so Wörter

Chrüsmüsi. Was für ein herrliches Wort.  Allerdings für nicht schweizerdeutsch sprechende Lippen sowohl kaum aussprechbar geschweige denn verständlich.

Nein, mit Müesli – ob mit oder ohne Beeren drin – hat es überhaupt nichts zu tun. Essbar ist es nicht wirklich. Obwohl ich schon Gerichte so benannt habe.

Durcheinander kommt als Übersetzungsversuch der Sache schon näher. Ist aber unzureichend. Besser ist Vielfalt. Buntes Neben- statt unklares Durcheinander. Buntes Miteinander. Das Wort Gnosch geht zwar in die gleiche Richtung, doch während Gnosch von fehlender Übersicht, von Chaos gar, ausgeht, ist mit Chrüsimüsi eher die gewollte Auslegeordnung verschiedenster ansonsten nicht zusammenpassender Teile gemeint. Der Alptraum aller Mathelehrkräfte. Kinder, die Liter und Meter über die selben Leisten brechen wollen. Zum Beispiel. Chrüsimüsi soll hinfort für solche Blogtexte stehen, die mal, da mal dort ansetzen … auslegen, ausbreiten … herumhüpfen …

Solche Texte wieder der Folgende zum Beispiel.

Schlaflose Nächte zum Beispiel

Ich belausche meine Gedanken. Zuweilen drifte ich dabei ins Analysieren ab. Lasse es zu. Lasse es sein, was es ist: Teil der Wahrheit über die Begegnung zweier Planeten in der Unendlichkeit des Universums. Eine Wahrheit, die es nicht wirklich gibt. Ich erlaube mir, meinen Gefühlen und Gedanken zuzuhören. Wenn ich tagsüber nicht dazu komme, tue ich es eben nachts. Statt zu schlafen. Etwas in mir drin tut es. Dieses Etwas kocht mein Erleben ein und hilft zu verdauen.

Hinfühlen und Hinhören hilft mir, zu verarbeiten, doch auch, mich abzusichern. Save & close.

Sichern – wie schlimm und wie pathologisch das bisweilen klingt! Doch hier meint es genau das, was mein Laptop tut, wenn ich auf das Speichern-Icon klicke. Na ja. Speichern ist das Gegenteil von Lassen. Von einfach geschehen, kommen und gehen LASSEN. Speichern meint festhalten wollen. So ungern ich mir das eingestehe. Und so sehr dieses Wort meinen innersten Lebensentwürfen zuwider läuft.

Unfertig Gedachtes kommt und geht. Pausenlos fast. Will zu Ende gedacht werden und zeigt mir damit die Absurdität dieses Unterfangens. Es ist absurd, an ein Ende kommen zu wollen. Denn kaum denke ich, kaum fühle ich etwas, ist es bereits Vergangenheit. So ist jedes Festhalten, jedes Beschreiben ein Scheitern. Bleibt – auch wenn es genial ist – Stückwerk. Ist Konserve, die bestenfalls ein wenig Nährwert hat.

Jeder festgehaltene Ausdruck ist unzureichend, nur das Erlebnis im Augenblick zählt wirklich. Das Gefühlte. Doch das Bedürfnis festzuhalten und ausdrücken, wird durch diese Erkenntnis nicht kleiner. Was wir festhalten wollen, ist immer für später. Oder für andere. Für den Wiedererkennungswert und für die Komplimente. Für die Anerkennung auch.

Ich bin Teil von allem. Bin Teil des menschlichen Netzes und brauche andere Menschen. Leider und zum Glück. Ich brauche den Austausch mit anderen. Ich brauche die Stimulation durch andere. Die Reibung auch. Dann natürlich die Spiegelung. Rückmeldungen – auf meine Wirkung, auf mein Werk und meine Handlungen, auf mein Sein – sind mir wichtig. Ist unabhängig von alledem zu sein wirklich so erstrebenswert? Heilt denn nicht vieles, was wund war, besonders gut, wenn ich mich mit anderen kurz schließe?

Irgendwann kann ich loslassen. Und schlafen. Zum Beispiel.

Mücken fischen

Worüber ich heute schreiben soll? Nein, falsch geraten! Es ist nicht so, dass mir NICHTS einfällt. Es ist eher so, dass ich mich täglich aus der ganzen Fülle, die sich vor mir auftut, auf ein Thema beschränken muss.

Tatsache ist, dass ich, seit ich täglich blogge, die Welt anders wahrnehme. Alles, was mir – oft buchstäblich – über den Weg läuft, wird in mir drin subito zur kleinen Alltagsgeschichte. Da tummeln sich Sätze herum, die ich wie Kaugummi von einer in die andere Ecke schiebe. Und die auch ebenso hartnäckig kleben bleiben. Mir geht es total anders, als Peter Stamm, einem meiner Schweizer Lieblingsautoren, der aktuell den kulturplatz-Blog des Schweizer Fernsehens bestreitet. Er schreibt im ersten seiner ungefähr vier bis fünf zu erwartenden Artikel:

Es fehlt mir am Mitteilungsbedürfnis und so furchtbar spannend ist mein Leben nicht (wenigstens nicht für andere), als dass ich darüber im Wochenrhythmus berichten müsste.

Ist mein Leben denn so viel spannender als seins oder jenes der anderen? Kaum! Oder ist es so, dass ich mich einfach gerne mitteile? Das gewiss, ja. Doch durch die Augen der Schreiberin betrachtet, kann der kleinste Fliegenfurz ein Ereignis sein. Bloße Blubber wie Kollege S., Texter, gewisse Leerläufe nennt? Ich hoffe es nicht. Seichte Unterhaltung? Auch das hoffe ich nicht. Ein bisschen was zu futtern für das Hirn? Das hoffentlich schon eher. Oder zumindest Unterhaltung auf jenem Niveau, das über den Bauchnabel hinausgeht.

Es ist keineswegs so, dass ich keine Gegenüber hätte, mit denen ich mich austauschen könnte, doch der schriftliche Output, wie jener eines Blogartikels, hat eben eine andere Qualität. Qualität im Sinne von Beschaffenheit, von Konzentration und Dichte. Es ist für mich eine Übung, mich schriftlich kurz zu fassen. Die Aufträge der Zeitschrift, für die ich schreibe, lauten jeweils so: 3600 Zeichen mit Leerschlägen. Zum Beispiel. Wie für Sirup werden also die zahlreichen Ideenfrüchtchen eingekocht. Schließlich erreiche ich den Moment, wo 1.) der Sirup genau die richtige Konsistenz hat und 2.) der Abgabetermin vor der Türe steht. Idealerweise  1.) vor 2.) wohlgemerkt. So nehme ich die Pfanne vom Feuer und lasse ein paar feinschmeckende Mitmenschen daran schnuppern und sie ein Glas versuchen, auf dass sie mir liebevoll-ehrlich und wohlwollend-kritisch sagen, wie das Ganze schmeckt.

Doch wo war ich gleich?  Bei der (Hirn-)Fütterung der Raubtiere Bloglesenden! Na ja, es ist ja nicht immer meine erklärte Absicht, Euch Geistreiches zu bieten, manchmal ist Bloggen einfach Warm-up. Einlaufen. Stretching. Bevor ich an einer Geschichte weiterspinne.

Apropos Spinnen. Thekla, wie ich meine Balkonmitbewohnerin nenne, ihres Zeichens Spinne, legt eine beneidenswerte Ausdauer im Spinnen neuer Geschichten Netze an den Tag. Sie hat es sich in den Kopf gesetzt, ausgerechnet zwischen meinem Balkonstuhl und der Mauer Mücken zu fischen. Und das, obwohl ich – nicht aus böser Absicht, sondern aus Vergesslichkeit – schon viermal ihr Netz beschädigt, sie genausooft um Verzeihung gebeten und ihr gut zugeredet habe, ihr Netz woanders, zum Beispiel bei den Tomaten drüben, zu knüpfen. Ich hoffe, sie verhungert nicht! Wo sie doch vor lauter Webereien kaum was zum Fangen und Futtern kommt. Wie gesagt: Ihre Ausdauer ist bewundernswert. Sisyphus lässt grüssen.

Jetzt sollte ich wohl endlich meinen klugen Artikel zu schreiben beginnen. Bloß weiß ich heute echt nicht, worüber ich schreiben könnte. Über die Schweinegrippe vielleicht? Nein, das lassen wir besser.

Bleibt mir nur ein Tipp: Spinnt Netze, liebe Leute. Ein paar literarische Mücken finden sich bestimmt. Guten Appetit.

Absurd?

Manchmal möchte ich ja all die Zeit, die ich fürs Schreiben verwende, gleich zweimal zur Verfügung haben. Anders gesagt: Mir fehlt bisweilen jene Zeit, die ich schreibend verbringe, für alles andere. Noch anders gesagt: Was machen eigentlich all die anderen Menschen mit jener Freizeit, die ich schreibend verbringe? Tja, dieses Andere in mir, das immer so tut, als komme es zu kurz, will eben auch getan, gelebt, gesehen werden.

Na ja, solche Gedanken sind – jedenfalls für mich – im Grunde völlig müssig, absurd sogar, denn Schreiben ist ja etwas, das ich fürs Leben gerne mache 🙂

Tatsache ist, dass meine Lebenszeit zurzeit so blödsinnig knapp wirkt, so dicht, so unfassbar, dass es fast weh tut … Je mehr ich darüber brüte, desto schneller vergeht sie, meine Zeit. Wie ätherisches Öl. Wie ein Duft. Schaue ich am Abend zurück, bedaure ich, wie uneffizient ich doch war … Habe – sagen wir mal – meine Zeit mit Bloggen vertan und über die Zeit sofasophiert, statt dies und das und anderes zu tun …

Doch gibt es immer wieder auch Zeiten in meinem Leben, wo ich mir wünsche, dass meine Lebenszeit ganz ganz schnell vorüber geht. Dass ich mein Leben möglichst schnell und unbeschadet hinter mich bringen kann. Ohne irgendwo hängenzubleiben. Spur- und schrammenlos. Ich sehe mich lebenssatt, auf meinem Sterbebett liegend, zurückschauen und sagen: Well done. So will ich sterben. Wenn es so weit ist. Wie Antonia in Antonia’s Line.

Aktuell jedoch bin ich lebenshungrig. Ich will leben und erleben. Ich will sehen und verarbeiten. Ich will aufnehmen und schreiben. Und ich will meine Schreibe teilen.

Leben ist vorläufig. Voller „Vielleicht“ und voller „Womöglich“. Voller Möglichkeiten. Doch Möglichkeiten sind nur solange faszinierend, wie sie Möglichkeiten sind. Werden sie möglich gemacht, will heißen, werden sie ins Leben gerufen, sind sie nicht mehr möglich, sondern real. Und lange nicht mehr so faszinierend, wie damals, als wir ihnen nachjagten.

Ist etwas erst real, glitzert es nicht mehr. Oder doch? Ich will meine Realität immer wieder umträumen. Doch um sie umträumen zu können, wäre es noch gut, zu wissen, was ich will …

Fürs Erste reicht mir vielleicht ein bisschen Zeit, um diese Frage womöglich beantworten zu können. Dream on, Sofasophia!

Nazareth lässt grüssen!

Schlampen-Ich und Geschichten-Ich

Diesmal war der Titel zuerst da – Huhn oder Ei? …

Er wartet schon seit ein paar Stunden. Na ja, ob er wartet, weiss ich nicht wirklich, denn da er ziemlich schlampig ist, stört ihn Warten nicht. Wozu auch? Was ist Warten denn anderes, als Sein? Wozu überhaupt warten, wenn Sein genügt?

Habe ich meine Schlampenidentität gefüttert, kann ich dazu übergehen, meine literarischen Tagesziele zu erfüllen … Was es denn frisst, mein Schlampen-Ich? Ein paar Scheiben Chillen extra soft. Dazu ein paar Schlucke Bier. Und die Erlaubnis, da sein zu dürfen, das Wissen, willkommen zu sein. Easy, nicht wahr?

Nach einem gefühlsintensiven Tag im Büro – „Was ist heute bloss mit den Sternen los? Wieso sind heute alle so dünnhäutig?“ (O-Ton meiner Kollegin F. kurz vor Feierabend) –  hatte ich das dringende Bedürfnis, zuerst zwanzig Minuten crossend Dampf abzulassen, um nachher auf dem Sofa sophierend vor mich hin zu schlampen. Jaaa! Nichts tun. Nichts müssen. Nichts leisten. Nichts! Gar nichts  …! Die Batterien leeren. Die Batterien sich füllen lassen. Ohne mein Zutun. Einzig durch meine Hingabe ans Nichts. Ebbe. Flut.

Tagessoll? Das bedeutet, meinen unschlampigen, literarischen Vorsatz umzusetzen, jene Geschichte, die ich am 11. Oktober im Rahmen eines Gottesdienstes lesen soll, zu entwerfen … (Gottesdienst? Würkli? Ja, lacht nur … habe ich zuerst auch, als ich angefragt wurde …! Doch inzwischen sehe ich das Ganze als Mögilchkeit, statt nur über Toleranz zu reden, diese zu leben …).

Sie war einfach da. Heute morgen als ich erwachte, baute sie sich vor mir auf. Sie liess sich weder vertreiben noch umbauen. Breitbeinig stand sie vor mir, meine Geschichte. Unübersehbar. Kiekste mir den Schreiber an die Brust und sagte: Schreib! Doch erst nach Feierabend und Schlampenfütterung war ich in der Lage, ihrem Befehl ihrer Bitte nachzukommen.

Das Leben hat sie geschrieben, diese Geschichte. Hand in Hand mit meinem Geschichten-Ich, das bisweilen riesige Ohren hat. Und Augen, die die dunkelste Nacht durchschauen. Gestern Abend war ich mit M*, einem Ex, mal wieder am Gerzensee. Wie immer führten wir – im Wasser und an Land – angeregte Gespräche. Als dann noch eine ehemalige Arbeitskollegin in meinem Blickfeld auftauchte  – „Oh wie schön! Lange nicht gesehen! Was lebst du auch?“ – , wurden die Gespräche noch einen Zacken intensiver. Gott und die Welt. Und die Männer. Und Frauen. Und so. Mein Geschichten-Ich spitzte die Ohren und machte sich Notizen. Nachts hat es das Ganze auf kleinem Feuer eingekocht, um es mir heute morgen pfannenfertig zu servieren.

Ganz schön praktisch. Bin ich froh, dass Schlampen-Ich und Geschichten-Ich Freundinnen sind! Manchmal jedenfalls.

Dominoeffekt

Hätte ich nicht ungefähr die Hälfte meines bisherigen Lebens geraucht, wäre ich vielleicht heute nicht so fit, wie ich es heute bin. Alles klar? Nicht? Oukei, hätte und wäre gelten nicht, ich weiss, ich weiss, aber der Rest stimmt … ehrlich wahr! Denn ganz vieles lässt sich neu erfinden!

Weisch, ich webe hier ein paar Zipfelchen zusammen, die ich in den letzten Wochen mal fester mal loser zu fassen gekriegt habe. Alles ist relativ“ zum Beispiel das eine, oder alles ist verlinkt“ ein anderes und „wir sind all das, was wir glauben“ ein drittes. Alles? Hoppla! Das Wort „alles“ tut immer so verdammt wichtig, ich weiss. Es tut, als sei in diesen fünf Buchstaben die ganze Welt – halt, was sage ich da? – das ganze Universum eingepackt. „Alles“ tut grenzenlos. Und für einmal lassen wir ihm den Spass obwohl wir ja wissen, dass alles relativ ist … Ooops, da ist es es schon wieder …

Item. Back to Topic … Ein paar Zipfelchen will ich hier verweben. Biografische natürlich, wie könnte es auch anders sein, wo wir alle doch immer mit unsrer Biografie im Rucksack unterwegs sind.

Hätte ich also damals, mit süssen 16, nein zur Zigarette gesagt, wäre ich heute woanders. Wie gesagt, vielleicht viel weniger fit als jetzt. Wo und wie ich wäre? Ich weiss es nicht. Ist auch müssig. Dennoch habe ich bisweilen Lust, mir auszumalen, wie die „andere“ Sofasophia heute unterwegs wäre. Hätte sie auch irgendwann begriffen, dass sie gar nicht so bewegungsunlustig ist, wie sie immer geglaubt hat? (Wie meine Sportlehrpersonen mir ständig – mit ihren Noten – weismachen wollten und wie ich eines Tages zu glauben angefangen hatte …) Hätte die Andere wohl auch eines Tages zu joggen angefangen, wie jene Sofasophia, die ich heute und hier bin … die im Frühling endlich mit rauchen aufgehört und dafür mit laufen angefangen hat? Und die heute bereits süchtig nach diesem Zustand von Trance geworden ist, der sich nach einer Viertelstunde laufen oder so einstellt. Süchtig nach diesen Hormonen, die der Körper jeweils ausschüttet und die ich bis vor Kurzem ins Reich der manipulativen Werbemärchen verbannt hatte.  Als eine Erfindung der Gesundheits- und der Sportartikelbranchen.

Neulich – im Wald – überkam mich Panik: Was mache ich bloss im Winter? Nein, in ein Fitnessstudio will ich nicht. Ist mir zu … ähem, *hüstel* zu bieder? Irgendwie sowas eben … Und die innere Schweinehündin überwinden, um mir grossräumig ein Studio zu suchen, das meinen Ansprüchen genügen könnte …? Nö, keine Lust! Ausserdem kostet das …

Bestimmt gibt es ein Trainingsteil, das meinem Bewegungsbedürfnis entspricht!, dachte ich. Und fand in einem Katalog genau das, was ich mir vorgestellt hatte. Visualisierung? Mit Hilfe von Google und ricardo.ch hatte ich mir ein paar Mausklicks später ein Teil ersteigert, das ich nun gestern im Jura abholen konnte.

Nein, die Lady auf dem Bild bin nicht ich.  Doch ein solches Teil, mit dem sie trainiert, steht nun in meiner Wohnung! Ehrlich: Es macht total Spass! Bin gestern so auf die Schnelle 6 km ge“joggt“.

orbitracDoch zuvor habe mir eine wunderbare Reise  geschenkt. Bin im Auto, mit lauter Musik und singend natürlich, durch eine der schönsten Landstriche der Schweiz gefahren, durch den Jura, einer meiner Lieblingsgegenden! So voller Schönheit. So voller Kontraste … Mal wild, mal sanft,  zuweilen hügelig und dann wieder weit … Grüne Wälder, Felder, gemähte Wiesen … Felsiges Gelände …  Bäche … Irgendwann werde ich wohl mal im Jura wohnen. Vielleicht jedenfalls. Wenn ein paar weitere Dominosteine gefallen sind.

Wer weiss?

so verdammt wichtig

Bäh! Einer dieser Tage, wo ich am liebsten im Bett geblieben wäre und mir die Bettdecke über den Kopf gezogen hätte! Alles so trüb. Geschlafen habe ich zwar gut. Trotz Vollmond. Trotz Mens. Und trotz des Fotoalbums von vor zehn Jahren, das ich mir gestern Abend angeschaut habe. Bilder von damals, als das Leben noch einfach schien und mein Weltbild einigermassen übersichtlich.

Bin dennoch aufgestanden, natürlich, und habe auf dem kurzen, regennassen Arbeitsweg einen Vater mit Sohnemann im Kinderwagen gekreuzt.  Wie singt doch Büne Huber („mittschiffs“) so passend? „Es rägnet i mim Gsicht!“

Bin mal wieder so dünnhäutig, dass ich die Gegenwart anderer Leute kaum ertrage. Hyperhochsensibel. Doch gerade heute konnte ich es mir nicht leisten. (Wann dann?) Es gab viel zu tun, aufzugleisen, ein paar nicht verschiebbare Anrufe zu erledigen, interne Dinge zu entscheiden. Diese verdammte Wichtigkeit! Und dieses vermaledeite Nett-Sein!

Ich biss auf die Zähne. Wieso erzähle ich eigentlich im Büro kaum je, wie es mir geht? Obwohl wir es doch so gut miteinander haben und ich alle mag. Und obwohl mir die anderen erzählen, wie es ihnen geht. Sogar oft mit einem „Pssst! Das wissen die anderen nicht!“. Und wieso erzähle ich immer nur die erfreulichen Dinge? Nein, es ist nicht so, dass ich den anderen misstraue. Es ist wohl eher so, dass ich mich bedeckt halten will. Selbstschutz. Allgemein bin ich sehr transparent und authentisch. Und ich halte mich mit Meinungsäusserungen selten zurück.

Als mein Scheff um 11 Uhr wegen einer externen Sitzung sein Büro verliess, stürzte ich mich – wie abgemacht – darauf, die Infrastruktur für die morgige Finanzschulung vorzubereiten. Tönt toll. Und das Problem hört sich in der Tat recht simpel an: Sieben Leute sollen – über Beamer – sehen, was auf einem PC abläuft, um zu verstehen, wie das Buchhaltungssystem unseres Hilfswerks aufgebaut ist. Umrahmt wird das Ganze von einer Powerpoint-Präsentation.

So weit, so gut. Doch muss der benutzte PC ausnahmsweise am Firmennetzwerk angeschlossen sein, will heissen, wir können nicht wie üblich mit Laptop und Beamer ins angemietete Sitzungszimmer vis-à-vis, denn dort funktioniert unser Netzwerk nicht. Im Vorfeld hatten mein Scheff und ich beschlossen, das Ganze in seinem Büro zu inszenieren. Bis gestern. Da beschloss der gute Mann plötzlich, dass sieben Nasen in diesem doch eher kleinen Raum zu eng sind. Und dass wir eine bessere, andere Lösung finden müssen, will heissen, ich.

Das ganze Theater also in den Vorraum verlegen, wo alle naselang jemand vorbei kommt? Und wo es natürlich keinen Anschluss fürs Netzwerkkabel hat? Und währenddessen ich, weil ich nicht an der Schulung teilnehmen „muss“, im angrenzenden Büro „eingesperrt“ sein werde?

Mit Mensbauchkrämpfen kroch ich also im Scheffbüro auf der Suche nach Kabeln unter die Tische. Nach einer halben Stunde und ein paar saftigen Flüchen war alles an seinem Platz. Im Test lief das Ganze, die Kabel aufs Äusserste gespannt. Ich auch. Mal gucken, ob es morgen klappt. Immerhin ist Vollmond vorüber.

Draussen tobt ein Sturm. In mir drin irgendwie auch und jetzt werde ich mir, da ich frei habe, endlich die Decke über den Kopf ziehen.

Plastikschulden

Sind Bremsklötze Warnungen des Schicksals oder sind sie Tests, um zu gucken, wie mutig und zielstrebig wir sind? Oder weder noch? Mit der Absicht, einen ultraleichten und dennoch superwarmen Schlafsack zu kaufen, der notabene nicht mumienförmig, sondern eine Decke ist und auf der Innenseite einen Baumwollbezug hat und unter hundert Franken kostet, ging ich in die Stadt. Und den Flug nach Göteborg wollte ich auch endlich buchen. Möglichst billig. Online braucht es offensichtlich inzwischen überall Kreditkarte. Ein Mensch ohne Schuldenkarte ist nur ein halber Mensch, scheint es mir.

Für meinen letzten Flug lieh ich mir das Teil aus. Dass ich solche Transaktionen nicht wirklich gerne mache, versteht sich. Weshalb ich nun, schweren Herzens, beschlossen habe, mir endlich auch eins anzuschaffen. Und darum heute Nachmittag meine nette Hausbank aufsuchte und den Antrag einreichte. Für eine Prepaid-Karte, die ähnlich wie mein Handy, nur solange benützt werden kann, wie es Geld drauf hat. Doch dieses Plastik werde ich weder morgen noch übermorgen in Händen halten. Frühestens in zehn Tagen. Und bis dann wird mein favorisierter Flug (Genf-Brüssel-Göteborg) wohl noch mehr kosten.  Oder ausgebucht sein. Mit jedem Tag wird er teurer. Im Reisebüro erfuhr ich, dass er samt Reisebüro-Aufpreis schon mehr als sechshundert Franken kostet. Tja. Weder Schlafsack noch Flugbuchung konnte ich abhaken. Und meine gute Laune, die ich am Vormittag gehabt hatte, schmolz von Geschäft zu Geschäft. Endlich zuhause war sie total im Eimer.

Zum Glück ist Wochenende. Und ich hab ein paar kuhle Dinge vor. Morgen Abend Besuch von U. Moosfrau auf Durchreise aus dem Schwarzwald. Und am Samstag die Ochsen live. Aarberg Open Air, wir kommen.

Da von meinen Freundinnen und Freunden meines Wissens niemand eine Kreditkarte hat, suche ich nun im Internet einen Weg, den Flug via Rechnung buchen zu können. *suchmoduseinschalt* … Das muss doch irgendwie möglich sein!!! Sonst muss ich doch ins Reisebüro und die Mehrkosten zahlen. Oder jemanden mit Kreditkarte finden …

Als hätte ich nicht schon genug um die Ohren! Die Recherchen für die nächsten drei Spuren-Artikel sind am Laufen. Dazu morgen Nachmittag ein Brainstorming mit Pfarrer H., der mich eingeladen hat, an einem literarischen Gottesdienst, einige Texte zum Themenumfeld „Saat, Ernte“ beizusteuern. (Ooops, Sofasophia und die Kirche? Kann das gut gehen?)

***

>>> Später. Geschafft! Ich habe! Meinen Flug! Auf Rechnung gebucht! Yes, I can!

***

>>>>>>>>> Nochmals eine Stunde später. Mein Gleichgewicht ist wieder hergestellt. Wald. Rennen. Mein Paradies. Ganz nahe. Und ganz und gar ohne Bremsklötze. Glück pur.

Pätschwörkzöix

Früh (!!!) morgens auf dem Weg zum Bahnhof hat mein mp3-Player lauter Liebeslieder ausgespuckt. Hoppla.

Alles ist möglich, dachte ich. Jeder Tag besteht aus unzähligen Möglichkeiten. Jeden Morgen bin ich eine leere, weisse Seite. Doch der Rahmen des heutigen war vorgegeben: Tagung zum Thema „Empowerment“ in Zürich. Den Rahmen jedoch, oder die Stimmung darin, kann ich selber füllen. Kann mich öffnen oder verschliessen. Leben heisst in Beziehung treten. Heisst ziehen – aneinander. An mir. Schleifen, reiben, formen, Ab- und Eindrücke hinterlassen. Und sammeln.

Bilder sammeln zum Beispiel. Schreiben ist wie fotografieren. Nur authentischer. Oder weniger? Denn „Schreiben hinkt der Empfindung immer hintennach, kommt immer zu spät“, wie Rébecca gestern kommentiert hat. Wie sich das Hintennachhinken auf die Authentizität auswirkt, ist wohl von Fall zu Fall verschieden.

Nach der Tagung im Volkshaus gabs Apéro im Kanzlei (Park).  Bier. Wein. Geplapper. Habe mich – nach einer halben Stunde Small- & Mediumtalk – aus dem Staub gemacht. Im Tram zum Bahnhof fotograschriebt. Menschen sehen, hören, riechen. Lärm. Farben. Sprachen. Hitze. Schweiss. Noch mehr Lärm. (Kann mir jemand verraten, warum wir so viel Lärm machen? Ist das so ähnlich wie das Pinkeln der Hunde??? Und, ähm, bin ich auch so laut??????)

Dann Ruhe. Endlich. Raum. Ein Viererabteil für mich. Für zehn Sekunden. Eine schwangere Frau setzt sich zu mir hin. Sympathisch. Gut. Bitte sonst niemand mehr. Jaaa. Sehr gut. Im Abteil nebenan eine französisch sprechende Frau, blind, mit Sohnemann (ca. 5). Ein Schwarzer setzt sich zu ihnen. Angeregte Gespräche. Diskrete Lautstärke. Ob die blinde Frau genauso unbefangen mit dem Mann sprechen würde, wüsste sie seine Hautfarbe? Und ich?

Am Anfang war die Baustelle …

Selbst wenn niemand mitlesen würde, wäre mein Blog ein Ansporn für mich, jeden Tag ein paar Zeilen zu schreiben. Hinzuschauen. Etwas rauszupicken, das meinen Tag zu diesem ganz besonderen Tag gemacht hat, der sich von allen anderen durch seine Einmaligkeit unterscheidet.

Neue Dinge sind bei mir immer mit dem Zauber des Neuen verbunden. Natürlich. Schon Hesse wusste das. Neues kreieren, obwohl es alles schon gibt, liebe ich.

Mein neues Blog ist wie eine neue Wohnung. Da ich schon über zwanzig Mal – bei zwanzig habe ich mit Zählen aufgehört – umgezogen bin, weiss ich, wovon ich spreche. 🙂

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Die Baustelle … Kisten stehen herum. Stehen im Weg, werden dreimal umplatziert, bevor ich Zeit habe, sie auszupacken. Ein Bild wird aufgehängt. Abgehängt. Umgehängt. Das Sofa mal da, mal dort hingeschoben. Was ist praktischer? Wie sieht es wohnlicher aus?

So ähnlich richte ich mich in diesem Blog ein. WordPress hat ja sooo viele Angebote fürs Layout – und jedes hat Vor- und Nachteile … ähm, hatten wir das nicht schon mal?

Erchlüpfed auso ned, wenn ich meinem Blog von Zeit zu Zeit ein neues Kleid anziehe. Ich mag Abwechslung … Ich häute mich heute … und  morgen … und immer wieder …