Schlaflose Nächte zum Beispiel

Ich belausche meine Gedanken. Zuweilen drifte ich dabei ins Analysieren ab. Lasse es zu. Lasse es sein, was es ist: Teil der Wahrheit über die Begegnung zweier Planeten in der Unendlichkeit des Universums. Eine Wahrheit, die es nicht wirklich gibt. Ich erlaube mir, meinen Gefühlen und Gedanken zuzuhören. Wenn ich tagsüber nicht dazu komme, tue ich es eben nachts. Statt zu schlafen. Etwas in mir drin tut es. Dieses Etwas kocht mein Erleben ein und hilft zu verdauen.

Hinfühlen und Hinhören hilft mir, zu verarbeiten, doch auch, mich abzusichern. Save & close.

Sichern – wie schlimm und wie pathologisch das bisweilen klingt! Doch hier meint es genau das, was mein Laptop tut, wenn ich auf das Speichern-Icon klicke. Na ja. Speichern ist das Gegenteil von Lassen. Von einfach geschehen, kommen und gehen LASSEN. Speichern meint festhalten wollen. So ungern ich mir das eingestehe. Und so sehr dieses Wort meinen innersten Lebensentwürfen zuwider läuft.

Unfertig Gedachtes kommt und geht. Pausenlos fast. Will zu Ende gedacht werden und zeigt mir damit die Absurdität dieses Unterfangens. Es ist absurd, an ein Ende kommen zu wollen. Denn kaum denke ich, kaum fühle ich etwas, ist es bereits Vergangenheit. So ist jedes Festhalten, jedes Beschreiben ein Scheitern. Bleibt – auch wenn es genial ist – Stückwerk. Ist Konserve, die bestenfalls ein wenig Nährwert hat.

Jeder festgehaltene Ausdruck ist unzureichend, nur das Erlebnis im Augenblick zählt wirklich. Das Gefühlte. Doch das Bedürfnis festzuhalten und ausdrücken, wird durch diese Erkenntnis nicht kleiner. Was wir festhalten wollen, ist immer für später. Oder für andere. Für den Wiedererkennungswert und für die Komplimente. Für die Anerkennung auch.

Ich bin Teil von allem. Bin Teil des menschlichen Netzes und brauche andere Menschen. Leider und zum Glück. Ich brauche den Austausch mit anderen. Ich brauche die Stimulation durch andere. Die Reibung auch. Dann natürlich die Spiegelung. Rückmeldungen – auf meine Wirkung, auf mein Werk und meine Handlungen, auf mein Sein – sind mir wichtig. Ist unabhängig von alledem zu sein wirklich so erstrebenswert? Heilt denn nicht vieles, was wund war, besonders gut, wenn ich mich mit anderen kurz schließe?

Irgendwann kann ich loslassen. Und schlafen. Zum Beispiel.

Ein Tag im Paradies

„Denken ist nur das Werkzeug, nicht der Garten“, sagte meine Freundin K. . „Ebenso Fühlen. Der Garten ist das Sein, das schlichte Dasein.“ Wir saßen nach getaner Arbeit in ihrem Garten. Im Paradiesgarten.

Zuvor hatte ich  mit Ä., K.s Liebstem, mein Auto auf Vorderfrau gebracht. Psychohygiene für die Rostbeulen. Abschleifen. Spachteln. Grundieren. Lackieren. Nein, nicht vergolden, doch da ich Sternchen* bald mal wieder vorführen muss, soll das Ganze nicht am Rost scheitern. Sein Gnadenbrot hat mein Lebensabschnittgefährtchen allemal in meiner Nähe verdient.

Sofasophieren lässt sich, wie wir sahen, auch im Paradiesgarten. Wir haben uns über die Kolumne „Lob der Ataraxie“ von Thomas Widmer gefreut, die im neuen Natürlich leben erschienen ist. Er plädiert gegen die ständige Verfügbarkeit und Nützlichkeit, gegen das ewige Suchen nach noch mehr, nach exzessiver Weiterentwicklung zu Zielen hin, die in zehn, zwanzig Jahren erreicht werden sollen.

Wie gut mir dieser Text tut. Schon immer gehörte ich zu jenen Menschen, die sich danach sehnten, statt des Tuns das Sein zu zelebrieren. Nur erlaubte ich mir nicht, mir dies einzugestehen. Höchstens punktuell: Temporäre Inseln des Nichtstuns sind erlaubt, doch gewiss nicht jene Grundhaltung von „Ich bin zufrieden mit meinem Sein. Aktiv strebe ich keine Veränderungen an“. Zu suspekt! Ich könnte ja als Faultier, als arbeitsscheu, als nicht effizient verstanden werden, was ich auch bin. Ja, auch, aber nicht nur …

Zielstrebigkeit zu leben und Visionen zu haben – wie wichtig scheinen diese Aktivitäten in unserer Gesellschaft zu sein! Wie verd… wichtig uns doch ist, was andere von uns denken! Existentiell sogar?! Denn Weiterentwicklung kann eine höhere Einkommensklasse bedeuten, gleich mehr Kohle, gleich noch mehr Prestige … da capo al fine al fine al fine (wo immer das ist!) Rattenschwanz Zukunft. Konzepte. Auf den Kompost mit euch! So wird aus „al fine“ ein neuer Anfang. Organische Entwicklung …

Ständig vorwärts strebend und vom Fehlenden ausgehend, verpassen wir, dass wir jetzt reich sind. Hier in diesem Garten. Und wir vergessen sogar, jetzt zu leben. Jetzt die Birke da drüben zu bestaunen, ihre Silhouette, ihre Schönheit wahrzunehmen. Jetzt das Zusammensein mit unseren Freundinnen – Freunde sind mit gemeint – zu genießen. Und das Feuer. Die Kartoffeln aus dem eigenen Garten. Dazu frische Tomaten und (Furz-)Salat à la mexicaine.

Der wahre Reichtum ist immer gegenwärtig. Ich bin immer alles, was ich je war und je sein werde. Eine Gerade im grenzenlosen Raum. Ich kann immer nur jetzt SEIN. Hier. Im ureigenen Paradiesgarten mitten in meinem Herz. Mit der Harke des Denkens lockere ich den Boden, mit der Schaufel der Gefühle bringe ich von unten nach oben und von oben nach unten, damit alles schön lebendig bleibt. Ja, auch ohne Fernziele – wozu auch, wo doch alles immer nur jetzt ist? – entwickle ich mich weiter … Rhythmen, Phasen, Jahreszeiten – sie kommen und gehen. Und ich mit ihnen.

Hey, danke K. und Ä., immer wieder. Für eure FreundInschaft! Für euer Dasein!

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C., der Sohn des Hauses, seines Zeichens Hiphoper, hat mir den Link seines YouTube-Auftrittes verraten. Hier reingucken lohnt sich!

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* Nein, fragt bitte nicht nach ihrem Alter. Sie ist diesbezüglich ein bisschen heikel … Stars und Sternchen sind das zuweilen!

Mücken fischen

Worüber ich heute schreiben soll? Nein, falsch geraten! Es ist nicht so, dass mir NICHTS einfällt. Es ist eher so, dass ich mich täglich aus der ganzen Fülle, die sich vor mir auftut, auf ein Thema beschränken muss.

Tatsache ist, dass ich, seit ich täglich blogge, die Welt anders wahrnehme. Alles, was mir – oft buchstäblich – über den Weg läuft, wird in mir drin subito zur kleinen Alltagsgeschichte. Da tummeln sich Sätze herum, die ich wie Kaugummi von einer in die andere Ecke schiebe. Und die auch ebenso hartnäckig kleben bleiben. Mir geht es total anders, als Peter Stamm, einem meiner Schweizer Lieblingsautoren, der aktuell den kulturplatz-Blog des Schweizer Fernsehens bestreitet. Er schreibt im ersten seiner ungefähr vier bis fünf zu erwartenden Artikel:

Es fehlt mir am Mitteilungsbedürfnis und so furchtbar spannend ist mein Leben nicht (wenigstens nicht für andere), als dass ich darüber im Wochenrhythmus berichten müsste.

Ist mein Leben denn so viel spannender als seins oder jenes der anderen? Kaum! Oder ist es so, dass ich mich einfach gerne mitteile? Das gewiss, ja. Doch durch die Augen der Schreiberin betrachtet, kann der kleinste Fliegenfurz ein Ereignis sein. Bloße Blubber wie Kollege S., Texter, gewisse Leerläufe nennt? Ich hoffe es nicht. Seichte Unterhaltung? Auch das hoffe ich nicht. Ein bisschen was zu futtern für das Hirn? Das hoffentlich schon eher. Oder zumindest Unterhaltung auf jenem Niveau, das über den Bauchnabel hinausgeht.

Es ist keineswegs so, dass ich keine Gegenüber hätte, mit denen ich mich austauschen könnte, doch der schriftliche Output, wie jener eines Blogartikels, hat eben eine andere Qualität. Qualität im Sinne von Beschaffenheit, von Konzentration und Dichte. Es ist für mich eine Übung, mich schriftlich kurz zu fassen. Die Aufträge der Zeitschrift, für die ich schreibe, lauten jeweils so: 3600 Zeichen mit Leerschlägen. Zum Beispiel. Wie für Sirup werden also die zahlreichen Ideenfrüchtchen eingekocht. Schließlich erreiche ich den Moment, wo 1.) der Sirup genau die richtige Konsistenz hat und 2.) der Abgabetermin vor der Türe steht. Idealerweise  1.) vor 2.) wohlgemerkt. So nehme ich die Pfanne vom Feuer und lasse ein paar feinschmeckende Mitmenschen daran schnuppern und sie ein Glas versuchen, auf dass sie mir liebevoll-ehrlich und wohlwollend-kritisch sagen, wie das Ganze schmeckt.

Doch wo war ich gleich?  Bei der (Hirn-)Fütterung der Raubtiere Bloglesenden! Na ja, es ist ja nicht immer meine erklärte Absicht, Euch Geistreiches zu bieten, manchmal ist Bloggen einfach Warm-up. Einlaufen. Stretching. Bevor ich an einer Geschichte weiterspinne.

Apropos Spinnen. Thekla, wie ich meine Balkonmitbewohnerin nenne, ihres Zeichens Spinne, legt eine beneidenswerte Ausdauer im Spinnen neuer Geschichten Netze an den Tag. Sie hat es sich in den Kopf gesetzt, ausgerechnet zwischen meinem Balkonstuhl und der Mauer Mücken zu fischen. Und das, obwohl ich – nicht aus böser Absicht, sondern aus Vergesslichkeit – schon viermal ihr Netz beschädigt, sie genausooft um Verzeihung gebeten und ihr gut zugeredet habe, ihr Netz woanders, zum Beispiel bei den Tomaten drüben, zu knüpfen. Ich hoffe, sie verhungert nicht! Wo sie doch vor lauter Webereien kaum was zum Fangen und Futtern kommt. Wie gesagt: Ihre Ausdauer ist bewundernswert. Sisyphus lässt grüssen.

Jetzt sollte ich wohl endlich meinen klugen Artikel zu schreiben beginnen. Bloß weiß ich heute echt nicht, worüber ich schreiben könnte. Über die Schweinegrippe vielleicht? Nein, das lassen wir besser.

Bleibt mir nur ein Tipp: Spinnt Netze, liebe Leute. Ein paar literarische Mücken finden sich bestimmt. Guten Appetit.

Absurd?

Manchmal möchte ich ja all die Zeit, die ich fürs Schreiben verwende, gleich zweimal zur Verfügung haben. Anders gesagt: Mir fehlt bisweilen jene Zeit, die ich schreibend verbringe, für alles andere. Noch anders gesagt: Was machen eigentlich all die anderen Menschen mit jener Freizeit, die ich schreibend verbringe? Tja, dieses Andere in mir, das immer so tut, als komme es zu kurz, will eben auch getan, gelebt, gesehen werden.

Na ja, solche Gedanken sind – jedenfalls für mich – im Grunde völlig müssig, absurd sogar, denn Schreiben ist ja etwas, das ich fürs Leben gerne mache 🙂

Tatsache ist, dass meine Lebenszeit zurzeit so blödsinnig knapp wirkt, so dicht, so unfassbar, dass es fast weh tut … Je mehr ich darüber brüte, desto schneller vergeht sie, meine Zeit. Wie ätherisches Öl. Wie ein Duft. Schaue ich am Abend zurück, bedaure ich, wie uneffizient ich doch war … Habe – sagen wir mal – meine Zeit mit Bloggen vertan und über die Zeit sofasophiert, statt dies und das und anderes zu tun …

Doch gibt es immer wieder auch Zeiten in meinem Leben, wo ich mir wünsche, dass meine Lebenszeit ganz ganz schnell vorüber geht. Dass ich mein Leben möglichst schnell und unbeschadet hinter mich bringen kann. Ohne irgendwo hängenzubleiben. Spur- und schrammenlos. Ich sehe mich lebenssatt, auf meinem Sterbebett liegend, zurückschauen und sagen: Well done. So will ich sterben. Wenn es so weit ist. Wie Antonia in Antonia’s Line.

Aktuell jedoch bin ich lebenshungrig. Ich will leben und erleben. Ich will sehen und verarbeiten. Ich will aufnehmen und schreiben. Und ich will meine Schreibe teilen.

Leben ist vorläufig. Voller „Vielleicht“ und voller „Womöglich“. Voller Möglichkeiten. Doch Möglichkeiten sind nur solange faszinierend, wie sie Möglichkeiten sind. Werden sie möglich gemacht, will heißen, werden sie ins Leben gerufen, sind sie nicht mehr möglich, sondern real. Und lange nicht mehr so faszinierend, wie damals, als wir ihnen nachjagten.

Ist etwas erst real, glitzert es nicht mehr. Oder doch? Ich will meine Realität immer wieder umträumen. Doch um sie umträumen zu können, wäre es noch gut, zu wissen, was ich will …

Fürs Erste reicht mir vielleicht ein bisschen Zeit, um diese Frage womöglich beantworten zu können. Dream on, Sofasophia!

Nazareth lässt grüssen!

Noch mehr Seerosen

Was passiert mit all den Wörtern, die nicht geschrieben werden? Was mit all den Buchstaben, die sich in mir zu Wörtern verdichten, zu Sätzen verweben und nicht outgeputet werden? Die im Herz bleiben, im Kopf, im Bauch, im Hirn, im Darm oder sonst wo. Ob es so was wie Wörterverstopfung gibt und ob auch Bloggende darunter leiden können, obwohl sie doch regelmässig outputen? Und wie das wohl nichtschreibende Menschen auf die Reihe bringen? Könnte so eine Verstopfung gar der Anfang einer körperlichen, einer chronischen Krankheit sein? Oder gibt es Menschen, die sich nicht ausdrücken? Hab ich gestern Abend notiert. Am Gerzensee.

Gerzensee2

Heute beim Lesen der Notiz an eine Stelle aus „Wintergewölbe“ gedacht. Jean, die Protagonistin, spinntisiert an einem Heilpflanzen-Ratgeber für fiktive Krankheiten herum. Diese oder jene fiktive Pflanze für diese oder jene Krankheit: Beinwelltinktur dreimal einatmen, wenn der linke Zeh schmerzt, weil der Nachbar nicht gegrüsst hat. Zum Beispiel. Oder wie wäre es mit etwas, das dabei hilft, nichtausgedrückte Gedanken zu verdauen? Anne Michaels Beispiele sind viel allerdings witziger. Eine ganze Seite voll, die ich kopieren wollte. Aber vergessen habe. Womit wir beim Nachteil von Bibliotheksbüchern wären:  Sie müssen termingerecht losgelassen, zurückgelassen werden. Was mir jeweils richtig weh tut. Vor allem bei jenen Büchern, die mich einige Zeit begleitet haben und die ich, wie „Wintergewölbe“, der definierten Leihfrist wegen gestern zurückbringen musste. Ich lege solche Bücher jeweils ganz schnell auf den Tisch und schaue weg, um mir den Abschied erträglicher zu machen. Schnell und schmerzlos. So wie ich alle Abschiede am liebsten hinter mich bringe.

Apropos Abschiede und Sentimentalitäten … War ja witzig! Gestern, am Gerzensee, sass ich die ganze Zeit keine zwei Meter neben einer Frau, die ich über einige Ecken, doch auch persönlich, kenne! Erst um neun, kurz bevor die Sonne im Gerzensee versank, erkannten wir uns wieder. Okay, ich war im Wasser und habe gelesen (Eveline Haslers neuestes).  Also nacheinander, nicht gleichzeitig natürlich.

Wiedersehensfreude. Weisst du noch … Sogar ihre Kollegin half: Warst du nicht damals …? Ja, stimmt. Da war ich. Vor fünf Jahren. An einem Ritual. Und schon kannten wir alle einen Haufen gemeinsame Leute. Wie immer.

Jaja, diese „Weisst du noch!“ Mein Leben scheint aus zahllosen Damals!“ zu bestehen. Nur schon auf dem Weg zum Gerzensee, wenn ich durch die Dörfer fahre, steigen unzählige Erinnerungen auf. Sentimentalität. Sentiment. Sehnsucht? Wehmut? Nein, ich will, was war, nicht mehr zurück. Warum tut es dann doch so weh? Gopf.

Erinnerungen sind abgebrochene Zweige. Absichtlich oder versehentlich. Oder aus Notwendigkeit. Um Not zu wenden. Doch Abbrüche sind eben Wunden. Wie viele Zweige ich wohl schon abgebrochen habe?

Wir drei Frauen sind jedenfalls bald in der Gegenwart angelangt. Und auch diese wird irgendwann ein „Weisst-du-noch“ abgeben.

Kopfstand mit Krone

Titel zu finden macht mir in der Regel Spaß. Dennoch frage ich mich bisweilen, ob ich nicht, wie in fast allen Bereichen meines Lebens, nun auch beim Blogen wieder in der Leistungsfalle gelandet bin. *seufz*

Bewusstes und unbewusstes Handeln. Mein grosses Thema zurzeit. Selbstbeobachtung. Was motiviert mich? Woran glaube ich? Ich bin, was ich glaube. Ich lebe so, wie ich es mir erlaube.

Wer mich kennt, weiss um meine Ambivalenz zum grossen Themenkreis Wünschen, Visualisieren und zum ganzen Machbarkeitshype, der Materialistinnen und Esoteriker gleicherweise befallen hat. Dennoch komme ich nicht umhin, tagtäglich zu sehen, wie wahr wird, was wir denken. Obwohl mir nicht immer ganz klar ist, was zuerst da war. Ich sehe, wie eintrifft, was wir vermeiden wollen, weil wir dem Anti-Wunsch so viel Aufmerksamkeit geben. Und ich sehe auch, wie eintrifft, was wir uns wünschen.

Wünsche weise, es könnte sich erfüllen!, sagt Luisa Francia bisweilen. Das bewusste Wünschen ist allerdings nur ein kleiner Teil unserer Realität, viel grösser ist das, was wir unbewusst glauben. All diese verinnerlichten Sätze. Wie hat doch Mutter damals gesagt …? Vater auch! Wir glauben und es wirkt.

Heute morgen habe ich beschlossen, nicht mehr länger Sklavin meiner alten Selbst- und Weltbilder zu sein. Ich nehme mir meine Freiheit. Ich will die alten Muster ein letztes Mal betrachten, würdigen. Danach Überflüssiges entsorgen (Sondermüll? Kompost?). Werkzeug dazu habe ich inzwischen eigentlich genug. Kraft gewiss auch. Nur am Mut fehlt es mir. Wie so oft. Die Königin meines Reiches zu werden, heisst Mut zur Eigenmacht. Endlich.

Ich frage mich einmal mehr, ob solches anderen einfach in den Schoss fällt. Womöglich ist es bloss so ein dämlicher Glaubenssatz von mir, dass ich glaube, mir alles mühsam erarbeiten zu müssen.

Denn vielleicht ist ja alles ganz anders!

sammeln …

Irgendwann hat mir eine Freundin eine kleine Geschichte dazu erzählt … Genaueres weiss ich nicht mehr … Um Glückserlebnisse ging es. Dass wir sie sammeln können. Wie Edelsteine. Als Vorrat für karge Zeiten … Seelenfutter …

Heute gesammelt:

  • Komplimente meines Scheffs für das Einrichten der Infrastruktur (siehe gestern). („Was würde ich bloss ohne dich machen!“)
  • Komplimente der Mitarbeitenden für die Organisation der Schulung (siehe  auch gestern) allgemein und williges Mithelfen beim Aufräumen! („Du hast ja schliesslich die ganze Arbeit mit Einrichten gehabt!“) > Wertschätzung!
  • Freude über die Gipfeli und Brötli, die ich geholt habe. 😉
  • Komplimente einer Arbeitskollegin für das von mir in den letzten Tagen erarbeitete Gender-Factsheet! („Wow!“)
  • Das Angebot einer Arbeitskollegin, dass sie morgen früh für mich die Post und Gipfeli holt, weil ich ja Sitzung habe. Einfach bloss deshalb, damit ich nicht noch früher im Büro sein muss! Einfach so!
  • Die Zusage eines Kollegen, sehr gerne meine Pflanzen vor dem Verdursten zu retten, während ich im August Schweden heimsuchen werde …

Ein paar schlichte, wohltuende Edelsteine für meine Hosentasche. Und doch so viel nährender als all die negativen Gedanken der letzten Tage.

NeoSchamanismus?

Grenzerfahrungen dienen und dienten schon immer dazu, sich seinen Geistern und sich selbst zu stellen. Als Einweihungsritual. Fahrzeuge dorthin dabei waren seit jeher monotone Rhythmen, Trance, Singen, Schreien, dabei mit den anwesenden Geistern und Menschen in Kontakt zu treten, die Einheit zu zelebrieren. Dies half, sich von der diesseitigen Schwere zu löse und sich auf die Anderswelt einzulassen. Auf die Begegnung mit der eigenen Innenwelt, den eigenen Gefühlen. Indem wir uns erlauben, alles zu sein, innen und aussen, sind wir ganz und heil.

So weit so gut, doch was hat das mit meinem Alltag zu tun? Nun … ich behaupte, Patent Ochsner – und gewiss auch andere Bands – zelebrieren im weitesten Sinn schamanische Handlungen. Sie versetzen mich  in eine andere Schwingung. Während eines Gigs bin ich ganz bei mir. Innen und aussen.

Bereits beim Soundcheck klebten B. und ich, wie Groupies, an den Schranken vor der Bühne. Den Platz in der vordersten Reihen hatten wir uns in der Umbaupause unauffällig, zielstrebig und mit charmantem Lächeln gesichert. Darin ist B. einsame Spitze. Mit ihr gehe ich total gerne an Konzerte. Wir haben einen sehr ähnlichen Geschmack (Musik, Männer und so weiter) und können uns gemeinsam so richtig hemmungslos auf die Musik und das ganze Drumrum einlassen.

Als Ochsners loslegten, löste ich mich schon bald in jenen Zustand glückseliger Entspannung auf, gefördert durch ansonsten eher unangenehme Grenzerfahrungen wie überdurchschnittlicher Lautstärkepegel und Enge. Doch das muss hier einfach so sein.

Patenter Sound zum Mitsingen – JeKaMi … Jed/r kann mitmachen 🙂

Da die Ochsen schon bald 20 Jahre im Buisness sind, ist das Publikum immer sehr altersheterogen. Die zwei niedlichen Mädels um die zwanzig neben mir, ob sie die Musik wohl schon im Tragetuch auf Mamas Rücken mitgekriegt haben? Und hintendran die Dame im Deuxpièce, welche Verbindung sie wohl hat? Egal! Ist doch geil, das wir alle – wenn auch befristet – gleich schwingen … Dieses Gefühl von Familientreffen stellt sich bei mir jeweils kurz nach den ersten Songs ein. I love it!

Bereits am 28. März, nach meinem letzten Ochsner-Konzert im Bierhübeli, schrieb ich in mein Internettagebuch:

Ist es die Authentizität dieser Band? Sind es Sprachwitz, Übermut, Humor, gepaart mit Bünes kritischem Blick auf die Mitwelt … Sind es die Texte, die Kompositionen?
Ja, das alles, von allem etwas. Aber noch mehr ist es wohl die Begeisterung, mit der Ochsners, vorab Büne, ihre Musik performen. Begeisterung, die echt ist, nicht frei von Selbstzweifeln, so urmenschlich. Auch ist das alles, wie überall, mehr als die Summe der einzelnen Teile. Vielleicht schafft Büne durch seine Natürlichkeit für mich, für seine Fans, eine Identifikationsfläche? Brauche ich Helden?
Lacht ruhig, aber für mich ist so ein Gig mit Ochsners eine geradezu „heilige Handlung“. Ich werde dabei ganz mich, ganz Körper, ganz Stimme, ganz Schwingung, ganz Lachen und ganz Genuss. Ganz Gegenwart. Was will ich mehr und was gibt es Heiligeres?
(Quelle: http://www.lebenswertvoll.ch/Janaluna/Janalunas%20Internet-Tagebuch09_1.html)

Schön, B., dass wir mal wieder gemeinsam das Leben feiern konnten! S’fägt mega mit dir!
Die Nacht war zwar kurz, doch es hat sich gelohnt!

Wie sang doch Büne? „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da …“ (Coversong, von Theo Makeben, neuinterpretiert)

verlinkt …

Meine grösste Ressource, sagte ich neulich zu meinem Scheff, ist, dass ich das Leben als Netz betrachte. Und dass ich das schon immer konnte. Ich nehme das Leben, Sicht- und Unsichtbares, so wahr, dass alles miteinander verbunden ist. Alles ist verwandt, sagen die Lakota und auch die Quantenphysikerinnen haben es bewiesen.

Dieses Wissen als Ressource zu betrachten – was übrigens allen möglich ist – , hilft mir, was immer geschieht, zu relativieren. Das ist der rote Faden meines Lebens, das ist der rote Faden meiner Schreibe, und es ist auch der rote Faden in all meinen Beziehungen.

Der gestrige Abend – will heissen, die gestrige Nacht  – mit U. hat mir mal wieder gezeigt, wie vielschichtig und vernetzt die menschliche Kommunikation ist:
Da erzählt U. zum Beispiel eine Episode aus ihrem Alltag.  Ich greife einen Zipfel ihres Erlebens und spinne weiter, indem ich meinerseits eine Episode erzähle. Zur Illustration, dass ich – zumindest ansatzweise – verstehe, was sie erzählt hat und was sie meinen könnte. So mäandern wir erzählend durch die Höhen und Tiefen unserer Biografien. Malen WortBilder, teilen Erlebtes, Gefühltes … und unterbrechen uns selber immer wieder: He! Ich wollte doch eigentlich erzählen, wie ich damals … und jetzt erzähle ich dir was ganz anderes! Immer wieder gackern wir herzhaft, während sich die Weinflasche leert sich und die Minuten ohne unser Zutun versickern. Erstaunlich, wie universell die Geschichten sind, die das Leben schreibt – meine, deine, ihre, seine. Wie sie resonieren, wie sie im Gegenüber neue Links öffnen und wie wir erzählend auf den Wellen der Ewigkeit surfen.

Und dabei doch absolut gegenwärtig sind … Jetzt.

Und jetzt freue ich mich darauf, heute Abend mit B. die Ochsen zu erleben …

Bittebitte Büne, sing Angelina. Für mich. Das Lied für deinen Schutzengel berührt mich jedes Mal von neuem. Live habe ich es noch nie gehört … höchste Zeit!

Zitat aus einem Interview mit Büne Huber von Patrick Holenstein.
Ich möchte auf einige Songs eingehen. Angelina ist eine typische Ochsnerballade. Der Text klingt, als wäre sie die Mutter im Kontext der Platte oder eine Geliebte. Wie ist es wirklich und gibt es eine reale Angelina?

Es ist das Konzept des Schutzengels. Das ist das Bild, welches bei Angelina im Vordergrund steht. Ich kenne das aus Gesprächen mit vielen anderen Menschen, die in irgendeiner Form künstlerisch tätig sind, dass immer eine Angst im Raum steht. Die Angst, dass die tiefe Verbindung, der feine Faden mit einer seelischen Welt, mit etwas Spirituellem, und ich meine spirituell nicht im Sinne von Religion, das hat nichts mit der Kirche zu tun, sondern mit der spirituellen Welt, dass dieser Faden verloren geht. Man hat unter Umständen Angst, wenn du am Arbeiten bist, beschleicht dich das Gefühl, du würdest nur Mist bauen und es kommt nicht an den Punkt, an dem ich es mir wünsche. Oder ich misstraue meinen Kräften oder Visionen, ich misstraue meinen Eindrücken, die ich von etwas habe, geschweige denn, ich kann sie gar nicht umsetzen. Das ist ungefähr diese Ecke, die Angelina stark geprägt hat. (Quelle: http://www.students.ch/magazin/details/8618/Interview-mit-Buene-Huber-von-Patent-Ochsner)

grenzenlos …

… süchtig bin ich. Nach bloggen. Das Wissen um mein Blog lässt mich anders sehen, denken, erleben. Alles bekommt einen anderen Geruch, eine andere Farbe, ein anderes Gewicht. Ob das anderen NeoBloggerInnen wohl auch so geht? Diese Sucht, laut, will heissen schreibend, zu denken.

Mit dem Schreiben ist es bei mir ja eh so, dass ich es brauche, um den inneren Wahrnehmungsstau abzuleiten, den inneren Input-Überdruck umzulagern, den inneren Überschuss/Überfluss auszupressen. Ein ähnlicher Effekt, wie die fünf bis zehn Sonnengrüsse (Mondgrüsse) die ich – um besser schlafen zu können – abends auf die Matte lege. Ich muss regelmässig die Batterie leeren …

Habe ich zu viel Power? Zu viel Energie? Oder ist es bloss wegen des  Überschusses an Cortisol, jenem körpereigenem Hormon, das Menschen wie ich langsamer abbauen? Und die deshalb immer leicht auf Speed sind?

Heute Nachmittag habe ich mal wieder tausend Sachen erledigt, obwohl ich eigentlich baden gehen wollte. An den Gerzensee. Egal, dass ich dafür das Auto nehmen muss. Ich will dahin! Genau DA hin! Das brauche ich heute. Die Sehnsucht nach dem erfrischenden Bad im See braute sich im gleichen Rhythmus wie die Gewitterwolken zusammen. Als ich endlich alles erledigen hatte, was ich erledigen zu müssen geglaubt hatte, war es schon halb sechs. Der Himmel verkündete Regen. Neineinein!, trotzte ich. Ich will baden. Im Gerzensee. Ich muss!!! Ich gehe!!!

Ich packte mein Badezöix und setzte mich ins frisch vergoldete Sternchen, das mich durch die wunderbare Landschaft des Aaretals fuhr. Herrlich.
Ich liebe Gewitterstimmungen.
Ich liebe diese Gegend.
Ich liebe es, laut Musik zu hören und über Land zu fahren.
Hach. Surreale Farben. Das Grün der Bäume grünggraugelb. Der Himmel voller Wolkenvieh. Der See – nein, weder Wörter- noch Wörthersee! – hatte seine Gewitterdusche bereits hinter sich und der Himmel über mir war bereits wieder klar!

Jaaaaaaaaaa! (… mehr dazu sagen kann ich nicht …)

Auf dem Rückweg zum Parkplatz ging ich wie immer am Sportplatz vorbei. Die Kids trainierten Fussball und Unihockey. Direkt neben dem Friedhof. Die Coaches ermutigen die Kleinen: „Ned stahbliebe! Seckle, die Rote! … Ball abgeh, Sven! … Ned alles eleini mache! S‘ Goal isch offe, Jungs!“ Was da alles an Lebensweisheit drin steckt! 🙂 Neben dem Friedhof. Und so.

Warum ich bloss diesen doofen Spruch „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ derart verinnerlicht habe, dass ich mir nicht erlaube, hin und wieder alles liegen zu lassen? Ich hätte früher gehen, länger bleiben sollen. Hätte! Denn die Unruhe hat im und am Wasser schlagartig nachgelassen.

Auf dem Rücken schwimmen. Die Ohren unter Wasser. Den Himmel über mir.
Sehen. Riechen. Lauschen. Eins sein.
Mein ganz persönliches Paradies.