Murphy

Gibt es eigentlich bereits ein Gesetz über die Ballung von Ereignissen? So ähnlich wie Murphys Gesetz, das besagt, dass alles schief gehen wird, das schief gehen kann? Nicht?

Ab sofort führe ich Sofasophias Gesetz  der Gleichzeitigkeit ein. (Mein zweites. Das erste nennt sich Sofasophieparadoxon (Zitat Irgendlink). Alle mal herhören: Alles, was gleichzeitig möglich sein kann, geschieht tatsächlich gleichzeitig.

Womit wir bei der Erkenntnis wären, dass Zeit eh nicht linear tickt und eh alles gleichzeitig ist. Und meine Wahrnehmung und die von mir daraus geschlossene Gesetzmässigkeit deshalb müssig und illusorisch.

Der Countdown „Flüchtlingstag“ läuft. Übermorgen steigt das Fest auf dem Berner Bundesplatz. Mein Büro ist vollgestopft mit Drucksachen, Infomaterial und Verkaufsartikeln, kurz: mit Dingen für unseren Info- und Verkaufsstand.  Seit Monaten habe ich immer wieder für diesen Tag gearbeitet, habe Leute aus unserem Hilfswerk organisiert, Material bestellt, mit einem Kollegen ein Geschicklichkeitsspiel ausgetüftelt und  einen Wettbewerb …

Doch das Nadelöhr ist rund um die Welt immer gleich klein. Selbst bei bester Vorbereitung verdichtet sich kurz vor einem Ereignis alles auf einen einzigen Punkt. Enge. Stau. Die letzten Vorbereitungen. *ächz* Habe ich wirklich an alles gedacht? Ist unsere Aktion gut genug? Werden wir überhaupt StandbesucherInnen haben?  Wird meine Arbeit ein grosser Flop sein? Und das Wetter?

Locker hätten mir meine viereinhalb Arbeitsstunden gereicht, um heute Morgen die vorletzten und letzten Dinge zu nageln. Eigentlich. Womit wir wieder bei erwähnter Ballung wären …  Wenn, wenn, wenn … Wenn nicht gleichzeitig Kollegin A. einen Termin für eine Schulung gewünscht und Kollegin G. einen Termin für eine organisatorische Besprechung gebraucht hätte – subito natürlich … und das Telefon … Und und und …

Nein, es wird nicht perfekt sein,  unser Event. Irgendetwas fehlt immer. Murphy. Vielleicht besser, wenn ich mich jetzt schon auf einen unperfekten Samstag einstelle?

Noch so ein Gesetz: Ich sag nur Fallmaschen!

Alles eine Frage der Definition …

Mein heutiger Zauberspruch:
Ich liebe meinen Job. (… denn wenn ich ihn liebe, geht alles lockerer …)

Sein grosser Vorteil: Er ist unglaublich abwechslungsreich.
Sein grosser Nachteil: Er ist … ja, genau, er ist unglaublich abwechslungsreich.

Meine heutige To do-Liste, wuchs mit jeder erledigten Pendenz:

  • Ich habe mit meinem Scheff über die Probleme mit einem Mitarbeiter diskutiert, über Loyalität und Solidarität in einer Arbeitsgemeinschaft. Über allfällige Lösungen. Mich dabei an der Klarheit meines Scheffs gefreut. Und an seiner Haltung mir gegenüber.
  • Anschliessend habe ich mitentschieden, dass wir mit dem auf Januar 2010 projektierten Büro-Umzug zuwarten.
  • Ich habe zwischen den vorvorletzten Vorbereitungen für den Flüchtlingstag am Samstag, für dessen Stand unseres Hilfswerks ich verantwortlich bin, die Buchhaltung eines neustrukturierten Programmteiles übernommen. Und da mal erst ziemlich aufräumen müssen. Gestaunt darüber, wie chaotisch Buchhaltung gemacht werden und dass sie trotzdem aufgehen kann.
  • Dann bereits das nächste Event in Angriff genommen. Mit P., einem Mitarbeiter, die mantschigen Hirne geschüttelt … Ob ich mich so langsam zur internen Eventmanagerin entwickle? Na ja.
  • Schliesslich kam noch ein IT-Auftrag herein, ein kleines Update an allen sieben PC unserer Gemeinschaft zu veranlassen – im Auftrag der Zentrale.
  • Dass ich daneben noch zig Mails geschrieben, kiloweise Post verarbeitet, tausend Telefonanrufe entgegen genommen und ein paar Feuerchen gelöscht habe, ist nicht weiter erwähnenswert. Das ist eben mein achsoabwechslungsreicher Job … *grmpf*

Was ich sagen will? Manchmal staune ich, wie unglaublich viel und auf wie unglaublich vielen Schienen wir funktionieren … können.

Wie lange? Diese Dauerlast ist ja so was von unnatürlich. Und doch … Es ist jene Form, in die wir hineingewachsen, oder wohl besser, auf die wir nach und nach zurechtgestutzt worden sind. Wie bin ich deshalb froh, dass wir in unserer Bürogemeinschaft noch immer Menschen geblieben sind. Dass Witzeln und persönlicher Austausch Platz hat. Dass wir Menschen noch Menschen sein können.

Ein Satz von P. klang lange nach: „… vielleicht bist du zu nett?“ Nicht das erste Mal gehört. Dabei gedacht: Was, wenn es keine netten Menschen mehr gäbe? Was wenn dem Wort ’nett‘ dieser süffisante Unterton wieder abhanden käme? Ich finde es in der Tag bedauerlich – oder sogar besorgniserregend! –, dass nett und gut zu sein heute diesen Touch von negativ und naiv an sich haben.

Alles eine Frage der Definition? Wo fängt Nettigkeit, Güte, Moral an? Wer definiert sie? Words hauseigene Auswahl der Synonyme von Moral lautet so: Disziplin, Sitte, Verantwortungsbewusstsein, Sittlichkeit, Verantwortlichkeitsgefühl, Ethik, Ethos, anständiges Verhalten.

Na toll, ist ja alles gar nicht so negativ, wie uns das Wort „Moral“ suggerieren will! Finde ich. Der Vorwurf des erwähnten Mitarbeiters war, dass ich moralische Untertöne drauf hätte, wenn ich ihn auf das eine oder andere (Versäumnis) aufmerksam machte. Wenn ich ihn, wie neulich zum Beispiel, daran erinnerte, dass er – aus Solidarität! – für einen Ausfall in einer bestimmten Angelegenheit, wo wir mit seinem Einsatz fest gerechnet hatten, einen Vertreter oder eine Vertreterin suchen solle. Was für mich selbstverständlich ist, ist es eben für andere nicht. Womit wir wieder bei der Frage der Definition wären.

Tja, diese Fallmaschen im perfekten Ablauf, die ich neulich beschrieb! Die Fallmaschen, die das Leben lebendig machen. Die uns von Maschinen unterscheidet. Obwohl auch die so ihre Fallmaschen haben.

sozusagen …

nichts zu sagen
heute

ausser all der täglichen
mühsamen und erfreulichen
wasauchimmerdinge

wüsste ich nicht
dass da ein paar mitlesende
mitlesen
würde ich dennoch weiterschreiben hier?

und falls nicht
wäre dies dann
nicht
genau
das gegenteil davon
worüber ich
neulich
sofasophiert habe?

schreiben  um des schreibens willen … und so …

doch heute ist was anderes angesagt
ich schweige um des schweigens willen …

*flüstermodusein* … denn wer will sich schon gerne mein gejammer anhören …? *flüstermodusaus*

Inspirationen

Brauchen wir für das, was wir ausdrücken wollen, Publikum, Rückmeldung, gar Applaus? Beim gestrigen Brunch mit B. tasteten wir uns Gedanken spinnend durch das Dickicht der Definition von Kunst. Ist Markensammeln Kunst? Ist (mein) Schreiben (in der freien Zeit) Kunst? Oder ist nur das Kunst, was ich öffentlich zeige.

Per Definition (Wikipedia) bezeichnet Kunst „im weitesten Sinne jede entwickelte Tätigkeit, die auf Wissen, Übung, Wahrnehmung, Vorstellung und Intuition gegründet ist (Heilkunst, Kunst der freien Rede). Im engeren Sinne werden damit Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit benannt, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Das Kunstwerk steht meist am Ende dieses Prozesses, kann aber seit der Moderne auch der Prozess selber sein.“ (Zitat Ende).

Der Prozess. Ja, das ist mein Kunstverständnis.  Genauso schreibe ich. Während des Schreibens, schreibe ich, weil mir der Schreibprozess Spass macht. Um des Schreibens willen. Banal gesagt, zu meiner eigenen Freude und Unterhaltung. Und Regeneration. Wie andere deshalb lesen oder stricken oder so. Ich vertiefe mich in eine Geschichte. Trete dabei neben mich und stelle mich gemeinsam mit „meinen“ Protagonisten und Heldinnen einem Thema, einem Problem, einer Herausforderung. Weil ich mit ihnen zusammen Lösungen finden will. Weil ich es spannend finde, den Gedanken beim Denken, Schreiben, Spinnen und Vernetzen zuzuschauen. Und nachher zu lesen, was da so in mir drin abgeht, finde ich immer wieder spannend.

Wenn dann dieses Gewebe hinterher bei anderen etwas bewirkt, andere unterhält, anderen Mut macht, andere zu was auch immer inspiriert – umso besser.

Über die Künstlerseele habe ich vor einem Jahr oder so mal einen Artikel geschrieben.

Liebe B., deine Stimme ist einfach wunderschön und „couleur 20“ hat mich total bezaubert. Ich bin froh, dass du singst. Dass du eine von vielen möglichen Ausdrucksformen gefunden hast. Und bestimmt noch andere finden wirst.

Hey, Z., deine Inputs gestern Abend, was die Innenansicht eines Musikerlebens betrifft, haben mich für mein Weiterschreiben total inspiriert. Danke!
S’het mega gfägt mit öi!

Einstein, der Schamane

„Unsere Gesellschaft krankt am ständigen Werten und Vergleichen! So kann sich doch niemand gesund entwickeln.  Es gibt immer solche, die besser sind als wir. Und natürlich auch Schwächere. Die einen machen dich zur Schnecke, die andere machen dich überheblich. Schau einfach nicht hin und mach dein Ding.“

Nicht, dass ich das alles nicht gewusst hätte. Zum Glück bin ich nur passive Mithörerin.

Auch die passenden Antithesen kenne ich und ich weiss sogar, dass NICHT ein phöses Unwort ist, das einem Text schadet. Na ja, eigentlich weiss ich ziemlich viel. Zum Beispiel über die deutsche Sprache. Ich weiss ziemlich viel im Vergleich zu jemandem, der keine Ahnung von Sprache hat. Und ziemlich wenig im Vergleich zu einer Literaturprofessorin.

Alles ist relativ, sagte Albert schon vor vielen Jahren, alles verhält sich irgendwie zu irgendwas. Masse zu Unmasse, Menschen zueinander und zum Nichts, Wörter zueinander und Tiere und Pflanzen ebenfalls zu irgendwem.

„Alles ist mit mir verwandt“ oder „für alle meinen Verwandten“, sagen die Lakota, wenn sie in die Schwitzhütte kriechen. „For all my relations“. Zur Erinnerung an diese tiefe Verbundenheit.

Verbindung – Relation – Verwandtschaft –Versponnenheit – in Beziehung zueinander – im Vergleich zu … – im Zusammenhang … – abhängig von …

Ohne Vergleich keine Entwicklung. Antithesen zu den ersten Sätzen. Ohne Vergleich kein Input. Vergleich ist eine Orientierungshilfe. Auch wahr? Auch wahr.

Alles beeinflusst einander. Wenn ich eine Minute früher aus dem Haus gehe, verhindere ich dadurch einen Zusammenstoss mit einem Fussgänger auf dem Fussgängerstreifen. Vielleicht. Oder einen Unfall. WENN VIELLEICHT  – die grosse Brücke in die Welt der Vergleiche.

Wenn ich …
Wenn ich die Augen zusammenkneife und alles ein bisschen unscharf und verschwommen betrachte, sehe ich nur noch dieses grosse Netz, das über allem liegt und in allem ist. Jeglicher wertende Vergleich wird müssig.
Ich bin.
Teil von allem.

Mono(b)log

Neulich verstieg ich mich zur Aussage, dass Blogs Dialoge fördern. Diskutieren Menschen, die bloggen, tatsächlich mehr – virtuell und/oder im „richtigen Leben“?
Sind Bloggende dialogfähiger?
Was meinte ich wirklich?
Implizierte ich ins Wort „Dialog“ nicht vielmehr die Möglichkeit im fast grenzenlosen Raum von Blog und Internet, eigene Gedanken frei zu äussern, sich diesen Raum zu schaffen, ihn sich zu nehmen?
Wäre dies wirklich Dialog, da vielleicht niemand mitliest …

So what?

Monolog?
Dialog?
B-log?

Hauptsache Log(os), das Wort, findet Gestalt und Ausdruck!
Der Ausdruck genügt sich selber.

__________

Warum blogge ich? Die Frage könnte auch lauten: Warum schreibe ich? Sinnlose Zeitverschwendung, wenn ich Sinn darin messen wollte, inwieweit mein Handeln die Höhe meines Kontostandes steigert. In diesem Fall gar nicht.

Bin ich des Sinnes wegen hier (virtuell und/oder im wirklichen Leben)? Oder ist der Sinn um meinetwillen da? Weder noch? Sowohl als auch? Und was war zuerst … *gacker*

Als Mensch mit Such(t)struktur – als da wären Ex-Tabaksucht, Perfektionismus, Schoggisucht, Erdbeerensucht, Sinnsucht, Sehnsucht etc. – balancierte ich schon immer auf dem Grat zwischen subjektiver Wahrnehmung und Ratio. Stolpern tu ich oft, fallen ab und an und aufstehen jedes Mal von neuem. Sinnlos das Stolpern? Sinnlos Stürzen und Aufstehen?

Müssig mich zu rechtfertigen dafür, dass ich Sinn- und Absichtsloses tue. Wie zu bloggen zum Beispiel. Hauptsache es tut gut.

So what?

traurigfroh

Ich liebe Geburstage. Besonders, wenn sich die Wetterfee  an den Deal mit dem Schönwetter erinnert. Thanx!

Nach einem hektischen Büromorgen holte ich L. am Bahnhof ab und wir pilgerten an  Sense und Schwarzwasser.  Schwarz war es zwar nicht, doch kalt. Und erfrischend. Von Kopf bis Fuss.
Da, wo sich die  Flüsse vereinen, mitten auf dem Weg, haben wir ein Glücksnest gefunden. Wenn das kein Omen ist für ein glückliches Jahr?

Feierabend
dankbar
sentimental
traurigdankbarfroh für meine Freundinnen und Freunde

*DickerSeufzer*