wollen tut weh. Leben TUT weh. Heute tut Leben weh. Schön weh. Und schmerzlich weh.

Was wäre, wenn

Wäre ich ein Bild, wäre ich bestimmt in surrealistischer Manier gemalt. Oder expressiv. Die Farben unwirklich. Die Übergänge zwischen Vorder- und Hintergrund nur angedeutet. Unschärfen. Unklar die Nuancen. Unfassbar Alles. Nichts. Farben, wo sonst keine sind. Unter den Grautönen die Ahnung von Tiefe. Auch die leeren Stellen dürften sein, denn alle sehen in ihnen etwas anderes. Und in den gemalten Partien sowieso. Mut zur Abstraktion würde aus dem Bild sprechen.

Wäre ich ein Baum, dann bitteschön eine Buche. Oder eine Birke. Auch ein Nussbaum wäre in Ordnung. Oder eine Linde vielleicht, auf einem Hügel? Ich würde meine Blätter abschütteln, im Herbst, mich auf die neuen freuen und die Zeit dazwischen verschlafen. Mich dösend über die Kinder freuen, die an meinen Ästen eine Schaukel aufhängen.

Wäre ich eine Speise, wäre ich süßsauer. Oder scharf. Eine Mischung aus diesem und jenem. Curry. Früchte. Gemüse. Jedes Mal wieder anders.

Als Frucht wäre ich bestimmt als Cherimoya gewachsen. Wer kennt die schon? Doch wer sie einmal gekostet hat …

Welches Tier ich wohl wäre? Schildkröte, Spinne, Schmetterling oder doch lieber Gecko? Katze Miez?

Als Farbe wäre ich heute bestimmt kürbisfarbig. Ich würde der Sonne zublinzeln, die heute den angekündigten Regen ausgetrickst hat.

Und wäre ich ein Auto, wäre ich gern meins. Gemeinsam haben wir schon so vieles geschafft und auch die heutige Prüfung werden wir bestehen! Jawohl! Daumendrücken erlaubt …

Feuer

Die Farben
sind gewählt
Vertrauen
Liebe
Lebensmut
ich weiß
dass Glasuren
im zweiten Feuer
ihre Farben
wechseln
weiß wird
blau
angerührt mit Tränenfluten
mit Wut auch
und mit Trauer
Verzweiflung
Entsetzen
Verlustangst
doch
und
vor allem
mit dem Wunsch
zu leben
weil ich das Leben liebe

© by Sofasophia (dm) 2003

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Liebe als
Feuer ins Eis gibt Dampf
blind auf alles Gewesene

nichts mehr ist
wie vorher schon gar nicht
das Neue noch flirrend diffus

© by Rébecca K

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Freitagmorgens im Bett, könnte dieser kleine Text hier heißen. Denn damit fängt er an: Freitagmorgen. Genießen. Dem Gerütteltwerden der Ascheschublade lauschen, ihrem Ächzen, und horchen, wie sie sich erleichtert. Das Rascheln von Papier. Scheite, die mit sicherer Hand im Ofen aufgeschichtet werden und sich dabei klopfend näher kommen. Kurzes Aufheulen eines Streichholzes, dessen Flamme gleich darauf ins Papier beißt. Schließlich zischt, knistert und singt das Feuer für uns. Der Ofen dröhnt und ich fühle mich göttlich. So klingt Glück.

Ich höre deine leisen Schritte auf der Treppe und schon liegst du wieder in meinen Armen.

© by Sofasophia (dm)

unerträglich

Wie verschieden doch die Welten sind, in denen ich mich aufhalte!, kritzle ich während des Protokollierens der morgendlichen Sitzung auf den Rand des Blocks. Bei der Arbeit stehe ich mitten in einer kalten Welt voll sozialer Ungerechtigkeit. Der Wind pfeift uns immer schärfer um die Ohren. Trotzdem kämpfen wir, meine Kolleginnen, meine Kollegen und ich gemeinsam – oft genug hilf- und machtlos, doch ausdauernd und hartnäckig – gegen Armut und Hunger, gegen Willkür, Ausgrenzung, Vorurteile und Ungerechtigkeit. Wir setzen uns für Menschen und ihre Rechte ein. So gut das eben geht. Wir sind die Guten und das fühlt sich, ich gestehe es, nützlich und gut und vor allem natürlich wunderbar sinnvoll an.

Wir setzen uns auch dafür ein, dass Alltagsmenschen wie ihr da draußen für die Not in der Welt sensibilisiert werdet. Machen Spendenaufrufe und andere Aktionen. In der zweite Hälfte der Sitzung diskutierten wir konkrete Möglichkeiten, wie Integration auch noch umsetzbar ist. Spannende Ansätze finden ans Tageslicht, kommen von der Basis her, und alles dreht sich darum, wie wir sie am effizientesten umsetzen können.

Wie anders ich in meinem privaten Leben ticke! Ich kopple mich von all dem Elend, mit dem ich beruflich zu tun habe, so gut es geht, ab. Verdränge ich? Wohl nicht. Ich komprimiere, wandle um. Wechsle die Position und versuche eben, das andere auch zu sehen. Den Rest der Welt. Meine Wahrnehmung richtet sich nun auf all die schönen Dinge, die es eben auch gibt. Und auf Genuss. Das ganze Leid schicke ich in die Ferien. Schaue Glück. Rieche Natur. Spüre Freundschaft. Berühre wohltuendes und angenehmes. Lebe lachend. Drücke aus, was ich denke und fühle.

Kontraste, die beim Hinschauen manchmal fast weh tun. Manchmal beinahe unerträglich sind.

Doch wie sagt Luisa Francia bisweilen sinngemäß in ihren Kursen, die ich jahrelang besucht habe: Wenn es dir gut geht und du gut für dich sorgst, hebst du das Niveau der lebensfördernden Kraft auf der Welt. Und das kommt letztlich allen und allem zugute!

Ein Ziel, das ich anstrebe. Unbedingt! Eine Art, eine Kunst, die Welt lebenswert zu erhalten. Wie sinnlos dieses Unterfangen vielleicht auch ist.
Doch, gopfertelli, ich mag diese Welt! Und ich mag ihre Menschen. Und ihre Tiere! Und das Leben …

… ach ja, und ich mag es ganz besonders, morgens um sieben solche SMS vom Scheff zu erhalten: Habe bereits Gipfeli geholt!

Hörst du die …

Ruhe

Nur noch schnell das Auto zum Mechaniker bringen, am Donnerstag ist Prüfen angesagt!

mich fallen lassen wollen

Pneus wechseln!

gehalten werden wollen

Huch! Fast hätte ich den Termin bei Frau K. vergessen!

einfach sein

Hast du an die Sitzung gedacht, Sofasophia?

nichts tun

Morgen früh um acht Uhr!

schlafen bis genug

… und ans Gipfeliholen auch?

genießen

Aber ja doch!

nicht denken müssen

Ich denke doch …

durchatmen

… immer …

nichts …

… an alles!

bloß sein

nie mehr ohne ihn

Ein Leben ohne ihn kann ich mir bereits nicht mehr vorstellen. Obwohl er deshalb kein Aufhebens macht, ist er im Grunde genommen sehr sensibel. Er weiß stets – und stets genau! –, was mir gut tut. Er weiß, was ich mag und was ich brauche. Zufall, nennt er das. Kein Vergleich zu seinen Vorgängern. Mit dem neuen hatte ich noch nie Probleme. Gute Qualität. Nicht ganz billig. Seine Kapazität dürfte grösser sein, ansonsten habe ich nichts auszusetzen.

Er lenke mich ab, sagen böse Zungen. Er dröhne mich zu. Nein, das stimmt so nicht. Wenn ich Ruhe will, nehme ich sie mir trotzdem. Oft gehe ich ohne ihn aus. Will ich in die Natur, darf er zuhause bleiben. Da lausche ich lieber den Liedern der Vögel, dem Rauschen des Windes, dem Knirschen von Kies und Laub unter den Füssen. Doch bin ich in der Stadt unterwegs, im Bus, auf der Straße oder im Auto bin ich froh über seine Gesellschaft. Auch beim Reisen ist er ein toller Gefährte und verbindet mich mit zuhause. Sobald ich ihm zuhöre, bekomme ich jenen Sound, den ich mag. Wie viele Stücke er doch kennt! Und sein Gespür für das richtige zur richtigen Zeit ist untrüglich. Nein, ohne meinen mp3-Player möchte ich echt nicht mehr sein.

Was ich zurzeit gerne höre? Das da: www.myspace.com/katisbasement

Mehr auch unter: http://poesiedesalltags.blogspot.com/

Literarischer Mittwochsblog

Als Thema für unseren nächsten literarischen Wochenmitter wünsche ich mir von Euch Texte rund um das

Feuer …

Die Texte dürfen so vielfarbig wie der Herbst sein: Assoziativ, verspielt, lyrisch oder prosaisch, tiefschürfend, banal, sinnlich, traurig, fröhlich. Absichtslos. Und neu sind auch kleine Geschichten erwünscht!

Mailt mir doch Eure Texte bis Mittwoch um 17 Uhr an
sofasophia ((at)) lebenswertvoll.ch.

Ich werde am Mittwochabend wieder einen Blogartikel daraus weben.
Herzlichen Dank!

Schönheit sehen

Ich fahre gerne Auto, ehrlich, und ich fahre gerne Autobahn. Wirklich wahr! Noch was: Ich fahre gerne selber Auto. Und ich fahre auch sehr gerne allein … Mit guter Musik und laut dazu singend. Und ich fahre gerne lange Strecken.

Bin ich erst einmal unterwegs, gibt es nichts anderes mehr zu tun, als ganz Weg zu sein. Jetzt. Anders als beim Zug fahren, bin ich autofahrend aktiv an der Gestaltung der individuellen Strecke beteiligt. Und ich kann Pausen machen. Umwege. Abkürzungen. Ich kann wählen, wie ich von A nach B gelangen will. Ob ich, um nach XY zu gelangen, den Weg durchs Elsass nehme oder einen anderen.

Beim Autofahren kann ich vor allem eins wunderbar: Ich kann meine Gedanken fließen lassen. Ich denke nach, ohne zu denken. Bin Weg, obwohl ich ein Ziel habe. Muss endlich nicht Dinge, die ich tun muss, denken müssen, wie zum Beispiel bei der Arbeit. Da sind keine To do-Listen außer jener Pflicht, rücksichtsvoll und voraussichtig zu fahren. Endlich kann ich meine Gedanken belauschen. Und meine Vorfreude auf J. hätscheln.

Und Schönheit sehen. Das Sonnenlichtspiel in den Alleen. Schattenwürfe. Hügel. Ebenen. Sogar, wenn ich zwischen Brummis, die sich Rennen liefern, eingeklemmt bin, gelingt es mir, meine gute Laune zu behalten, denn ich weiß, dass sich jeder Stau irgendwann auflöst.

Eine halbe Stunde vor Strasbourg bis eine halbe Stunde nach Strasbourg dickt der Verkehr ein. Autosirup. Schritttempo zuweilen. Eile mit Weile, denke ich. Und dass wir Menschen Stress und Krisen lieben, obwohl wir das nie zugeben würden. In solchen Momenten wird das Leben ganz einfach. Jetzt geht es nur noch darum, eine Lösung zu finden.

Noch während ich solches denke, löst sich der Stau auf, jener bouchon, der auf den Leuchttafeln vorangekündigt worden ist. Ich fließe weiter und genieße das Licht der untergehenden Sonne im Rückspiegel.

Nein, Rückspiegel hat es im Zug nicht. Auch ein Grund, warum ich gerne Auto fahre. Ehrlich!

lürischer Wochenmitter II

Flüssiges Gold rieselt durchs Rückenmark
Treue zu sich und der Wahrheit, das ists.
– Das Leben fließt –
Knallhart und schonungslos
und durch allergrößte Hitze
gelangst du zur milden Kühle.
– Das Leben fließt –
Du führst dich selbst mit deinem Bewusstsein
ES erkennt sich dabei vollumfänglich selbst.
– Das Leben fließt –
Es ist sterben, sterben, sterben. Nichts als sterben.

© by Rébecca K.

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Von der Nordsee
zurück
in den Rhein
in die Aare
zurück
zu den Aaregletschern
zur Quelle
nach Hause

Regentropfen
küssen
Regenwürmer
Sonnenstrahlen
brechen
sich im Wasserfall

absichtsloses
Fließenlassen
Gedanken
Wörter
Steine fischen
versenken
ihnen zusehen
wie sie sich
– scheinbar schmerzlos –
schleifen lassen
entspannt
dem Rauschen
lauschen

© by Sofasophia (dm)

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Sich die blanke Seele zeigen mit allen Narben
das braucht Mut; den Mut der Liebe
die alle Angst vor Schmerz besiegen wird
denn es gedeiht in dieser Demut die innere Würde,
die wahrhaft göttliche Kraft verheißt
weil sie erkennt dass wir mit allem verbunden sind
und die Liebe immer da ist auch wenn wir scheinbar
aus ihr herausfallen
sie ist dennoch da sie fließt in alle ZwischenRäume
unaufhaltsam und stetig
und lässt sich von keiner Angst auf Dauer hindern
denn das Göttliche, das ist konstant und überAll

© by Rébecca K.

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dort
Verkehrsstau
Wörterstau
Gesprächsstau
Gedankenstau

hier
Verkehrsfluss
Wörterfluss
Gesprächsfluss
Gedankenfluss

© by Sofasophia (dm)

 

Säule

– Guten Tag. Ich hätte gerne eine Säule.
– Eine Säule?
– Eine Säule, genau.
– Säulen haben wir nicht …
– Oh … aber ich bin doch extra wegen einer Säule hierhergekommen!
– Eine Säule. Soso. Und was haben Sie denn mit Ihrer Säule vor?
– Was man mit Säulen halt so macht. Sie soll herumstehen. So eine Säule bräuchte ich. Eine die einfach nur dasteht.
– Eine Säule, die einfach nur dasteht … aha.
– Genau. Die oben und unten miteinander verbindet. Eine ganz einfache, eine ganz normale Säule eben.
– Eine Säule, also, die ganz normal ist. Und wie groß soll Ihre Säule denn sein?
– Na. Sie soll von oben nach unten reichen. Und sooo dick sein.
– Sooo dick? Soso. Und wie soll Ihre Säule denn aussehen? Na ja. Ich frage einfach mal. Wir haben zwar keine Säulen, aber fragen kann ich ja trotzdem.
– Aussehen soll sie schön. Natürlich. Und eierschalenfarben soll sie sein. Ein bisschen rau zum Anfassen. Und sie soll leicht sein. Das heißt … sie soll nicht zu leicht sein. Sie soll ja nicht umstürzen können. Das heißt, sie muss stabil sein. Stabil und leicht.
– Stabil und leicht. Hm.

– Oh, hallo Sofasophia, du auch hier? Mal wieder auf Baumarkt-Tour?
– Hallo, Britta! Wie schön dich zu sehen. Ja, ich bin grad dran, eine Säule zu kaufen! Der nette Herr hier hilft mir dabei.
– Das stimmt nicht wirklich! Ich kann Ihnen ja gar nicht helfen. Wir haben keine Säulen.
– Eine Säule? Was willst du denn mit einer Säule?
– Na, was man halt so mit Säulen macht. Aufstellen.
– Aha. Aufstellen. Und dann?
– Und dann? Und dann? Na? Was wohl? Ihre Schönheit genießen. Muss denn alles immer sinnvoll sein, sag?
– Entschuldigung, die Damen. Wenn Sie mich noch brauchen …?
– Aber natürlich brauchen wir Sie noch. Ich brauche doch eine Säule!
– Die wir nicht haben.
– Haben Sie Gips? Haben Sie Gitter?
– Oh, Britta, du mal wieder! Clever wie immer! Klar doch! Ich baue mir meine eigene Säule!
– Und ich helfe dir! Wir haben schon lange nichts mehr zusammen auf die Beine gestellt!
– Gips? Gitter? Ja, haben wir. Hier lang bitte, die Damen.
– Nun sag schon, Sofasophia: Was hast du vor?
– Ich finde einfach die Idee, eine Säule in meiner Wohnung zu haben, schön. Eine Säule hat eine Dynamik, die eine Wand nicht schafft. Bewegung in der Ruhe. Kreis. Unendlichkeit. Ich könnte rundherum Bilder aufhängen. Panoramabilder zum Beispiel. Statt nach außen blickst du rundherum im Kreis und es hört einfach nie auf. Wie im richtigen Leben.
– Hier, bitte schön, die Damen, das Gitter. Verschiedene Maschengrößen. Da drüben Gips. Verschieden Gebindegrößen.
– Danke schön. Wir finden uns zurecht.
Weißt du was, Britta? Manchmal möchte ich Handwerkerin sein. Zum Beispiel Gipserin. Oder Gärtnerin. Oder meinetwegen Schuhmacherin. Oder Fassadenmalerin, wie mein Vater es gewesen ist. Etwas mit den Händen tun. Anpacken. Nicht bloß Tastenhacken. Etwas Handfestes TUN und am Abend sehen, was ich tagsüber gemacht habe.