Bitte Backup erstellen

Wie gerne würde ich zwischendurch ein Backup meiner Innereien erstellen. Per Mausklick würden alle Gedanken – die ich mir wie die Bilder an der Wand unserer Ausstellungsraumes vorstelle – gescannt und abgespeichert. Ich könnte sie nach Bedarf einfach abrufen. Gerade jetzt, wo so viele lose Fäden in meinem Kopf herumwirbeln. Sie einfach per Datenspeicherung auf meine biologischen Festplatte bannen zu können, wäre wirklich genial.
So aber muss ich mit Notizzetteln vorlieb nehmen oder zwischendurch ein paar Stichworte ins iPhone tippen. Stichworte, die mir später kaum mehr etwas sagen. Oder die ich nicht mehr entziffern kann. Kaum fange ich zu notieren an, lösen sich die inneren Notizen auch gleich schon auf und der Zettel bleibt nach den ersten Sätzen einfach leer.
Bin ich wirklich und wenn ja, wer?, grübelte ich neulich, ausgelöst durch einen Blogcomment von Irgendlink bei AxeAge. Einer der besten Blogkommentare übrigens, den ich je gelesen habe. Bin ich gar mehrere, wie Pessoa* schreibt, oder bin ich nur dann, wenn ich von anderen gesehen und bestätigt werde? Und die anderen – sind sie nur durch mich? Wie viel Narzissmus, wie viel Selbstdarstellung braucht ein Mensch? Und wie viel Selbstachtung und Selbstliebe?
Schnitt.
Neulich habe ich mich im Gespräch mit J. über eine Kollegin zu folgendem Satz verstiegen:
*ironiemodusein* Ich glaube, ich werde sie in eine meiner Geschichten einbauen. Dann hat sie wenigstens nicht umsonst gelebt. *ironiemodusaus*(ja, so böse bin ich manchmal auch …)
Schnitt.
Gestern am Hochzeitsfest von B. und J. mit anderen Gästen über die Möglichkeiten der iPhonekunst diskutiert. Auf einmal steht ganz groß die Frage im Raum: Kann man heute einem Foto überhaupt noch trauen? Heute ist ja alles manipulierbar. Das Echte – die Sehnsucht nach ihr wird wiederkommen, sagt Gast M.. (Notiz an mich: Ist ein bearbeitetes/verfremdetes Bild tatsächlich weniger echt? Was ist überhaupt echt?)
Schnitt.
Ich entscheide mich, einer Person des öffentlichen Lebens zu glauben. Ich will die Aussagen, die diese Person gemacht hat, nicht anzweifeln, auch nicht dem Wahrheitsgehalt des Dokumentarfilmes, den sie gedreht hat. Will glauben, dass es so war, wie sie es darstellt. Warum? Weil ich den Sinn nicht einsähe, so etwas zu fälschen. Wozu auch. Okay, Manipulation ist überall. Leichtgläubigkeit ebenfalls. Ist deshalb glauben und vertrauen zu wollen grundsätzlich naiv? Nochmals: Was ist wirklich? Und nochmals: Bin ich wirklich und wenn ja wer?
Bin ich gar eine Romanfigur und lebe nur um dieser einen, ganz bestimmten Geschichte willen?
Besser als gar nichts. Das würde mir jedenfalls erklären, warum sich meine eigenen Romanfiguren zuweilen selbständig machen.


 

*Jeder von uns ist mehrere, ist viele, ist ein Übermaß an Selbsten. Deshalb ist, wer die Umgebung verachtet, nicht derselbe, der sich an ihr erfreut oder unter ihr leidet. In der weitläufigen Kolonie unseres Seins gibt es Leute von mancherlei Art, die auf unterschiedliche Weise denken und fühlen.

(aus: Fernando Pessoa, “Livro do Desassossego”, Aufzeichnung vom 20.12.1932)

Haltebucht

Anhalten und aussteigen. Dem Weg folgen, ein wenig, ihn
verlassen. Eigene Wege gehen. Über Felder. Brach
liegen sie da. Erholen sich von der Ernte. Über
Wiesen gehe ich nun. Sonnenwarmes
Gras. Im Windschatten des
Maisfeldes lege ich mich
hin. Lasse mich fallen und meine Augen über
den Himmel spazieren. Tanke blau. Und grün. Die
Augendeckel werden schwer. Ich versinke tief in
die Arme von Mutter Erde. Geborgen. Getragen. Gestärkt
wache ich irgendwann wieder auf. Zurück aus der
Zeitlosigkeit, wo Vögel sich
austauschen, Selbstgespräche führen
vielleicht. Ganz weit weg das
Rauschen von Autos. Ich stehe auf. Füße
auf unebenem Boden
seufzen wohlig. Glück jetzt. Und jetzt. Jetzt auch.



Einsteigen. Nach Hause fahren. Zuhause ist überall
da, wo ich sein kann, die ich bin.

rückwärts schreiben

Gegen den Strom anfühlen. Über schönes schreiben – sollen-wollen jedenfalls – in dieser trüben Welt. Denn schönes ist immer irgendwo. Auch. Nicht immer nur schwarz. Die Dinge in den Dingen und dahinter von vielen Seiten betrachten. Wahrnehmen. Sinne öffnen. Neue Wörter finden für das Alltägliche. Wörter für Unbeschreibliches. Wörter für die Liebe. Und Wörter für die Schichten unter der Fassade.
Wenn ich diese Wörter hier lese, bereits jetzt, kaum geschrieben, Wörter, die sagen sollen, was ich spüre, stoße ich sogleich mit dem Kopf an. Grenzen ringsum. Fast als hätte ich ein Bild zu malen oder zu fotografieren, und stellte fest, dass mir entweder die entscheidende Farbe zu mischen nicht gelingt, oder dass mir das richtige Licht fehlt, um abzubilden, was und wie ich es mir vorstelle. Unzulänglichkeit in Bezug auf meinen Ausdruck, auf meine Ausdrucksmittel – eine Erfahrung, die mich immer wieder so hilflos macht. Tiefenschärfe – mal gelingt sie, mal nicht.
Ungeduld spüre ich, Ungeduld im Wunsch, Worte zu finden, um Erlebnisse auch für andere nachvollziehbar zu machen. Worte, die über eine einfache Beschreibung hinaus gehen. Worte, die fühlbar machen sollten, die konservieren könnten, was ich spüre, was ich wahrnehme.
Es ist dieser Wunsch, der mich das Schreiben als Ausdrucksmittel hat finden lassen. Dieser Wunsch ist es, der mich vorantreibt. Ein Wunsch, der mich so oft mit meiner Unzulänglichkeit konfrontiert.
Beobachten lernen, noch besser, noch sensibler, das ist der Weg, den ich gehen will.

ver-rückt irgendwie

Ich schaue mir selbst zu, wie ich schneller und schneller mein Alltagshamsterrad trete, wie ich temporeich von A nach C hüpfe – in Gedanken ebenso wie im reallen Leben – und wie ich kaum Pausen einlege …
Stopp, SoSo, das kann es nicht sein!
Selbst wenn es mir, wie jetzt, dabei gut geht und ich gerne lebe – sogar die Arbeit macht zuweilen Spaß! -, darf diese Tempo einfach nicht der Normalfall sein. Mit meinem Liebsten und mit Freundinnen habe ich dieser Tage verschiedentlich über das Übel der Teilzeitarbeit sofasophiert: Arbeitest du „nur“ in Teilpensen, sagte ich, klebt der Makel der Unvollständigkeit an dir und du suchst, wie ein Pilger die Absolution, nach einem Weg zur Vollständigkeit. Im meinem Fall sieht das so aus, dass ich, kaum zuhause, in einer beliebigen Ecke meines Lebens weiterarbeite. Haushalt oder Kunst ist dabei – zur Illustration meines Dilemmas – sogar einerlei. Der Motor kommt nie, außer Nachts, zum Stillstand. Schlafen tu ich gut. Immerhin. Intensiv träumend durchschreite ich meine Nächte.
Selbst jetzt, wo ich es mir am Ofen bequem gemacht habe, mit einem Buch auf dem Schoß, lese ich nicht, sondern blogge.
Blogito, ergo sum!, um J. zu zitieren, ich blogge, also bin ich.
Darum mach ich jetzt Feierabend. Wie wär’s denn mit einem guten Film, Liebster?

Ich will mal wieder Hesse lesen

Er: Hesse war Hesse.
Sie: Nein, Hesse war Schweizer.*
Er: Und Schweitzer war Schweizer? **
Sie: Goethe war Hesse?
Er: Nein, Goethe war Goethe.
Sie: Und Hesse war Hesse.
Er: Sag ich doch …
(Text by Irgendlink and Sofasophia/Soso)
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* nicht ganz. Er ist im Schwarzwald aufgewachsen … (mehr …)
** auch nicht wirklich, leider. (mehr …)

nur kurz

Kunst kommt ja auch im Wort Kunstmarkt vor … *grmpf* und auch Künstlerinnen müssen hin und wieder Brot kaufen und so Sachen. Darum update ich hoffnungsvoll dieser Tage meine WhiteWall-Galerie, wo sich meine Kunst auch käuflich erwerben lässt. Schon fast alle ausgestellten Bilder und eine Reihe anderer Werke habe ich hochgeladen. Viel Spaß beim Spazieren, Stöbern, schauen und … *hüstel* … beim Einkaufen natürlich auch.
Guckt mal hier: https://www.whitewall.com/pixartix#

inside is outside is inside
Ein Bild, das für mich diese Diskrepanzen zwischen Materie und Innen(t)räumen sehr gut sichtbar macht. Ich freue mich, dass auch diese Miniatur schon bald die Besitzerin wechselt.

zerbrochen verkaufen

Dass ich einem Glas je dankbar für seinen Zerbruch sein würde, hätte ich wohl nie für möglich gehalten. Bringen Scherben Glück? Dieses Glas – es ist mir im Frühling beim Ausmisten von J.s Außenküche aus den Händen gerutscht. Eine Weile stand es auf dem Tresen herum. Licht und Schatten küssten es Tag für Tag und ich zögerte den Wegwurf hinaus. Eines Tages, das Licht war besonders schön, fotografierte ich es von verschiedenen Seiten. Eine der Aufnahmen bearbeitete ich weiter und genau in diesen Tagen kam eine Wettbewerbsausschreibung für eine iPhone-Ausstellung. Kurzlebigkeit war das Thema und mein Bild kam großformatig mit in die Ausstellung, die der Preis für die zwanzig besten Bilder war. Broken Glass – in Venarey/Frankreich erstmals ausgestellt. Gestern habe ich es beinahe verkauft. Heute nicht nur beinahe. Ein fetter roter Punkt ziert nun die weiße Wand.

Bild 1: siehe Titel
Auch ein paar andere Bilder haben neue Besitzerinnen und Besitzer gefunden. Ich freue mich, dass ich die Erfahrung machen darf, dass unsere Bilder auch andere Menschen berühren.
Eine junge Frau, die heute unsere Ausstellung besucht hat, zeigte mir eine App, die ich noch nicht kannte. Ja, ich gestehe es, ich habe sie sofort aus aus dem weltweiten Netz gefischt und mit der neuen Software noch in der Galerie bereits erste Bilder kreiert. So ein Spaß.

Bild 2: Gast R.s Füße, mit der neuen App (iMajicam) kreiert …
In all den vielen Gesprächen des Tages wurde mir eins bewusst: Kunst zu schaffen darf Spaß machen!

Bild 3: Yes, it’s a Selfie … mit der neuen App gebaut … 🙂
alle Bilder: iDogma (außer dem Upload)

Farben und ihre Wirkung

Diese Bilder, sie sind so … sooo … so stark, so farbig …, sagte eine Besucherin heute Nachmittag, die über unsere Ausstellung in der Zeitung gelesen hat und deshalb zum einsamen Gehöft gefahren ist.
Ein anwesender Journalist stellte unzählige Fragen zur Technik. Es schien ihm kaum vorstellbar, dass ein Smartphone zu solchen Taten, sprich Bildern, fähig ist. Dass alle unsere Bilder einzig und allein auf den iPhones gestaltet worden sind.
Mir gefällt dieses Bild total gut, sagte eine Dame, es ist so leuchtend und kräftig. Kein Wunder, dass es einen Wettbewerb gewonnen hat.

Broken Glass, 40 x 30, Fotoabzug, gerahmt
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Kurz und gut … es hat Spaß gemacht, mit unseren Gästen über Kunst, iPhoneographie und das iDogma zu plaudern, zu lachen, zu diskutieren, ihnen Crashkurse in Appologie zu erteilen und sich über die Reaktionen zu freuen, die unsere Bilder auslösten. Spannende Menschen waren da. Bekannte und neue Gesichter.
Morgen geht’s weiter. Schön, aber auch anstrengend ist es, die eigenen Innenwelten sichtbar zu machen.
Und genau über Sichtbarwerdung und Erfolg sowie die Angst vor beiden haben wir geredet, mit R. und S., und über den Weg einer Künstlerin, S. herself, die über Umwege ihren eigenen Kunstweg gefunden hat. Ein sehr inspirierendes Gespräch, das weit über die offizielle Öffnungszeit hinausgegangen ist.
Offenen Türen und offene Herzen – eine gute Erfahrung!
Hier klicken zum kleinen App-Lehrgang: Von der Idee zum Kunstwerk (pdf)
Hier klicken zu einer vierseitigen Dokumentation mit Bildern von unserer Ausstellung „Offenes Atelier 2011“ (pdf)
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Infos zur Ausstellung im Rahmen der Offenen Ateliers Rheinland-Pfalz
Wir haben etwas über siebzig mit dem iPhone fotografierte und bearbeitete Werke ausgestellt.
Ein Großteil sind Fotoabzüge in Rahmen, ein weiterer Teil auf Aludibond aufgezogene Fotoabzüge.
Ein Poster „Urban Artwalk Winterthur 2011“ mit Bilder von uns beiden.
Einige Direktdrucke auf Aludibond.
Mitausgestellt ist die Edition „Labyrinth“ von Jürgen Rinck (4 Kunstdrucke) und Stefan Folz (Text), geplant 2007, erschienen im September 2011 in der edition s beck, Homburg.

Herzklopfen

Ein bisschen ist mir zumute wie vor meiner ersten Lesung. Die erste Ausstellung! Okay, ich stelle nicht allein aus, dazu fehlt mir der Mut. Ich stehe in Irgendlinks Windschatten. Er hat zwei Drittel der Bilder kreiert. Ich bin Trittbrettfahrerin, sozusagen. Gast-Mitausstellerin. Dennoch. In dieser Ausstellung steckt so viel Herzblut. In all den kleinen Details. In der Werkliste. In den Bildbeschriftungen. Und natürlich ganz besonders in all meinen Bildern: Wie werden sie ankommen? Werden sie berühren? Werden sie verstanden?
Wie damals, als ich meine ersten Texte publiziert hatte, schlägt mein Herz laut.
Natürlich kreiere ich primär um des Prozesses willen, ich kann nicht anders. Doch ebenso natürlich ist die Hoffnung auf Resonanz. Selig die Künstlerin, die gänzlich frei von solchen Hoffnungen ist. Ich beneide sie unendlich.
Der neue Tag ist schon eine Stunde alt. Wir haben viel gearbeitet. Ein weiterer Abend im Atelier. Fast alles ist nun an seinem Ort. Kommt und seht! 🙂