Pätschwörkzöix

Früh (!!!) morgens auf dem Weg zum Bahnhof hat mein mp3-Player lauter Liebeslieder ausgespuckt. Hoppla.

Alles ist möglich, dachte ich. Jeder Tag besteht aus unzähligen Möglichkeiten. Jeden Morgen bin ich eine leere, weisse Seite. Doch der Rahmen des heutigen war vorgegeben: Tagung zum Thema „Empowerment“ in Zürich. Den Rahmen jedoch, oder die Stimmung darin, kann ich selber füllen. Kann mich öffnen oder verschliessen. Leben heisst in Beziehung treten. Heisst ziehen – aneinander. An mir. Schleifen, reiben, formen, Ab- und Eindrücke hinterlassen. Und sammeln.

Bilder sammeln zum Beispiel. Schreiben ist wie fotografieren. Nur authentischer. Oder weniger? Denn „Schreiben hinkt der Empfindung immer hintennach, kommt immer zu spät“, wie Rébecca gestern kommentiert hat. Wie sich das Hintennachhinken auf die Authentizität auswirkt, ist wohl von Fall zu Fall verschieden.

Nach der Tagung im Volkshaus gabs Apéro im Kanzlei (Park).  Bier. Wein. Geplapper. Habe mich – nach einer halben Stunde Small- & Mediumtalk – aus dem Staub gemacht. Im Tram zum Bahnhof fotograschriebt. Menschen sehen, hören, riechen. Lärm. Farben. Sprachen. Hitze. Schweiss. Noch mehr Lärm. (Kann mir jemand verraten, warum wir so viel Lärm machen? Ist das so ähnlich wie das Pinkeln der Hunde??? Und, ähm, bin ich auch so laut??????)

Dann Ruhe. Endlich. Raum. Ein Viererabteil für mich. Für zehn Sekunden. Eine schwangere Frau setzt sich zu mir hin. Sympathisch. Gut. Bitte sonst niemand mehr. Jaaa. Sehr gut. Im Abteil nebenan eine französisch sprechende Frau, blind, mit Sohnemann (ca. 5). Ein Schwarzer setzt sich zu ihnen. Angeregte Gespräche. Diskrete Lautstärke. Ob die blinde Frau genauso unbefangen mit dem Mann sprechen würde, wüsste sie seine Hautfarbe? Und ich?

Idealerweise vergänglich …

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Das Schöne am Leben ist: Alles ist vergänglich, auch Schwieriges.
Das Schwierige am Leben ist: Alles ist vergänglich auch Schönes.
(Zitat K. R.-W.)

Wie recht sie hat, meine Freundin K.

Und auch Ingo Schulze gebe ich Recht:

Das Ideal wäre, in Echtzeit zu schreiben, also über den Augenblick, den ich gerade erlebe.
(Mehr dazu unter: http://www.federwelt.de/)

Dennoch frage ich mich, ob ich gleichzeitig  erleben, wahrnehmen und unmittelbar darüber schreiben kann … jedenfalls etwas, das sich zu erzählen lohnt …? Interessiert es denn jemanden, was ich genau jetzt wahrnehme? (Beispielsweise, dass mein Po von der Fahrradtour schmerzt und dass ich das Licht anmachen sollte … )

Bleibt Schreiben – und jede andere Form von Ausdruck – letztlich nicht immer ein unvollkommener Versuch, Wahrgenommenes abzubilden um sich selber sichtbar zu machen, darzustellen?

Ist es Leerlauf, Mauldünnschiss oder was, dass jede und jeder über sich reden/schreiben will und muss? Da muss mehr dahinter stecken! Reagieren wir so auf eine gesellschaftliche Leere und Beziehungslosigkeit? Denn als eine der zentralsten Begründungen für dieses Bedürfnis sehe ich, zumindest für mich, den Wunsch danach, verstanden zu werden.

„Hallo, ihr da draussen: Hört ihr mich? Geht es euch auch so, wie ich es hier schreibe (oder singe oder male)? Versteht ihr mich?“

Möglicherweise meint Selbstdarstellung den Beginn eines Dialogs, denn jede Selbstdarstellung hat zwei Seiten. Neben der sich selber sichtbar machenden Person ist da ja auch jene Person, die die Darstellung betrachtet, liest, zur Kenntnis nimmt. Das DU!* Ein zweites wichtiges Bedürfnis hinter der Selbstdarstellung habe ich nun nebenbei erwähnt: Sich sichtbar machen. Möglicherweise anonym oder aber ganz offiziell, mit Namen und allem. Aus dem initiierten Monolg soll durch Resonanz ein Dialog entstehen, denn was nützt die schönste Selbstdarstellung ohne Publikum? (Ja, ich folgere hier, dass Publikum für Resonanz und Dialog steht!)

(Wir) ExhibitionistInnen brauchen Voyeure wie Hühner ihre Eier, auch wenn noch immer nicht klar ist, was zuerst war. Die Betrachtenden sollen der sich selber darstellenden Person rückmelden, dass sie sich in der Darstellung wiedererkennen, sie sollen ihr danken, sie sollen ihr applaudieren! WinWin-Symbiose der besten Art**, da wir alle möglicherweise auch das Bedürfnis haben, andere zu bewundern***? Sag, was mag wohl sonst noch hinter dem Bedürfnis stehen, jemanden, der sich darstellt, zu betrachten? Da ich aus eigenem Erleben beides kenne und praktiziere, kann ich nur von mir aus gehen: Ich will mich im Erleben eines anderen Menschen und im Lesen einer anderen Geschichte wiedererkennen, mich in meiner Art zu leben, zu denken, zu fühlen bestätigt fühlen: „Ich bin normal!“ denken nach dem Lesen, oder: „Ach so! Andere sind als auch so schräg!“

Natürlich lässt sich dieses Thema nicht abschliessend diskutieren, doch die Essenz hinter den Bedürfnissen beider Seiten, oder, um es globaler auszudrücken, das Grundbedürfnis hinter all unserem Tun und Lassen, scheint einmal mehr der Wunsch nach Gemeinschaft zu sein. Nach Beziehung. Nach Anerkennung und Liebe. Oderrr?

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* Person kommt von per sonare, was so viel heisst, das etwas in etwas anderem nachklingt, soniert eben
**   Art = Kunst?!
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Diesen Aspekt der menschlichen Bedürfnisse und Bedürftigkeiten ins Absurde zu führen, überlasse ich dir selber!

(Selbstzitat: 16.11.08, Internettagebuch)

Den Goldesel oder nicht zu viel Zeit?

Wocheneinkauf. Habe im Quartier-Bioladen D. getroffen. Als ich mit M. zusammen war, war D. bereits eine Weile mit M. zusammen, die im gleichen Haus wie M. wohnt. Die beiden M. wohnen übrigens noch immer in Hausgemeinschaft, aber D. ist nach der Trennung von M. in mein Nachbarquartier gezogen, wo ich schon damals wohnte. Gesehen haben wir uns allerdings schon lange nicht mehr.

Ich freute mich über das unerwartete Wiederzusehen, waren wir doch etwa zwei Jahre lang Wochenend-Nachbarn gewesen. Zwischen Biogemüse und frischem Käse tauschten wir angeregt über unsere aktuellen Lebensumstände aus. Auch über die Jobs. Natürlich. Seine 75%-Stelle werde demnächst auf 70% reduziert. Er wolle sich einen Zusatz-Job suchen.
Warum denn das?, fragte ich. Wegen dem Stutz kann es kaum sein, überlegte ich.
Mir wird die viele Zeit zu lang, gab er zu. Zuvor war er Teil einer Patchwork-Familie gewesen. Und so was ähnliches wie Hauswart. Heute offensichtlich noch immer Single. Logisch, dass da plötzlich viel mehr Zeit zur Verfügung steht, als er es lange Jahre gewohnt war. Ich bekannte, dass ich trotz meiner lächerlichen 60 Stellenprozent tendenziell immer den Eindruck von zu wenig freier Zeit hätte. Oder zu viel zu tun. Zu viele Ideen.

Es gibt zweierlei Menschen, begriff ich auf dem Heimweg. Jene, die leben um zu arbeiten und jene, die arbeiten gehen, um leben zu können. Womit wir uns vermutlich Gedanken zur Definition der Grenze zwischen Arbeit und Freizeit machen sollten. Doch das überlasse ich gerne euch. Ich jedenfalls gehöre eindeutig zu zweiter Gruppe. Obwohl ich ja in der Freizeit nicht nur abhänge, sondern lebe*, will heissen vielseitig, selbstgewählt und kreativ arbeite. Meine Schreibjobs und so. (Gehöre ich also doch zur ersten Gruppe?)

Tja. So lebe, schreibe, träume, bin ich. Träumen tu ich bisweilen noch immer vom Goldesel. Er hat den Weg zu mir noch immer nicht gefunden.

Haaallooo, Eselchen, hier bin ich! Guck! Hier –  in Bern! (Jaaa, ich liebe meinen Job trotzdem!)

Da kommt mir eine meiner „Voller EinSatz**“-Geschichten in den Sinn, aus denen ich vor einem Dreivierteljahr am Kultur-Event „Zeitverschwendung“ in der Berner Altstadt vorgelesen habe.

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Eselei

Bevor sie einkaufen geht, umrundet sie das Haus, betritt den Pferdestall und nähert sich der Box von Hejoka, ihrem Esel, der, wann immer sie ihm eine Karotte oder einen Apfel hinstreckt, zuerst kurz mit den Ohren zuckt und gleich darauf mit einem lauten Furz eine Ladung Geldstücke scheisst, welche sie sorgsam und mit Gummihandschuhen aufhebt, im Salatsieb abspült, abtrocknet und in ihre Geldbörse steckt, um damit neue Karotten und Äpfel für Hejoka zu kaufen.

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* > ich schreibe, also bin ich …, also lebe ich! 😉
** =  einen Satz lange Kürzestgeschichte

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Maman est chez le coiffeur!

Seit As it is in Heaven habe ich es nicht mehr erlebt … Das Publikum bleibt selbst nach dem Abspann sitzen. Wir beide sind die letzten, die aufstehen. Gut so, inzwischen konnten meine Tränen trocknen.

Anders als Mani Matter ist Maman Simone allerdings nicht wirklich beim Coiffeur gewesen. Doch als Ausrede taugt der Spruch ganz gut. Als Ausrede und als Selbstschutz. Von metaphysischem Gruseln und Spiegeln, die sich in Spiegeln spiegeln, blieb Simone dennoch nicht verschont.

Ein Film, dessen Plot uns, für sich gesehen, kaum ein müdes Lächeln entlockt. Ein Familiendrama mehr? Umso grossartiger die Leistung der Kanadaschweizerin Léa Pool (Regie) und Isabelle Héberts (Drehbuch). Mit unspektakulären Dialogen, die gerade durch ihre Alltäglichkeit überzeugen, mit Mimik, Ungesagtem machen sie  fühlbar, sichtbar, was WIRKLICH abgeht. Beklemmend banal, bedrückend normal, wie Kinder empfinden, was Erwachsene inszenieren. Kleine Stilmittel reichen. Maman zöpfelt Elises Haare nicht mehr. Denn Maman ist weg. Nicht beim Coiffeur, sondern von Kanada nach London gereist. Hat die Familie zurückgelassen. Wegen eines Mannes. Wie (fast) immer. Und doch immer wieder anders.

Böse Mutter? Oder böser Vater, der nach vielen Familienjahren endlich begreift, dass er homosexuell tickt und sich in einen seiner Golfpartner verliebt hat? „Ich kann deine Mutter nicht glücklich machen!“, sagt er so ehrlich wie sonst kaum je, als Elise von ihm wissen will, ob sie die Schuld daran trage, dass Maman gegangen sei.

Wie gesagt, die Haare trägt Elise seither offen. Noch ganz viel anderes ist ganz anders geworden, seit Maman gegangen ist. Doch Maman ist nicht einfach gegangen, um sich als Korrespondentin in London zu verwirklichen. In den späten Sechzigern war das noch nicht wirklich DAS Thema. Sie müsse gehen, weil sie sonst sterben würde, sagt sie ihrem Chef. Fliehen. Sich selber retten als Schadensbegrenzung. Alles andere muss warten. Die Überlebensinstinkte einer Mutter. Geht die Mutter unter, ertrinken auch alle anderen? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Denn die Geschichte kommt ohne Wertung aus. Der Vater ist weniger schuldig als hilflos und überfordert. Seine ganze berufliche Kompetenz als Biochemiker nützt ihm nichts angesichts der Not seiner Kinder. Seine klugen Sprüche bringen ihn nicht weiter. So flüchtet er sich in die Arbeit und überlässt die Kinder mehrheitlich sich selbst. Will heissen Elise, seiner Ältesten.

Und wir? Wir sehen einfach zu. Sehen zu, wie sich Conrad, Coco genannt, in der Garage verschanzt, um endlich seine Seifenkiste zu vollenden. Ans Klavier, dieser Brücke zu seiner Mutter, setzt er sich nur noch selten. Seinen Schmerz schluckt er hinunter. Nur im Schlaf fliessen seine Tränen. Obwohl Elise stark wirkt, hat auch sie den Boden unter den Füssen verloren. Sie sucht Zuflucht am Fluss. Die (verbotene) Freundschaft zu einem taubstummen, „unheimlichen“ Fischer, der ihr das Fischen beibringt, hilft ihr, die Trennung von der Mutter auszuhalten, die ihre drei Kinder bald nach London holen will. Am schlimmsten jedoch ist es für den kleinen Benoît, der in den Augen seines leistungsorientierten Vaters, zurückgeblieben ist. Maman Simone, die wir zu Beginn des Filmes als sehr authentische, herzliche und emotionale Frau erleben, nahm den Kleinen so, wie er ist. Das liebevolle Band von Nähe zwischen den beiden wurde mit der Trennung von einem Tag auf den anderen zerrissen. Der hochsensible Bursche beginnt allerdings erst nach dem Besuch beim Kinderpsychiater wirklich damit, sich auffällig zu verhalten. Als da wären Selbstverletzungen, das Zerstören seiner Puppen, das Zerschlagen des Fernsehers, auf dem seine Mutter als Nachrichtensprecherin zu sehen ist. Wie wichtig die Mutter doch für alle ist! Wie wichtig diese allererste Beziehung eines Kindes. Der überforderte Vater ist froh, als die Ferien endlich zu Ende sind und die Kinder wieder zurück an die Schule sollen. Sollten jedenfalls!

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Einer der besten Filme, den ich in den letzten Monaten gesehen habe. Starke Dialoge. Emotional. Klischeefrei. Authentisch. Alltäglich. Berührend. Beklemmend. Fünf Sterne. Mindestens!

Danke, K., du treuer Blogleser, für dieses Geburtstagsgeschenk. Ich habe den Abend und das Aftercinema-Bier mit dir sehr genossen.
S’het gfägt!

Die Kunst des Bloglesens

Ihr lieben alle … Ich freue mich sehr über die persönlichen Mails, die ich in letzter Zeit erhalten habe. Voller Komplimente für mein Blog. *erröt* Doch ich stelle fest, dass die meisten von Euch kaum Erfahrung mit Blogs haben. Und deshalb eine gewisse „Berührungsangst“. Macht gar nix. Hatte ich ja auch, als ich anfing, das eine oder andere Blog zu lesen. Das Wort kommt übrigens von Weblogbuch. Ihr lest also ein gewobenes Tagebuch. Oder so ähnlich.

Es ist durchaus erlaubt, die Artikel zu kommentieren. Es freut mich sogar. Natürlich muss das üüüberhaupt nicht sein. Nein, wirklich nicht. Trotzdem sag ich euch hier kurz, wie es geht: Unter dem Artikel steht jeweils „leave a comment“. Oder die Anzahl der Kommentare, die schon geschrieben wurden. Da drauf klicken. Die ersten beiden Felder, die erscheinen, bitte ausfüllen. Am besten mit Nickname (neudeutsch für „Spitzname“), um eure Anonymität zu wahren. Es darf aber auch der richtige Name sein. Dann die Mailadresse. Und zuletzt eure Website. Wer will. Nach dem Schreiben des Textes auf „Kommentar senden“ klicken. Tut überhaupt nicht weh! Ehrlich …

Das Blog könnt ihr übrigens abonnieren. Wenn ihr im Adressfeld Eures Browsers auf das kleine RSS-Icon – ein kleines orange farbenes Viereck mit weissen Bogen drin – klickt, werdet ihr gefragt, ob Ihr ein dynamisches Lesezeichen hinzufügen wollt. Das bestätigt ihr natürlich, denn das wollt ihr ja … oderrr? So könnt ihr, wenn ihr den Browser geöffnet habt, nur kurz das Icon auf der Menüliste antippen und dann seht ihr bereits, ob Sofasophia frisch gepresst hat.

Alles klar? Bis bald in diesem Theater!

What’s the meaning of life?

Meaning – Meinung ? Darf es ein bisschen mehr sein? Die gute alte Frage nach dem Sinn des Lebens – da haben sich doch schon weit geistreichere Köpfe die Hirne zermartert? Und dennoch stolpere ich immer wieder über sie … denn  Bedeutung soll es haben, das Leben. Inhalt. Gewicht. Grösse. Sinn soll es machen, das Leben. Sinn machen? Meine Haare stehen ob dieser Formulierung zu Berg. Wie kann denn ein Objekt, dieses Ding, das Leben, etwas machen? Ist es nicht vielmehr das Subjekt, das LebeWesen, ich, du, wir, das etwas tut? Umdem Leben Sinn zu verleihen. Oder auch nicht. So gesehen lässt sich Sinnhaftigkeit nicht wirklich objektiv messen. Sie wird immer subjektiv bleiben, da sie vom Subjekt aus geht. The meaning of life, die Meinung, die Bedeutung des Lebens?

Aus meiner Warte aus gesehen – subjektiv, wie gesagt – ist Leben Wahrnehmen, Erschaffen und Reagieren. Was ich heute tue und wie ich heute gestimmt bin, wirft einen Schatten auf meine Zukunft. „Ich bin“ ist die unendliche Gerade unter meinen Füssen. Der Teppich, der sich vor mir aufrollt. Und die grosse Illusion, die meinen Gedanken und Gefühlen Taten folgen lässt. Schreiben ist dabei mein liebstes Hilfsmittel, um meiner Wahrnehmung eine Form zu geben, die, ich weiss es, ebenso illusorisch ist wie der Teppich unter meinen Füssen. Schreiben ist dem inneren Stau nachgeben. Ist raus lassen. Ist loslassen. Ist kotzen. Und tut gut.

Gelingendes Leben ist, hervorzubringen, was in mir ist. Misslingendes Leben also, nicht wirklich und nicht wirksam diejenige zu sein, die ich wirklich bin. Nicht zu wirken, nicht zu leben, was in mir ist. Der totale Stau, der dem Fluss des Gelingens gegenübersteht.

In mir drin finde ich. Haufenweise Material. Gedanken. Aussichten. Rundsichten. Wörter. Bilder. Beobachtungen. Betrachtungen. Zur Kenntnis nehmen. Schönheit sehen. Und da ist auch die Lust, zu verarbeiten, was ich sehe, spüre, rieche, höre, atme. Was mich berührt, köcheln lassen, eindicken, Werte entwickeln, meine Mitwelt mitgestalten, kreieren, mich einmischen, auf den Tisch klopfen, aufbegehren und mich gegen Ungerechtigkeit zur Wehr setzen. Mir treu sein wollen, ist ebenso in mir, wie Selbstsabotage. Und da ist auch Ruhe. Und Liebe. Was immer sie ist, mag sie doch meinem Leben Bedeutung geben.

Was gut tut …

Immer wieder stolpere ich über dich. Leben ohne dich könnte ich nicht. Ich liebe dich, Schönheit. Was bist du wirklich – oder WER? Illusion? Eine Frage des Sichtwinkels, eine Frage des Lichteinfalls im wörtlichen oder bildlichen Sinn? Nicht definierbar! Doch irgendwo in uns drin steckt diese Ahnung von Schönheit. Von einer inneren Lust oder Sehnsucht getrieben, bewegen wir uns immer wieder auf Schönes zu. Zumindest die Anlage dazu ist, behaupte ich, in uns drin. Ist dem nicht so, sind wir entweder tief verletzt worden oder sind depressiv, masochistisch veranlagt oder sonstwie ge- oder betrübt. Dann kann Schönheit ganz schön weh tun und ist kaum auszuhalten.

In der Einsamkeit der Liebe lernen wir das Ertrinken, sagt Anne Michaels‘ in ‚Wintergewölbe‘. Die Einsamkeit der Liebe und das Ertrinken oder die Lehre desselben haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam, ausser dass beide unbeliebt sind. Zugegeben, diese Metapher kann ich nicht ganz knacken, doch ihre Schönheit berührt und nährt den zarten, melancholischen, ganz und gar uncoolen Teil meiner Seele.

Ja. Schönheit nährt. Ich mag besonders Schönheitshäppchen aus Worten, Sätzen, Gedanken und Berührungen. Das Betrachten glücklicher, lachender Menschen gehört ebenso zu meinen Seelenmahlzeiten wie das Betrachten eines Baumes. Oder spielende Kinder. Melodien, Lieder, Klänge. Das Klagen einer Klarinette oder eines Saxophons, das Jubilieren einer Violine. Vergängliche Naturereignisse wie die Sonne, die durch ein Blätterdach scheint oder auf oder untergeht (na ja, die Aufgänge bekomme ich kaum mit) oder ein Sternenhimmel in den Bergen. Es ist die Vergänglichkeit, die mich berührt. Überflutet. Schönheit lässt mich hoffen, dass doch nicht alles verdorben ist. Dass es so etwas wie Reinheit, Güte und Klarheit gibt. Nicht nur da draussen irgendwo, nicht nur in der unberührten Natur, sondern mitten unter uns. In uns. In mir und meinen Mitmenschen. Trotz all dem Scheiss, den wir anrichten.

Schönheit zu betrachten, mich auf sie einzulassen, ist meine Therapie. Nährend und heilsam. Und praktisch kostenlos.

Nein, Schönheit kann weder absolut gesehen werden noch für alle wahr sein. Sie ist einfach. Und sie tut gut.

Im Taxi um die Welt

20. Juni 2009 = Internationaler Flüchtlingstag. DAS Event, wenn du in einem Hilfswerk arbeitest! 🙂 Endlich …

Dass Murphy, der Pannenspezialist, ein naher Cousin 😉 meiner Arbeitskollegin K. ist, mit der ich mich für die erste Schicht am Stand (Einrichten und Standbetreuung) eingeschrieben hatte, wusste ich noch nicht, als ich gestern Vormittag A.s Anruf erhalten hatte. Er hatte sich für eine relativ lange Betreuungsschicht eingetragen hatte und war am Freitag verunfallt. Zwar Bagatelle, doch nicht arbeitsfähig. Puh, der Arme. Doch trotz der Verletzungen hatte er als Ersatz einen anderen Arbeitskollegen gesucht und gefunden, der seine Schicht eine Stunde früher anzutreten versprochen hatte. So weit so gut. Zwar Panne (Nr. 1!) – doch gut gelöst!

Mein Auto, das als Transportfahrzeug für das Standmaterial dienen sollte, hatte am Freitagabend bereits gezickt. Die Lady – nein, fragt bitte weder sie noch mich, wie alt sie ist! – kommt wohl langsam ins Alter, wo nichts mehr selbstverständlich ist! Oder die Gute ist sich neuerdings zu gut für Transporte? Bereits am Freitagabend, als ich mit R. nach M. gefahren bin, um mit anderen zu singen und trommeln, hatte sich mein Sternchen (offiziell Toyota Starlet) erst nach zwei oder drei Anläufen bequemt, ihr Motörchen schnurrend zu starten.

Gestern Morgen nun, als ich mit ihr zum Büro fahren wollte, führten wir ein kurzes, aber ernsthaftes Gespräch. Und siehe da: Sie startete gutmütig. Vor dem Büro fand ich zwar eine Parklücke, allerdings zwanzig Meter entfernt, so dass wir die schweren Kisten ein Stück würden tragen müssen. Nach ein paar Minuten wurde eine Lücke direkt vor meinem Bürofenster frei und ich beschloss, während K. die Sachen durchs Fenster hievte, näher zu fahren. Doch Sternchen war anderer Meinung. Tat keinen Mucks. Ein paar weitere Versuche. Kein Mucks. War (bloss) die Batterie leer und wenn ja, wie hatte das passieren können?

Wir beschlossen schliesslich, ein Taxi zu rufen. War auch nicht viel teurer, als einen Tag im Parkhaus. Der nette Chauffeur half uns sogar beim Ein- und Ausladen. Auch  Panne Nr. 2 gut gelöst!!! Anschliessend schickten wir Murphy in den Himmel. Er hielt sich für den Rest des Tages fern. Zusammen mit den Regenwolken – bestimmt waren sie zusammen unterwegs. Hauptsache sie liessen Bern in Ruhe. Perfektes Marktwetter auf dem Bundesplatz. Nicht schön oder heiss genug, um wegzufahren, doch nicht schlimm genug, um zu Hause zu bleiben.

Bereits als wir den Stand aufstellten, kamen die ersten Kinder und wollten wissen, wie das Geschicklichkeitsspiel, das ich mit einen Kollegen ausgetüftelt hatte, funktionierte. Von da an, war das Spiel praktisch pausenlos in Betrieb.

FlueFest3

Die Standbetreuung war total kurzweilig. Buntes Treiben allerorten. Gerüche. Farben. Menschen von überall. Eine kleine heile Welt auf dem Bundesplatz. So friedlich. So farbig. So vielseitig. So lebendig. Und so menschlich. Natürlich wurde auch mal gezankt, wenn eines der Kinder sich nicht gedulden konnten, bis es endlich an die Reihe kam. Wie freute ich mich, mit dem kleinen kraushaarigen Knirps, als er es das erste Mal alleine geschafft hatte, seine Kugel ins Ziel zu führen. Als Sofort-Preise und Giveaways verteilten wir handförmige Kekse – gebacken und einzelverpackt in einem „unserer“ Programme – um den Leuten gleichsam die Hand zu reichen. Hand in Hand gelingt Integration stand auf der Rückseite. Sogar diese Kleber waren mein Werk. Die anderen machten mir haufenweise Komplimente für die gute Vorbereitung und Organisation. (Puh, wenn ich in etwas untalentiert bin, dann darin, solche Ermutigungen einfach annehmen und geniessen zu können.)

Fluefest1

Fluefest2

Meine zweite Schicht begann um zwanzig Uhr. Noch immer waren Himmel und Feststimmung heiter. Und die Musik auf der Bühne gefiel mir je länger je besser. Kurzweilig war es. Wir hatten haufenweise gute Gespräche mit interessierten Standbesuchenden, unterhielten uns mit den Kindern oder beantworteten Fragen zu den kunsthandwerklichen Produkten, die wir verkauften. Die Zeit verging wie im Flug. Abgeräumt war schnell und meine letzte Schichtkollegin war, was ich vorgängig nicht gewusst hatte, mit dem Auto da. Wie praktisch! So mussten wir kein weiteres Taxi ordern.

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Wie müde ich war, als ich endlich wieder in meine Welt zurückkehrte und meine Wohnung betrat! Doch schön war sie gewesen, meine kleine Reise um die ganze Welt. Ach, wie froh ich bin, kein Flüchtling zu sein!, dachte ich, als ich mein Feiernachtbier auf dem Sofa genoss. Wie wunderbar, dass ich ein Zuhause habe. Und ein Auto (das zwar zurzeit nicht fährt.) Und einen Pannenservice. Und eine Arbeitskollegin mit einem Cousin namens Murphy, der auf den Regenwolken in die Ferien reist.

Und den Sommer begrüsst. Und den längsten Tag …

Am Anfang war die Baustelle …

Selbst wenn niemand mitlesen würde, wäre mein Blog ein Ansporn für mich, jeden Tag ein paar Zeilen zu schreiben. Hinzuschauen. Etwas rauszupicken, das meinen Tag zu diesem ganz besonderen Tag gemacht hat, der sich von allen anderen durch seine Einmaligkeit unterscheidet.

Neue Dinge sind bei mir immer mit dem Zauber des Neuen verbunden. Natürlich. Schon Hesse wusste das. Neues kreieren, obwohl es alles schon gibt, liebe ich.

Mein neues Blog ist wie eine neue Wohnung. Da ich schon über zwanzig Mal – bei zwanzig habe ich mit Zählen aufgehört – umgezogen bin, weiss ich, wovon ich spreche. 🙂

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Die Baustelle … Kisten stehen herum. Stehen im Weg, werden dreimal umplatziert, bevor ich Zeit habe, sie auszupacken. Ein Bild wird aufgehängt. Abgehängt. Umgehängt. Das Sofa mal da, mal dort hingeschoben. Was ist praktischer? Wie sieht es wohnlicher aus?

So ähnlich richte ich mich in diesem Blog ein. WordPress hat ja sooo viele Angebote fürs Layout – und jedes hat Vor- und Nachteile … ähm, hatten wir das nicht schon mal?

Erchlüpfed auso ned, wenn ich meinem Blog von Zeit zu Zeit ein neues Kleid anziehe. Ich mag Abwechslung … Ich häute mich heute … und  morgen … und immer wieder …