Einer dieser Tage I

05:13. Ohne Wecker erwacht. Geweckt von Kreisen, die in meinem Kopf kreisen. Ichen könnten man sozusagen dazu sagen. Sie formieren sich. Kongruenzen bilden sich. Einige berühren sich nur am Rand. Andere gar nicht. Am meisten hat es von jenen, die eine gemeinsame Schnittmenge haben.

Und. Oder. Nicht. – Wahr. Nicht wahr. – Konjunktionen. Disjunktionen. Negationen.
Weiße Kreide. Gänsehaut an den Ellbogen. Schwarze Tafel. Jimmy, der Algebra-Lehrer. R.I.P. Erinnerungen. Echos. Geruch von nassem Wandtafelschwamm.

In der gemeinsamen Kreis-Schnittfläche das Wort Füttern gelesen. Oder Futtern. Nein, Hunger habe ich nicht.

Wir leben nur, wenn uns jemand füttert. – Wahr?
Wir leben nur, weil uns jemand füttert. – Auch wahr? Nicht wahr?
Wir leben, um zu füttern? – Wahrer?
Wir leben, weil wir füttern? – Noch wahrer?
Wir leben, um gefüttert zu werden. – Kaum wahr? Oder doch?
Füttern wir überhaupt? …
Oder habe ich da gar statt leben lieben gemeint? Meine Nachtschrift ist noch schwieriger zu entziffern als die tageslichte.

Wo solche Träume, wo solche Sätze wohl waren, bevor sie sich in meinen Kopfkreisen eingenistet und wieder ausgesponnen haben? Einem Wespennest gleich stelle ich mir das Buchstabenreservoir in meinem Innern vor. Ein Gewusel. Ein Gerangel. Machtkämpfe vielleicht.

Einige schlummern. Wie jene dürren Wüstenrosendinger, die wir als Kinder so liebten. Leg sie ins Wasser und sie beginnen zu blühen. Ja, auch solche Buchstabenknäuel hab ich in mir drin. Bestimmt! Leise sind sie. Geduldig. Ausdauernd auch. Und auf einmal, wenn ich es regnen lasse, sind sie hellwach. Wunderschön. Klar. Da. Und nur sichtbar, weil ich hinsehe.

Füttern oder futtern? –Nicht wahr? Beides wahr?
Leben oder lieben? – Wahr?

Womöglich ist nur die Schnittmenge wahr. So es WAHR denn gibt. Die Schnittmenge aller Kreise. Aller Kopfkreise. Aus allen Köpfen. Aus allen Ländern. Winzige, riesige Schnittmenge. Nur eine. Für alle.

Später, unter der Dusche, gedacht: Ist es wahr, dass sich Kalk da besser ablagert, wo es bereits Kalk hat? Oder nur bedingt? Und, wenn nur bedingt, wie sehen diese Bedingungen aus? Sind sie thermischer Natur? Rein physikalisch erklärbar oder rein chemisch? Wobei das rein bereits wieder nach neuen Bedingungen schreit … Und mehrdeutig ist. Und dass diese Frage komplexer ist, als sie scheint. Und dass ich keine Antwort habe. Und dass es mir egal ist, wie die Antwort lautet, weil sie eh relativ ist.

Während ich meinen Saft trinke, frage ich mich, ob mein Bewusstsein und die Fähigkeit zur Selbstreflexion meine Authentizität und Unmittelbarkeit stören. Zerstören gar? Läuft Bewusstsein der Natürlichkeit zuwider? Wer wäre ich ohne meine Selbstwahrnehmung? Zum Beispiel im Straßenverkehr?

„Bildung ist wichtig, vor allem wenn es gilt, Vorurteile abzubauen. Wenn man schon ein Gefangener seines eigenen Geistes ist, kann man wenigstens dafür sorgen, dass die Zelle anständig möbliert ist.“
Peter Ustinov, 1921-2004

Gedruckt auf eine Werbe-Postkarte. In der Büro-Post gefunden. Zur Verschönerung meiner Bürohälfte an die Pinnwand gehängt. Und mich gefragt, ob Ustinov wahrsagt.

Und dann? Dann habe ich gearbeitet.

ungeplant

… um viertel nach fünf unter dem fetten Stapel meiner unerledigten Pendenzen meinen heutigen (ungeöffneten) Postberg entdeckt. Stimmt. Untergegangen. Abgetaucht. Liegengeblieben.
Na ja. Ob die Idee wirklich gut war, den anderen zu sagen, dass ich nicht voll ausgelastet bin?
Und ausgerechnet jetzt sind meine üblichen Tagesgeschäfte gewachsen. Terminlich bedingt, wie es so schön heißt.
Immerhin vergeht so die Zeit wie im Flug.
Saumüde bin ich trotzdem.
Mein Kopf dröhnt.

+++++++++++

Pause
Ruhe
Wald
Den Kopf leeren
Die Lungen füllen
Mit M. plaudern
Das Herz füttern

+++++++++++

Ich glaube nächstens muss ich meine vielen Ms durchnummerieren. Vielleicht im gleichen Aufwisch in männliche und weibliche M aufteilen.

Diese M hier? Die ist weiblich und darum weder Patensohn, noch Schreib-Compañero noch Ex-Liebster …
Liebe Freundin ist sie, wilde Frau, Traum-Tänzerin. Wohnt im Nachbarquartier. Banales mischt sich im Beschreibenwollen mit unfassbarem … Wörter um Menschen zu beschreiben – sie genügen nicht. Nie!

Wir alle sind so viel mehr. Du. Ich. Bin ich überhaupt? Oder nur grad jetzt, wo ich denke, wo ich schreibe, wo ich sichtbar werde und den Kopf ein klein wenig und mühsam aus der Blase zähflüssiger Alltäglichkeit heraushebe?

Bin (n)ich(t) das, was du siehst. Ohne Fragezeichen. Bist du das, was ich sehe?
Bin ich, weil du mich siehst – Wirkung deines Sehens? –  und du ebenso? Solange nur.

Ist, was wirkt?
Wirkt, was ist?
Was ist?
Ist was?

Peter Stamms „Die Planung des Plans“, die ich gestern gelesen verschlungen habe, klingt nach.

Er geht durch Zürich. Seine Gedanken kreisen – es geht um die Planung des Plans, oder auch deren Unmöglichkeit. Der Plan – soviel ist sicher – ist von größter Bedeutung.
„Am Anfang war der Plan. Jahrelang habe ich an diesem Plan … nein, immer. Immer. Seit … es ist mein Plan. Ohne den Plan bin ich niemand mehr. Nichts mehr. Es geht nicht um mich. Ich habe eine Aufgabe. Es geht nur um die Aufgabe. Ohne die Aufgabe wäre ich ja … Aber es kann nicht sein. Der Plan kann nicht nicht sein. Er ist ja da. Die Frauen. Man kann sie sehen. Alles. Der Plan … er macht mich groß. Es ist ein großer Plan. Ein umfassender Plan. Uferlos. Es gibt viele Pläne, kleine Pläne, Details. Aber kein Plan ist wie dieser. Er enthält alles. Alle anderen Pläne und alles sonst. Nichts wurde vergessen. Ich habe nichts … Ich habe keine Mühe gescheut. Alles … an alles muss gedacht werden. Nicht gedacht. Man muss eins werden mit dem Plan. Sich einfühlen in alles. Eine Eigenschaft werden. Ein Plan von einer so … ein so komplexer Plan kann nur funktionieren, wenn alles eins ist, wenn alles sich bewegt wie ein Körper. Eine Bewegung. Die Einheit … der Zeitpunkt, die Personen, die Frauen, die Bewegungsabläufe. Sehr genau.“
Ein Monolog voll beißender Ironie, intelligentem Witz und böser Hintergründigkeit.

Ooops. Jetzt hab ich doch gebloggt. Dabei wollte ich doch bloß schreiben, dass ich heute nicht schreibe.

aus alt wird neu

Da! Schau! Fledermäuse! Er räkelt sich neben mir auf der Decke. Zeigt himmelwärts. Ich bin zu spät. Da, wieder eine!

Dafür sehe ich Venus zuerst. Heller Abendstern. Die Dämmerung hat sie enthüllt. Das Plätschern der Aare macht mich schläfrig und ich fühle mich pudelwohl. Ob er sich mir auch so nahe fühlt, wie ich mich ihm?

Wie sehr er sich verändert hat! Innerhalb eines Jahres ist er fast zwanzig Zentimeter gewaschen, hat ungefähr fünfzehn Kilos zugelegt und seine Stimme ist eine Oktave gesunken. Mindestens. Beim Armdrücken habe ich nicht mehr die kleinste Chance. Wie sich das alles zusammen genommen wohl anfühlt? Die kindlichen Züge verlieren sich zusehends. Als häute er sich. Vierzehn Jahre alt sein. Sich selbst dabei zusehen, wie das Kind und der junge Mann um ihre neuen Plätze rangeln.

Welten könnten uns trennen, zumal unser Kontakt aktuell weniger intensiv ist als noch vor ein-zwei Jahren. Doch heute ist die Brücke weit offen. Wie der Himmel. Da! Wieder eine. Diesmal habe sogar ich sie gesehen. Ob Fledermäuse ebenso Glück bringt wie Sternschnuppen?

Als wir zu frösteln beginnen, gehen wir zurück zum Auto. M. an Krücken. Beim Pausenhofgerangel hat er sich den einen Fuß gequetscht. Einer seiner vielen heldenhaften Unfälle mal wieder.

Kaum war ich am späteren Nachmittag eingefahren, stiegen wir in den Keller, wo sich seine Volière befindet. Darin leben unter anderem seine vor drei Wochen geschlüpften Wellensittiche. Sein erster Zuchterfolg! Stolzer Vogelvater, der er ist, stellt er mir zärtlich die flaumigen Küken vor. Entwicklungsbedingt können sie noch nicht fliegen. Aber bald. Einfach so. Doch jetzt wissen sie noch nichts von den Gefahren der Welt und krabbeln mir über Bauch und Rücken, in die Ärmel und reiben ihren Schnabel an meiner Nase. Auf einmal verstehe ich, warum er diese Tiere so mag, mein Patensohn.

Beim Gemüse-Kichererbsen-Pasta-Eintopf, den ich gezaubert habe, schlägt er zu. Und vor, an die Aare zu gehen. Erzählt. Dies und das. Vertrauensvoll wie immer.

Irgendwann später, zur Schlafenszeit, frage ich ihn, ob ich ihm vorlesen soll. Er hat mir von seinem aktuellen Buch erzählt. Wir machen es uns in seinem Zimmer gemütlich und wie früher, in guten alten Zeiten, lese ich vor. Zuerst simultan, hochdeutsch-mundart, doch das Buch ist zu komplex für spontane Übersetzung. Vogelherz. Von Clive Woodall. Eine politische Metapher auf diktatorischen Machtmissbrauch. Ein Heldenepos. Ein Buch wie für M. und für diese Lebensphase geschrieben, will mir scheinen, während ich Seite um Seite lese und mich dem Bann der Geschichte ebenfalls nicht entziehen kann.

Alte Zeit? Neue Zeit? Egal, Hauptsache, dass ich meinen Patenjungen lieb habe. Ich seufze vor Wohlbefinden. Lautlos natürlich. Will ja nicht unkuhl sein, wo er es doch grad mal wieder sein kann.

So findet uns Papa M. vor, vom Ausgang zurück. Er staunt. So was geht bei ihm nicht mehr, sagt er später. Neue Zeiten eben.

Alten Zeiten entsprechend bleiben wir noch lange sitzen. Und ich freue mich – wie so oft – darüber, dass aus Exen Freunde werden können. Neue Zeiten eben.

Ausschnitte

Jippie! Meine Fotos von Schweden sind da. Wie anders sich Papierbilder doch anfühlen … Hochglanz statt Bildschirm. Zwar klein. Doch fein.

Betrachtend fühle ich die Stimmungen nach. Erinnere mich. Genieße erneut. Schöne ein wenig.

Ich betrachte den gewählten Ausschnitt. Frage mich, warum so? Warum nicht anders?

Ich wähle immer einen Ausschnitt. Das Ganze geht nicht.
Ich wähle, was ich fotografieren will.
Ich wähle, was ich erzählen will.

Stückwerk. Patchwork. Ausschnitt. Immer schneide ich ab, immer verwerfe ich das, was nicht auf das Bild und in die Geschichte soll. Ohne die Abschnitte wirklich betrachtet zu haben.

Doch wenn der von mir gewählte Ausschnitt andere ebenfalls anspricht, freue ich mich.
Und wenn meine Auswahl andere berührt, rührt es mich.

Obwohl doch schon alles bereits
gesagt
abgebildet
erzählt
gemalt
gebaut
gemacht
worden ist.

to do

Bin unzufrieden irgendwie. Lebe ich so, wie ich will? Wenn nein, was müsste ich verändern? Wäre das Problem gelöst, wenn ich ein paar Äußerlichkeiten ändern würde und wenn ja, welche? Dabei postuliere ich ständig, die Form sei unwesentlich. Auf die Einstellung komme es an. Verkehrte Welt, in der ich mich mal wieder tummle. Wie im Kinderspiel, wo das Gegenteil gilt von dem, was gesagt wird.

Paradoxien, Spiegelbilder, Gegensätze. Und immer wieder inspirieren sie mich …

Die leise Unzufriedenheit tuschelt mir die Ohren voll. Sie nervt mich.  Oder besser: ich nerve mich. Besonders darüber, dass ich meine Langsamkeit bereits wieder verloren habe. Dass ich bereits wieder am Listen abtragen bin. Notiert habe ich nicht nur, was ich tun sollte, nein, auch was ich tun will … Auf einer der Listen stehen Namen drauf. Menschen, die ich mag. Vernachlässigte Beziehungen, die ich beleben will. „Ich melde mich bald!“-Versprechen, die einzulösen sind.

Dabei will ich doch bloß meine innere Ruhe – ob alleine oder mit anderen ist da einerlei. Das Gegenteil dieses aktuellen Getrieben-Seins. Frei sein.

Da! Schon wieder ein Gegenteil. Im Gegenteil ist immer das Gegenteil mit eingepackt. Logisch.

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Während ich heute Nacht im Bett diesen Gedanken lauschte, schichtete ich sie bereits in blogtaugliche Sätze um.

Bin gefangen von diesem Ding, diesem Blog, diesem Ort der relativ anonymen Selbstdarstellung. Diesem Ort des lauten, schriftlichen Denkens. Bin gefangen von der Leichtigkeit, mir der es mir gelingt, schreibend Ordnung in meine oft genug Wirren Gedanken zu bringen. Bin – jawohl, das auch! – gefangen vom unsichtbaren Publikum. Von den Statistik-Zahlen.

Gefangen im Geltungsdrang? In der Egomanie? Gefangen in der Freiwilligkeit!

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Mal wieder ein „Voller EinSatz“ aus meiner Fadenkiste. Passt irgendwie.

ZeitGeist

Um deinen dunkelgrauen ZeitGeist bei Laune zu halten, brauchst du ihn bloss wie eine Parkuhr – mit deinem Zeitmangel – zu füttern, doch egal, ob du nun mit Zeit handelst, nie Zeit hast, Zeit abarbeitest, andern Zeit stiehlst, Zeit absitzest, Zeit vorarbeitest, um freie Zeit zu schaffen oder ob du gar Zeit vertrödelst oder totschlägst, eins darfst du auf gar keinen Fall tun, denn sonst wird er sauer: Zeit haben.

vorläufig

So was aber auch! Das gäbe glatt ne Geschichte: J. teilte sein Krankenhauszimmer die letzten Tage mit einem Totengräber. Da sei ja bereits für alles vorgesorgt, meinte er. Na ja … seiner Moral und seinem Humor scheint das jedenfalls keinen Abbruch zu tun. Galgenhumor.

Ich selber hüte auch das Bett, resp. aktuell das Sofa, und fülle den Papierkorb mit vollgeschnupften Taschentüchern. Habe mich nach einem mühsamen Morgen im Büro, bei dem alles furchtbar anstrengend war, für den Rest des Tages verabschiedet. Bisschen Fieber habe ich und die Nase voll – wörtlich. Der Hals macht auch zu. Schweinegrippe? Nö. Eine banale Erkältung. Fühle mich einfach schlapp und es ist okay. Nichts müssen. Habe Siesta gemacht. Wenn ich nachts nicht schlafen kann, tu ich halt tagsüber. Doch nun zelebriere ich meine Auszeit. Wenn schon, denn schon. Besser Kranksein genießen, als mich darüber zu nerven. Vor allem, wenn ich es dabei noch schaffe, die Tastatur zu bedienen. Und das Hirn.

Warum ich und warum jetzt? Warum nicht! Meine Lieblingsantwort übrigens. Geht für alles. Zumal sie auch Frage sein kann. Also ziemlich kompatibel ist. Wer sagt schon, dass Antworten zu haben einfacher ist, als mit ungelösten Fragen zu leben? Denn habe ich erst ein paar Antworten gebaut, fallen mir dazu eh nur tausende von neuen Fragen ein. Und Geschichten!

Zum Beispiel zu diesen hier …

  • Na, um sich selber zu schützen natürlich!
  • Keine Ahnung …
  • Zu faul, würde ich sagen.
  • War sie nicht immer schon ein bisschen so … so … eben so!
  • Weil er keine Zeit hatte!
  • Sie ist froh, ihn los zu sein.
  • Müsste ich das wissen?

alltagen

Irgendwie seltsam, dieser Film, in dem ich stecke …
Als wäre ich nicht weg gewesen? Nein, das nicht …
Auf die Leute hab ich mich gefreut. War schön, das Wiedersehen … wirklich. Während ich in der Pause das eine oder andere Erlebnis meiner Reise erzähle, tauche ich intensiv gleich nochmals in das Gefühl von damals ein. Anders. Aber doch sehr bewusst.

Die Arbeit: Schon bald hatte ich die Übersicht. Dennoch, mir fehlt die Begeisterung. Obwohl ich doch eine wirklich gute Arbeitsstelle mit allem Drumunddran habe, sehne ich mich, seit ich im Arbeitsleben bin, nach einer Arbeit, die mehr mit mir zu tun hat und wo ich mit Herzblut mein Innen und mein Außen miteinander verweben kann. Wie diese ideale Arbeit aussehen könnte, weiß ich allerdings nicht, denn ich habe schon alle möglichen und unmöglichen Jobs gehabt. Und eigentlich allesamt wirklich gute Jobs, muss ich zugeben. Und wenn ich ehrlich bin, mach ich das Zöix, das ich im Büro mache, ja gerne. Trotzdem … Hans Sophia im Schnäggeloch hat alles, was sie will … Doch was will sie überhaupt?

Ooops … eben habe ich erfahren, dass ein mir lieber Mensch ins Krankenhaus musste. Immerhin endlich eine Diagnose! Heilung in Sicht? Ich hoffe es! Gute Besserung, J., und viel Kraft wünsch ich dir!

Fredy, Büne, Oku und all die anderen

Was wäre ich bloß ohne meine Musik! Zum Glück kann mein mp3-Shuffler meine Gedanken und Gefühle lesen. Wir kennen uns inzwischen ja auch schon ein paar Jährchen … *lach* Er weiß, was ich brauche und hüllt mich in melancholische oder feelbetter-Melodien ein. Was immer ich brauche. Von berndeutsch über pfälzisch bis englisch … und wenn dann Fredy vom beautiful day singt, will ich es ihm einfach irgendwie glauben.

Wie war das doch gleich? Ich bin ganz bei mir … und so. Na ja. Gestern war gestern. Ich kämpfe mal wieder gegen Windmühlen. Oder bin wohl selber zur Windmühle geworden. Der Wind hier, ehrlich der macht mich fertig, saugt mir – bünedeutsch gesprochen – das Rückenmark aus (Novämber). Es ist nicht wirklich kalt, und regnen tut es trotz der Prognosen auch nicht, doch der Wind … Na ja. Morgen wird es angeblich wieder besser. Ja, ja, die phösen Umstände mal wieder … Na ja, denen mag ich nun doch nicht die Schuld in die Schuhe schieben, dass ich so schräg drauf bin. Meine gestrige Velotour musste ich zwar wegen Wind und Wetter abkürzen und war dafür später noch joggen, und die Ausstellung in Forsvik habe ich deshalb auf heute vertagt, doch es sind wohl letztlich nicht die Umstände, die mich aus meinem wunderbaren Flow geschubst haben. Ich habe ja (fast) immer die Wahl. Siehe gestern.

Letztlich hat mein mentaler Absturz wohl einfach damit zu tun, dass ich reisemüde bin. Ich will heim *snieff*. Gerne würde ich meine letzten Ferientage mit dem einen oder anderen Lieblingsmenschen verbringen. Das Alleinsein, so gerne ich es ja mag und so gut ich mit mir selber alleine klarkomme, ist eben auch anstrengend. Sogar nach Zecken muss ich mich alleine absuchen!

Ich bin ständig unterwegs, sammle Bilder, innere und digitale, nehme auf, lege ab. Sammle Erfahrungen. Sammle Erinnerungen. Sammle, sammle, sammle … Und wozu? Leben kann ich doch immer nur jetzt. Die schönsten Erinnerungen und Erfahrungen sind niemals so wirklich wie das Leben. Meist sind sie eh nachträglich schöner, geschönt. Oder dann gucken wir uns einfach bloß die Lieblingssausschnitte an. Wie beim Fotografieren. Ich wähle den Ausschnitt, der mir gefällt. Ist das eigentlich wirklich das, was ich will? Nein, ansonsten neige ich (hoffentlich) nicht zur Selbstverar…ung …

Der Flow, den ich gestern beschrieben habe, ist ja auch so was … nein, keine Selbstihrwisstschonwas, aber doch ein sehr zerbrechliches Teil, das wir – je nach Blickwinkel – erleben oder eben nicht. Ein Geschenk, wenn es da ist. Wenn es sein kann. Wenn ich es zulassen kann. Doch machen kann ich es nicht. Wenn alle meine Schichten miteinander verschmelzen, will heißen mein Innendrin – samt all meiner Gefühle, die ich selber kaum verstehen kann und die heute nur von einer hauchdünnen und zerbrechlichen Schale geschützt sind – und mein Außen eins sind, mein Denken, Funktionen, Analysieren, Entscheidungen fällen. Wenn diese beiden und ein paar andere Faktoren perfekt zusammenspielen, ist alles ganz einfach. Der perfekte Brotteig. Die perfekte Mischung. Alltagserleuchtung. Dieses Mit-mir-ganz-verbunden-sein, dieser Flow, denn ich im 6 und in der Meditation erlebe, beim Joggen, Gehen, Velo fahren oder wenn ich Musik höre, ist das, was ich für den Alltag anstrebe. Pah! Anstreben kann ich es – wie gesagt – nicht! Ich weiß, dass es sich mir entzieht, je mehr ich es will. Wie so vieles. Kennt ihr alle bestimmt auch.

Gefühle … Sie sind nicht kompatibel. Selbst innerhalb meines eigenen Gefühlsuniversums ist Traurigkeit nicht das Gleiche wie Traurigkeit. Von schön traurig bis destruktiv traurig gibt es da die ganze Palette. Mein jetziges Traurig ist selbstmitleidig, lebensmüde, süss-melancholisches und auch irgendwie trotzig-mutig-frech. Es sagt: Ich darf diese Stimmung haben. Und auch: es ist meine Wahl. Basta!

Außerdem habe ich seit dem Frühstück nix gegessen außer ein paar Knäcke, weil die Retaurangs in Forsvik bereits Sommerende demonstrieren. Und dass ich deshalb um fast fünf Uhr ein bisschen grantig bin, hat wohl auch damit zu tun. Na ja, ich bin heute wohl schon so aufgestanden, wenn ich ehrlich bin … Doch jetzt höre ich auf mit Jammern. Und, ja, alles in allem war die Ausstellung wirklich sehenswert. Nachdem ich endlich den richtigen Eingang gefunden hatte, jedenfalls. Und auch die beiden Buschauffeure waren herzig. Ich muss heute ja echt hilfsbedürftig aussehen …

Jetzt setz ich mich in ein gemütliches Restaurang oder Café und entscheide mich dafür, den Rest des Tages und und der Reise zu nehmen, wie es ist. Und Karlsborg auch. Mit Wind. Mit dicken Wolken. Morgen fahre ich weiter nach Lidköping. Ich hoffe, dass ich genau JETZT die Talsohle durchschritten habe und es jetzt mit mir und meiner Stimmung wieder obsi geht.

Winkewinke … und bis zum nächsten Mal!

bevor ich gehe

Schon nach halb elf. Ich bin im Begriff, Abschied von meinem Laptop zu nehmen. Das hier bleiben wird. Ganz allein. Ihr wisst ja, Abschiede hasse ich. Doch ich hasse sie nicht nur, ich zögere sie bisweilen auch heraus. Ansonsten wäre ich längst im Bett. So müde wie ich bin!

Zum Trost habe ich mir heute ein wunderschönes, leinengebundenes Notizbuch geschenkt. Die nächste Zeit verlege ich mich aufs Handschreiben. Und bin einfach mal nicht online. Will mal nicht angeleint sein. Werde wohl auch nicht bloggen. Und ich hoffe, das sich die Entzugserscheinungen in Grenzen halten.

Die mittägliche „Ich-will-ja-gar-nicht-weg-Krise“ hat sich gelegt. Habe neue Medizin entdeckt: Zu Animal Collective crossen. Voll aufdrehen. Die Musik. Das Tempo. „Grind ache u seckle.“ Nachher geht runterfahren ganz einfach. Und packen auch. Mein Rucksack ist nun bereits nach Genf unterwegs, Boardingpass und Zugbillet liegen dicht an dicht in der Bauchtasche bereit und freuen sich mit mir auf die Reise.

Ich sage Euch auf Wiedersehen bis ca. 23. August und freue mich, wenn Ihr auch dann wieder hier vorbeispaziert!

Winkewinke! Vorhang bitte.

———

Ach noch was  – *zwischendenVorhängenhervorguck* – wenns euch langweilig werden sollte: Animal Collective! Voll aufdrehen und losrennen! Hilft echt!

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Keller- und Straßenkultur

Im Rampenlicht stehen. Nein. Das ist definitiv nicht das Ziel meiner Träume. Obwohl. Na ja. Es hat, ich gebe es zu, Spaß gemacht. Meine Löwinnenseite? Faszinierend. Ambivalent. Faszinierend ambivalent.

Bühnenerfahrung hatte ich bisher keine. Außer von unten nach oben. Vor Publikum gesprochen habe ich zwar schon oft und inzwischen ja auch schon einige Male gelesen. Jedes Mal lehrreich. Doch nun das: Sofasophia auf der ONO-Bühne. Das ONO – schon lange ein Ort, den ich mag. Unzählige Konzerte und andere kulturelle Anlässe wie Lesungen habe ich hier schon besucht. (… und das Honigbier genossen. Gibt’s nur hier!) Letztes Mal habe ich hier Pippo Pollina gehört. Auf seiner À-la-Carte-Tournée.

Ich höre Roswithas Ansage. Ist echt Gold, was sie sagt. Oh. Sie redet ja von mir! Ooops. Noch nie bin ich so lieb angesagt worden. Und nun steige ich also tatsächlich selber die Stufen herauf. Nehme auf der Bühne Platz. Bitte kneifen. Ist das alles echt? Wildes Herzklopfen. Ich werde mich blamieren. Bestimmt. Nun höre ich mich ein paar Sachen über diese Bühne sagen und merke, wie das hilft, die Beklemmung aus der Kehle zu lotsen. Trotzdem: Ich sehe schwarz. Nicht dunkelgrau. Total schwarz. Ich blicke auf den riesigen Bildschirm eines abgestürzten Computers. Bin mitten im Lichtkegel und sehe nur den Tisch. Und meinen Text. Na ja. Dann sollte ich wohl …

Diese schwarze Masse vor mir ist mein Publikum. Doch ist es wirklich da? Keine Chance an der Mimik der Zuhörenden etwas über die Wirkung meines Textes herauszufinden. Nix zu sehen. Nur zu hören. Den Applaus genieße ich. Echt wahr. Tut gut. Du hättest bisschen lauter lesen sollen, meinte mein Lieblingsbruder hinterher. Ansonsten wirkte er ein klein bisschen stolz auf die Kleine und drückte mich herzlich. Die einzige Kritik, die ich gehört habe. Ansonsten Ermutigendes. Oder sowas in der Art: Schwerverdaulich. Wie oft bei dir. Meine wunderbare Freundin K. Ja, stimmt. Ich weiß. Doch in Loch im Eis gibt es nun mal nichts Leichtverdauliches. (Zum Text: hier klicken)

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Bei kommenden Lesungen werde ich deshalb Blogtexte vorlesen. Gelobte ich beim ersten Bier. Leichtere Kost, wie ich hoffe. Die Texte. Das Bier auch.

Die Qualität unserer Texte war, finde ich, wieder auf sehr hohem Niveau. Abwechslungsreich. Von verspielt bis gruselig, von Psycho bis erzählend. Wie gut, dass ich (d.h. wir) unsere beiden Schreibgruppe-Männer überredenzeugen konnte mitzumachen. Manuels Text sei eine halbe Stunde vor der Lesung fertig geworden. Neue Mangas von Helen. Auf Grossleinwand – ein Erlebnis für die Augen! Ach … jetzt könnte ich ins Schwärmen kommen … Anjas Klipp-Klapp-Text, Stefans Gruselstory, undundund … Doch unser aller Überfliegerin war Roswitha. Sie moderierte absolut sympathisch, souverän und persönlich. Schwer zu toppen! (mehr Bilder von der Lesung …)

Publikum und Stimmung waren aufgeräumt. Die nicht ganz billige Raummiete haben wir praktisch aus der Kollekte gedeckt und schon bald lockte es uns alle auf die Gassen Bern.

Straßenmusik an jeder Ecke. Buskers 2009. Wir lassen uns treiben, genießen internationalen Fastfood – einen kleiner Trip nach Mexico zum Beispiel. Schweizer Bier. Tauschen aus. Treiben weiter. Am Schluss noch zu dritt bleiben wir an den Pos einer englischen Comedy-Truppe hängen. The Cosmic Sausages. Na ja, für die schönen Pos können wir nix. Ehrlich. Und für dieses charmante Lächeln hier auch nicht. Oder doch?

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Es war eben bloß noch hinter der Truppe Platz. Das Chrüsimüsi aus Klamauk, poppigem Gefiddel, Gipsysound und Countryrock animierte zum Mitshaken und -klatschen.

Schlaftrunken, später, irgendwann, im Bett, begreife ich plötzlich, dass ich Ferien habe. Endlich! Dass ich schon übermorgen nach Schweden fliege, kann ich kaum glauben. Denn im Moment will ich einfach nur schlafen.