Leck und Seil

Zum vorigen Artikel eine kleine Collage aus Irgendlinks Bildern.
Gegen ein Leck ist offenbar auch das stärkste Seil machtlos

__________________________________________
Bild: iDogma –
Fotografiert mit dem iPhone (Handy mit Photo- und anderen Funktionen). Verwendete Apps: Hipstamatic für die Aufnahmen (Irgendlink) und TurboCollage für die Montage (Sofasophia).

Zwischenräume

Bestimmt fängt er nächstes zu knurren an. Vielleicht wird er mich sogar beißen. Keine Ahnung, auf was für Ideen Notizzettel kommen, wenn wir sie ignorieren. Ich habe ihm versucht klar zu machen, dass er so wichtig nun auch wieder nicht sei. Er sei einfach nur ein mit ein paar meiner Ideen vollgekritzelter Zettel. Mehr nicht.
Immerhin hast du Irgendlink von mir erzählt, kontert er.
Von dir? Täusch dich da mal nicht, lieber Zettel, sage ich. Nicht von dir, nur von den Worten auf dir.
Ist doch egal. Ist eh fast das gleiche, sagt er. Nun knurre ich zurück. Also gut. Schließlich habe ich es J. versprochen.
Was haben wir gelacht heute Morgen. Am Telefon hatte ich ihm erzählt, dass ich einen Blogartikel mit dem Titel „Zeig mir deinen Zaun und ich sage dir, wer du bist!“ schreiben wolle. Vielleicht. Lachen mussten wir deshalb, weil er unmittelbar vor dem Anruf einen Artikel geschrieben hat, worin ebenfalls Zäune vorkommen. Einen Artikel, den er mir eine Viertelstunde nach unserem Gespräch zumailt, damit ich ihn, – bitteschön, liebe Homebase –, an seiner Stelle, redigiere und in sein Blog hoch lade. Um Akku zu sparen.
Also gut, Zettel, komm her und lass dich anschauen. Meinst du wirklich, ich kann dieses Gekritzel auf dir lesen?, sage ich.
Kann ich doch nichts dafür. Ist ja nicht meine Schrift, sagt er. Recht hat er.
Ist ja gut, ich versuche es. Halt doch endlich still.
Du kitzelst.
Krieg dich ein, so wird das nichts. Siehst du, es geht ja.
Bevor ich gestern aareaufwärts durch die wunderbar-wilde, renaturierte Auenlandschaft beim Wasserschloss radeln kann, führt mich der Weg durch Wohnquartiere und an Familiengärten vorbei.
Die Schweiz – das Land der Gartenzäune, denke ich. Halt! Stimmt nicht, korrigiere ich mich. Gartenzäune hat es nicht nur hier. Zäune gibt es auch in Deutschland. Und denk an Schweden und Dänemark! Und was ist mit England? Dort hat es überall welche und die Leute stellen noch Schilder auf, die vor der Bürgerwehr warnen. So hat es Irgendlink jedenfalls geschrieben.
Zeig mir deinen Zaun und ich sage dir, wer du bist!,
murmle ich vor mich hin.
Hecken als Zäune, wie der da drüben, beim Familiengarten, das geht ja noch. Ist immerhin ein Biotop für Tiere. Aber einfach so Zäune bauen – aus Holz, Stein oder Beton?
Wozu?
Was sperren wir ein? Uns selbst?
Was sperren wir aus? Die anderen?
Wie viel Raum brauchen wir? Was schützen wir? Was mauern wir ein?
Sichtschutz – ja, gut, Intimsphäre brauchen wir alle.
Und ja, auch Viehzäune haben durchaus ihre Berechtigung, sie schützen Menschen und Tiere voreinander.
Aber all die anderen Zäune?
Zäune markieren. Sagen: Das hier ist Besitz. Mein Besitz. Dieses Stück Land ist meins. Geh weg!
Zum Glück gehört wenigstens die Aare uns allen.

So, Zettel, zufrieden? Guck, da ist der Papierkorb. Gute Nacht. Und danke auch.
__________________________________________________________________
Bild: iDogma –
Fotografiert mit der iPhoneApp AutoStich (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

Die Sache mit den Blickwinkeln

Eigentlich wüsste ich es ja längst. Der Blickwinkel macht’s. Oder iPhonisch gesprochen ist es der Filter, oder die App, die es macht. Wie gerne würde ich an Bluestagen wie heute einfach einen anderen Filter auf meine Seele legen. Andererseits ist es wohl auch ganz gut so, wie es ist. Und besser zu viel wahrnehmen als gar nichts.
Mit dem Rad an der Aare unterwegs und innehaltend – ein wunderbarer Frühlingstag hat mich aus der Wohnung gelockt – habe ich heute einfach nur dem Rauschen gelauscht. Das Buch blieb im Rucksack.
Drei verschiedene Ausschnitte mit zwei bis drei verschiedenen Linsen. Welches zeigt nun wirklich die Wirklichkeit? Und sind die anderen falsch?

__________________________________________________________________
Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

Fliederduft in der Luft

Kleines Intermezzo oder Wieso kann ein Bild nicht duften?

Eine Variation des Bildes findet sich auf pixartix_dAS bilderblog

__________________________________________________________________
Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

auchbern

Vor bald drei Jahren, als Irgendlink die Stadt Bern zu portätieren begann – damals noch klassisch mit der Nikon –, bat ich ihn hin und wieder um mir besonders liebe Bilder. Aus der Sammlung – allesamt Aufnahmen von schrägen Sujets, die wohl niemand eines zweiten Blicks für würdig befunden hätte – habe ich ein kleines Buch für mich gemacht. Es heißt „auchbern“.
Seither nenne ich fast alle unsere Bernbilder so. Auch diese kleine Collage hier.

__________________________________________________________________
Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).

Die Antwort und die Siegerin

Bei dem Bildausschnitt im Blogartikel Die Preisfrage handelt es sich, wie Herr und Frau Hirsch&Haus richtig geschrieben haben, tatsächlich um das Spiel Keltis, das vor vier Jahren Spiel des Jahres war. Bravo, Frau Freihändig.

Keltis hat relativ einfache Spielregeln, ist eine schlaue Mischung zwischen Glück und Strategie und bleibt dadurch, dass das Spielfeld in jeder Runde neu definiert wird, immer spannend. Ziel ist, deine fünf Steine oder einen Teil davon, als erste ans Ziel zu bringen. Du hast fünf Wege, für jeden Weg aber nur einen Stein, den du auf diesem Weg vorwärtsschieben kannst. In Ein-Feld-pro-Runde-Schritten. Außer wenn du Glück hast. Es gibt Felder, die Doppelsprünge ermöglichen. Oder Edelsteine, die dein Punktekonto füttern. Und vielleicht betrittst du sogar ein paar Punktevermehrungsfeld?
Drei Ebenen sind es, die dein eigenes Vorwärtskommen beeinflußen. Zum einen ist da das jedes Mal veränderte Spielfeld, das eben auch deine Punktzahl mitbeeinflußt, zum zweiten sind es deine immer wieder anderen Karten, die du bekommst und nachziehst und zum dritten beeinflussen auch deine Mitspielenden mit, welche Karten du in der Hand hältst und ausspielen kannst.
Kurz gesagt: Ein Spiel wie das richtige Leben. 😉
Warum das Spiel Keltis heißt, weiß ich nicht. Natürlich, es ist ganz im Trend „auf keltisch“ gepimpt, hat ein sehr schönes, ansprechendes Layout und angenehm-griffige Spielelemente (kein Plastik). Mit den Kleeblättern aus Karton lässt es sich winken, wie Frau Samtmut gezeigt hat. Was mir bei diesem Spiel aber ein bisschen fehlt, ist eine Geschichte drumrum. Das wäre echt das Sahnehäubchen.
Kennengelernt haben wir das Spiel, als wir bei Freund QQlka zu Besuch waren. In Mainz. Im März. Während der Kunstmesse, als wir dort nächtigen durften. Ewig her, ich weiß. Seine WG hortet einen ganzen Schatz an Spielen, doch dieses hier ist zurzeit besonders beliebt.
Dass ich zwei von drei Partien gewonnen und eine dafür haushoch verloren habe, weiß ich auch noch. Und dass bei der ersten Runde das Wort Welpenschutz in meinen und in Irgendlinks Wortschatz flutschte, ebenfalls. In der ersten Runde durften wir nämlich noch tausend Fragen stellen. Welpenschutz eben.
****************
Kommen wir zur Preisverleihung … 🙂

Mitgemacht haben: Irgendlink, Li Ssi, Samtmut, Sherry, Frau Freihändig sowie die zwei Hausundhirsche. Richtig geraten haben: Samtmut, Frau Freihändig und die beiden H.
Irgendlink hat nicht geraten, sondern gewusst.
Da ich geschrieben habe, dass bei mehreren richtigen (oder falschen) Antworten das Los entscheidet, sind logisch alle zur Verlosung zugelassen. 🙂
Zettelschreib, Zettelzerschneid, Zettelchenzerknitter, Zettelchenmisch, Einzettelchenzieh …
Gewonnen hat … *trommelwirbelein*
>>> Licht aus, Spot an … Die Siegerin des heutigen Tages heißt Frau Freihändig – Applaus, Applaus! Herzliche Gratulation, Madame!!! <<<

1. Preis: Die Anthologie „Nachtfalter“ mit zwei Geschichten von mir drin, signiert oder/und einen gemütlichen Spielabend mit mir/uns.
2. – 6. Preis: je eine iDogma-Kunstpostkarten von Touchnote, kreiert von mir (bitte die Postadresse mailen, damit ich die Karten versenden kann).
Die Verlosung fand notariell beunglaubtigt statt und wird anhand dieser Bilder hier glaubwürdig dokumentiert:

Die rote Bank

Genau hier war es. Vor zweiunddreißig Jahren muss es gewesen sein.

Hier, auf dieser Bank, die inzwischen bestimmt einige Male frisch gestrichen worden ist, habe ich damals gehockt. Ein bisschen geschlottert habe ich. Vor Müdigkeit und weil es so früh war. Hier, auf dieser roten Bank, schrieb ich damals jenen vermaledeiten Schulaufsatz. In der dritten Bez. muss es gewesen sein (was ungefähr der neunten Gymiklasse in Deutschland entspricht).
Maimorgen war der Titel dieses zu schreibenden Aufsatzes und eine Bedingung dazu war unumstößlich: vor Sonnenaufgang sollte der Schreibplatz, draußen in der Natur, aufgesucht werden. Und dort sollen wir mindestens eine Stunde sitzenbleiben. Beobachten und beschreiben, wie die Natur erwacht. Ein edles Ansinnen unsres Deutschlehrer, doch ein Rudel Fünfzehnjährige für solcherlei zu begeistern? Na ja. Hätte ich nicht den Aufsatz meiner drei Jahre älteren Schwester lesen dürfen, die – man ahnt es – beim gleichen Deutschlehrer ihre Zeit abgehockt hatte, wäre die Sache womöglich übel ausgegangen, denn ich hatte verschlafen. Die Sonne war schon aufgegangen, als ich auf dieser roten Bank hier Platz nahm. Mit dem Schreibblock in der Hand (nicht mit dem iPhone, in das ich jetzt diese Zeilen hacke und von dem ich damals noch nicht mal träumte) schrieb ich über die Geräuschkulisse und das sich verändernde Licht. All dies hat sich seither wohl kaum verändert.
Dörfer und Bäume sind einfach da. Zuweilen wachsen sie, wie mein Dorf hier, ein wenig oder viel. Und da und dort stirbt ein Baum, wird ein Haus abgerissen. Seltsam ist es mir zumute, die ich heute, als Bluestherapie, auf meinen alten Wegen gehe.
Die riesige Tanne, zu deren Füßen wir damals die Urnen unserer Eltern beigesetzt haben, ist gefällt worden. Ich erkenne den Platz nicht mehr mit Sicherheit. Kurz macht mich das traurig, doch schon schieben sich Erinnerungen an Sonntagsspaziergänge durch diesen Wald hier vor meine geistigen Augen. Das nächste Dia. Spaziergänge, bei welchen mir mein Vater, ziemlich erfolglos allerdings, versuchte die Namen der Bäume beizubringen. Erfolgreich war nur sein nicht deklarierter Wunsch, mir seine Liebe zu den Bäumen und zum Wald zu vermitteln.
Ich bleibe immer wieder stehen, spüre hin, was diese altbekannten Wege mit mir machen, die ich mit unsern Hunden früher fast täglich gegangen bin. Und nun schon so lange nicht mehr. Auf einmal bin ich wieder fünfzehn und schaue mich nach unserem Hund um. Komm her, komm bei Fuß. Das Waldstück, wo wir unsere Baumhütte gebaut und Niele geraucht haben, besuche ich das nächste Mal.
Oh weh, das Hexenhäuchen und das Haus vom alte Pfiifejokeb sind weg. Beide abgerissen worden und Neubauten gewichen. Das Rad der Zeit. Das „Neue Schulhaus“ feiert auch schon bald vierzigjähriges Jubiläum, rechne ich vor mich hin. Und die Hühnerfarm gackert zwar noch immer, hat aber längst auf nette Tierhaltung umgestellt.
Was wohl aus Freundin U. geworden ist, mit der ich meine erste Zigarette geraucht habe. Und Ch., mein Erstgeküsster – ob es ihm gut geht?
Eben hatte ich mich unversehens in „meinen“ geliebten Berner Könizberg-Wald versetzt gefühlt und vor mir, links zwischen den Bäumen, den Gurten, Berns Hausberg, zu sehen erwartet. Ein universelles Gefühl macht sich in mir breit. Gerade eben könnte ich überall sein. Doch durch meine Wahl bin ich genau hier. Wo der Gurten wäre – wenn ich jetzt woanders wäre, meine ich – sehe ich nun die drei Schlösser. Eins nah, die beiden ein bisschen weiter weg. Auf sanften Hügeln. Weichhügliges Juraland auf hartem, kalkigem Gestein.
Ich nehme Abkürzungen, als wäre ich nur ein paar Wochen weg gewesen. Atme tief, sauge das Grün und die Waldluft in mich auf.
Meistens kritele ich ja an meiner verkorksten Kindheit herum, doch wie ich heute betrachte und mich erinnere, wie idyllisch ich im Grunde aufgewachsen bin, weicht meine innere Zensorin ein paar Meter zurück und macht Dankbarkeit Platz. Die Erinnerungen ein bisschen zu schönen, schadet hier sicher nicht.
__________________________________________________________________
Bild: iDogma –
Fotografiert und bearbeitet mit verschiedenen iPhone-Apps (integrierte Software. Alle Bearbeitungsschritte wurden auf dem iPhone ausgeführt).