Fallobst, handverlesen

Wenn ich – ja, das kommt hin und wieder tatsächlich vor –, eine neue Geschichte aus Fallobst und Handverlesenem in der Presse habe, dreht sich auf einmal alles in mir nur noch um diesen Text. Die Geschichte lebt in mir. Womöglich war sie schon immer da und wartete darauf, von mir wachgeküsst zu werden. Wohl ist sie irgendwie vertraut, ist Teil von mir, doch hat sie eine ganz eigene Persönlichkeit, einen unverwechselbaren Charakter und eine ureigene Energie. Und natürlich hat sie ihre Schwächen. Doch die sehe ich natürlich in diesem Zustand noch nicht.

Schließlich will ich sie erst einmal atmen sehen, sie kichern und furzen hören. Will ihr lauschen, will sie berühren. Ein bisschen sie knuffen. Mit ihr schäkern. Will mit ihr spazieren gehen. Will sie im Wald und in der Stadt erleben. Will ihre Reaktionen sehen, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht, will schauen, wie sie sich über etwas freut. Und sich ärgert. Wie sie lacht und weint, will ich erleben, hautnah. Kurz und gut: Wenn sich eine Geschichte in mein Leben spinnt und drängt, will ich sie kennenlernen.

Für jede meiner Geschichten brauche ich die Energie der Verliebtheit. Zugegeben, das macht mir manchmal Angst. Ob ich dabei nicht all meine Verliebungsfähigkeiten aufbrauche? Oder sind die unbeschränkt in meinem unterirdischen Lager gespeichert? Na ja, ich habe eigentlich gar keine Wahl, denn ohne diese Energie geht Schreiben bei mir nicht. Ich muss mich bei jedem neuen Text auf diesen Zauber einlassen können. Ohne Kritik vorerst. Mich einlassen auf die Magie des Unbekannten. Auf die Kraft des Neuanfangs.

Und mit jeder Geschichte – ob kurz oder lang – gehe ich den Weg jeder zwischenmenschlichen Beziehung: Anziehung. Begeisterung. Verliebtheit. Allmählich genaueres Hinschauen. Ernüchterung. Kritik. Akzeptieren – zulassen – loslassen. Auseinandersetzung. Reibung … Ob es ein Happy End oder eine Trennung gibt, zeigt sich erst nach einer Weile. Ob sich aus der Verliebtheit in eine Idee die Liebe zu einer Geschichte, zu einem Artikel entspinnen kann, zeigt sich an der Qualität, an der Interaktion, am Miteinander, an der Chemie zwischen mir und ihr.

Was lässt sich denn über eine Geschichte sagen, die schon fast fertig auf meiner Festplatte döst? Happy End, da sie – wie gesagt – fast fertig ist? Oder Trennung, weil ich sie nicht auf die Reise in die Welt geschickt, sondern eingemottet habe? Gibt es da noch ein Dazwischen? Eine friedlich Koexistenz zwischen Ge-Schichte und Schichterin? Eine Freundschaft, die ganz und gar ohne Forderungen ist? Wir erinnern uns: Während des schöpferischen Prozesses war die dichtende Schichterin unglaublich glücklich. Wie es eben nur Verliebte sind. Kann denn die Daseinsberechtigung einer Geschichte – neben der Ehre, geboren worden zu sein– schlicht darin bestehen, Teil dieser komplexen, sinnlichen, simplen Welt der Gedanken und Gefühle ihrer Schichterin während ihres Schreibprozesses zu sein?

Reicht das? Falls und wem nicht, der finde mir einen Verlag, der sich all der Schichten auf meiner Festplatte annehmen möge. Hach. Wäre das schön, wenn an der Lesung in zwölf Tagen eine Verlegerin oder ein Verleger im Publikum säße und sich in mein Novellen-Manuskript „Loch im Eis“, aus dem ich vorlesen werde, verlieben würde.

Doch was dann? Die Welt der Möglichkeiten verlassen und jene der Realität betreten?

an die Leine genommen

Ja, ich weiß, es ist Sommer. Alle Welt tummelt sich draußen. Die Sonne scheint und die Natur ruft  … Doch der Abgabetermin für meinen Artikel rückt unaufhaltsam näher. Außerdem habe ich ein paar rohe Geschichten auf dem Feuer. Die müssen eingeköchelt und ständig mit ein bisschen Wasser abgelöscht werden. Sonst brennen sie an. Und für die Lesung in dreizehn Tagen (schon?) muss ich auch noch den richtigen Text finden.  All das vor den Ferien … es gibt viel zu tun. Es GÄBE viel zu tun …

Deshalb bin ich heute brav zuhause geblieben und sitze bei schönstem Wetter am Laptop. Allerdings so gut wie draußen. Doch was tue ich? Ich surfe! Womit wir wieder beim Thema „zu wenig Zeit“ wären. Zwei Herzen in meiner Brust. Wie der Autor im Buch, das ich lese, habe ich offenbar auch meine ganz eigene Art von Disziplin.

„Der Nichteingeweihte versteht das natürlich nicht. Es wäre ja auch kaum begreiflich zu machen, worin die Disziplin liegt, wenn einer vier bis fünf Stunden des Tages mit ruhelosem Warten im Nichtstun verbringt: aufsteht, von einem Raum in den nächsten wandert, sich irgendwo niederlässt, (…) ein Bad nimmt, zu einem Buch greift (…) Krach schlägt, wenn ein Besuch in „stört“ (…) …inzwischen ist es nachmittags um sechs oder vier Uhr früh – und mit weiterer Zeitverschwendung von zwei Stunden erfolgreich eine oder bestenfalls anderthalb Seiten vollzuschreiben.“

Sándor Márai. Mal wieder. Seit ich seine „Glut“ gelesen habe, schafft es dieser ungarische Autor immer wieder, mich zu packen. Den roten Faden in seinen Romanen sehe ich weniger in den Themen oder Figuren seiner Geschichten, als darin, wie er menschliche Banalität, menschliche Genialität, menschliche Absurdität und menschliche Brutalität, die alle irgendwie ganz nahe beieinander stehen, sich wohl oder übel gegenseitig einatmen und sich zugleich voneinander fortdrängen, in Worte kleidet. So als hörten wir seine Antiheldinnen und –helden beim Denken zu.

In der Bibliothek bin ich neulich fast zufällig über seinen „Hund mit Charakter“ gestolpert. Wie bitte? Márai schreibt einen Roman über Hunde? Jawohl! Und wie! Der Protagonist, genannt „Herr“ – Màrais Alter Ego? –, schenkt der Dame des Hauses zu Weihnachten einen Welpen. Wir schreiben das Jahr 1928. Nein, nun kommt keine süße Hundegeschichte, wie könnte es auch? Es folgt, typisch für den ungarischen Philosophen, eine Geschichte darüber, wie diese kleine Kreatur, dieses wollknäuelige Hundebaby, mit seiner Schamlosigkeit den ganzen Haushalt durcheinander- und den Autoren dazu bringt, eigenes Verhalten zu hinterfragen. So wie es eben nur Márai kann.

„Es fällt ihm dennoch schwer, den Widerstand aufzugeben; die Scham, die ihn überkommt, wenn er sich um ein Tier kümmert, wohl wissend, dass jetzt gerade hundert Millionen Menschen auf der Erde … – doch wie soll er sich mit hundert Millionen Menschen abgeben? Wie soll er sie alle lieben? Wie kann er etwas für sie tun, wenn er keinen einzigen von ihnen kennt? Vielleicht sollte man die Welt doch einfach da anpacken, wo sie einem am nächsten ist. Wo man sie zu fassen bekommt? (…) Und dann, wenn all das erledigt ist und er immer noch einen kleinen Überschuss an Gefühlen, Hingabe und Eifer hat, dann darf er diesen zum Beispiel auch an einen Hund verschwenden …“

Der Tag, an dem der Hund die Leine kennenlernt, ist kein einfacher. Zuerst flippt er beinahe aus …

„Plötzlich hält der Hund im nervösen Herumtrippeln und Wimmern inne. Jetzt hat er begriffen. Er erstarrt vor Entsetzen, und dann sagt er Nein! (…) Es bricht mit so entsetzlicher Wut und Verzweiflung aus ihm hervor, wie es nur aus jemandem hervorbrechen kann, der im Recht ist. Er hat das An-der-Leine-Sein verstanden, begriffen fürs Leben. Nein, das nicht! … kommt der Schrei. (…) … das kann doch nicht sein! Warum auch? Dann wäre ja alles aus, der Sinn des Daseins, kein Ziel mehr, für das es sich zu leben lohnte, da wäre keine Würde mehr und keine moralische Gerechtigkeit und auch kein wahres Gesetz, weder dort oben in den Sternen noch hier unten in der endlichen Welt zwischen Schlaf- und Herrenzimmer! Jetzt hat er begriffen und kann es nicht ertragen.“

Eichen im Teller #1

Hier ist es!
DAS Wörterbuche, wie es im Netz schwimmt. Und meer!
Kurz: DAS Nachschlagerwecker für fasst alle(s)

© by Sofasophia

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Karmaschinken, m, (kein Pl.)
Vegetarische Imitation einer italienischen Spezialität aus Fleisch, die – laut Herstellerfirma – keine schlechten Einflüsse aufs Karma haben soll

Obsteopathie, f –n
Heilmethode für Knochenerkrankungen, die auf der Einnahme von frischen Früchten und den ihnen innewohnenden Vitaminen basiert

imprämiert, adj.
ausgezeichnet wasserdicht

Sündergie, f, -n
vereinte Anstrengungen innerhalb einer Gruppe Gleichgesinnter, um den Lastern des Lebens abzuschwören, zum Beispiel Weight Watchers oder ähnliche Unsittenwächtereien

SofastIn, m/f, -nen
spitzfindige/r Sofa(be)sitzerIn

Schulle, f, -n
Pausenbrot für die Schule

Bankhok, m, -e
Sitzgelegenheit in einer asiatischen Stadt. Wird auch für Menschen, die sich in einer Geldanstalt dieser Stadt an ihren Schreibtisch setzen, verwendet

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Die Idee, so mit Wörtern zu spielen, ist nicht neu. Auch gibt es mindestens ein Blog, das solche Wörter gezielt sammelt … den Link habe ich grad nicht soeben gefunden! Doch die Wörter hier,  im neuen Kapitel „Eichen im Keller“,  sind alle auf meinem Mist gewaschen gewachsen …

Ich bitte euch herzlich, meine Wortschöpfungen – meinen Kompost? – als mein geistiges Eigentum zu respektieren … thanx!

Absurd?

Manchmal möchte ich ja all die Zeit, die ich fürs Schreiben verwende, gleich zweimal zur Verfügung haben. Anders gesagt: Mir fehlt bisweilen jene Zeit, die ich schreibend verbringe, für alles andere. Noch anders gesagt: Was machen eigentlich all die anderen Menschen mit jener Freizeit, die ich schreibend verbringe? Tja, dieses Andere in mir, das immer so tut, als komme es zu kurz, will eben auch getan, gelebt, gesehen werden.

Na ja, solche Gedanken sind – jedenfalls für mich – im Grunde völlig müssig, absurd sogar, denn Schreiben ist ja etwas, das ich fürs Leben gerne mache 🙂

Tatsache ist, dass meine Lebenszeit zurzeit so blödsinnig knapp wirkt, so dicht, so unfassbar, dass es fast weh tut … Je mehr ich darüber brüte, desto schneller vergeht sie, meine Zeit. Wie ätherisches Öl. Wie ein Duft. Schaue ich am Abend zurück, bedaure ich, wie uneffizient ich doch war … Habe – sagen wir mal – meine Zeit mit Bloggen vertan und über die Zeit sofasophiert, statt dies und das und anderes zu tun …

Doch gibt es immer wieder auch Zeiten in meinem Leben, wo ich mir wünsche, dass meine Lebenszeit ganz ganz schnell vorüber geht. Dass ich mein Leben möglichst schnell und unbeschadet hinter mich bringen kann. Ohne irgendwo hängenzubleiben. Spur- und schrammenlos. Ich sehe mich lebenssatt, auf meinem Sterbebett liegend, zurückschauen und sagen: Well done. So will ich sterben. Wenn es so weit ist. Wie Antonia in Antonia’s Line.

Aktuell jedoch bin ich lebenshungrig. Ich will leben und erleben. Ich will sehen und verarbeiten. Ich will aufnehmen und schreiben. Und ich will meine Schreibe teilen.

Leben ist vorläufig. Voller „Vielleicht“ und voller „Womöglich“. Voller Möglichkeiten. Doch Möglichkeiten sind nur solange faszinierend, wie sie Möglichkeiten sind. Werden sie möglich gemacht, will heißen, werden sie ins Leben gerufen, sind sie nicht mehr möglich, sondern real. Und lange nicht mehr so faszinierend, wie damals, als wir ihnen nachjagten.

Ist etwas erst real, glitzert es nicht mehr. Oder doch? Ich will meine Realität immer wieder umträumen. Doch um sie umträumen zu können, wäre es noch gut, zu wissen, was ich will …

Fürs Erste reicht mir vielleicht ein bisschen Zeit, um diese Frage womöglich beantworten zu können. Dream on, Sofasophia!

Nazareth lässt grüssen!

Spiralen

Nein, die Zeit ist nicht linear. Sie hüpft im Kreis. Sie tanzt Spiralen. Und Tango oder Salsa. Oder zu Reggae ;-). Oder sie krabbelt im Krebsgang. Hin und wieder träumt sie vor sich hin. Dabei vergisst sie, den Zeiger zu bewegen. Oder sie dreht ihn rückwärts.
Warum ich mir da so sicher bin?
Weil ich am Morgen älter bin als am Abend. Das ist meine Wahrheit!

Na ja, was wirklich wahr ist, wissen wir nicht.

Vorgestern, im Gespräch mit Pfarrer H. – bei den Vorbereitungen für die Lesung im Oktober – sagte ich:
„Einer Erkenntnis ist es letztlich egal, ob du sie durch dieses oder jenes Weltbild gefunden hast. Erstens ist sie eh eine vergängliche Besucherin und zweitens spielt es keine Rolle, warum und um wessen willen jemand ethisch korrekt handelt. Hauptsache er oder sie tut es …“.

Ist also doch das Ziel wichtiger und wirklicher als der Weg? Öhm …?

Was wahr ist, ist wahrlich nicht einfach zu sagen … Gar gänzlich unmöglich, wie Monsieur Bredenberg ahnt?

Schlampen-Ich und Geschichten-Ich

Diesmal war der Titel zuerst da – Huhn oder Ei? …

Er wartet schon seit ein paar Stunden. Na ja, ob er wartet, weiss ich nicht wirklich, denn da er ziemlich schlampig ist, stört ihn Warten nicht. Wozu auch? Was ist Warten denn anderes, als Sein? Wozu überhaupt warten, wenn Sein genügt?

Habe ich meine Schlampenidentität gefüttert, kann ich dazu übergehen, meine literarischen Tagesziele zu erfüllen … Was es denn frisst, mein Schlampen-Ich? Ein paar Scheiben Chillen extra soft. Dazu ein paar Schlucke Bier. Und die Erlaubnis, da sein zu dürfen, das Wissen, willkommen zu sein. Easy, nicht wahr?

Nach einem gefühlsintensiven Tag im Büro – „Was ist heute bloss mit den Sternen los? Wieso sind heute alle so dünnhäutig?“ (O-Ton meiner Kollegin F. kurz vor Feierabend) –  hatte ich das dringende Bedürfnis, zuerst zwanzig Minuten crossend Dampf abzulassen, um nachher auf dem Sofa sophierend vor mich hin zu schlampen. Jaaa! Nichts tun. Nichts müssen. Nichts leisten. Nichts! Gar nichts  …! Die Batterien leeren. Die Batterien sich füllen lassen. Ohne mein Zutun. Einzig durch meine Hingabe ans Nichts. Ebbe. Flut.

Tagessoll? Das bedeutet, meinen unschlampigen, literarischen Vorsatz umzusetzen, jene Geschichte, die ich am 11. Oktober im Rahmen eines Gottesdienstes lesen soll, zu entwerfen … (Gottesdienst? Würkli? Ja, lacht nur … habe ich zuerst auch, als ich angefragt wurde …! Doch inzwischen sehe ich das Ganze als Mögilchkeit, statt nur über Toleranz zu reden, diese zu leben …).

Sie war einfach da. Heute morgen als ich erwachte, baute sie sich vor mir auf. Sie liess sich weder vertreiben noch umbauen. Breitbeinig stand sie vor mir, meine Geschichte. Unübersehbar. Kiekste mir den Schreiber an die Brust und sagte: Schreib! Doch erst nach Feierabend und Schlampenfütterung war ich in der Lage, ihrem Befehl ihrer Bitte nachzukommen.

Das Leben hat sie geschrieben, diese Geschichte. Hand in Hand mit meinem Geschichten-Ich, das bisweilen riesige Ohren hat. Und Augen, die die dunkelste Nacht durchschauen. Gestern Abend war ich mit M*, einem Ex, mal wieder am Gerzensee. Wie immer führten wir – im Wasser und an Land – angeregte Gespräche. Als dann noch eine ehemalige Arbeitskollegin in meinem Blickfeld auftauchte  – „Oh wie schön! Lange nicht gesehen! Was lebst du auch?“ – , wurden die Gespräche noch einen Zacken intensiver. Gott und die Welt. Und die Männer. Und Frauen. Und so. Mein Geschichten-Ich spitzte die Ohren und machte sich Notizen. Nachts hat es das Ganze auf kleinem Feuer eingekocht, um es mir heute morgen pfannenfertig zu servieren.

Ganz schön praktisch. Bin ich froh, dass Schlampen-Ich und Geschichten-Ich Freundinnen sind! Manchmal jedenfalls.

Resümeehrchen

Gestern Nachmittag kamen wir in Genuss einer der kürzesten Konzertansagen, die ich je gehört habe:
„Hattet ihr schon mal Sex ohne zu schmusen?“
Das Publikum druckst an einem Ja herum.
„Na, dann wisst ihr ja, wie das ist. Es geht. Aber etwas fehlt … So ähnlich ist ein Gurtenfestival ohne sie! Es geht zwar, aber eben … etwas fehlt …  Darum sind sie dieses Jahr wieder da …
PATENT OCHSNER!

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Später dann die Entdeckung des Tages für mich: Travis … Geile Bühnenpräsenz … okay, okay, Easylistening, ziemlich nett … aber dennoch: Warum auch nicht? EDIT: Hier könnt ihr mich hüpfen sehen … Pogo-Weltrekord!

Zwischen den Konzerten sammeln geschäftstüchtige Kids PET-Flaschen, Teller und Gabeln ein, denn für alles bekommen sie Depot. Supererfindung, das Cup Conzept, das seit Jahren auf allen Berner Veranstaltungen Pflicht ist. Eine weitere Supererfindung machten ein paar Teens, die mit ihrem fahrbaren PET-Containter ebenfalls Flaschen sammelten. Nicht für die eigene Tasche allerdings, sondern um ein Öko-Projekt zu unterstützen. Um den Reiz des Spendens zu erhöhen, applaudieren sie lautstark, wenn jemand eine Flasche einwarf. Nur schon ihr Applaus und ihre Begeisterung war eine Spende wert!

Geschirr kostete  temporär, dafür war Rauchen und Kiffen gratis. Jedenfalls passiv. Dauerflash garantiert? 🙂

Sofasophia über den Altersunterschied zwischen I. und E. (O-Ton):
„Ist doch gut, wenn er älter ist als sie. Dann hält er länger. Männer laufen ja eh früher ab!“

Mehr zum Gurtenfestival 2009 und hier noch mehr Gurtenfestival

EDIT:

Und noch mehr

Tag der Schlangen

warten
Stau stehen
Verdichtung
Ellbogen
rosa Gummistiefel
Schlamm
aha!

Gurten 09 017_sm
ankommen
Handys in Action
SMS
suchen
finden

Gurten 09 016_sm

himmelblau
lachen
mitsingen
Sounds voll gut

Gurten 09 024_sm

klatschen
pfeifen
schreien

Gurten 09 030_sm

Gurten 09 034_sm

Gurten 09 043_sm

viel Energie
viel Materie
Dichte

Gurten 09 048_sm
Dräcksäck überall
in gelb
viel Wasserverbrauch
und Bier
und noch viel mehr WC-Papier

viel Luft
viel Himmel

= Gurten 2009!

Von Spatzen und Menschen

Er landet im Sturzflug und schnappt sich, noch bevor er zu stehen kommt, das kleine weisse Teil, das auf dem Boden liegt. Spukt es wieder aus, weil es nicht wirklich essbar ist. Obwohl es für ihn so ausgesehen hat. Nichts ist, was es scheint, darum packt er es erneut. Spukt es nochmals aus. Es schmeckt noch immer nicht. Schade. Da landet Spatz Nummer zwei neben ihm und interessiert sich ebenfalls für das weisse Teilchen.

Jetzt, wo Spatz Nummer eins Konkurrenz hat, wird das Ungeniessbare spannend, obwohl er fast schon akzeptiert hat, dass es weder als Nist- noch als Futtermaterial taugt. Nummer zwei hopst neben Nummer eins her und will das Ding ebenfalls. Nummer eins hält es fest. Er spukt es erst wieder aus, nachdem er sich hüpfend aus der unmittelbaren Nähe von Nummer zwei entfernt hat. Und so weiter und so fort.

Mein Zug fährt ein und ich kann die Szene nicht weiterverfolgen. Hat Nummer eins beschlossen, Nummer zwei das Teil zu überlassen? Oder hat er es mit in sein Nest genommen? Wie Menschen irgendwie, denke ich, während ich den Zug nach Fribourg besteigen will. Wie Menschen?

Allerdings nicht wie die beiden Clowns auf dem Perron … Eine rote Nase, ein bisschen weisse Schminke, roter Schal und Hut, weisses Hemd, rote Schlabberhose – so wenig braucht es, um Menschen zu erheitern und Freude zu teilen. Die beiden Clowninnen tun nichts anderes, als uns Aus- und Einsteigende lächelnd zu motivieren, das zu tun, was wir eh tun würden: aus- und einzusteigen. Kein Gesicht bleibt starr. Auf einmal lächelnd sich alle zu und plaudern mit Herr und Frau Unbekannt. Ob die beiden Frauen dafür bezahlt werden?, frage ich mich. Ob sie das für die SBB machen? Für die Stadt Bern? Wozu? Machen sie es womöglich einfach für sich selber, aus Spass, aus Freude am Freude schenken? Zeit und Lachen verschenken, wer macht das noch?

Na ja. Etwas ähnliches tut die Fribourgerin N. Und ich auch. Wir schenken einander von unseren Talenten. Sie gibt mir eine Behandlung und ein Interview, ich schreibe dafür über sie und ihr Heilerinnen-Netzwerk im nächsten Spuren. Und beide lächeln wir uns beim Abschied zu. Auch ohne rote Nase.